1998 Languedoc Battle: Prieure de Saint-Jean de Bebian vs Puech-Haut Tête de Cuvée

Der Jahrgang 1998 gilt im Languedoc als der beste des letzten Jahrhunderts. Es gab zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall genug Winzer, die mit ihren Qualitätsansprüchen diesen Punkt unterstreichen konnten. Zwei davon treten heute zu einem Battle an: Die Top-Cuvées von Prieure de Saint-Jean de Bebian und Château Puech-Haut mit der Tête de Cuvée.
Prieure de Saint-Jean de Bebian legt besonderen Wert auf gutes Pflanzenmaterial und hat sich deshalb Ableger von verschiedenen Top-Weingütern besorgt: Syrah von Chave und Beaucastel, Mourvedre von der Domaine Tempier in Bandol, Grenache und eine komplette Parzelle mit den restlichen zugelassenen Rebsorten für Châteauneuf-du-Pape vom Château Rayas. Etwas Cabernet wächst dort auch noch.
Château Puech-Haut belässt es einfach: Grenache, Syrah und alter Carignan, die klassischen Languedoc-Reben.
Beide Weine habe ich in einem Weinfachgeschäft in Lille erstanden, als ich dort noch gelebt habe. Das Au Gré du Vin in der Rue Péterinck 20 in der Altstadt wurde im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil meines sonntäglichen Rituals. Erst zum Marktplatz am Place du Concert mit den leckeren Poulet Rôties und Saucissons secs, danach ins Au Gré du Vin. Die Auswahl der Weine war auf den Südwesten Frankreichs und Languedoc-Roussillon „beschränkt“, für mich damals alles noch böhmische Dörfer aber ich wurde vom Besitzer Paul Sirvent immer gut beraten.

Im hinteren Teil des Ladens gibt es auch noch eine kleine Weinbar, die ich zu meiner Schande nie aufgesucht habe… Sonntags nach dem Markt war es da immer sehr voll.

Flaschen auf und eingegossen: Sehr dunkel, der Bebian noch mehr als der Puech-Haut. Ich denke, das wird ein langer Kampf.

Die Maße:

Puech-Haut:

pH: 3.23

Brix: 7.7

Alkohol: 13.5

Bebian:

pH: 3.30

Brix: 7.8

Alkohol: 14 % Vol

1. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, dann leichtes Sauerkraut. Erste Reaktion: ein leichtes Zusammenzucken, dann aber schnell Hefe-Vollkornbrot mit Pflaumenmus. Relativ voll, leichte Säurewelle, gefolgt von seichten Tanninausläufern. Im Mund Pflaumenmus, gefolgt von Pflaumenschale und etwas pfeffrigem Olivenöl.

Bebian: Zuerst leichte flüchtige Säure, dahinter versteckt sich rote Grütze mit Brombeere, Kirsche, Vanille, leichte Pflaume, dazu dunkler Dinkelstreusel mit schwarzem Pfeffer. Im Mund zuerst Alkohol (immerhin 14% Vol), dann Säurepfeil hinter dem ein schmaler, roter Tannin-Teppich ausgerollt wird. Brombeere und Kirsche im Nachgeschmack.

Dekantieren von Glas zu Glas:

Puech-Haut: Sojasauce wird stärker, kombiniert zwar mit Pflaumenmus, die Frucht wird aber vom Oxi-Ton bedrängt. Im Mund verliert sich die Sojasauce, die Pflaume wird schwächer und tendiert von Mus eher hin zur Rohware.

Bebian: Lecker süße Brombeerfruchtschnitten aus dem Bioladen mit hohem Anteil an gerösteten Haselnüssen und etwas Kakao, reife Kirsche. Die Säure kommt nicht mehr so stark rüber, dafür ist der Tannin-Teppich jetzt breiter, mit bitterer Kirschhaut und endet mit Zwetschgen.

Tag 1, klarer Punkt für Bebian.

2. Tag

Puech-Haut: Nuss (geröstete Mandel), Pflaume, Sojasauce, Brombeere. Im Mund Pflaumensaft mit leichter Brombeere, Nachgeschmack von weißem Pfeffer und Zwetschge.

Bebian: Kiefer, Brombeere, geröstete Haselnuss, Kakao, undurchdringlich, dunkler Wald.

Tag 2: Puech Haut kann ausgleichen

3. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, leichter Port. Tannine kaum da. Puech schmeisst das Handtuch in den Ring.

Bebian: Immer noch kräftige Tannine, Frucht nicht mehr klar definiert. Erinnert momentan eher an einen jungen, kräftigen Côtes du Rhône. Im Nachgeschmack etwas krautig (Rosmarin & Salbei) bei leichter Pflaume.

4. Tag

Bebian: Brombeere, frisch gemahlener Kaffee, Kirsche

5. Tag

Bebian: Gemahlener Kaffee, Kirsche, leichtes Leder, Pflaumennachgeschmack.

6. Tag

Bebian: Saftige Kirsche & Espresso. Schokolade, Vanille, leichter Tabak. Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee. Im Mund kräftige Kirsche, etwas Schokolade, leichte frische Minze im Nachgeschmack.

7. Tag

Bebian: Leichte Oxi-Note. Kirsche abgeschwächt. Etwas rohes Rind. Im Mund etwas Vollkornbrot, Leder, noch immer kräftige Tannine.

Klarer Gesamtsieg für den Bebian. Der zeigt sich jetzt noch mit Potential für weitere Jahre, während der Puech-Haut vielleicht vor 2 bis 3 Jahren besser gewesen wäre.

 

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