Archiv der Kategorie: Autochton

Rebsorte in ihrer ursprünglichen Heimat.

2011 UrbanUco Torrontés – O. Fournier – Cafayate

Meinen ersten argentinischen Wein habe ich vor fast 15 Jahren in Calais probiert, als ich dort für fast ein Jahr Weine an Engländer verkauft habe. Das war kein Malbec sondern ein Weißwein, Torrontes von François Lurton. An den Wein selbst kann ich mich kaum noch erinnern, ging für so um die 4 Pfund über den Ladentisch und war langweiliger als die etwas teureren australischen Chardonnays.
Fast 15 Jahre später… diesmal bin ich auf der anderen Seite, ein Kunde im Mövenpick Weinkeller Düsseldorf. Hier fällt mir in der argentinischen Sektion der Torrontés Urban Uco von O. Fournier auf. Kostet 6.90€ und hat 91 Parker Punkte… das nennt man Preis/Leistung.
Die Unterregion von Salta, Cafayate gilt als beste Lage für Torrontés Riojano, die wichtigste der Torrontés-Reben Riojano (Muscat of Alexandria x Listán Prieto), Sanjuanino (auch Muscat of Alexandria x Listán Prieto) und Mendocino (Muscat of Alexandria x unbekannter Kreuzungspartner). Diese Kreuzungen sind alle auf natürliche Art und Weise vor Ort in Argentinien entstanden, was sie zu autochtonen Rebsorten macht. Mal sehen, ob sich die Muscat-Rebe durchsetzen kann.

Bei dem Preis kann man ja schon mal was riskieren.

Flasche aufgedreht und Wein ins Glas.
Leichter Grünstich. Und das beim 2011er, der aktuelle Jahrgang ist 2013.

Direkt aus dem Kühlschrank erinnert der Torrontes an einen Muscat, frische Trauben. Dann kommen reife, weiße Grapefruit, Holunderblüte, Rapshonig, frisch geschälte Lychee und Grapefruit-Zeste in Honig.
Im Mund zeigt sich der Torrontes voll mit weicher Säure und leichtem Bitterton. Die Säure kommt später hinten heraus mit Grapefruit-Nachgeschmack, wobei der Bitterton die Grapefruit noch weiter betont. Muscat hat sich hier klar durchgesetzt.

Ich vergebe ja keine Punkte, aber wenn, dann wären es nicht unbedingt 91. Trotzdem hat der Wein auf jeden Fall mehr Eindruck hinterlassen als der Torrontés von vor fast 15 Jahren.

pH: 3.24
Brix: 7.3
Alkohol: 13.5 Vol%

2007 Petite Arvine – Les Coteaux de Serre – Serge Heymoz

Eine der etwas weiter verbreiteten seltenen Rebsorten der Alpen ist die Petite Arvine. Hauptsächlich in der Schweiz und hier im Wallis angebaut, findet sich die Weißweinrebe aber auch im benachbarten Aosta-Tal. Weitere Winzer, die die Petite Arvine anbauen sind Aimé Guibert von Daumas Gassac und Hildegard Horat vom Grange de Quatre Sous, beide im Languedoc. Die Weine der Petite Arvine gelten als lagerfähig mit guter Säure und einem typisch salzigem Geschmack. Eine Rebsorte mit Zukunft, wie auch die Rebflächenzunahme im Wallis beweist: 1991 noch 39 ha, 2012 schon 166 ha.

Das Weingut Serge Heymoz – Cave les Sentes besteht seit Mitte der 80er Jahre in Sierre, mit 270 ha Rebfläche eins der mittleren Weindörfer des Wallis. Neben den Klassikern des Wallis, Chasselas und Pinot Noir, baut Serge aber auch andere autochtone Rebsorten wie Rèze und Humagne Rouge an. Die Weine sind VITIVAL-zertifiziert.

 

In der Nase: Grapefruit in verschiedensten Varianten. Zuerst weiß. Dann rosa und reif. Butter und Honig.

Im Mund: Restsüße, Richtung halb-trocken. Weiche Säure. Leicht salziges Finnish. Grapefruit Nachgeschmack unterstrichen von leichtem Bitterton.

Später gesellt sich im Mund zur Grapefruit kleine spanische grüne Paprika hinzu.

Es ist erstaunlich, dass ein so weicher Weißwein nach über fünf Jahren noch so fruchtig sein kann. Keine Spur von Oxidation, trotz der wider Erwarten niedrigen Säure. Im Keller liegen noch fünf weitere Flaschen, ich denke, wir werden diesem Wein noch einmal später wieder begegnen.

pH: 3.32

Brix: 8.3

Alkohol: 12.5 Vol%

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

2011 Verdesse – Domaine des Rutissons – Isère

Wenn man die Weine Frankreichs grob in die bekannten Hauptanbaugebiete Bordeaux, Burgund, Champagne, Elsaß, Languedoc-Roussillon, Loire, Jura, Korsika, Provence, Rhône, Savoyen und Südwesten aufteilt, gibt es immer noch ein paar Weinregionen, die nicht in das Raster passen. Das gilt besonders für die Weine des Départements Isère. Südwestlich der Savoyen grenzt es westlich an die Rhône, die nächste Weinregion im Süden ist die Provence. Von der Landschaft ähnelt es am ehesten den Savoyen, zeigt sich aber kulinarisch eigenständig. Tartiflets, Raclette, Fondue findet man hier weniger, dafür überzeugt die Küche mit leckeren raviols, kleine Teigtaschen gefüllt mit Käse und Petersilie. Das musste ich im letzten September erfahren, auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur zurück nach Deutschland. Als Ziel hatte ich mir die Stadt Mens ausgesucht, aber nicht wegen der schönen Aussicht.
Landschaft um Mens
In dieser kleinen (ca 1200 Einwohner), aber ökologisch sehr engagierten Stadt (große Bio-Messe im September, Samstags-Markt mit hohem Anteil an Bio-Waren, kleine Bio-Brauerei, Gemeinschafts-Gemüsegärten), gibt es einen Weinladen, der sich auf die unbekannten Weine der Alpen spezialisiert hat. Direkt am Marktplatz gelegen war er zwar leicht zu finden, aber an diesem Tag eigentlich geschlossen, wegen Vorbereitung auf die Bio-Messe. Glücklicherweise war aber ein Herr durch ein Fenster im Keller zu sehen, der Kisten ausräumte. Mit Winken konnte ich seine Aufmerksamkeit erreichen und dann auch sein Herz erweichen, mir ein paar Flaschen zu verkaufen.
Eine von diesen ist der 2011er Verdesse der Domaine des Rutissons aus St Vincent de Mercuze. Neben Rebsorten der Nachbarn (Jacquère aus den Savoyen und Viognier von der Rhône) bauen sie auch autochthone Rebsorten an, Etraire de la Dhuy und Verdesse. Die Verdesse-Rebe ist mit 2ha Gesamtanbaufläche in Frankreich (2008) eine eher unbedeutende Rebe. Den Namen hat sie von ihren stark grünen Blättern. Sie gilt als aromatisch und hat deshalb auch das Synonym Verdesse Musquée erhalten, aber es sollen keine Muscat-Aromen sein.

Frisch aus dem Kühlschrank kommen erst einmal Sauerkraut mit Äpfeln, Zwiebeln und Speck hervor. Im Mund überzeugt eine kristallin mineralische Säure, Himbeerbrausepulver im Abgang, Trockenfrüchte und leichter Champignon aus dem Glas im Nachgeschmack. Schnell verschwindet das Sauerkraut und die Himbeerbrause kommt mit gekochtem Apfel, leichtem Räucherspeck etwas Honig und Kreide in die Nase.
Eine wirklich große Entdeckung, ich kann nur hoffen, dass die Verdesse sich gegen Rebsorten wie Chardonnay oder Viognier durchsetzen kann und nicht ausstirbt.

Die raviols gab es am Abend im Café des Arts. In der Nacht, Frieren im Zelt und eine Rückfahrt in den Regen.

pH: 2.9
Brix: 6.4
Alkohol: 12 Vol%

90er Austria kleine Flaschen Battle: 96er Grüner Veltliner vs 99er Roter Veltliner Auslese vs 93er Neuburger BA

Heute fand eine kleine Runde kleiner Flaschen aus Österreich den Weg in meine Küche. Alles Flaschen aus den 90er Jahren, alle zwischen 0.375 und 0.5 Liter Größen. Ein einfacher Grüner Veltliner aus dem Jahrgang 1996 von einem nicht unbedeutenden Weingut aus Langenlois, eine 99er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken, auch aus dem Kamptal sowie eine 93er Beerenauslese von der Neuburger-Rebe aus Rust. Bis auf den Grünen Veltliner sind hier Rebsorten vertreten, die nicht besonders für ihre Lagerfähigkeit bekannt sind. Was, kombiniert mit der Tatsache, dass es sich um kleine Flaschen handelt, eher für ein kurzes Weinerlebnis spricht.

1996er Langenloiser Steinhaus Grüner Veltliner trocken vom Sonnenhof Jurtschitsch:
Direkt nach dem Öffnen bezaubert der Wein mit einem Bild von einem frischen Weissbrot kräftig bestrichen mit Butter und Alpenrosenhonig. Nach 5 Minuten verdrängt gekochter Apfel den Honig. Im Mund gute Säure, Apfel und Honig, leichter weißer Pfeffer im Abgang. Leider baut der Wein schnell ab, wird Sherry-lastig, oxidativ.
pH: 3.27
Brix: 6.6
Alkohol: 12 Vol%

1999er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Kamptal Rosenberg vom Weingut Mayer-Hörmann:
Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Mayer-Hörmann
Die Nase zeigt einen Apfel-Grundton, der von einer starken Kräuternote (Salbei, Thymian) begleitet wird. Er ist sehr vollmundig, eine leichte Süße, adequat ausbalancierte Säure und leichte Bitternote, die die Kräuternote noch hervorhebt. Dieser Wein kommt aus der 0.5 Liter Flasche und zeigt sich auch nach 2 Stunden noch unverändert.
pH: 3.21
Brix: 9.6
Alkohol: 14.9 Vol%

1993er Neuburger Beerenauslese Rust vom Weingut Marienhof Gerhard Just:
93er Neuburger BA Weingut Marienhof Gerhard Just
Der Neuburger erinnert stark an einen Gewürztraminer. Getrockneter Pfirsisch, Honig, Rose, kurz kräftige Nori-Alge, die aber schnell wieder verschwindet. Eine für die Süße etwas zu geringe Säure und der Bitterton spielen auch in die Hand von Gewürztraminer.
pH: 3.53
Brix: 12.1
Alkohol: 14.5 Vol%

Am meisten haben mir die ersten Minuten des Grünen Veltliners gefallen. Insgesamt hat aber sonst der Rote Veltliner die Nase vorn, er zeigt sich aromatisch und ausbalanciert.

Fiano Battle Naturalia Factory: 2001 vs 2000 Vendemmia Tardiva

Nach dem 2004er Fiano, der sich noch relativ frisch zeigte, wollte ich herausfinden, ob sich ein Fiano noch länger lagern lässt. Und bin dafür dann in die Untiefen meines Weinkellers geklettert, um mit 2 Flaschen heraus zu kommen, beide von Naturalia Factory. Ein Fiano di Avellino aus dem Jahr 2001 und ein Fiano dell‘ Irpinia Vendemmia Tardiva aus dem Jahre 2000. Dies wird wohl ein ungleicher Battle werden. So wird der Jahrgang 2000 in Kampanien von Rober Parker mit 92 und der 2001 nur mit 91 Punkten bewertet. Weiterhin ist der 2000er eine Spätlese, während der 2001er nur mit seiner Herkunft (DOCG Avellino vs IGT Irpinia) punkten kann.

Farbe:
Hier zeigt sich der 2001er gereifter, dunkler. Etwas überraschend.

Nase:
Der 2001er kommt frisch aus dem Kühlschrank mit gekochter Birne, Hafer-Porridge mit getrockneten Apfelstücken, grüner Haselnuss. Später dann Porridge mit Mandarinenstückchen aus der Dose und gekochter Birne, Mandelmus.

Der 2000er zeigt ein Bouquet, welches ich eher einem vin naturel zusprechen würde. Hefe und leichter Essig. Dazu getrocknete Birne gefolgt von getrockneter Ananas und Mandarinensaft.

Mund
Der 2001er zeigt sich voll mit animierender Säure und leichtem Bitterton. Feine Sherry-Note, Porridge mit Mandarinen im Abgang.

Im Gegensatz dazu lässt der 2000er jegliche Restsüße vermissen, die man bei einer Spätlese erwartet hätte. Auch er ist voll, mit einer weichen Säure. Eine Mischung von Birnensaft, Mandarinensaft und Wasser.

Ergebnis:
Der 2001er überrascht und lässt den enttäuschenden 2000er weit hinter sich. Qualitativ liegt er etwas hinter dem 2004er Bechár, was Hoffnung auf ein paar schöne Momente mit dem Bechár in einigen Jahren wecken lässt. Auch zeigt sich, dass man sich nicht auf irgendwelche Jahrgangsbewertungen verlassen sollte. Dafür ist Wein einfach eine zu komplexe Angelegenheit.


Werte:

2001
pH: 3.17
Brix: 6.4
Alkohol: 12% Vol

2000
pH: 3.10
Brix: 5.8
Alkohol: 14% Vol

2004 Fiano di Avellino – Béchar – Cantine Antonio Caggiano

Nach einer längeren Pause wegen Urlaub eines Kollegen gefolgt vom eigenen gibt es heute einen Eintrag über einen weißen Italiener. Dank Prosecco, Pinot Grigio und jetzt Lugana, gehören Weine dieser Gattung eher nicht zu meinem Beuteschema. Aber ein Land voller autochtoner Rebsorten kann ich nicht mein Leben lang ignorieren, und deshalb werde ich mir in nächster Zeit wohl die eine oder andere Flasche zu Gemüte tun, bis die Italo-Vino-Phobie vollkommen auskuriert ist.
Die Fiano-Rebe stammt aus Kampanien wo sie schon 1240 erste schriftliche Erwähnung fand. Je nachdem, welcher Quelle man jetzt glauben mag, sind die Weine nur jung zu genießen (Wikipedia) oder können auch gut gelagert werden (Wine Grapes). Mit einem 2004er Jahrgang wäre der Wein nach Wikipedia wohl nicht mehr genießbar.
Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein noch etwas derb. Frischer Brotteig. Es folgen eine Hauch Mango, etwas Honig und getrocknete Birne.

Der erste Schluck gibt sich voll mit einer anregenden Säure, die einen Hauch länger im Mund verweilt. Eine Abfolge von getrocknetem Obst, Apfel, dann Birne, Feige und zum Abschluss Rosinen.

Mit dem Erwärmen des Weins kommt buttrige Mango, getrocknete Birne abwechselnd mit gekochter Birne raus. Ab und an blitzt auch etwas geröstete Haselnuss hervor. Erinnerte mich etwas an den 1996er Pacherenc, nur nicht ganz so expressiv.
Ein weiterer Schritt ist getan, meine Vorurteile abzubauen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Wikipedia nicht immer zu trauen ist. Zu viele Köche.

pH: 2.85
Brix: 6.9
Alkohol: 13% Vol

2012 Vigna del Baffo, Agostinetto, Prosecco extra dry, Valdobbiadene

Dass ich kein Fan italienischer Weine bin, hat etwas mit dem heutigen Wein zu tun, einem Prosecco. Ich habe diesen als bestenfalls süffiges Getränk, oft aber auch nur als belanglose Plörre, die man maximal für einen Spritz gebrauchen kann, kennen gelernt.

Mein Wein-Dealer des Vertrauens ( Die Weinkarte ), der zufälligerweise direkt neben meinem Arbeitsplatz sein Geschäft betreibt, hat mir aber dann den Vigna del Baffo von Agostinetto ans Herz gelegt. Alte Reben, zum Teil noch auf den eigenen Wurzelstöcken hieß es, wirst du nicht bereuen. Der Preis von um die 13€ wurde berappt und die Flasche nach Hause mitgenommen. Im Internet war nicht viel über den Wein zu erfahren. Über 60 Jahre alte Rebstöcke, in Edelstahl ausgebaut. 30% Kaltmazeration. Da blieb mir dann nichts mehr anderes übrig, als die Flasche zu öffnen.

In der Nase feine Hefe, leichte Melone, Bergwiesen-Heu. Dann Brot, etwas Satsuma-Mandarine, bei weiterem Erwärmen noch Spuren von Schweinebraten.

Bei feiner Perlage ein zarter Bitterton und leichteste Süße. Brot und Heu im Abgang, gefolgt von Melone. Säure nicht so präsent wie bei einem Champagner.

Welten liegen zwischen dem Vigna del Baffo (Schnurres-Weinberg) und den schnell verblassenden Erinnerungen an all die anderen Proseccos. Dabei ist das anscheinend noch nicht mal die Top-Cuvée von Agostinetto gewesen. Einen Cartizze und einen Prosecco aus 6 Monate getrockneten Glera-Trauben macht er auch noch…

pH: 2.76

Brix: 6.8

Alkohol: 11.5 Vol%

Elbling Battle 1994 Spätlese vs 1996 Auslese

Der Elbling gilt als älteste Rebsorte Deutschlands. Es wird ihr sogar nachgesagt, von den Römern vor 2000 Jahren nach Germanien gebracht worden zu sein. Das lässt sich natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, aber vor 200 Jahren war sie noch die meist verbreitete Rebsorte in Deutschland. Heute ist sie nur noch an der Mosel und auch am Bodensee anzutreffen. Meist für die Sektproduktion angedacht, finden sich ansonsten eher Schoppen-Weine von neutralem Charakter und kräftiger Säure. Vereinzelte Winzer versuchen etwas mehr Geschmack durch längere Reifung auf den Hefen (sur lie) in den Wein zu bringen. Vorbild ist hier der Muscadet sur lie von der westlichen Loire, der auch mit einem Image-Problem und niedrigen Preisen zu kämpfen hat.

Der möglicherweise einzige Winzer, der regelmässig den Elbling zu Spätlese und Auslese-Weinen reifen lässt, ist Baron von Hobe-Gelting vom Weingut Schloss Thorn. Dieses liegt auf der deutschen Seite der Obermosel gegenüber von Remich in Luxemburg, in einem von Muschelkalk geprägten Abschnitt. Neben dem Elbling ist das Weingut auch bekannt für seinen Sauvignon Gris, einer Mutation des bekannteren Sauvignon Blanc.

Der Jahrgang 1994 gilt als sehr gut. Die Rebblüte war um 1 Woche früher als normal, ein heißer August brachte die Reife der Trauben um 2 Wochen nach vorne. Doch der lange Regen im September förderte dann frühe Fäule, die im sonnigen Oktober als Edelfäule zu vielen Auslesen und höherwertigen Weinen führten. Bei all dem haben sich die Weine aber eine kräftige Säure bewahrt.

Im Gegensatz dazu der Jahrgang 1996: Ein Spätstarter, der durch Wetterwechsel in den entscheidenden Anfangsphasen mit einem drastischen Rückgang der Erntemenge zu kämpfen hatte. Erst ein sehr guter Oktober brachte die Wende: hohe Säure und Mostgewichte mit viel Extrakt. Kaum Edelfäule.

Der Battle, 1. Tag:

1994 Spätlese, ganze Flasche:

Frisch aus dem Kühlschrank: Honig, Kreide, Limette. Der Honig wird stärker, leichte Vanille, Kamille, Körnerjoghurt. Im Mund relativ voll mit einer kräftigen Säure, die aber zuerst noch von der Fülle verdeckt wird. Leichte Restsüße, die eher an Kabinett erinnert. Aromen von leichtem Champignon, überreifer Zitrone und Honig im Mund, wird von leichtem Oxi-Ton eingeholt.

1996 Auslese, halbe Flasche:

Auch frisch aus dem Kühlschrank: Porridge mit Honig. Der Honig wird mit der Zeit stärker, hinzu kommen etwas gebackene Banane und Kerbel. Im Mund ähnlich voll wie die Spätlese, etwas geringere Säure, höherer Restzucker, ähnlich einer Spätlese. Oxi-Noten mit Karamell im Nachgeschmack. Wärmer kommt der Wein etwas breiter durch und zeigt Aromen von Tomatensaft, Honig, Karamell.

Der erste Tag endet mit einem leichten Punktsieg für die Auslese, fühlt sie sich ausgewogener an.

Battle, zweiter Tag:

1994: Honig, ungeröstete Nori-Alge in der Nase. Überreife Zitrone und Honig im Mund.

1996: Sojasauce (Oxidation), leichter Honig. Im Mund Zitrone und leichte Sojasauce. Dieser Wein hat seinen Zenit leider überschritten.

Ein klarer Sieg für die Spätlese. Ob da jetzt der Jahrgang eine Rolle spielt oder einfach nur das größere Format der Flasche, werde ich wohl nicht mehr erfahren.

 

 

 

2007 Ribolla Gialla – Tenuta RoncAlto Livon, Collio

Auf die Spur gebracht von einem Weinfreund aus Brasilien (Obrigado, Jandir), habe ich heute die seltene Rebsorte Ribolla Gialla im Glas. Selten ist hier eher relativ. Im Friaul wuchsen im Jahr 2000 284 ha. Bei den Nachbarn in Slowenien firmiert sie unter dem Namen Rebula und wurde 2003 auf 1185 ha angebaut. Berühmt geworden ist sie vor allem durch Josko Gravner im Friaul, der die Ribolla in der Amphore ausgebaut vermarktet. Mit extrem langer Maische erhält der Wein eine dunklere Farbe und wird deshalb auch als Orangewein bezeichnet. Aber bevor ich mich an solch einen Wein wage, versuche ich erst einmal eine konventionelle Ribolla. Mit dem Jahrgang 2007 nicht gerade der jüngste aber mit zwei Gläsern bei der roten Garnele ausgezeichnet.

Im Glas zeigt sich die Farbe noch jung, Wiesenblütenhonig, buttriger Haferkeks, Hauch von Quitte. Später dann getrocknete Ananas, Vanille, Dulce-Milchschokolade. Ich denke an Eichenfass, laut Livon aber zu 100% im Stahlfass ausgebaut.
Im Mund wirkt er sehr voll, dämpft zuerst die Säure, die danach aber klar heraus kommt. Getrocknete Ananas, leichter Karamell im Nachgeschmack mit leicht bitterem Ende.

Und plötzlich ist die Flasche leer…

Der Wein hat auf jeden Fall noch Potential für ein paar Jahre, vorher muss ich aber noch einen Orangewein probieren.