Blauer Portugieser – mehr als nur Blau Macher?

Der Blauer Portugieser zählt eigentlich nicht zu den Stars der Rotwein-Szene. Laut Jancis Robinson in Wine Grapes stammt der Portugieser nicht aus Portugal sondern aus Österreich. Und dann bringt sie auch noch langweilige, säurearme, dünne Weine hervor. Umso erstaunlicher ist es, wenn man Weine findet, die nicht 3-5 sondern 30€ kosten. Da wird sofort mein Interesse geweckt und fleissig eingekauft um ein paar Flaschen aus dem privaten Weinkeller zu ergänzen.

1. Andreas Durst, Portugieser 2012, Pfalz, 13% Vol

Die Reben stammen aus einem angemieteten Weinberg, sind uralt und sogar wurzelecht. Minimale Eingriffe im Keller, leicht geschwefelt.

Eher ein hellerer Vertreter. Kirschbonbon, etwas Veilchen. Kräftigere Tannine und Säure. Verschließt sich etwas. Nach 30 Minuten Honig und Kirsche. Dann Kirsche, Minze, Hauch von Holz.

Nach 3 Stunden: Kirsche und etwas kräftigeres Veilchen. Etwas Sauerkische am Gaumen und geräucherter Fisch!

Am nächsten Tag: Frucht leichter: Kirschmarmelade, Veilchen, Vanille, Trockenkirsche im Nachgeschmack. Im Laufe des Tages wird der Wein saftiger, süffig.

Tag 3: Veilchen, Kirsche und geräucherte Fischhaut. Saftig mit Lakritzsüße.

Tag 4: Kirsche, Veilchen, künstliche Himbeere, saftig mit leichter Süße. Heute ist der beste Tag!

Tag 5: Saftig, weiterhin Kirsche, Veilchen. Etwas Vanille. Kirsche und Lakritze im Nachgeschmack.

Dieser Wein ist definitiv zu jung!!!

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Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

Table wine from table grapes – Lagasquaïre, Domaine de la Gasqui

This summer it was time again to visit our beloved Provence. It was hot so we decided to go for a new place, surrounded by flowing water: L’Isle sur la Sorgue.

This little town in the Vaucluse was built in a swampy area and gained fame from the drainage channels, leaving the nick name: Venice of Comtat.

L'Isle de la Sorgue

There are still some watermills to be found that have been used for a lot of different purposes in the history of the city. Milling, wool making…

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Today it’s more tourism and antique shops plus agriculture that influence the town.

There is a Campsite near l’Isle but also a winery that is taking part with France Passion , an organization allowing camper vans to stay one day with their members for free if you can produce this year’s vignette,

The winery Domaine de la Gasqui lies a bit outside of L’Isle sur la Sorgue and it is slightly elevated too. Taking the bicicle into town was an easy quarter of an hour, the way back took slightly longer and more muscle power as well…

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The camp site is a plane plain with some trees giving shade if one calculates the movement of the sun, between the winery and vineyards.

WoMo bei Gasqui

The first impression we had was from our little friend for the day…

Besuch bei Gasqui

The tasting itself, conducted by the senior winemaker started off slowly. There were on rosé, a white and 4 reds to be tasted but the white alerted my inner fossicker… A vin de France, no vintage and at 9€ not exactly a bargain. Asking about the wine Mr Feraud Senior got more talkative.

The white is a blend of table grape Gros Vert and the wine grape Ugni Blanc aka Trebbiano, not a real star variety… Both planted by his grandfather. The Gros Vert grapes are quite big and thick skinned with lots of seeds. Not really something looked for in table grapes at the moment. But then they were caught after because they could be kept until christmas time. He didn’t want to get rid of those plants so he decided to make this wine which he can only do legally because the vines are older than 25 years. Way older…

 

Hunt for Gros Vert

Our friend showed us the vineyard and Gros Vert vines. Which happened to be just the vineyard beside our camper van…

Gros Vert

But what did it taste like?

Honey, elderflower, rose water and a hint of grapefruit. Med bodied with balanced acidity and some more grapefruit on the palate. Maybe a little bit short but still a nice summer quaffer with a legacy behind it.

I hope that these vines keep on bearing fruit as it is quite unlikely that someone will plant them again. 25 years of not being able to make a wine with them, I don’t see anyone have either the patience or finances…

Chilling at Domaine la Gasqui

Tafelwein aus Tafeltrauben? Lagasquaïre, Domaine de la Gasqui

Diesen Sommer waren wir mit dem Wohnmobil in der Provence unterwegs und wollten in der Sommerhitze ein für uns neues Ziel ansteuern: L’Isle sur la Sorgue.

Diese Stadt die ursprünglich in einem Sumpfgebiet errichtet wurde ist berühmt für seine kleinen Kanäle, mit denen der Sumpf trocken gelegt wurde und deshalb als Venedig des Comtat bekannt.

L'Isle de la Sorgue

Auch gibt es noch einige funktionierende Wasserräder, die früher unter anderem für die Wollindustrie verwendet wurden,

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Heute ist hier aber hauptsächlich Tourismus und ein Handel mit Antiquitäten von Interesse.

Es gibt hier zwar einen Campingplatz in der Nähe der Stadt aber auch einen Winzer der bei France Passion teilnimmt.

Das Weingut Domaine de la Gasqui liegt etwas ausserhalb von L’Isle sur la Sorgue und auch etwas höher, was mit dem Fahrrad in die Stadt angenehme 15 Minuten dauert. Der Rückweg dafür dann etwas länger…

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Der Stellplatz ist eine große Wiese mit einigen Bäumen am Rand die Schatten spenden, wenn man den wanderden Sonnenstand mit berücksichtigt. Ansonsten ist der Platz relativ grade und steht zwischen dem Weingut und Weinberg.

WoMo bei Gasqui

Wir wurden direkt freundlich begrüßt. Nicht direkt vom Winzer sondern von einem anderen Familienmitglied.

Besuch bei Gasqui

Das Tasting beim Senior-Winzer fing erst ein wenig unterkühlt an. 1 Rosé, 1 Weisswein und 4 Rote gab es zu probieren. Der Weisswein fiel mir dabei sofort ins Auge. Vin de France, kein Jahrgang und mit 9€ auch nicht gerade billig. Darauf angesprochen taute Herr Feraud Senior direkt auf. Es handelt sich hierbei um Tafeltrauben der Sorte Gros Vert und Weintrauben der Sorte Uni Blanc die sein Großvater noch angepflanzt hatte. Gros Vert zeichnet sich durch eine dicke Schale und viele Kerne aus. Nicht das, was der Markt heutzutage sucht. Die dicke Schale war früher mehr gefragt, da diese Trauben bis nach Weihnachten gelagert werden konnten. Ausreissen und mit etwas anderem Pflanzen wollte er aber nicht, also nutzt er die Möglichkeit aus Tafeltrauben Wein zu erzeugen, wenn die Reben älter als 25 Jahre sind.

Hunt for Gros Vert

Wo diese Reben gepflanzt sind konnte uns der kleine Freund direkt zeigen. Auf dem Weinberg hinter dem Wohnmobil…

Gros Vert

Aber wie schmeckt er denn jetzt?

Honig, Holunderblüte, Rosenwasser und etwas Grapefruit. Relativ voll mit ausgleichender Säure und noch mehr Grapefruit am Gaumen. Vielleicht etwas kurz aber sehr erfrischend.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Reben noch lange Frucht tragen da es unwahrscheinlich ist, dass neue Reben von Gros Vert gepflanzt werden. 25 Jahre ohne Einnahmen kann sich wohl kein Winzer leisten.

Chilling at Domaine la Gasqui

100 Jahre Scheurebe

Nach dem Rebenblut schon letztes Jahr 99 Jahre Scheurebe gefeiert hat, gibt es heute eine kleine Auswahl an unterschiedlichsten Scheureben aus deutschen Landen.

Der erste Vertreter, aus Franken, ein handgelesener trockener Wein von der Weininsel im Main. Weinberg mit südliche Ausrichtung. Der Winzer, Otmar Zang, ist vor allem auch für seinen Alten Satz bekannt, ein Wein aus dem ältesten Weinberg Frankens von 1835.

Otmar Zang Scheurebe

In der Nase: Grapefruit, Bananenkaugummi, Holunderblüte, Jackfruit,  Mirabelle und eine Note von künstlicher Wildkirsche.

Relativ voll mit ausbalancierter Säure und leichter Süße. Lange Bitterste mit künstlicher Wildkirsche im Nachgeschmack.

Am zweiten Tag: Holunderblüte, Guave und Grapefruit.

Insgesamt ein fruchtig erfrischender Vertreter, leider ist für mich persönlich diese künstliche Wildkirsche mit unangenehmen Erinnerungen verbunden.

 

Die zweite Scheurebe, ein Sekt aus der Pfalz vom Wein – und Sektgut Kissel aus der Pfalz. Neben den klassischen Champagner-Reben und Riesling versektet dieses Weingut auch Scheurebe und Sauvignon Blanc. Dieses Exemplar von 2007 lag 5 Jahre auf der Hefe.

Kissel Scheurebe Sekt

Auch hier erstmal die Grapefruit, etwas Lakritze, dunkles Bauernbrot, etwas Schwarze Johannisbeeren-Konfitüre.

Im Mund feine Perlage, ziemlich voll, leichtes Bitter. Schwarze Johannisbeere. Ich vermisse etwas an Säure. Langer Nachgeschmack von frischer Lychee und Grapefruit.

Am zweiten Tag etwas Löwenzahn samt Bitternote im Mund.

Meine erste Erfahrung mit einem Scheurebe-Sekt und hoffentlich nicht die letzte.

 

Der dritte Vertreter der Runde, ein Kabinett vom Weingut Geil in Buchheim, Rheinhessen. Jahrgang 2013.

 

Geil Scheurebe Kabinett

In der Nase sehr dezent: etwas Grapefruit und Holunderblüte.

Am Gaumen Wehrsekret eines Marienkäfers… Deutlich wahrnehmbare Restsüße, relativ voll, dabei aber auch weich/wässrig wenn das irgendwie Sinn ergibt. Säure ist relativ niedrig. Lychee aus der Dose im Nachgeschmack.

Der zweite Tag überrascht mit einem leichten Duft von Riesling, Pilz, Honig. Insgesamt erinnert er mich an diesen Tag an einen Chenin Blanc von der Loire von einem nassen Jahrgang.

Hatte mich nicht richtig überzeugen können, vielleicht war er für meinen Geschmack auch nur einfach zu jung.

 

Der vierte Wein kommt von der Mosel, vom Weingut Franz-Josef Eifel, aus der berühmten Lage Trittenheimer Altärchen. Dies ist die erste Scheurebe von der Mosel die ich bisher gesehen habe.

Eifel Scheurebe

Auch dieser Wein startet eher leicht in der Nase: Zitrus wie Limette und Grapefruit, ein Hauch von Holunderblüte. Später Flieder und weisse Schokolade. Am Gaumen eine lebhafte Säure mit einer leichten Süße, lange Grapefruit die sich in Amerikanische Fanta Weintraube umwandelt.

Am nächsten Tag: Limette, Grapefruit mit dunklem Brot und Honig im Nachgeschmack.

Dieser Wein hat mich mit seiner Säure und Mineralik überzeugt, ich bin auf andere Jahrgänge gespannt.

 

Der letzte Wein dieser Reihe ist vom VDP Weingut Kruger-Rumpf an der Nahe, eine Spätlese Jahrgang 2013.

Kruger-Rumpf Scheurebe

In der Nase: Bananen-Kaugummi, reife weiße Grapefruit, Birne.

Eine schöne Balance von Säure und Süße, mit einem leichten Prickeln auf der Zunge und Bananen-Kaugummi am Gaumen. Holunderblüte im Nachgeschmack.

Am nächsten Tag etwas Ananas, Birne und Mirabelle.

Bei diesem Wein hatte ich etwas mehr Komplexität erwartet. Vielleicht war er aber auch nur einfach zu jung. Da hätte ich wohl noch den dritten Tag abwarten müssen, aber da war die Flasche leider schon leer. Nicht komplex aber süffig…

 

2011 Domaine des Ardoisières, Argile Blanc, VdP des Allobroges

Was macht ein Sushi-Koch an seinem freien Tag? Er kocht. Aber nicht irgendwas, sondern Fisch. In diesem Fall ein paar kleine Flussbarsche aus dem Rhein, weiter südlich Richtung Schweizer Grenze auch als Egli bekannt.

Egli

Bis auf das Entschuppen, ist es der selbe Aufwand einen kleinen Fisch von 40g zu filetieren wie einen großen Verwandten, einen 2 Kilo Meerbarsch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass man mehr als einen Flussbarsch brauch um satt zu werden, während der Meerbarsch je nach Größe auch für mehrere Portionen reicht.

Eglifilet

Zum Fisch passt natürlich am Besten ein feiner Weißwein, den ich vorher probiert habe um die entsprechenden Beilagen darauf abzustimmen. (Der Wein ist so wie er ist, das Essen ist so flexibel wie der Koch)

Das Weingut, Domaine des Ardoisières wurde 1997 mit der Neupflanzung von alten Rebsorten auf alten, vor langer Zeit aufgegebenen Weinbergen begonnen. Biodynamisch geführt wachsen hier auf steilen, zum Teil terrassierten Hängen Chardonnay, Jacquere, Altesse, Mondeuse Blanche und Malvoisie (entweder Pinot Gris oder Frühroter Veltliner) in Weiß sowie die roten Rebsorten Mondeuse und Persan. Die Weinberge liegen zwar in den Savoyen, sind aber nicht Teil des AOC Vin de Savoie. Aus diesem Grunde dürfen die Weine nur als IGP Vin des Allobroges, also als Wein der Allobroger, einem alten keltischen Stamm, die in dieser Gegend wohnten, verkauft werden.

Die Cuvée Argile Blanc ist ein Mix von 40% Jacquere, 40% Chardonnay und 20% Mondeuse Blanche, einer fast ausgestorbenen Rebsorte mit kräftiger Säure.  Teils in alten Holzfässern, Teils in Stahl ausgebaut. Laut Weingut am Besten innerhalb von 5 Jahren zu trinken, also höchste Eisenbahn…

 

In der Nase: feiner Apfel, Gänseblümchen, Kreide, etwas Birne.

Am Gaumen relativ voll für einen Alpen-Wein. Kräftige Säure und leichter Bitterton, eine Kombination die eine gewisse Spannung im Mund erzeugt. Kräutrig, apfeliger Geschmack.

Im langen Nachgeschmack dann zuerst Süßholz und Apfel, dann ein leichter Pilzton gefolgt von einer leicht oxidativ nussigen Note.

Das ganze bei leichten 12% abv.

Kurzer Blick in den Kühlschrank und die Speisekammer, und das Gericht steht…

Natürlich gibt es dazu keinen Reis, sondern Kartoffeln. Von der Sorte Ratte de Touquet, eine festkochende, alte, französische Varietät.

La Ratte

Dank ihrer eigenwilligen Form leicht zu erkennen aber dafür schwer zu schälen, also genau das Richtige, um Entspannung zu finden…

Dazu ein leicht in Butter angedünstetes Fenchelgemüse und mit etwas Jungknoblauch sautierten Shiitake-Pilz.

Die Egli-Filets vor dem Braten noch in Verte du Puy-Linsenmehl gewendet, für eine nussige Note und etwas Extra Crunch.

FarineLentil

Noch etwas Petersilie an Kartoffeln und Pilze, die Filets in Butter und Öl mit der Hautseite zuerst kross gebraten. Wichtig hier: das Linsenmehl muss durchgaren, darf nicht roh schmecken.

LePairing

 

Preparing for Christmas : Cremisan Winery Baladi 2010 from Bethlehem

The days are getting colder, nights longer and the first signs of snow have been found in Germany. Even the supermarkets are getting ready with chocolate Santa Clauses and Lebkuchen. It’s time to get prepared at least mentally so why not pop open a bottle from the holy city of Bethlehem, made by monks and used to finance a school for adults with the profits?
A wine like this Baladi 2010 from Cremisan.

BaladiBack

The grape variety Baladi is still quite an enigma. According to Wine Grapes, J. Robinson et al it is the same grape as Cayetana Blanca from Spain but a superficial look at the colour makes it clear that these two here are not the same.
Even studying the Dictionnaire Encyclopédique des Cépages, Pierre Galet shows 6 different Baladis, all of which are white grape varieties. Three of them call Spain their home while the other three are grown in the Near East. The latter variants are supplied with a translation too: le raisin de mon pays, or grape of my country.

The Nose: Sweet, ripe blackberries, violets, peony, light meat stew and stronger fresh figs.

Med Body with juicy acidity and lkight tannins. Easy drinkinjg with light blackberry, tobacco and fresh fig palate, dried fig and tobacco aftertaste.

 

Drink now or wait till next year Christmas!nbsp;

Wein-Nachten naht… Langsames Einstimmen mit Wein aus Bethlehem

Die Tage werden kälter, erster Schnee ist in Deutschland schon gefallen. Auch gibt es endlich wieder Zimtsterne und Lebkuchen in den Supermärkten. Höchste Zeit also, sich auf das heilige Fest einzustimmen. Womit sollte das besser gehn, wenn nicht mit einem Wein aus der heiligen Stadt, von Mönchen geschaffen und uneigennützig für den Unterhalt einer Berufsschule genutzt.

Wie zum Beispiel dem Baladi 2010 von Cremisan.

BaladiBack

Die Rebsorte Baladi selbst gibt ein paar Rätsel auf, im Wine Grapes von J. Robinson et al wird sie mit Cayetana Blanca gleichgesetzt, wobei es sich schon von der Farbe her um andere Rebsorten handeln muss.

Ein Blick in das Mammut-Werk, Dictionnaire Encyclopédique des Cépages, Pierre Galet lässt 6 verschiedene Baladi-Varianten auftauchen, alle Weiß. Drei aus Spanien, drei aus dem Nahen Osten. Bei letzteren wird eine Übersetzung mitgeliefert: le raisin de mon pays, oder Rebe aus meinem Land.

In der Nase: Süße, reife Brombeere, Veilchen, Pfingstrose, leichte Note von Wildragout and kräftigere frische Feige.

Süffig mit angenehmer Säure und leichten Tanninen. Leichte Brombeere, Tabak und frische Feige am Gaumen.

Nachgeschmack von getrockneter Feige und Tabak.

 

Jetzt trinken oder bis nächstes Jahr Weihnachten warten.

 

Welsh Sparkling? Ancre Hill Estate Blanc de Noirs 2010

One might have heard about the great quality of English sparkling wine or even tried some. The English are not shy about promoting their own product often bringing in a comparison to Champagne. There is the terroir (just think of the white chalk cliffs of Dover) and similar sunshine hours. Only rainfall is higher than on the other side of the channel.
Wales and its 12 wineries cannot compete in quantity with Englands 123. The majority of those are to be found in the south-east of Wales, just like Ancre Hill Estate in Monmouth. The first vines were planted in 2006. Biodynamic principles were introduced in 2011 (too late for this sparkling here). Certified organic since 2012 and Demeter certified since 2013 making this one of only two biodynamic wineries in the UK.

The 2010 Blanc de Noirs is a varietal Pinot Noir, vinified in stainless steel tanks, then 24 months on the lees in the bottle with another 6 months bottle ageing after degorging to let the wine settle before expedition.

The capsule is quite simple, a neutral one with a paper logo sticker. A little disappointment for Champagne capsule collectors.

Ancre Hill Capsule

To make up for the capsule the nose convinces with apple, buttery brioche, vanilla and a touch of aniseed.

Fine bubbles combined with lively acidity, flowery, honey and pear palate.

A long and interesting salty liquorice finish with bruised heritage apple aftertaste ending on apple kernel with seeds.

A great sparkling wine as an aperitiv, with 11.5% Vol one can even have half a glass extra.

Schaumwein aus Wales? Ancre Hill Estate Blanc de Noirs 2010

Dass die Engländer gute Schaumweine produzieren, mag man schon mal gehört haben. Einige vielleicht auch schon selbst versucht. Die Engländer selbst sind auf jedenfall fleissig dabei, ihre Produkte anzupreisen. Ein ähnliches Terroir wie in der Champagne mit den tiefen Kalkböden (man denke an die weissen Klippen von Dover) bei vergleichbaren Sonnenstunden. Nur, da kommt der Engländer leider nicht drum herum dies zu bestätigen, mit einem etwas höheren Regenfall.
123 Weingüter in England stehen 12 in Wales gegenüber.  Die meisten von diesen im Südosten von Wales, wie auch das Ancre Hill Estate aus Monmouth. Die ersten Rebstöcke wurden hier 2006 gepflanzt, seit 2011 wird biodynamischer Weinbau betrieben. Organisch zertifiziert seit 2012 und das begehrte Demeter-Siegel seit 2013. Damit ist Ancre Hill Estate eins von zwei biodynamischen Weingütern im Vereinigten Königreich.

Der Blanc de Noirs 2010 wurde aus 100% Pinot Noir Trauben gewonnen. Ausbau im Stahltank. 24 Monate Flaschenreife vor dem Degorgieren und weitere 6 Monate vor der ersten Auslieferung.

Die Kapsel ist leider etwas einfach gehalten, eine neutrale Kapsel mit einem aufgeklebten Logo. Eine kleine Enttäuschung für Kapselsammler.

Ancre Hill Capsule

In der Nase versöhnt er dafür mit Apfel, buttrige Brioche, Vanille und leichtem Anis.

Feine Perlage mit lebhafter Säure, blumig, etwas Brioche und Honig mit Birne am Gaumen.

Ein interessanter, langer Salz-Laktritz Abgang und Nachgeschmack von Herbst unter dem alten Apfelbaum mit einem Biss ins Apfelkerngehäuse zum Schluss.

Ein guter Wein zum Aperitif, mit 11.5% Vol kann man auch noch ein halbes Glas mehr trinken.