1994 Comte Lafond, Sancerre Grande Cuvée Rouge, Gläser Battle

Die durchschnittlich teuersten Rotweine der Loire kommen wohl aus Sancerre. Nicht unbedingt, weil hier die besten Rotweintrauben wachsen, vielleicht eher weil der Weißwein zu dominant und nachgefragt ist. Rebsorten sind relativ einfach: Nur Pinot Noir ist hier beim Rotwein zugelassen. Wobei wahrscheinlich auch die Nähe zum Burgund eine Rolle spielen mag. So sind die nächsten Weinbauorte im Burgund mit Vezelay und Saint Bris le Vineux (Sauvignon Blanc!) nur knapp 1.5 Autostunden entfernt.

Der Winzer de Ladoucette, war einer der großen Vorreiter der Appellation Pouilly-Fumé, die diesen Wein auf die önologische Weltkarte setzten und der dann mit dem finanziellen Erfolg auch fleißig expandieren konnte. So besitzt er heute Weingüter in der Provence, dem Burgund, der Champagne und weitere an der Loire.

Dass unter solch einer Expansion leider auch die Qualität leiden kann, mag der Grund sein, warum ich seine Weine weder im „Les meilleurs Vins de France“  noch im „Bettanes & Desseauve“ gefunden habe. In „Loire, Meisterwerke der Natur“ von James Turnbull, 2000 (eine Auflistung der besten 90 Weine der Loire) ist ihm eine eigene Seite gewidmet.

Der heutige Wein stammt aus dem Jahre 1994 und könnte somit noch zur Aufnahme in die besten Weingüter der Loire beigetragen haben.

Laut Jim’s Loire Blog war 1994 ein schwieriges Jahr für Rot und Trocken-Weiß, in dem die Winzer mit Feuchtigkeit und entsprechender Fäule zu kämpfen hatten. Mal sehen was Herr de Ladoucette da noch in seine Fässer packen konnte.

Das Erste was auffällt, ist der extrem schmale Korken. Durchmesser 1,6 cm.

Im Glas erinnert die Farbe an selbst eingekochten Himbeersaft.

In der Nase zuerst Hefe-Vollkornbrot, danach noch rohes Wildschwein in Rotweinmarinade und reife Kirschen. Die Kirschen werden stärker, aber das WIldschwein bleibt grunzend im Hintergrund, später gesellt sich noch Himbeere dazu.

Im Mund leicht, gute Säure. Tannine sind da, kommen aber erst nach der Säure durch und sind auch schon sehr zahm. Die Aromen im Mund setzen jetzt kräftige Kirsche mit hohem Schalenanteil frei.

Das ganze habe ich in einem Glas vom Marché aux Vins der Confrerie der Saint Peray probiert. Bei anderen Gläsern sieht das Aroma und der Geschmack etwas anders aus.

von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray
von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray

Im Schott-Glas wirkt der Wildton stärker, der Wein schmeckt etwas bitterer.

Im ISO-Glas finde ich den Vollkorncharacter kräftiger, allgemein aber die Aromen weniger klar.

Im diVino Burgunder-Glas kommt der Wein alkoholischer und süßer rüber, WIld wird schwächer, Kirsche feiner aber auch schwächer.

Gewinner : St-Peray gefolgt vom Burgunder-Glas

So wie es aussieht, hätte der Wein noch etwas länger lagern können, es waren noch genug Tannine da, auch die Frucht noch sehr präsent. Leider war das die letzte Flasche…

pH: 3.22

Brix: 8.1

Alkohol: Angenehme 12.5% Vol

Das waren noch Zeiten, als ein guter Rotwein mit 12-12.5% Vol ausgekommen ist.

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