Archiv der Kategorie: Autochton

Rebsorte in ihrer ursprünglichen Heimat.

Tafelwein aus Tafeltrauben? Lagasquaïre, Domaine de la Gasqui

Diesen Sommer waren wir mit dem Wohnmobil in der Provence unterwegs und wollten in der Sommerhitze ein für uns neues Ziel ansteuern: L’Isle sur la Sorgue.

Diese Stadt die ursprünglich in einem Sumpfgebiet errichtet wurde ist berühmt für seine kleinen Kanäle, mit denen der Sumpf trocken gelegt wurde und deshalb als Venedig des Comtat bekannt.

L'Isle de la Sorgue

Auch gibt es noch einige funktionierende Wasserräder, die früher unter anderem für die Wollindustrie verwendet wurden,

Sorgue12

Heute ist hier aber hauptsächlich Tourismus und ein Handel mit Antiquitäten von Interesse.

Es gibt hier zwar einen Campingplatz in der Nähe der Stadt aber auch einen Winzer der bei France Passion teilnimmt.

Das Weingut Domaine de la Gasqui liegt etwas ausserhalb von L’Isle sur la Sorgue und auch etwas höher, was mit dem Fahrrad in die Stadt angenehme 15 Minuten dauert. Der Rückweg dafür dann etwas länger…

Sorgue9

Der Stellplatz ist eine große Wiese mit einigen Bäumen am Rand die Schatten spenden, wenn man den wanderden Sonnenstand mit berücksichtigt. Ansonsten ist der Platz relativ grade und steht zwischen dem Weingut und Weinberg.

WoMo bei Gasqui

Wir wurden direkt freundlich begrüßt. Nicht direkt vom Winzer sondern von einem anderen Familienmitglied.

Besuch bei Gasqui

Das Tasting beim Senior-Winzer fing erst ein wenig unterkühlt an. 1 Rosé, 1 Weisswein und 4 Rote gab es zu probieren. Der Weisswein fiel mir dabei sofort ins Auge. Vin de France, kein Jahrgang und mit 9€ auch nicht gerade billig. Darauf angesprochen taute Herr Feraud Senior direkt auf. Es handelt sich hierbei um Tafeltrauben der Sorte Gros Vert und Weintrauben der Sorte Uni Blanc die sein Großvater noch angepflanzt hatte. Gros Vert zeichnet sich durch eine dicke Schale und viele Kerne aus. Nicht das, was der Markt heutzutage sucht. Die dicke Schale war früher mehr gefragt, da diese Trauben bis nach Weihnachten gelagert werden konnten. Ausreissen und mit etwas anderem Pflanzen wollte er aber nicht, also nutzt er die Möglichkeit aus Tafeltrauben Wein zu erzeugen, wenn die Reben älter als 25 Jahre sind.

Hunt for Gros Vert

Wo diese Reben gepflanzt sind konnte uns der kleine Freund direkt zeigen. Auf dem Weinberg hinter dem Wohnmobil…

Gros Vert

Aber wie schmeckt er denn jetzt?

Honig, Holunderblüte, Rosenwasser und etwas Grapefruit. Relativ voll mit ausgleichender Säure und noch mehr Grapefruit am Gaumen. Vielleicht etwas kurz aber sehr erfrischend.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Reben noch lange Frucht tragen da es unwahrscheinlich ist, dass neue Reben von Gros Vert gepflanzt werden. 25 Jahre ohne Einnahmen kann sich wohl kein Winzer leisten.

Chilling at Domaine la Gasqui

2011 Domaine des Ardoisières, Argile Blanc, VdP des Allobroges

Was macht ein Sushi-Koch an seinem freien Tag? Er kocht. Aber nicht irgendwas, sondern Fisch. In diesem Fall ein paar kleine Flussbarsche aus dem Rhein, weiter südlich Richtung Schweizer Grenze auch als Egli bekannt.

Egli

Bis auf das Entschuppen, ist es der selbe Aufwand einen kleinen Fisch von 40g zu filetieren wie einen großen Verwandten, einen 2 Kilo Meerbarsch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass man mehr als einen Flussbarsch brauch um satt zu werden, während der Meerbarsch je nach Größe auch für mehrere Portionen reicht.

Eglifilet

Zum Fisch passt natürlich am Besten ein feiner Weißwein, den ich vorher probiert habe um die entsprechenden Beilagen darauf abzustimmen. (Der Wein ist so wie er ist, das Essen ist so flexibel wie der Koch)

Das Weingut, Domaine des Ardoisières wurde 1997 mit der Neupflanzung von alten Rebsorten auf alten, vor langer Zeit aufgegebenen Weinbergen begonnen. Biodynamisch geführt wachsen hier auf steilen, zum Teil terrassierten Hängen Chardonnay, Jacquere, Altesse, Mondeuse Blanche und Malvoisie (entweder Pinot Gris oder Frühroter Veltliner) in Weiß sowie die roten Rebsorten Mondeuse und Persan. Die Weinberge liegen zwar in den Savoyen, sind aber nicht Teil des AOC Vin de Savoie. Aus diesem Grunde dürfen die Weine nur als IGP Vin des Allobroges, also als Wein der Allobroger, einem alten keltischen Stamm, die in dieser Gegend wohnten, verkauft werden.

Die Cuvée Argile Blanc ist ein Mix von 40% Jacquere, 40% Chardonnay und 20% Mondeuse Blanche, einer fast ausgestorbenen Rebsorte mit kräftiger Säure.  Teils in alten Holzfässern, Teils in Stahl ausgebaut. Laut Weingut am Besten innerhalb von 5 Jahren zu trinken, also höchste Eisenbahn…

 

In der Nase: feiner Apfel, Gänseblümchen, Kreide, etwas Birne.

Am Gaumen relativ voll für einen Alpen-Wein. Kräftige Säure und leichter Bitterton, eine Kombination die eine gewisse Spannung im Mund erzeugt. Kräutrig, apfeliger Geschmack.

Im langen Nachgeschmack dann zuerst Süßholz und Apfel, dann ein leichter Pilzton gefolgt von einer leicht oxidativ nussigen Note.

Das ganze bei leichten 12% abv.

Kurzer Blick in den Kühlschrank und die Speisekammer, und das Gericht steht…

Natürlich gibt es dazu keinen Reis, sondern Kartoffeln. Von der Sorte Ratte de Touquet, eine festkochende, alte, französische Varietät.

La Ratte

Dank ihrer eigenwilligen Form leicht zu erkennen aber dafür schwer zu schälen, also genau das Richtige, um Entspannung zu finden…

Dazu ein leicht in Butter angedünstetes Fenchelgemüse und mit etwas Jungknoblauch sautierten Shiitake-Pilz.

Die Egli-Filets vor dem Braten noch in Verte du Puy-Linsenmehl gewendet, für eine nussige Note und etwas Extra Crunch.

FarineLentil

Noch etwas Petersilie an Kartoffeln und Pilze, die Filets in Butter und Öl mit der Hautseite zuerst kross gebraten. Wichtig hier: das Linsenmehl muss durchgaren, darf nicht roh schmecken.

LePairing

 

Wein-Nachten naht… Langsames Einstimmen mit Wein aus Bethlehem

Die Tage werden kälter, erster Schnee ist in Deutschland schon gefallen. Auch gibt es endlich wieder Zimtsterne und Lebkuchen in den Supermärkten. Höchste Zeit also, sich auf das heilige Fest einzustimmen. Womit sollte das besser gehn, wenn nicht mit einem Wein aus der heiligen Stadt, von Mönchen geschaffen und uneigennützig für den Unterhalt einer Berufsschule genutzt.

Wie zum Beispiel dem Baladi 2010 von Cremisan.

BaladiBack

Die Rebsorte Baladi selbst gibt ein paar Rätsel auf, im Wine Grapes von J. Robinson et al wird sie mit Cayetana Blanca gleichgesetzt, wobei es sich schon von der Farbe her um andere Rebsorten handeln muss.

Ein Blick in das Mammut-Werk, Dictionnaire Encyclopédique des Cépages, Pierre Galet lässt 6 verschiedene Baladi-Varianten auftauchen, alle Weiß. Drei aus Spanien, drei aus dem Nahen Osten. Bei letzteren wird eine Übersetzung mitgeliefert: le raisin de mon pays, oder Rebe aus meinem Land.

In der Nase: Süße, reife Brombeere, Veilchen, Pfingstrose, leichte Note von Wildragout and kräftigere frische Feige.

Süffig mit angenehmer Säure und leichten Tanninen. Leichte Brombeere, Tabak und frische Feige am Gaumen.

Nachgeschmack von getrockneter Feige und Tabak.

 

Jetzt trinken oder bis nächstes Jahr Weihnachten warten.

 

Wein Crowd Funding – Besuch bei meinem Winzer – Le Verdus, Aveyron

Welche Folgen das Liken auf einer Facebook-Seite über seltene Rebsorten haben kann durfte ich feststellen, als ich auf einen Crowd-Funding Aufruf eines jungen Winzer-Pärchens im Aveyron, Frankreich stieß. Philippe Rousseau und Aline Solignac wollten die Weintradition im kleinen Ort St-Cyprien-sur-Dourdou bei Marcillac wieder aufleben lassen mit der Gründung der Domaine Le Verdus.

Gesucht wurden €2500 für das Anlegen einer neuen Parzelle Reben von Chenin Blanc und einer mir unbekannten weißen Sorte Namens Roussellou. Für meine €100 sollte es 6 Flaschen Wein und eine Führung vor Ort geben. Das Projekt kam dann auch zum Glück zusammen, das erhoffte Ziel wurde sogar mit 151% übertroffen. Auslieferung der Weine war mit September angesagt, was das Winzerpaar aber nicht bedacht hatte, war dass einer ihrer Unterstützer seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Um die erhöhten Frachtkosten zu sparen und gleichzeitig die Weingut-Führung einzulösen stand ein Teil unserer alljährlichen Frankreich-Tour mit dem Wohnmobil fest: St-Cyprien-sur-Dourdou im Zentralmassiv.

Einen kleinen Abstecher gab es aber vorher noch ins Nachbardorf Conques, einem mittelalterlichem Städtchen, was offiziell mit zu den Schönsten Orten Frankreichs zählt.

Conques

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist es ganz schön hügelig hier.

Conques3Ohne viel Aufwand ließe sich hier ein Film in historischer Kulisse drehen.

Der Camping-Platz von St-Cyprien-sur-Dourdou liegt zwischen Sportplatz and Schwimmbad und war wahrscheinlich früher Teil des dem Sportplatz zugehörigen Parkplatzes. Die rudimentären Waschräume werden auch von den Sportlern mit verwendet. Aber für €14.40 für Camper, Strom und 2 Personen, schattige, nivellierte Parzellen mit eigenem Wasseranschluss kann man sich nicht beschweren. Bäckerei und Metzgerei bei Gemüse-Abteilung sind zu Fuß innerhalb von 5 Minuten zu erreichen.

St Cyprien sur Dourdou Camping PlatzLe Verdus liegt etwas ausserhalb von St-Cyprien auf einem Hügel. Dort trafen wir Philippe der uns das Weingut vorstellte.

Das Grundstück gehört der Familie seiner Partnerin, die vor der Phylloxera-Krise hier in großem Maße Weinbau betrieb dann aber nach Argentinien auswanderte um dann aber schlussendlich wieder in die Heimat zurückzukehren und den Hof umstrukturiert wieder aufzubauen. Nur vom Weinbau wurden die Finger gelassen, dafür Viehwirtschaft, Getreideanbau und Fischzucht betrieben. Aber ein Weinkeller war noch vorhanden, in einen Hügel gebaut um die Temperatur im Keller niedrig zu halten.

Verdus Cave

Das Gebäude steht schon seit ca. 300 Jahren, ist zweistöckig, wobei nur das untere Stockwerk im Hügel steht, das zweite Stockwerk hat von hinten einen direkten Zugang zum Weinberg. Hier steht dann auch die Presse.

Verdus Pressoir

Der gepresste Most kann dann direkt durch ein Loch im Boden ins Erdgeschoss geleitet werden. Verdus Cave

Und hier dann weiterverarbeitet und vergoren werden, ohne dass gepumpt werden muss. Die Barrique-Fässer sind gebraucht gekauft und wurden vorher schon 5 mal verwendet, geben also keinen Holzgeschmack mehr ab sondern ermöglichen ein sanftes Lagern. In diesem Raum befindet sich dann auch das Flaschenlager, alles in allem sehr kompakt und mit dem natürlichen Charme eines alten Steingemäuers.

Natürlich gab es auch eine Führung durch den neu angelegten Rebgarten.

Verdus La Vigne

 

Hier wurden zwei Chenin Blanc Klone angepflanzt, die nachweislich aus dem Aveyron stammen. Ausserdem durch Massale Selektion gewonnene Roussellou Reben, die mit Unterstützung von einem Spezialisten von verschiedenen alten Rebstöcken in der Umgebung gesammelt wurden.

Roussellou ist der der regionale Name für St Côme, eine Rebsorte die Philippe bei einem befreundeten Winzer kennengelernt hat, der einen Versuchsweinberg für alte Rebsorten der Region pflegt. Gemeinsam haben sie sich für diese Rebsorte entschieden, weil sie das meiste Potential zeigte.

Die Reben für den schlussendlich von mir erworbenen Wein, ein Rotwein aus 70 Jahre altem Fer Servadou (90%) und Jurançon Noir (10%)  stehen in einem Nachbarort, Salles-la-Source und sind gepachtet. Offiziell sind es Rebstöcke die im Weinbaugebiet Marcillac AOC gepflanzt sind, sein Jungfernwein aber ist offiziell „nur“ ein Vin de Pays de l’Aveyron. Als nächstes will Philippe einen Marcillac-konformen Weinberg anpflanzen, dafür muss er aber erstmal nachweisen, dass er schon einen Marcillac-Wein gekeltert hat. Deshalb wird der Jahrgang 2015 wahrscheinlich ein AOC Wein werden.

La Mitat

La Mitat heißt  im lokalen Dialekt : Die Hälfte, Halb, Semi.

Der Weinberg ist erst zur Hälfte besetzt, der Keller ist nur halb fertig, und der Wein wurde mit der Macération Semi-Carbonique Technik vergoren.

Nebenbei ist Mitat auch der Ausruf von traditionellen Tänzern im Aveyron, wenn die Musiker sich eine Pause gönnen wollen, bitte doch noch etwas weiter zu spielen. Ist doch erst Halbzeit..

 

Der Wein ist infiltriert und ungeschönt spontan vergoren, mit alleinigem Zusatzstoff : ein wenig Schwefel bei der Abfüllung.

In der Nase: Rote Bete, Veilchen, schwarze Johannisbeere, künstliche Himbeere.

Erfrischende Säure mit nur leichten Tanninen am Gaumen. Hier sind neben Cassis auch etwas Pfeffer und Gurke zu schmecken.

Alles in allem ein perfekter Sommer-Rotwein, auch lecker gekühlt zu geniessen. Beim Winzer kostet die Flasche €7.

Gut, da habe ich etwas mehr bezahlt, aber darum geht es ja nicht beim Crowd Funding.

Savoie Wein Battle Gringet Geschwefelt vs ungeschwefelt

Eine Rebsorte, die ich schon immer gesucht aber nie in Deutschland gefunden habe ist Gringet, eine fast ausgestorbene Rebsorte aus den französichen Alpen. Sie wurde als Mutation der Savagnin-Rebe gesehen, aber DNA-Tests haben dies ausschließen können. Gringet wird meines Wissens nach nur von der Domaine Belluard in Ayse als reiner Gringet ausgebaut.

Rebenversuchsanbau Domaine Méjane Gringet

Die Domaine Belluard betreibt Weinbau nach biodynamischen Prinzipien. 95% Gringet als Weißwein oder auch als Schaumwein, etwas Altesse und Mondeuse werden angebaut.

Als ich dann im Newsletter von Vins Vivants las, daß das Weingut endlich in Deutschland vertreten ist, musste ich unbedingt zuschlagen. Und habe dabei unteranderem diese beiden Weine erstanden: die Weine Les Alpes und Pur Jus 100% aus dem Jahrgang 2012. Dabei handelt es sich eigentlich um genau den selben Wein, nur dass der Pur Jus 100% ungeschwefelt abgefüllt wurde. Zum Teil in Beton-Eiern ausgebaut, nur mit den Terroir-eigenen Hefen und Bakterien.

Der Battle:

Les Alpes 2012:

Im Glas schönes Gelb. Interessante Nase: Apfel, Räucherspeck, frittierte Petersilie und gekochte weiße Bohnen.
Im Mund relativ voll mit lebhafter Säure, Apfelsaft, etwas Cidre mit einem leicht kreidigem Mundgefühl, als ob ein paar Tannine den Weg in den Wein gefunden haben. Nachgeschmack von Cidre und Zitrus.
Etwas später Blumen, Apfel und gekochte Bohnen.
Noch später: Joghurt, Wachs, Apfelschale, Honig und Mirabelle

Am nächsten Tag: Schweinefleisch und Apfel, Zitrus und Trockenblumen Abgang mit einem Hauch von Esskastanie.

Pur Jus 100% 2012:
Von der Farbe etwas dunkler als der Les Alpes.
Heu, Trockenblume, Cidre, Honig und Champignon, Schweinefleisch mit Bohnen, leichter Anflug von Brett mit Ziege. Joghurt und Honig Abgang.

Später: Apfel, Bouillon-Pulver, weiße Blumen, Pflaume
Noch später: Honig, Apfel, kräftige, fast künstliche Kirsche. Apfelig, kräutriger Abgang.

Am nächsten Tag: Minze, Lakritze, Apfel und Zitrus.

Fazit

Beides sind sehr interessante Weine, vor allem die eher ungewöhnlichen Noten von Schwein und Bohnen die in allen Weinen zu finden waren haben mich angenehm überrascht. Der Pur Jus 100% ist sehr sauber verarbeitet worden. Selbst nach einer Woche gab es noch keine Anzeichen von Essigbakterien, obwohl ich den Wein ohne Kork über meiner zugegebener Weise kaum benutzen Heizung stehen hatte. Auch war der Unterschied zwischen beiden Abfüllungen sehr groß mit einem leichten Vorsprung für den Pur Jus 100%, der sich auf Dauer als etwas komplexer erwies.

2013 Mondeuse Blanche, Maison Philippe Grisard, Savoie

Nach dem Aufenthalt bei der Domaine de Mèjane ging die Fahrt weiter Richtung Beaufort, wo die sehr fortschrittliche Cooperative des Ortes einen 24h Käseverkaufsautomaten betreibt und die beim Käsen anfallende Molke zu Energie umwandelt und damit nicht nur die Molkerei betreibt sondern auch ins öffentliche Stromnetz einspeist. Aber das ist eine andere Geschichte…

Denn einen kleinen Zwischenstopp wollte ich vorher unbedingt noch bei der Maison Philippe Grisard in Cruet machen. Denn neben meinem heimlichen Favoriten, der Verdesse, hat der Winzer auch Frühroten Veltliner und die Mondeuse Blanche im Angebot.

Die Mondeuse Blanche, mit ca 5ha in den Savoyen angebaut ist keine Mutation der Mondeuse Noire aber durchaus mit ihr verwandt. Bekannter ist sie aber als Elternteil von Syrah (zusammen mit Dureza, einer fast ausgestorbenen Rebsorte aus der Ardéche).

Drei verschiedene Weine, für die es sich lohnt, zur Domaine zu fahren, dachte ich gab die Adresse ins Navi ein und fuhr los. Erstmal schön Landstraße an Radfahrern vorbei. Dann hieß es rechts einen Berg hoch. Enge Straße, noch war nicht abzusehen, wie weit es noch hoch ging. Bei Gegenverkehr hätte ich auf jeden Fall ein Problem. Panik. Erstmal rechts in eine kleine Gasse rein. Da kam ein netter Herr daher und fragte, wohin wir denn wohl hin wollten. Zum Grisard, Philippe. Kommt man denn dort mit dem Wohnmobil rauf, war dann meine Frage. Ja, da gäbe es einen Parkplatz, kein Problem war die Antwort, auf Deutsch. Mit schweißnassen Händen und viel rangieren ging es dann wieder zurück und rauf auf den Berg an den Augen einiger verwunderter Einheimischer vorbei, bis ich dann endlich den Parkplatz der Domaine sichtete. Zum Glück war auch noch ein Plätzchen frei.

Grisard Parking

Man beachte die relative Höhe zu den Bergen im Hintergrund und den Abhang links unten… den musste ich nachher schräg runterfahren… wieder an den Anwohnern vorbei, die dann belustigt zugesehen und kommentiert haben, wie ich den Weg zurück zur Hauptstraße gesucht habe.

Grisard Weinkeller

Mir war darum erstmal nicht nach Weinprobe zumute, deshalb habe ich von den drei Weinen je 2 Flaschen gekauft.

Um zurück in Deutschland erstmal die Mondeuse auszuprobieren.

Die Flasche ist mit weißem Wachs versiegelt, darunter verbirgt sich ein Noma-Korken.

Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein erst sehr bananig. Frisches Obst und Kaugummi. Relativ voll, ausbalancierte Säure mit gekochter Banane im Mund und langem mineralischem Abgang.

Nach einigem Hin und Her zwischen zwei Weingläsern (Weinglas-Dekantieren) kommt mehr Frucht zum Vorschein. Banane, unreife Aprikose, Jasmin. Im Mund gekochte Banane und Aprikose mit einem interessanten bitter-süß-salzigem Finish.

Am nächsten Tag: Bananenschale, Aprikose, Himbeere und Kirschmarmelade auf Haferbrei mit Honig gesüßt. Eine Stunde später ist die Frucht umgewandelt, jetzt hat man Löwenzahn und Honig in der Nase.

Am Tag darauf Löwenzahn und Aprikose.

Fazit:

Eine interessante Rebsorte, beim nächsten Mal fahre ich zum Weingut mit einem PKW.

Domaine Méjane, Saint Jean de la Porte, Savoie

Der nächste Halt nach dem Cave de Bernin war bei der Domaine Méjane, einem weiteren Teilnehmer bei France Passion. Späteste Ankunftszeit war mit 18:00 Uhr festgelegt, weil dann die letzte Möglichkeit auf eine Verkostung der Weine gegeben war. Leider stimmten die GPS-Daten, die im France Passion Guide angegeben waren, diesmal nicht, man wurde hinter das Haus geführt. Die Wegbeschreibung hingegen stimmte perfekt und so konnten wir gerade noch rechtzeitig unser Wohnmobil abstellen.
Domaine Méjane Wohnmobil unter den Bäumen
Der Stellplatz liegt im Park der Domaine, eine große Rasenfläche mit hohen Bäumen und einigen Unebenheiten. Das ganze Areal ist von einer Mauer umgeben, mit einem Tor, das abends geschlossen wird. Neben der Probierstube gibt es ein WC, welches benutzt werden kann. Vor dem Haus steht ein kleiner Brunnen, aus dem leckeres, klares Wasser fließt.
Domaine Méjane Brunnen
Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt hatten, gingen wir direkt zur Probierstube, um die Weine der Domaine kennenzulernen. Die Weinprobe kostet normalerweise 5€, wird aber bei einem Einkauf ab 30€ erlassen. Dafür werden die Gläser aber auch gut gefüllt. Geschätzte 0.05 Liter. Ein Spucknapf war nicht zu sehen…
Domaine Méjane Tasting An Weißweinen bietet die Domaine Weine der Rebsorten Jacquere, Chardonnay, Roussanne und Altesse an. Von denen habe ich dann nur letztere probiert.

Domaine Méjane Roussette de Savoie 2013
Der einfache Altesse, oder Roussette, wie er hier auch genannt wird, gab einen guten Einstieg. Lindenblüte, Birne, Honig und Haferbrei. Anregende Säure mit weichem Ende. Und das für €5.50.

Domaine Méjane Altesse fût de Chêne
Selbe Rebsorte, diesmal Jahrgang 2012 und im Eichenfass ausgebaut. Dieser Wein kommt mit Orange, Vanille und leichter Eiche in der Nase daher. Leckere Säure, stärkere Eiche im Mund mit langem Trockenfrucht-Apfel-Pfirsisch Nachgeschmack. Mit €6.60 nahezu geschenkt.

An Rotweinreben hat die Domaine Gamay, Pinot Noir, Mondeuse und die seltene Persan im Programm. Gamay und Pinot Noir habe ich übersprungen.

Domaine Méjane Mondeuse St Jean de la Porte 2012
Die Mondeuse 2012 für €6.10 zeigte sich leicht mit mittleren Tanninen und kräftiger Säure. Wald und Rote Beete.

Domaine Méjane Mondeuse Fût de Chêne
Vom Cru St Jean de la Porte kam der nächste Mondeuse, Jahrgang 2010, aus dem Eichenfass. Weich mit roten Früchten, Kakao, Kirsche, Tannine schon gut abgebaut, Eiche im Nachgeschmack. Auch diesmal ist die Eichen-Version nur unwesentlich teurer: €6.70.

Domaine Méjane Persan
Highlight war der Persan 2012: Veilchen, dunkle rote Früchte, Pflaume. Noch jung, mit ausbalancierter Säure und Tanninen. Auch dieser Wein mit €6.70 eher geschenkt. Auf dem Etikett prangt der Wasserspeier vom Brunnen.

Blick von Domaine Méjane
Fazit:
Gute, günstige Weine, ein schöner Wohnmobil-Stellplatz mit brillanter Aussicht. Ich werde wieder kommen.

 

Verdesse, Persan, Étraire de la Dhuy – Cave de Bernin – Côteaux du Grésivaudan

Auf der Suche nach unbekannten Rebsorten muss man in unbekannten Regionen schauen. Eine davon liegt in Frankreich zwischen Grenoble und dem Gebiet des Vin de Savoie AOC, was auch zumindest in Deutschland nicht gerade oft anzutreffen ist. Die Côteaux du Grésivaudan sind Teil des IGP Isère (zusammen mit Balmes Dauphinoises) und haben mit niedrigen Preisen, hohem manuellem Aufwand und höheren Grundstückspreisen zu kämpfen. Dass es diese Weine trotzdem noch gibt, hat man auch der Leidenschaft der Winzer zu verdanken, die die alte Winzer-Tradition hochhalten. Vor allem durch den Anbau von autochthonen Rebsorten, die neben den auch in den benachbarten Savoyen vorkommenden Reben wie Jacquère und Mondeuse Noire ihren Platz beibehalten konnten.

Zu diesen gehören die weiße Verdesse und die roten Rebsorten Persan und Étraire de la Dhuy. Die Verdesse hatte ich vorher schon bei der Domaine des Rutissons probiert und für interessant befunden, mit 2ha in 2008 eine wahre Rarität. Persan und Etraire waren mir noch unbekannt, laut Wine Grapes handelt es sich bei der Etraire um einen Sämling von Persan. 2008 waren nur 6ha bepflanzt. Etwas mehr verbreitet mit 9ha in Frankreich und einigen Winzern im Piedmont ist die Persan-Rebe, in Italien Becuet genannt. Alle drei Rebsorten werden von der kleinen Winzergenossenschaft aus Bernin angebaut und einzeln abgefüllt. Damit sind sie, soweit ich feststellen konnte, die einzigen Winzer, die alle drei Rebsorten anbieten. Ein Grund dort mal vorbeizuschauen.

 

Cave de Bernin

Die Genossenschaft war mit Navi einfach zu finden und mit dem Wohnmobil auch gut zu erreichen, was in den Bergdörfern der Gegend leider nicht selbstverständlich ist. Ein Parkplatz, ein kleiner Verkaufsraum mit eigenen Weinen und Spezialitäten aus der Region wie Walnüsse, Marmeladen und Blick auf die Berge. Was will man mehr! Und das alles zu sehr günstigen Preisen: Flaschenpreise von 2.90€ bis 5€, BiBs sind noch günstiger. Alle Weine sind ohne Jahrgangsangabe. Leider hatte ich keine Zeit zu Probieren, da ich noch schnell weiter Richtung Saint-Jean de la Port zur Domaine de Méjane, unserem nächsten Wohnmobil-Stellplatz wollte.

Verdesse Cave de Bernin

Der erste Wein, Verdesse, zeigt sich hell. In der Nase Granny-Smith-Apfel, Zitronen-Limonade, leichte Seife gefolgt von gekochtem Apfel mit Lavendelhonig, überreifer Ananas und leider mehr als nur einem Hauch von flüchtiger Säure. Im Mund leicht, mit einem langen mineralisch saurem Abgang und Nachgeschmack von getrockneter Apfelschale. Insgesamt kommt der Wein etwas wässrig daher, es fehlt ihm Konzentration.

Am zweiten Tag keine Spur mehr vom Essig, wieder Granny Smith, dann geeiste Ananas, Bananen-Kaugummi, Lavendelhonig, Himbeerbrause und Kreide. Überreife Ananas und Austernpilz im Nachgeschmack.

Etraire de la Dhuy Cave de Bernin

Der zweite Wein, der Etraire de la Dhuy, zeigt sich hell im Glas. In der Nase entfalten sich Gewürznelke, Vanille und Kirsche (saftig und reif, so wie Marmelade). Im Mund leicht, auch nur leichte Tannine mit erfrischender Säure. Auch dieser Wein lässt hier nur erahnen, was aus der Rebsorte gemacht werden könnte, wenn der Ertrag niedrig gehalten wird.

Am nächsten Tag hat sich der Wein nur leicht verändert: Cassis, Kirsche, leicht geräucherter Schinken mit Nelken. Kirsche und Nelke im Nachgeschmack bei leichter Bitternote.

Persan Cave de Bernin

Der dritte Wein und mit 5€ auch der teuerste des ganzen Sortiments ist der Persan.

Von der Farbe etwas intensiver als der Etraire, was jetzt auch nicht so schwierig ist. In der Nase erst einmal eine volle Breitseite Brett (Brettanomyces), Kuhstall. Zum Glück sind diese Aromen im Glas recht schnell verschwunden. Dafür kommen Himbeermarmelade, Hibiskusblüte und Orangenmarmelade mit Safran zum Vorschein. Auch im Mund voller als der Etraire, mit einer ausgewogeneren Säure Pflaumenschale im Abgang.

Am zweiten Tag ist der Einfluss von Brett nicht mehr so stark, eher angenehm. Er verleiht dem Wein jetzt eine Note, die in der Literatur als „foxy“ beschrieben wird. Der Geschmack von Concorde-Trauben-Konfitüre. Im Mund dann knuspriges Vollkornbrot mit eben jener Konfitüre bestrichen, ohne dabei süß zu sein. Die Säure kommt jetzt etwas kräftiger raus. Er bleibt trotzdem für mich der beste der drei Weine.

 

Insgesamt eine interessante Angelegenheit. Komplexe Aromen, leider fehlt es allen etwas an Konzentration, da ist noch Platz nach oben. Ausserdem bis auf die weite Anfahrt extrem kostengünstig.

 

Serbische Weine Teil 2 : 2012 Experiment Prokupac, Podrum Cokot

Neben den großen internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay gibt es in Serbien noch viele weitere zu entdecken.

Typische Balkan-Rebsorten:

Graševina (Welschriesling, Laski Riesling): Auch in Italien angebaute Weißweinrebe, die sehr produktiv sein kann und dann belanglose Weißweine erbringt. Bessere Weine sind floral-fruchtig mit guter Säure.

Kadarka: Rotweinrebe mit weichen Tanninen und nicht ganz so dunkler Farbe. Mit Pinot Noir vergleichbar.

Plovdina (Pamid): Leichte, dünne Rotweine mit geringer Säure.

Smederevka (Dimyat):  Frische Weißweine mit manchmal leichtem Vanille-Aroma.

Vranac: Dunkle, volle, kräftige Rotweine mit kräftigen Tanninen und Lagerpotential.

Autochtone Rebsorten:

Bagrina: Rosafarbene Rebsorte aus der Region Timok. Nicht selbsbefruchtend, muss deshalb neben anderen Rebsorten gepflanzt werden. Gute Säure und Lagerungspotential.

Kreaca: Auch bekannt als Banat Riesling. Im Gegensatz zum echten Riesling fehlt den Weinen Säure und sind dementsprechend auch eher sofort zu konsumieren.

Prokupac: Die Weine sind zum frühen Genuss gedacht, bei hohem Alkoholgehalt. Dunkel mit roten Früchten.

Slankamenka: Uralte Weißweinrebsorte mit geringem Mostgewicht, Säure und Aroma. Wird deshalb eher zur Weinbrand-Gewinnung gebraucht.

Tamjanika: Weißer Muskat der schon seit über 500 Jahren in Serbien angebaut wird, und sich durch Selektion sich dem Klima und Terroir angepasst hat. Es gibt auch eine seltene, dunkle Mutation

Začinak: Rotweinrebe, die einen besonders dunklen Wein ergibt, weshalb er gerne mit helleren Rebsorten verschnitten wird.

Neuzüchtungen:

Bačka: Rosafarbene Hybride aus Petra und Bianca.

Morava: Weiße Rebsorte aus Frührotem Veltliner und Müller-Thurgau. Ähnelt dem Sauvignon Blanc in Säure und Fruchtigkeit. Dieser Rebsorte wird man demnächst wahrscheinlich öfter begegnen.

Neoplanta: Weiße Rebsorte aus Smederevka und Roter Traminer. Starke Muskat-Aromen, hohes Mostgewicht und niedrige Säure.

Panonia: Genau wie Morava aus Frührotem Veltliner und Müller-Thurgau entstanden.

Petra: Hybride aus Kunbarat und Pinot Noir. Hohes Mostgewicht, Muskat-Nase.

Probus: Kadarka und Cabernet Sauvignon sind die Eltern dieser produktiven Rotweinrebe.

Rubinka: Auch eine rosafarbene Hybride aus Petra und Bianca.

Sila: Weißweinrebe aus Kövidinka und Chardonnay. Ergibt leichte, spritzige Weine.

Sirmium: Anfällige Weißweinrebe aus Sauvignon Blanc und Smederevka

Župljanka: Weiße Rebsorte von roten Eltern, Prokupac und Pinot Noir. Gibt ausbalancierte, frische Weine. Hoher Gehalt an Apfelsäure im Most.

Nach der ganzen Theorie endlich der zweite Wein von Samovino.

2012 Prokupac Experiment, Weingut Čokot, Weinregion Župa
Die Rebsorte Prokupac ist eine echt autochtone Rotweinrebe Serbiens. Radovan Čokot betreibt das Weingut offiziell seit 2011. Vorher wurde Wein von der Familie eher zum Eigengebrauch produziert. Neben der Prokupac baut er auch Tamjanika an. Alle seine Weine heißen Experiment, da er sich noch nicht als erfahren sieht und jeder Jahrgang ein neues Experiment darstellt.

In der Nase: Schwarze und rote Johannisbeere, Kakao, gekochtes Rindfleisch, leichte Pflaume.

Der erste Schluck zeigt sich weich mit leichten Tanninen und angenehmer Säure. Süffig mit Cassis und Pflaume im Nachgeschmack.

Mit der Zeit ändert sich das Aromenspektrum zu Veilchen, Kakao, Pflaume mit leichter Brombeere, die Johannisbeeren werden verdrängt.

Am zweiten Tag:

Rote Pflaume als würziges Kompott und frisch dazu gegeben und dann mit Kakao besprenkelt. Im Mund kommt die Pflaume noch besonders dank der Säure gut durch. Pflaume mit hohem Schalenanteil im Nachgeschmack.

Insgesamt ein fruchtig, weicher, süffiger Rotwein für den Alltag. Jetzt sehr gut zu trinken, ein Jahr aber bestimmt noch gut zu lagern. Hier stimmt die Säure/Tannin-Struktur.

 

Serbische Weine Teil 1: 2011 Sofia Tamjanika – Braca Rajković

Als häufiger Benutzer der Vivino-App, einem Wein-Scanner für Smartphones, bei der man sich durch Scannen von Weinen Badges verdienen kann, bin ich auf ein relativ unbekanntes Weinland gestoßen, zu welchem mir noch ein „Abzeichen“ fehlt. Serbien.
Die erste Suche im Internet nach interessanten Flaschen war leider nicht sehr erfolgreich. Die Weine der Nachbarn Kroatien und Slowenien sind da viel einfacher zu bekommen. Zu denen gibt es bei Vivino aber keine Badges…

Dabei hat Serbien eine lange Weingeschichte, die auch die Europas beeinflusst hat. Der im serbischen Sremska Mitrovica geborene römische Kaiser Probus, förderte den Weinbau nördlich der Alpen, indem er das Edikt von Domitian auflöste, welches den Weinbau dort verbot. Dies inspirierte die Serben dazu, ihm einige Rebneuzüchtungen zu widmen (Probus, Pannonia, Sirmium).
Bis zur Besetzung Serbiens durch die Ottomanen florierte der Weinbau. Auch nach der Befreiung wurden wieder fleißig Weinreben angebaut. Die Reblaus hatte eine geteilte Auswirkung auf das Land. Im nördlichen Subotica-Horgos, nahe der ungarischen Grenze, konnte die Reblaus das Wurzelwerk der Reben nicht angreifen, da dort der Boden sehr sandig ist. Von hier aus wurde dann viel Wein exportiert, da es in anderen Ländern wegen der Reblaus zu einer Weinknappheit kam. In den anderen Regionen Serbiens wurde die Reblaus zu einem ernsten Problem, das erst durch Aufpropfung auf Amerikaner-Reben gelöst werden konnte. Während der Zeit des Kommunismus wurde dann mehr auf Ertragsmenge als Qualität gesetzt. Jetzt mit der Annäherung an die EU und ihren Markt, wurde das Wein-Gesetz dem europäischen angepasst und mehr Wert auf Qualität und deren Kontrolle gelegt.
Das Weinland Serbien hat ein einzigartiges Klima. Gemäßigt bis gemäßigt warm, subhumid bis feucht mit sehr kühlen Nächten.
Badische kühle Nächte und Niederschlag gepaart mit der Sonne der Toscana würde das ganz gut beschreiben. Eher rot als weiß. Nur die hohe Feuchtigkeit stört etwas, aber hier sorgt meist ein kräftiger Wind, dass die Reben nicht krank werden. Dafür muss aber der Ertrag kontrolliert werden.

Die wichtigsten Weinbauregionen sind von Norden nach Süden:

Subotica-Horgos:
Sandboden, am Palić See gelegen, unweit der ungarischen Grenze. Das kühlste Weinbaugebiet Serbiens wobei der See als Wärmespeicher wirkt und nachts die Temperaturen nicht so stark abfallen wie im restlichen Serbien.

Banat:
Südlich an den Karpaten gelegen und mit noch spürbar deutschem Einfluss wird hier hauptsächlich Weißwein angebaut. Was nicht ganz so viel Sinn macht, weil hier die höchste Durchschnittstemperatur herrscht und auch die Nächte die wärmsten Serbiens sind. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Srem:
In dieser fruchtbaren Ebene an der Grenze zu Kroatien wird der Weinbau hauptsächlich durch den Fruška Gora-Berg geprägt. An dessen Südseite werden die meisten Reben angebaut. Auch hier werden die Nächte nicht so kalt, ähnlich wie in Banat hat hier das Gebirge einen Einfluss. Auch hier wird hauptsächlich Weißwein produziert.

Sumadija – Great Morava:
Eingepfercht von den zwei Flüssen, Donau und Morava, gehört das Gebiet zu den eher kühleren Regionen Serbiens. Aber auch das ist nur relativ zu sehen. Cabernet Sauvignon kann hier voll ausreifen.

West Morava:
Das hügelige Gebiet am westlichen Zuläufer der Morava gilt als Ursprung des Weinbaus in Serbien. Es hat hier aber auch mit dem höchsten Niederschlag zu kämpfen.

Timok:
Dieses kleine Gebiet bietet die höchsten Temperaturschwankungen von Sommer und Winter, aber auch von Tag und Nacht. Hier könnten extrem wärmeliebende Rebsorten wie Mourvèdre und Carignan ausreifen, wenn da nicht der Frost im Winter wäre der die Rebstöcke angreift.

Nisava – South Morava:
Gebiet zwischen dem Fluss Nisava und dem südlichen Zuläufer der Morava. Eher wärmer aber nicht so extrem wie Timok.

Daneben gibt es noch das kleine Pocerina um den Berg Cer und je nachdem wie man zur politischen Lage steht auch noch den Kosovo.

Un nun zu den Weinen:

Gefunden habe ich sie auf der Seite von Samovino, einem jungen Start-Up in the Making auf Crowdfunding-Suche. Ihr erklärtes Ziel ist es, serbische Weine in Deutschland bekannt zu machen und hier auch zu vertreiben. Dafür sind sie zweimal nach Serbien gefahren und haben bei 40 ausgewählten Winzern über 200 Weine probiert. Lukas Ertl, einer der Gründer, war so nett mir 3 Weine zuzusenden, die ins Sortiment aufgenommen werden sollen.

Sofia Tamjanika Braca Rajkovic 2011

2011 Sofia Tamjanika, Weingut Braca Rajković, Weinregion Župa, Teil der Region West Morava
Die Tamjanika-Rebe ist eigentlich identisch mit dem Muscat blanc á petits grains, nur wird sie schon seit über 500 Jahren hier angebaut und hat sich durch natürliche Selektion der Region angepasst.
Die Familie Rajković betreibt schon seit dem 18. Jhd. Weinbau in der Region. Es sind hauptsächlich Rotweinreben, unter anderem auch Serbiens erste Pinot Noirs (1962). 2011 ist jetzt nicht der jüngste Jahrgang für einen Muskateller, aber mal sehn.

Aus dem Kühlschrank frisch ins Glas:
Kräftige, reife Melone gefolgt von Holunderblüten, reife Aprikose, Akazienhonig und Grapefruit.
Im Mund voll, weiche Säure, die sich nach hinten hin ausbreitet, zusammen mit einem deutlichen Bitterton. Grapefruit gefolgt von Holunderblüte im Nachgeschmack.
Der Tamjanika schmeckt wie ein reif geernteter Muscat, dem noch ein paar Viognier-Trauben in die Presse gefolgt sind, keine Spur von Oxidation, dafür voller Frucht. Eher kühl bis kalt zu genießen, sonst wirkt er etwas breit, die Frucht ist kräftig genug um auch kalt seine Wirkung zu entfalten.

pH: 3.45

Brix: 7.6

Alkohol: 12.5 Vol%

Mein erster serbischer Wein war schon mal eine angenehme Überraschung.

Die Vivino-App hingegen bedarf noch einiger Verbesserungen. Unter anderem habe ich trotz scannen der drei Weine noch keinen Badge erhalten.