Archiv der Kategorie: Auf eigenen Füßen

Ungepropfte Rebstöcke, manche Uralt, manche noch jung.

2013 Malinger – Walporzheimer Pfaffenberg – Johannes Hostert

Direkt eine Woche nach der Jungfernfahrt mit unserem Wohnmobil ging es diesmal nach Mayschoß, an die Ahr. Hier wollten wir den Wohnmobil-Stellplatz direkt am Bahnhof ausprobieren. Der liegt zwischen Ahr und Weinberg mit Aussicht auf die Ruine der Saffenburg. Es gibt eine Trinkwasser-Station, zum Teil auch Strom und die Möglichkeit, Chemie-WC zu entleeren. Die Stellplätze sind zum Teil extrem schräg, besonders die asphaltierten, nahe der Stromquelle gelegenen. Die geschotterten Stellplätze im Weinberg sind dafür relativ gerade und trotz Bahntrasse und Bundesstrasse relativ ruhig.
Von Köln aus schnell zu erreichen, sind hier in diesem nördlichen Weinbaugebiet hauptsächlich Rotweinreben (86% 2008) gepflanzt. Was an sich eher ungewöhnlich ist für die geografische Lage, würde man hier doch eher Weißweine vermuten. Wie ich dann feststellen durfte werden aber auch viele Rotweintrauben zu Blanc de Noirs ausgebaut, was unter der prallen Sonne auf den Terrassen der vielen Weinstuben durchaus Sinn macht. Das große Ziel der Reise waren aber nicht die Rotweine der Region, auch kein Wein aus Mayschoß, sondern eine wahre Rarität von einem Winzer aus dem Nachbarort Rech.
Johannes Hostert besitzt in Walporzheim eine Parzelle von über 90 Jahre alten, wurzelechten Malinger-Reben. Auch als Prècoce de Malingre bekannt, nach dem Züchter, einem Pariser Gärtner, gilt die Rebe als frühreifend mit wenig Charakter. Laut Wine Grapes wird sie auch als Tafeltraube angebaut. Und Herr Hostert scheint weltweit der einzige Winzer zu sein, der den Malinger als sortenreinen Wein abfüllt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Terrasse der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr und einem Spaziergang über den Rotweinwanderweg nach Rech konnte ich dann endlich das Objekt der Begierde im Glas halten. Auf der Terrasse des Weinguts Johannes Hostert.
Malinger 2013 im Glas
Eine sehr helle Farbe schien die Charakterlosigkeit des Malingers zu bestätigen. Aber in der Nase überraschte der Wein zuerst mit gerösteten Haselnüssen und dann mit sehr viel Honig. Eher weich mit geringer Säure war auch noch etwas Restzucker vorhanden. Bei 11.5% Vol hätte ich den Wein gerne trocken ausgebaut probiert. Eine Flasche habe ich dann auch noch mitgenommen, vielleicht lässt sich der Wein ja etwas lagern.Flasche Walporzheimer Pfaffenberg Malinger 2013

2009 Ibizkus Tinto, Monastrell Pie Franco, Totem Wines

Die wahrscheinlich größte Katastrophe für die Weinwelt neben der Einführung von Wein-Punkten war wohl die Ankunft der Reblaus in Europa, die innerhalb von kürzester Zeit einen Großteil der Rebflächen dezimierte. Gegen sie schien kein Kraut gewachsen zu sein, bis man endlich herausfand, dass ein Aufpropfen auf Wurzelstöcke amerikanischer Wildreben der Zerstörung Einhalt gebieten konnte. Weitere wirksame Mittel gegen die Reblaus waren regelmäßiges Überschwemmen des Rebackers sowie der Anbau auf sandigem Boden.

Die rote Rebsorte Monastrell aus Spanien erwies sich als ein Problemkind, bis zur Mitte des letzen Jahrhunderts war es nicht gelungen, einen geeigneten Untersatz für sie zu finden. International ist sie bekannter als Mourvedre oder Mataro, beides abgeleitet von Orten in Spanien, in der sie angebaut wurde.

Der Ibizkus Tinto von Totem Wines, einem Weingut, welches auf Ibiza sowie im Roussillon tätig ist, ist ein Monastrell, der seine eigenen Wurzeln behalten hat. Die Reben wurden vor 40-50 Jahren auf sandigem Boden gepflanzt und somit vor der Reblaus gesichert.

Im Glas fällt sofort die relativ helle Farbe auf. In der Nase etwas Wildbret, Pfeffer, Marzipan, etwas Pflaume und Brombeere.

Im Mund offenbart sich eine leckere Säure, Mineralität und leichte Tannine. Unreife Pflaume, Lorbeer, leichte Orangenschale mit feinem Bitterton im Abgang.

Ein für das Anbaugebiet überraschendes Ergebnis, hatte ich hier eigentlich eine kräftige, dunkle Tanninbombe nach Parkerschem Gusto erwartet.

pH: 3.45

Brix: 7.6

Alkohol: 13.5 Vol%