1969 Zierfandler naturrein, Burgenland, Mühlensiepen

Heute gibt es mal wieder einen „Gerade-noch-so-Survivor“, dazu aber auch wieder erst später.

Nach dem letzten „Gerade-noch-so-Survivor“ ( wir erinnern uns, der 2007er Rotgipfler mit defekter Kapsel) gab es heute Abend seinen besten Kumpel, den Zierfandler. Diesmal allerdings nicht aus der Thermenregion sondern dem Burgenland, einem großen Weinbaugebiet im Osten Österreichs. Der Jahrgang 1969 gehört mit zu den Top-Jahrgängen des letzten Jahrhunderts, deshalb hatte ich ein wenig Hoffnung, als ich die Flasche vom Keller in die Kühlung stellte. Was gegen ihn sprach war die Tatsache, dass der Burgenländer höchstwahrscheinlich im Tanklastzug von Österreich nach Deutschland (Traben-Trarbach) gekarrt wurde, um dort dann von der Weingroßkellerei Mühlensiepen auf Flasche gezogen zu werden.
Der Füllstand war mit 2 cm unter Korken für so einen alten Wein noch exzellent. Nach dem Durchtrennen der Bleikapsel musste erst mal der Korken gesäubert werden. Eine leichte Schicht organische Masse bedeckte den Korken und hielt ihn auch am Flaschenhals fest, wie ich beim ersten Versuch, den Korkenzieher in den Korken zu Bohren feststellen musste. Der Korken sackte nach unten; Versuche, den Korken mit Vakuum wieder hochzuholen, schlugen fehl, also musste trotz ungünstiger Lage doch noch versucht werden, ihn mit der Spirale herauszuholen. Dies ist mir dann auch gelungen, nicht in einem Stück, dafür war er schön durchnässt und bröselig. Am Korkenende zeigte sich eine leichte Schicht Weinstein.
Dann den Wein schnell ins Glas um die orange Farbe zu bewundern, wobei er auf dem Foto schon Richtung braun tendiert.
Ein leichter Muff, frisch aus dem Kühlschrank geholt, machte keinen Apettit, ging aber relativ schnell vorbei, um dann einem leichten Honig-Duft Platz zu machen. Es folgte der Duft von frisch kochenden Stangenbohnen und Esskastanien. Danach dann kräftiger Duft von getrockneten Früchten, hauptsächlich Rosinen und Feigen, leichter Zimt und gemahlener Koriandersamen. Im Mund zeigte er sich voll, leichte Säure mit dezenter Süße (Richtung Spätlese) die aber von einem Bitterton begleitet wurde. Leichte Trockenfrüchte, überreife Orangen, von der Aromatik jetzt eher kurz gehalten.
Nach 10 Minuten war der Spaß dann leider vorbei, jetzt schmeckte er nur noch muffig. Deshalb ein „Gerade-noch-so-Survivor“, aber auf jeden Fall die Erfahrung wert.

pH: 3.20
Brix: 8.1
Alkohol: Geschätzte 13 % Vol

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.