Archiv der Kategorie: Ausgewandert

Rebsorte mit neuer Heimat

Frühroter Veltliner in den Savoyen? Philippe Grisard Malvoisie 2012

Zugegeben, es handelt sich nicht um einen reinen Frühroten Veltliner sondern um eine Cuvée aus Pinot Gris und dem FrühVel, beide in den Savoyen als Malvoisie bekannt. Dass der Pinot Gris sich hinter Malvoisie versteckt, haben wir ja schon beim Pinot Gris Battle Malvoisie vs Pinot Beurot gesehen. Auch findet man in der Französisch-sprachigen Schweiz öfter den Grauburgunder als Malvoisie. Wie der Frührote Veltliner den Weg von Österreich nach Frankreich gefunden hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Meine persönliche Vermutung liegt bei einem Umweg über das alpine Italien, wo auch noch geringe Mengen an FrühVel angebaut werden.
Fruehroter Veltliner bei Domaine de Mejane‚Velteliner‘ im Sortenweingarten der Domaine de Mejane

Auf die Flasche, rein ins Glas:
Hefe, Himbeerbrausepulver, Wachs, leichter Honig, Apfel mit kalter Melone und Birne.
Voller als erwartet für einen Berg-Wein, mit genug Säure.
Insgesamt weich mit Kokosnuss und Birne am Gaumen und einer leichten Bitternote.

Serbische Weine Teil 3 : 2011 Alma Mons, BeloBrdo

Als dritten und leider letzten Wein von Samovino probiere ich den

2011 Alma Mons, Weingut Belo Brdo, Weinregion Fruška Gora, Teil der Region Srem

Die Rebsorten für diesen Rotwein kommen alle aus Frankreich: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und die Neuzüchtung Marselan (Cabernet Sauvignon x Grenache Noir), die mir bisher als fruchtig süffiger Rotwein von der Rhône bzw aus der Ardeche untergekommen ist. Nicht unbedingt eine Rebsorte, die ich in der illustren Bordeaux-Reben-Runde erwartet hätte. Der Besitzer Aleksandar Zeremski war früher Wein-Importeur und hat 2006 den Weinberg neu angelegt. Das Weingut selbst besteht offiziell seit 2010, dem ersten Jahrgang der noch sehr jungen Reben. Übersetzt heißt Belo Brdo „weißer Hügel“, Alma Mons „nährender Berg“, Alba Mons wäre hier vielleicht passender.

Frisch ins Glas: Reife Brom-, und Blaubeere. Cassis, Pflaume, dann Erdbeer-Körner-Joghurt, Milchschokolade, Vanille.
Eine gute Balance zwischen Körper, Tannine und Säure. Alles kommt kräftig durch, nichts dominiert. Pflaumenfruchtleder im Nachgeschmack.

2. Tag: Brombeere, Pflaume und Kirsche im ständigen Wechsel, Kakao. Eichenvanille kräftiger als an Tag 1.

3. Tag: Pflaume, Pfeffer. Pflaume und kräftige Kirsche im Mund.

5. Tag: Wassermelone, Cassis, Vanille, Brombeere. Weiter kräftige Tannine. Tabak und Pflaume im Nachgeschmack.

Da es sich hier um Wein von jungen Reben handelt, bin ich gespannt auf die späteren Jahrgänge, wenn dann noch die Konzentration hinzu kommt.

pH: 2.92

Brix: 8.5

Alkohol: 14.4 Vol%

2013 Malinger – Walporzheimer Pfaffenberg – Johannes Hostert

Direkt eine Woche nach der Jungfernfahrt mit unserem Wohnmobil ging es diesmal nach Mayschoß, an die Ahr. Hier wollten wir den Wohnmobil-Stellplatz direkt am Bahnhof ausprobieren. Der liegt zwischen Ahr und Weinberg mit Aussicht auf die Ruine der Saffenburg. Es gibt eine Trinkwasser-Station, zum Teil auch Strom und die Möglichkeit, Chemie-WC zu entleeren. Die Stellplätze sind zum Teil extrem schräg, besonders die asphaltierten, nahe der Stromquelle gelegenen. Die geschotterten Stellplätze im Weinberg sind dafür relativ gerade und trotz Bahntrasse und Bundesstrasse relativ ruhig.
Von Köln aus schnell zu erreichen, sind hier in diesem nördlichen Weinbaugebiet hauptsächlich Rotweinreben (86% 2008) gepflanzt. Was an sich eher ungewöhnlich ist für die geografische Lage, würde man hier doch eher Weißweine vermuten. Wie ich dann feststellen durfte werden aber auch viele Rotweintrauben zu Blanc de Noirs ausgebaut, was unter der prallen Sonne auf den Terrassen der vielen Weinstuben durchaus Sinn macht. Das große Ziel der Reise waren aber nicht die Rotweine der Region, auch kein Wein aus Mayschoß, sondern eine wahre Rarität von einem Winzer aus dem Nachbarort Rech.
Johannes Hostert besitzt in Walporzheim eine Parzelle von über 90 Jahre alten, wurzelechten Malinger-Reben. Auch als Prècoce de Malingre bekannt, nach dem Züchter, einem Pariser Gärtner, gilt die Rebe als frühreifend mit wenig Charakter. Laut Wine Grapes wird sie auch als Tafeltraube angebaut. Und Herr Hostert scheint weltweit der einzige Winzer zu sein, der den Malinger als sortenreinen Wein abfüllt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Terrasse der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr und einem Spaziergang über den Rotweinwanderweg nach Rech konnte ich dann endlich das Objekt der Begierde im Glas halten. Auf der Terrasse des Weinguts Johannes Hostert.
Malinger 2013 im Glas
Eine sehr helle Farbe schien die Charakterlosigkeit des Malingers zu bestätigen. Aber in der Nase überraschte der Wein zuerst mit gerösteten Haselnüssen und dann mit sehr viel Honig. Eher weich mit geringer Säure war auch noch etwas Restzucker vorhanden. Bei 11.5% Vol hätte ich den Wein gerne trocken ausgebaut probiert. Eine Flasche habe ich dann auch noch mitgenommen, vielleicht lässt sich der Wein ja etwas lagern.Flasche Walporzheimer Pfaffenberg Malinger 2013

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

Ohne Jahrgang – Freeze Concentration Cabernet Sauvignon, Takahata Winery, Japan

Wie Matze in seinem Weinblog Chez Matze schon festgestellt hat, ist Japan ein Land, das nicht besonders für den Weinbau geeignet ist. Feuchtigkeit, fehlende Sonnenstunden in den wichtigen Monaten,.. Aber der Japaner wäre kein Japaner, wenn er trotz aller Widrigkeiten nicht doch sein Bestes gibt, wenn er sich etwas vorgenommen hat.
So auch bei dem Freeze Concentration Cabernet Sauvignon der Takahata Winery. Das Weingut besteht seit 1990 in der Präfektur Yamagata, im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshû. Gekauft habe ich den Wein vor circa 10 Jahren in der Weinabteilung eines Kaufhauses in Aizu-Wakamatsu, Präfektur Fukushima für 3.000 Yen. Dort sind meine Großeltern zu Hause. Wie meine Recherche ergeben hat, wird dieser Wein so nicht mehr hergestellt. Nur noch eine Variante aus Chardonnay-Trauben ist erhältlich.
Cabernet Sauvignon Freeze Concentration FrontLaut Etikett werden die Trauben geerntet, gefrostet, dann gepresst und dem Most Hefen zugesetzt. Dieser wird dann zwischen 10 und 15°C vergoren um dann noch mal auf -5°C herunter gekühlt zu werden, wahrscheinlich um Weinstein vorzukommen, oder eine weitere Steigerung des Extrakts durch Entfernen von Eis zu erreichen. Das ganze Verfahren nennt sich Kryoextraktion und simuliert den Prozess der Eisweingewinnung. In Deutschland ist es verboten, wird aber in Frankreich u.a. von der Domaine Baumard zumindest noch bis 2020 angewendet (Jim’s Loire Blog) um den Most noch etwas weiter zu konzentrieren. Neben dem Zuckergehalt wird aber auch der Säureanteil erhöht, was auch bei Eiswein zu der charakteristischen, kräftigen Säure führt.

Takahata Winery Cabernet SauvigonLaut Rückenetikett handelt es sich um 100% Cabernet Sauvignon aus japanischen Trauben. Ein Jahrgang ist nicht angegeben, dafür ein ungefährer Alkoholgehalt von 14% Vol. Wurden hier Trauben von mehreren Jahrgängen im Froster gelagert, bis sie dann gemeinsam gepresst wurden?

Im Glas zeigt sich ein dunkles Rosa, ähnlich einem Clairet aus dem Bordeaux. Erste Nase zeigt gekochte Erdbeere, Cassis, Körnerjoghurt Erdbeere, leichte, gekochte Rote Beete, gefolgt von süßer Wildkirsche.

Im Mund zeigt sich der Wein weich, mit kräftiger Süße und einer nicht allzu kräftigen Säure, wie man sie eigentlich von einem „Eiswein“ erwarten könnte. Auch hier dominieren Cassis und Erdbeere, Erdbeermarmelade und kräftige Rosine im Finnish.

Mit Erwärmen wird der Cassis aber stärker, auf Kosten der Erdbeere.

Alles in allem ein fruchtiger Süßwein, der die Cabernet-typische Frucht trotz der langen Lagerung erhalten konnte.

Kann ich mir gut vorstellen zu Rotweinbirne mit weißem Minzeis (kein Minzextrakt sondern friche Minze in der Sahne ziehen lassen).

pH: 2.99

Brix: 13.5

Alkohol: um die 14% Vol

 

2008 Cabernet Franc, Pequenas Partilhas, Serra Gaucha, Brasilien

Noch vor der Fussball-WM in Brasilien wollte ich unbedingt noch einen hiesigen Wein. Meine erste Erfahrung, ein süßer Muskateller gekauft auf dem Fest der Kulturen in Bonn vor einigen Jahren, war ok. Weder schlimm noch besonders hervorragend. Den heutigen Wein habe ich in Düsseldorf beim Weinladen mit dem Vogel erstanden. War auch direkt um ungefähr ein Drittel reduziert…

Es handelt sich dabei um einen Cabernet Franc von der größten Kooperative Brasiliens, der Cooperativa Vinicola Aurora. Das Anbaugebiet im Süden Brasiliens ist für 85% der Weinproduktion Brasiliens verantwortlich. Relativ hohe Luftfeuchtigkeit (60-80%) und Wärme sind Faktoren, die hier gegen den Weinanbau sprechen.

Studieren geht über Probieren, also Flasche geöffnet und ab ins Glas:

Erster Eindruck ist relativ zahm. Leichte rote Paprika, etwas dunkle Brotkruste. Danach gebratene rote Paprika, leichte Cassis-Frucht.

Für meinen Geschmack vielleicht etwas breit (für andere besonders süffig), nur noch leichte Tannine gefolgt von Bitterton. Im Mund auf Feuer gegrillte, rote Paprika, eingelegt in bitterem Olivenöl mit leichter, schwarzer Johannisbeere, etwas Karamell und ein paar Rosinen.

Mit der Zeit wird er etwas komplexer, Röstaromen stärker.

Durchaus lecker, aber bitte jetzt schnell trinken.

pH: 3.40

Brix: 8.0

Alkohol: 13% Vol

2009 Kikè, Traminer Aromatico, Fina, Sizilien

Der Traminer Aromatico oder Gewürztraminer wird normalerweise im Elsaß angebaut oder, wenn er denn aus Italien kommt, dann aus Südtirol. Oft werden die Weine etwas schwer, da ihnen meist die Säure fehlt. 13-14 % Vol sind auch keine Seltenheit.

Und dann finde ich einen Gewürztraminer aus Sizilien. Erste Erwartungshaltung: ölig, schwer.

Erster Blick auf das Etikett: Nur 12.5 %Vol. Weiterer Blick auf die Homepage von Fina: Er enthält auch noch Sauvignon Blanc. Vielleicht wird es doch nicht so schlimm…

Deshalb Flasche auf und Wein ins Glas.

In der Nase zuerst Orange und Ananas. Langsam kommen die typischen Aromen von Rose und Lychee, Pain de Mie, danach überreife Orange kombiniert mit leichtem Kuhstall, was sich unangenehmer liest als es riecht. Es folgen Akazienhonig und eine leichte Riesling-Note, Kreide und Lychee mit Cassis. Da macht sich dann wohl der Sauvignon Blanc bemerkbar.

Im Mund zeigt sich der Wein voll, mit einer gut gepufferten Säure, die erst nach dem Schlucken rauskommt und von einem Bitterton untermalt lange nachhallt.

Die Aromen hier sind überreife Zitrone, Pfirsisch und leichter getrockneter Ingwer im Nachgeschmack. Sehr viel später dann geräucherter Speck, ein typisches Merkmal von gealtertem Gewürztraminer. Und das gibt auch direkt den Hinweis, was ich gerne zum Wein essen würde: eine schöne Auswahl an Charcuterie.

pH: 2.61

Brix: 7.3

Alkohol: 12.5 %Vol

Verschluss: Presskorken

 

 

2012 Goldriesling trocken, Schloss Proschwitz, Sachsen

Deutschland ist berühmt für seine vielen Neuzüchtungen. Kerner, Scheurebe, Huxelrebe, Rieslaner, nur um ein paar zu nennen. Die meisten werden nur im eigenen Land (bis auf ein paar Ausnahmen, dann meistens in weinuntypischen Ländern wie Belgien oder England) angebaut.

Der Goldriesling passt gerade noch so in diese Auflistung. Er wird fast nur in Deutschland, genauer in Sachsen angebaut, und ist eine Neuzüchtung aus Riesling und Muscat precocé de Saumur, wurde aber im Jahre 1893 im Institut Viticole Oberlin im elsässischen Colmar gezüchtet. Gerade noch so? Zwischen 1871 und 1918 war Elsaß Teil Deutschlands.

Frisch aus dem Kühlschrank (5°C, man beachte die beschlagene Flasche) ins Glas.

Es fällt zuallererst die unglaublich helle Farbe auf, fasst wässrig.

In der Nase mit zunehmender Erwärmung: Leichte Muskattraubennote, leichteste Buttersäure gefolgt von Guave, Bananenkaugummi, Katzenurin, gerade reif gewordene Stachelbeere. Danach leichter Kleehonig, Orange, kräftigerer Honig mit leichter Riesling-Note, Kochapfel in Butter sautiert, Pfirsisch, schwarze Johannisbeere, Pflaumenstreusel.

Der erste Schluck zeigt eine leichte Restsüße, geschmeidig mit angenehmer Säure, getrocknete Apfelschale und leichte Guave im Nachgeschmack.

Aber je wärmer der Wein wird, desto kräftiger steigen Johannisbeere und Guave hoch, desto breiter und süßer erscheint der Wein. Richtig gekühlt  schmeckte er mir am besten. Praktischer Drehverschluss.

pH: 2.88

Brix: 6.2

Alkohol: 11.5% Vol

2012 Kerner Praepositus Stiftskellerei Neustift Eisacktal

Bei meinem letzten Urlaub in Südtirol wurde mein Bild vom Wein mal eben kurz über den Haufen geworfen.

Nach langer Fahrt vom Rheinland nach Bozen genehmigte ich mir in einem Gasthof am Ortsrand nach einem Viertel Lagrein ein Glas Eisacktaler Müller-Thurgau. Was mich da gerittet hat, den zu probieren, kann ich nicht sagen. Aber wenn man nichts erwartet, kann man nicht enttäuscht werden. Schon gar nicht wenn man einen spritzig, würzigen Wein mit Anflug von Anis und Lakritze bekommt.

Und dieser Müller-Thurgau war dann nach dem Essen mein Begleiter in den Gastraum der voll war mit einem Haufen Aloisen, die dort Namenstag feierten und einer Gruppe Herren vom benachbarten Ritten, mit denen man schnell über den Wein ins Gespräch kam.

„Den Kerner vom Kloster Neustift in Brixen müsst ihr probieren. Da reicht ein Glas, der ist zwar etwas teurer, aber nur den Praepositus, eine Aromenexplosion, der beste Kerner der Welt!“, wurde der Wein angepriesen (wie auch Gerhard Retter bei CaptainCork über den 2008er hier bei YouTube).

Wenn die Südtiroler schon eine Überraschung aus dem Müller-Thurgau schaffen können, was bringen sie dann erst aus dem Kerner hervor?

Bis auf eine birnige Auslese aus Württemberg hatte ich bis dato keine besonderen Erfahrungen gemacht.

Also musste eine Flasche her, am letzten Tag vor der Abreise, die dann bei einem Kerner-Liebhaber mit meiner Urlaubsbegleitung im Garten geöffnet wurde.

Der erste Eindruck zeigt leichte Birne, Lakritze und Anis. Im Mund dann voll mit guter Säure, leicht lakrizig süß, kräftige Birne mit besonderem Augenmerk auf Birnenschalen.

Erwärmt von der Sonne springt die Aromatik um zu Steinobst: Pfirsich, Nektarine und Aprikose waren die jetzt dominanten Düfte, von der Birne keine Spur mehr.

Beim nächsten Urlaub muss ich mir unbedingt noch den Passito vom Kerner einpacken.

pH: 2.77

Brix: 6.9

Alkohol: 14% Vol