Blauer Portugieser – mehr als nur Blau Macher?

Der Blauer Portugieser zählt eigentlich nicht zu den Stars der Rotwein-Szene. Laut Jancis Robinson in Wine Grapes stammt der Portugieser nicht aus Portugal sondern aus Österreich. Und dann bringt sie auch noch langweilige, säurearme, dünne Weine hervor. Umso erstaunlicher ist es, wenn man Weine findet, die nicht 3-5 sondern 30€ kosten. Da wird sofort mein Interesse geweckt und fleissig eingekauft um ein paar Flaschen aus dem privaten Weinkeller zu ergänzen.

1. Andreas Durst, Portugieser 2012, Pfalz, 13% Vol

Die Reben stammen aus einem angemieteten Weinberg, sind uralt und sogar wurzelecht. Minimale Eingriffe im Keller, leicht geschwefelt.

Eher ein hellerer Vertreter. Kirschbonbon, etwas Veilchen. Kräftigere Tannine und Säure. Verschließt sich etwas. Nach 30 Minuten Honig und Kirsche. Dann Kirsche, Minze, Hauch von Holz.

Nach 3 Stunden: Kirsche und etwas kräftigeres Veilchen. Etwas Sauerkische am Gaumen und geräucherter Fisch!

Am nächsten Tag: Frucht leichter: Kirschmarmelade, Veilchen, Vanille, Trockenkirsche im Nachgeschmack. Im Laufe des Tages wird der Wein saftiger, süffig.

Tag 3: Veilchen, Kirsche und geräucherte Fischhaut. Saftig mit Lakritzsüße.

Tag 4: Kirsche, Veilchen, künstliche Himbeere, saftig mit leichter Süße. Heute ist der beste Tag!

Tag 5: Saftig, weiterhin Kirsche, Veilchen. Etwas Vanille. Kirsche und Lakritze im Nachgeschmack.

Dieser Wein ist definitiv zu jung!!!

2. Aßmuth, Portugieser 2012, Pfalz, 14% Vol

Schon um einiges dunkler. Brombeere, Vanille, Holz. Nach 20 Minuten: Kirschjoghurt und Karamell. Relativ voll, weich mit den kräftigsten Tanninen der Probe. Weitere 20 Minuten später verschließt sich der Wein.

1 Stunde: Holz kräftiger, Frucht tritt zurück nur um 2 Stunden später wieder kräftig zurück zu kommen. Die Kombination von Frucht und Karamell erinnert stark an Cinsaut.

24 Stunden: Frucht etwas reduzierter aber auch komplexer: Kirschjoghurt, Nougat, Blaubeeren, Karamell und Zuchtblaubeeren im Nachgeschmack. Rund im Mund, Jetzt gefällt er mir am Besten.

48 Stunden: Baut ab. Nur noch weinig mit bitterem Abgang.

72 Stunden: Keine Frucht. Tannine kommen kräftiger durch…

3. Rings, Portugieser Réserve 2012,  Pfalz, 13.5% Vol

Weinberg von 1934, der Wein unfiltriert.

Von der Farbe noch etwas dunkler als der Wein von Aßmuth.

Himbeerbonbon, Kirsche, leichtes Holz. Verschließt sich schnell, Eiche wird etwas kräftiger. Bitternote kommt hinzu. Nach 40 Minuten gibt es gegrillte Bratwurst, etwas breiter aber weniger Frucht. Stunde 3 kommt mit Lakritze im Nachgeschmack, eine Stunde später gibt es etwas Asche, kaum noch Frucht.

Einen Tag später gefällt er mir am besten: Waldfrucht, geröstete Nüsse, leichter Schimmel, weich, süß, Kräuter am Gaumen, Lakritze im Nachgeschmack.

Danach baut der Wein leider ab: Tannine kommen stärker raus, Frucht baut sehr stark ab.

 

4. Weingut Thürkind, Blauer Portugieser trocken im Barrique gereift 2012, Gröster Steinberg Saale-Unstrut, 12.5% Vol

Ein einziges Exemplar aus dem Osten Deutschlands.

Kräftiges, würziges Holz, Rosmarin, Kirsche, Vanille. Weich, kaum Tannine, süffig mit balancierter Säure und Holz am Gaumen. Nach 30 Minuten: reife Orange, Holz, etwas Kirsche, Holz weiter dominant am Gaumen, Hauch von Menthol.

In der zweiten Stunde kommt das Holz etwas nach vorne, in der 5. : Orange, Limette, Fichte und Blaubeeren. Am zweiten Tag dann Holz, Kakao, Orange, einen Tag später baut Holz etwas in der Nase ab, am Gaumen weiter präsent. Am 4. Tag überreife Orange, Fichte, im Mund kräftiges Holz.

Der 5. Tag wird interessant mit Fichte, Orange, Räucherfisch, geraspelte Möhre, kräftiges Holz am Gaumen und im Nachgeschmack.

5. Schneider, Einzelstück Portugieser 2011, Pfalz, 14% Vol

Die Reben wurden um 1920 gepflanzt und ergeben in diesem Fall den dunkelsten Wein der Probe.

Holz, gekochte Brombeere, Hauch von Brett, Brot, Tomatillo. Erinnert an einen guten Ahr-Spätburgunder. Relativ kräftige Tannine im Vergleich zu den anderen Weinen, leichter Bitterton, Holz am Abgang. Kaum Veränderung am ersten Tag.

Dann etwas ausgewogener, Schokoladenkuchen, Brombeer & Kirsche, dunkles Brot. Wieder einen Tag später : rauchige rote Frucht, Schokolade, richtig Rauchig im Mund, hier gefällt er mir am Besten.

Tag 4: Kirsche, Cassis, gute Süße, Lakritze im Nachgeschmack. Erinnert nicht mehr an Spätburgunder.

Tag 5: Milchschokolade, Kirsche, Süße. Kirsche und Rauch im Nachgeschmack.

6. Quantum Winery & Christoph Bauer, Der Herr Baumann 2015, Wein aus Österreich, 11% Vol

Der jüngste Wein mit wahrscheinlich auch den jüngsten Reben (ca 30 Jahre). Stahltank, gebrauchtes Barrique, ungefiltert, und mit den Füssen eingemaischt, dabei auch nur sehr leicht geschwefelt, kurz vor der Abfüllung…

Fruchtbombe im Glas: Kirsche, Himbeere, etwas Minze, künstliche Frucht. Weich, süffig, leichteste Tannine, gute Säure, Fruchtbonbons auch im Nachgeschmack. Am liebsten würde ich die Flasche einfach so wegtrinken. Geht aber nicht, das Tasting muss ja noch über ein paar Tage weiter gehen. Nach einer Stunde kommt Wassermelone hinzu. Nach der zweiten Stunde: Kirsche, Traube, Blaubeere, Himbeere und dazu Wassermelone im Nachgeschmack.

Einen Tag danach: Frucht etwas im Hintergrund, dazu kommen Kräuter, sehr süffig. Im Nachgeschmack Tomatensaft aus der Dose und Wassermelone.

An Tag 3: Veilchen, Kirsche, Brombeere, etwas Lakritz-Süße.

Tag 4 kommt mit Kirsche und gekochter Sellerieknolle daher. Dazu noch rote Bete. Interessanter Mix von Frucht und Wurzelgemüse.

Der nächste Tag zeigt dann kräftigeres Gemüse, hier vor allem die Rote Bete und noch etwas Kirsche.

Vom Baumann gefiel mir der erste Tag wegen seiner Frucht und der vierte Tag wegen der Kombination von Frucht und Würze am Besten.

7. Christian Fischer, Blauer Portugieser, In den Robbingen, Thermenregion, 2001, 12.5% Vol

Der älteste Wein der Runde kommt aus Österreich und war im Einkauf vor fast 15 Jahren auch der günstigste der Runde. Damals bezahlte ich €7.90 im Fachhandel in Köln.

Farbe von gekochtem Himbeersaft. Himbeere und geröstete Haselnuss, Kakao, etwas Hagebutte. Süffig, weich, nur leichte Säure. Leichter Karamell, rote Frucht und Unterholz im Mund. Leicht trockene Tannine.

Nach 40 Minuten erinnert er an einen Ahr-Spätburgunder mit geringer Säure. Weitere 20 Minuten später kommt etwas Räucherspeck zur Frucht. Ab Stunde 2 baut der Wein leider stark ab und ist am nächsten Tag schon tot.

8. Schloßgartenhof Dürrschuck, Portugieser Eiswein, Rheinhessen 2007, 8% Vol

Die Trauben zu diesem Wein wurden am 21.12.2007 geerntet. In der Nase: Honig, Hafer, Sanddorn. Voll, etwas geringe Säure für einen Eiswein, Süße erinnert an eine Spätlese. Starker Sanddorn im Nachgeschmack. Nach 30 Minuten kommen Trockenfrüchte hinzu.

Am nächsten Tag: Sanddorn, Honig, gekochter Apfel. Bis zu Tag 5 bleibt hier alles relativ stabil. Insgesamt fehlt mir aber die Eiswein-Säure und etwas Komplexität.

 

Insgesamt war das Tasting interessant, besonders die großen Unterschiede über die verschiedenen Tage verfolgen zu können.

Meine Favoriten hier in alphabetischer Reihenfolge:

Durst

Quantum Winery

Markus Schneider

Wobei ich den Schneider Portugieser im März diesen Jahres auch von 2007 getrunken habe, der ähnliche Qualitäten aufwies.

 

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