2011 Cuvée du Cardinal François de Joyeuse – Vignerons de Cevenole

Eine meiner großen Leidenschaften neben Wein sind Esskastanien oder Maronen. Das berühmteste Gebiet dafür in Frankreich ist die Ardeche, wo ich im Urlaub auch ein paar interessante Tage verbracht habe ( z.B. mit dem Pinot Noir von Thierry Doulmet). In dem süßen Städtchen Joyeuse gibt es auch ein Museum für diese einfache Köstlichkeit. Was aber für diesen Blog viel relevanter ist, ist die Tatsache, dass direkt neben Joyeuse das nicht ganz so reizvolle Rosieres liegt, welches aber eine Kooperative beheimatet, die sich sehr für die autochtone Rebsorte Chatus einsetzt. Was lag also näher, als diese aufzusuchen. Neben der Cuvée Monnaie d’Or mit 10-120 Jahre alten Chatus-Reben gibt es auch noch die Cuvée Ducs de Joyeuse, von jungem Chatus. Und eine Cuvée du Cardinal François de Joyeuse, ein Weißwein ohne Angabe von Herkunft oder Rebsorte, nur der Jahrgang wurde angegeben. Das hat natürlich mein Interesse geweckt und ein Karton musste her (bei Abnahme von 6 Flaschen 4.25€, sonst 4.70€). Auf der Homepage der Kooperative steht nur, dass es sich um eine alte Rebsorte aus der Ardeche handelt, kein Name, keine weiteren Informationen. Das hat mich dann erstmal irritiert. Handelt es sich da etwa um eine Rebsorte, die nicht genannt werden darf, weil sie als Rebsorte für den Weinanbau nicht zugelassen ist (Vielen Dank an die EU und die geraden Gurken, an dieser Stelle)? In Pierre Galets „Dictionnaire Encyclopedique des Cépages“ wird die Raisaine erwähnt, eine Tafeltraube aus der Ardeche, die vor allem in der Gegend von Aubenas, Privas und Joyeuse angebaut wird. Vielleicht ist das ein erster Anhaltspunkt. In Wine Grapes von Jancis Robinson et al. wird die Rebe garnicht erwähnt. Die weitere Suche im Internet bringt nur einen Blog-Eintrag vom 20.9.2009 von Fabrice Brun, einem Blogger aus der Ardeche, hervor. Hier wird endlich die Rebsorte Raisaine genannt, seine Quelle nennt Fabrice aber nicht. Wenn der Wein jetzt auch noch schmecken würde…

In der Nase zuerst leichter, gekochter Apfel, danach Birne, die in der Nase immer reifer wird. Dezente Rosine, danach kräftiges Birnenkompott, dazu später etwas Petersilie, später dann auch pain d’epice.

Der erste Schluck zeigt sich voll, fast breit, mit eher geringer Säure aber einem angenehmen Bitterton. Relativ langer Pfefferton gefolgt von getrockneter Birne mit hohem Schalenanteil. Erinnert im Nachgeschmack an einen australischen, im Eichenfaß ausgebauten Chardonnay, obwohl der Wein laut Homepage keine Eiche gesehen hat.

Sehr beeindruckend, mal sehen, wie der Wein noch reifen wird.

Raritätsskala 95%

pH: 3.31

Brix: 7.1

Alkohol: 13% Vol

4 Gedanken zu „2011 Cuvée du Cardinal François de Joyeuse – Vignerons de Cevenole“

  1. Schau, ich habe das hier gefunden (was aber auch nicht viel ist): http://lescepages.free.fr/raisaine.html

    Es kann übrigens auch sein, dass der Wein aus einer Hybridrebsorte stammt, davon soll es in Zentralfrankreich (und ich zähle das Ardèchegebiet jetzt einfach mal dazu) immer noch einige in alten Anlagen geben. Ein Weinhändler in Aubenas hatte mir mal gesagt, dass die Leute solche Sorten privat noch keltern würden; sie dürften die Weine bloß nicht in den Verkauf bringen (anders als beim Uhudler, den die Österreicher soweit ich weiß erfolgreich als Kulturgut haben registrieren lassen).

  2. Hi Matze, Hybrid-Sorte ist nicht wahrscheinlich, da es ja keine „anciene cepage“ ist. Auch die Region Joyeuse spricht eher für Raisaine. Fabrice Brun spricht auch direkt die Raisaine an, wenn er seinen Blog schreibt. Vielleicht haben die von der Kooperative das damals noch drauf gedruckt und wurden dann böse abgemahnt… Böse Welt da draußen.
    Es gibt da in Frankreich einen interessanten Versandhändler „Vins Etonnants“, bei dem kann man offiziell Hybridreben-Weine beziehen. Unter anderem.

  3. Ach ja, deinen Link habe ich auch schon gefunden, gibt nicht sehr viel über die Raisaine im Internet. Das muß sich aber bald ändern. 4 Flaschen habe ich noch da. da kann ich im Jahresabstand mal eine öffnen.

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