Archiv der Kategorie: Battle

Direkter Vergleich zwischen zwei oder mehr Weinen. Verbunden durch Jahrgang, Rebsorte oder Anbaugebiet.

Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

100 Jahre Scheurebe

Nach dem Rebenblut schon letztes Jahr 99 Jahre Scheurebe gefeiert hat, gibt es heute eine kleine Auswahl an unterschiedlichsten Scheureben aus deutschen Landen.

Der erste Vertreter, aus Franken, ein handgelesener trockener Wein von der Weininsel im Main. Weinberg mit südliche Ausrichtung. Der Winzer, Otmar Zang, ist vor allem auch für seinen Alten Satz bekannt, ein Wein aus dem ältesten Weinberg Frankens von 1835.

Otmar Zang Scheurebe

In der Nase: Grapefruit, Bananenkaugummi, Holunderblüte, Jackfruit,  Mirabelle und eine Note von künstlicher Wildkirsche.

Relativ voll mit ausbalancierter Säure und leichter Süße. Lange Bitterste mit künstlicher Wildkirsche im Nachgeschmack.

Am zweiten Tag: Holunderblüte, Guave und Grapefruit.

Insgesamt ein fruchtig erfrischender Vertreter, leider ist für mich persönlich diese künstliche Wildkirsche mit unangenehmen Erinnerungen verbunden.

 

Die zweite Scheurebe, ein Sekt aus der Pfalz vom Wein – und Sektgut Kissel aus der Pfalz. Neben den klassischen Champagner-Reben und Riesling versektet dieses Weingut auch Scheurebe und Sauvignon Blanc. Dieses Exemplar von 2007 lag 5 Jahre auf der Hefe.

Kissel Scheurebe Sekt

Auch hier erstmal die Grapefruit, etwas Lakritze, dunkles Bauernbrot, etwas Schwarze Johannisbeeren-Konfitüre.

Im Mund feine Perlage, ziemlich voll, leichtes Bitter. Schwarze Johannisbeere. Ich vermisse etwas an Säure. Langer Nachgeschmack von frischer Lychee und Grapefruit.

Am zweiten Tag etwas Löwenzahn samt Bitternote im Mund.

Meine erste Erfahrung mit einem Scheurebe-Sekt und hoffentlich nicht die letzte.

 

Der dritte Vertreter der Runde, ein Kabinett vom Weingut Geil in Buchheim, Rheinhessen. Jahrgang 2013.

 

Geil Scheurebe Kabinett

In der Nase sehr dezent: etwas Grapefruit und Holunderblüte.

Am Gaumen Wehrsekret eines Marienkäfers… Deutlich wahrnehmbare Restsüße, relativ voll, dabei aber auch weich/wässrig wenn das irgendwie Sinn ergibt. Säure ist relativ niedrig. Lychee aus der Dose im Nachgeschmack.

Der zweite Tag überrascht mit einem leichten Duft von Riesling, Pilz, Honig. Insgesamt erinnert er mich an diesen Tag an einen Chenin Blanc von der Loire von einem nassen Jahrgang.

Hatte mich nicht richtig überzeugen können, vielleicht war er für meinen Geschmack auch nur einfach zu jung.

 

Der vierte Wein kommt von der Mosel, vom Weingut Franz-Josef Eifel, aus der berühmten Lage Trittenheimer Altärchen. Dies ist die erste Scheurebe von der Mosel die ich bisher gesehen habe.

Eifel Scheurebe

Auch dieser Wein startet eher leicht in der Nase: Zitrus wie Limette und Grapefruit, ein Hauch von Holunderblüte. Später Flieder und weisse Schokolade. Am Gaumen eine lebhafte Säure mit einer leichten Süße, lange Grapefruit die sich in Amerikanische Fanta Weintraube umwandelt.

Am nächsten Tag: Limette, Grapefruit mit dunklem Brot und Honig im Nachgeschmack.

Dieser Wein hat mich mit seiner Säure und Mineralik überzeugt, ich bin auf andere Jahrgänge gespannt.

 

Der letzte Wein dieser Reihe ist vom VDP Weingut Kruger-Rumpf an der Nahe, eine Spätlese Jahrgang 2013.

Kruger-Rumpf Scheurebe

In der Nase: Bananen-Kaugummi, reife weiße Grapefruit, Birne.

Eine schöne Balance von Säure und Süße, mit einem leichten Prickeln auf der Zunge und Bananen-Kaugummi am Gaumen. Holunderblüte im Nachgeschmack.

Am nächsten Tag etwas Ananas, Birne und Mirabelle.

Bei diesem Wein hatte ich etwas mehr Komplexität erwartet. Vielleicht war er aber auch nur einfach zu jung. Da hätte ich wohl noch den dritten Tag abwarten müssen, aber da war die Flasche leider schon leer. Nicht komplex aber süffig…

 

99 Jahre Scheurebe Teil 1

2016 feiert die Scheurebe 100 jährigen Geburtstag, also höchste Zeit, ein paar Flaschen auf dem Balkon zu öffnen.
Diese aromatische Rebsorte wurde von Georg Scheu in Alzey, Rheinhessen, aus Riesling und Bukettraube gekreuzt, wobei er angenommen hatte, statt Bukettraube Silvaner verwendet zu haben. Dieses konnte aber durch einen DNA-Test korrigiert werden.
Zuerst wurde die Scheurebe als Alzey S88 bezeichnet. Zwischen 1930 und 1945 musste sie den Namen des Landesbauernführers von Hessen-Nassau, Richard Wagner, tragen, ein Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS. Erst 1950 wurde der heutige in Deutschland gebräuchliche Name, Scheurebe, festgesetzt. Bei unseren Nachbarn in Österreich wird häufig noch eine Abwandlung der Ursprungsbezeichnung, Sämling 88 verwendet.

Im ersten Teil stehen sich 4 Weine aus Rheinhessen, dem Ursprung der Scheurebe entgegen. Vier Winzer, vier Jahrgänge. Alle um die 10€.

Gysler Scheurebe
Aus Alzey selbst kommt das Weingut Gysler. Einer der wenigen Winzer, die sich auch an einer trockenen Huxelrebe versuchen.

Mit dem ältesten Wein aus dem Jahrgang 2011.

Leckere Frucht in der Nase: Grapefruit, Katzenpipi, aber auch gereifte Töne wie dunkles Bauernbrot aus dem Holzofen. Weich mit ausbalancierter Säure mit Grapefruit und Vanille im Mund. Blumiger Nachgeschmack.

 

Wagner Stempel Scheurebe
Das VDP Mitglied Wagner-Stempel ist mit dem Jahrgang 2012 vertreten.

Sehr viel Zitrus im Glas: Grapefruit, Limette, erinnerte auch etwas an Sprite-Limonade. Weicher als der Gysler mit ähnlicher Säure. Limette nochmals im Nachgeschmack.

Kuehling Gillot Scheurebe

Ein weiteres VDP Mitglied ist Kühling-Gillot, mit dem Qvinterra 2013.

Eine wahre Fruchtbombe im Glas, vielleicht für den einen oder anderen zu aromatisch.

Erschlagen von Jackfruit, Guave, Schwarze Johannisbeere, grüne Mango und einem Hauch Honig. Kräftige Säure, die das an sich schwere Aroma belebt. Was die Nase verspricht, hält sie auch am Gaumen mit ähnlich expressiven Aromen.

Manz Scheurebe Kalkstein

Der Jahrgang 2014 wird vom Weingut Manz aus Weinolsheim vertreten.

Der jüngste  und auch hellste Wein von allen. Etwas verhaltene Nase: Birne, Grapefruit, weiße Blüten und ein Hauch Banane. Riecht süß, ist er aber nicht. Aber auch weniger Säure als die anderen Scheureben. Etwas kurz.

 

Meine persönlichen Favoriten waren diesmal die  Weine von Gysler und Kühling-Gillot.

Der Gysler mit dem Mix von Sekundär und Tertiär-Aromen. Der Qvinterra dank seiner hervorstechenden Aromatik.

Weitere Scheureben-Beiträge sind in Planung: Pfalz, Franken, Süß, Gereift

Savoie Wein Battle Gringet Geschwefelt vs ungeschwefelt

Eine Rebsorte, die ich schon immer gesucht aber nie in Deutschland gefunden habe ist Gringet, eine fast ausgestorbene Rebsorte aus den französichen Alpen. Sie wurde als Mutation der Savagnin-Rebe gesehen, aber DNA-Tests haben dies ausschließen können. Gringet wird meines Wissens nach nur von der Domaine Belluard in Ayse als reiner Gringet ausgebaut.

Rebenversuchsanbau Domaine Méjane Gringet

Die Domaine Belluard betreibt Weinbau nach biodynamischen Prinzipien. 95% Gringet als Weißwein oder auch als Schaumwein, etwas Altesse und Mondeuse werden angebaut.

Als ich dann im Newsletter von Vins Vivants las, daß das Weingut endlich in Deutschland vertreten ist, musste ich unbedingt zuschlagen. Und habe dabei unteranderem diese beiden Weine erstanden: die Weine Les Alpes und Pur Jus 100% aus dem Jahrgang 2012. Dabei handelt es sich eigentlich um genau den selben Wein, nur dass der Pur Jus 100% ungeschwefelt abgefüllt wurde. Zum Teil in Beton-Eiern ausgebaut, nur mit den Terroir-eigenen Hefen und Bakterien.

Der Battle:

Les Alpes 2012:

Im Glas schönes Gelb. Interessante Nase: Apfel, Räucherspeck, frittierte Petersilie und gekochte weiße Bohnen.
Im Mund relativ voll mit lebhafter Säure, Apfelsaft, etwas Cidre mit einem leicht kreidigem Mundgefühl, als ob ein paar Tannine den Weg in den Wein gefunden haben. Nachgeschmack von Cidre und Zitrus.
Etwas später Blumen, Apfel und gekochte Bohnen.
Noch später: Joghurt, Wachs, Apfelschale, Honig und Mirabelle

Am nächsten Tag: Schweinefleisch und Apfel, Zitrus und Trockenblumen Abgang mit einem Hauch von Esskastanie.

Pur Jus 100% 2012:
Von der Farbe etwas dunkler als der Les Alpes.
Heu, Trockenblume, Cidre, Honig und Champignon, Schweinefleisch mit Bohnen, leichter Anflug von Brett mit Ziege. Joghurt und Honig Abgang.

Später: Apfel, Bouillon-Pulver, weiße Blumen, Pflaume
Noch später: Honig, Apfel, kräftige, fast künstliche Kirsche. Apfelig, kräutriger Abgang.

Am nächsten Tag: Minze, Lakritze, Apfel und Zitrus.

Fazit

Beides sind sehr interessante Weine, vor allem die eher ungewöhnlichen Noten von Schwein und Bohnen die in allen Weinen zu finden waren haben mich angenehm überrascht. Der Pur Jus 100% ist sehr sauber verarbeitet worden. Selbst nach einer Woche gab es noch keine Anzeichen von Essigbakterien, obwohl ich den Wein ohne Kork über meiner zugegebener Weise kaum benutzen Heizung stehen hatte. Auch war der Unterschied zwischen beiden Abfüllungen sehr groß mit einem leichten Vorsprung für den Pur Jus 100%, der sich auf Dauer als etwas komplexer erwies.

Bouzeron A&P. de Villaine Battle 1998 vs 2002 vs 2004

Bouzeron 2004
Dass im Burgund außer Pinot Noir und Chardonnay noch andere Rebsorten angebaut werden, haben wir beim Pinot Gris-Battle gesehen. Zu den bekannteren Rebsorten, die noch angebaut werden, gehören die Gamay noir a jus blanc und die Aligoté-Rebe. Letztere hat im Burgund eine eigene Appellation, die Bourgogne Aligoté AOC. Ihre Weine sind leicht, mit kräftiger Säure und werden hauptsächlich zum Mischen mit Créme de Cassis als Kir verwendet. Eine Sonderstellung hat die Bouzeron AOC, ein kleines Gebiet um das Dorf Bouzeron in der Côte Chalonnaise. Diese Weine sind aus 100% Aligoté, müssen aber seit 1998 nicht mehr den Zusatz Aligoté tragen.
Die ersten Namen, die im Zusammenhang mit Bouzeron auftreten, sind Aubert und Pamela de Villaine, Mitbesitzer der Romanée-Conti. Hier haben sie ihr eigenes Weingut mit Weinen zu zivilen Preisen.
Der Jahrgang 1998, der erste Jahrgang der Bouzeron AOC, gilt für Weißweine als schwierig, da die Weine nicht viel Säure haben, das Reifepotential also eher gering ist. Die Aligoté hat davon ja eher mehr, vielleicht gleicht sich das aus.
Der Jahrgang 2002 hingegen gilt als sehr gutes Weißweinjahr, mit ausreichend Säure und Konzentration.
2004 war der Ertrag durchgehend etwas höher, was niedrigeres Mostgewicht und hohe Säure brachte.

Außer der Reihe kämpft noch ein anderer Aligoté aus dem Burgund mit, der 2002er Vieilles Vignes vom Château du Cary Potet, auch aus der Côte Chalonnaise. Diesen Winzer habe ich auf meiner ersten Weinmesse in Lille kennengelernt.

Let the Battle begin:

1998 Bouzeron, de Villaine:
Schlieren in der Flasche.
Oxi-Nase: Sherry, Sojasauce. Mineralische Säure im Mund, Christstollen mit Rosinen und Marzipan im Abgang.
Im Eisch-Rieslinglas verschwindet die Oxi-Nase. Dafür frischer Koriander mit Wurzel, etwas Mandarine.
pH: 2.81
Brix: 6.2
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Bouzeron, de Villaine:
Frisch aus dem Kühlschrank leichter Champignon und Honig. Erinnert an einen einfachen, jungen Chenin Blanc von der Loire, dann Kreide und gekochter Apfel. Weicher, voller als der 98er, leichter Pfeffer im Abgang.
pH: 2.84
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Aligoté de Bourgogne Vieilles Vignes, Cary Potet:
Hochwertiger Kunststoffkorken.
Dickmilch mit frischen Trauben. Leichter als der 2002er Bouzeron. Im Mund oxidativ, Soja und Sherry, etwas roher Apfel und Rosine.
pH: 2.83
Brix: 6.4
Alkohol: 12.5 Vol%

2004 Bouzeron, de Villaine:
Leichte Kreide und Apfel, Dill. Im Mund leichter Oxi-Ton. Sonnenblumenöl, Vollkornbrot und getrockneter Apfel im Nachgeschmack. Weicher als der 2002er Bouzeron.
pH: 2.94
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

Der 1998er Bouzeron ist leider schon etwas zu alt. Am besten gefällt mir noch der 2002er Bouzeron, der Cary Potet aus dem gleichen Jahrgang zeigt leider nicht die selbe Qualität und ist auch fortgeschrittener. Ob das am Korken liegt? Der 2004er ist jahrgangsgemäß etwas einfacher gebaut. Insgesamt ist Aligoté nicht unbedingt eine Rebsorte die man lange lagern sollte.

Battle Vin de Savoie Malvoisie 2011 vs Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot 2010

Im heutigen Battle treten der 2011er Vin de Savoie Malvoisie Cuvée Prestige von der Domaine Grisard gegen den 2010er Vin de Pays de Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot La Mystérieuse vom Vignoble de Flavigny-Alesia gegeneinander an. Die Trauben beider Weine wurden per Hand gelesen, aber das kann ja nicht die Gemeinsamkeit sein, die einen Battle rechtfertigen würde. Ok. Es sind beides Weißweine, aus Frankreich… Beide Winzer sind Mitglied von France-Passion, einer Organisation, bei deren Mitglieder Wohnmobilisten nach Kauf einer Vignette umsonst beim Weingut übernachten können.
Und es sind beides Weine aus der Pinot Gris oder Grauburgunder-Rebe.
In Frankreich hat die Pink-farbene Farbmutation des Pinot Noirs genauso wie sein weißer Gegenpart einen schweren Stand. Die Anbaufläche des Pinot Gris beträgt noch nicht einmal ein Zehntel, die des Pinot Blanc knapp ein Zwanzigstel des Pinot Noir. Beide werden vorwiegend im Elsaß angebaut, wo Pinot Blanc meistens als Zugabe zum Cremant d’Alsace angebaut wird, wogegen der Pinot Gris zu den 4.5 Grand Cru Rebsorten zählt. 4.5 deshalb, weil neben den allgemein zugelassenen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling der Silvaner eine Sonderstellung mit dem Grand Cru Zotzenberg hat. Hier war der Pinot Gris bis zu den Beitrittsverhandlungen Ungarns zur EU als Tokay bekannt, was eher auf einen Re-Import schliessen lässt, als auf ein langsames Ausbreiten von Burgund aus. Ansonsten gibt es noch die Reully AOC, wo Pinot Gris zusammen mit Pinot Noir in die Traubenpresse gelangt und dann als Rosé abgefüllt wird. Im Burgund ist sie zwar offiziell für viele Rotweine zugelassen, wieviel aber davon wirklich in die Eichenfässer findet, dürfte sich stark in Grenzen halten.
Das Gebiet der Coteaux de l’Auxois gehört zwar offiziell zum Burgund, die Weine liegen aber außerhalb der Bourgogne AOC. Anstatt Weinberge kann man hier eher kräftig gebaute Rinder auf grünen Wiesen begutachten. Das Auxois ist eine alte Grafschaft im westlichen Teil des Herzogtums Burgund. Das Weingut Vignoble de Flavigny-Alesia liegt südlich des durch den Film Chocolat mit Johnny Depp und Juliette Binoche bekannt gewordenen Orts Flavigny-sur-Ozerain und auch nicht weit vom geschichtsträchtigen Ort Alesia, an dem Julius Cäsar 52 v. Chr den Galliern die vollständige Niederlage zufügte. Neben dem Grauburgunder werden hier auch Spätburgunder, Chardonnay, Auxerrois und César angebaut. Den Wein habe ich vor zwei Jahren direkt vor Ort erworben. In Anspielung an die Schlacht von Alesia hat die Flasche wohl auch die Form einer Amphore erhalten.
Den Malvoisie von Domaine Grisard habe ich vor einem Jahr in Mens gekauft, wie auch den Verdesse. Zuerst war mir nicht bewusst, dass es sich hier um einen Pinot Gris handelt, ich hatte noch die Hoffnung auf einen seltenen Malvasia bianca di Piemonte. Aber die Domaine Grisard wird schon wissen, was sie vinifiziert, betreibt sie neben dem Weinbau doch auch noch eine pepiniere viticole, eine Rebschule für seltene Rebsorten der Alpen.

Frisch aus dem Kühlschrank:
Vin de Savoie: Birne, leichter Muskat-Ton, Kreide. Weich und halbtrocken.
Coteaux de l’Auxois: leichter Pfirsich, Apfelkitsche, grüne Haselnuss, Rapshonig. Kräftige, anhaltende Säure mit Bitterton.

Zimmertemperatur:
Vin de Savoie: Birne, getrocknete Mango und frische, reife Mango, etwas Bienenwachs. Leichter Pfeffer im Abgang.
Coteaux de l’Auxois: leichter Champignon und Senf. Würzig im Mund, Himbeer-Vinaigrette.

Kombiniert mit:
Vin de Savoie: gebratene Jakobsmuschel
Coteaux de l’Auxois: Plat de Charcuterie

Von der Aromatik gewinnt klar der Malvoisie aus den Savoyen, bei Balance hat der Burgunder knapp die Nase vorn. Insgesamt ist dann der Savoyer knapper Gewinner.

Vin de Savoie:
pH: 3.25
Brix: 7.2
Alkohol: 12.5 Vol%

Coteaux de l’Auxois:
pH: 2.84
Brix: 6.1
Alkohol: 12 Vol%

Nach 2 Tagen im Kühlschrank…
Vin de Savoie:
Williams-Birne, frische und reife Mango, leichte Ananas. Süße kommt stärker raus.

Coteaux de l’Auxois:
Senf, Birne, unreife Mango, leichte Zwiebel. Säurebetont.

90er Austria kleine Flaschen Battle: 96er Grüner Veltliner vs 99er Roter Veltliner Auslese vs 93er Neuburger BA

Heute fand eine kleine Runde kleiner Flaschen aus Österreich den Weg in meine Küche. Alles Flaschen aus den 90er Jahren, alle zwischen 0.375 und 0.5 Liter Größen. Ein einfacher Grüner Veltliner aus dem Jahrgang 1996 von einem nicht unbedeutenden Weingut aus Langenlois, eine 99er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken, auch aus dem Kamptal sowie eine 93er Beerenauslese von der Neuburger-Rebe aus Rust. Bis auf den Grünen Veltliner sind hier Rebsorten vertreten, die nicht besonders für ihre Lagerfähigkeit bekannt sind. Was, kombiniert mit der Tatsache, dass es sich um kleine Flaschen handelt, eher für ein kurzes Weinerlebnis spricht.

1996er Langenloiser Steinhaus Grüner Veltliner trocken vom Sonnenhof Jurtschitsch:
Direkt nach dem Öffnen bezaubert der Wein mit einem Bild von einem frischen Weissbrot kräftig bestrichen mit Butter und Alpenrosenhonig. Nach 5 Minuten verdrängt gekochter Apfel den Honig. Im Mund gute Säure, Apfel und Honig, leichter weißer Pfeffer im Abgang. Leider baut der Wein schnell ab, wird Sherry-lastig, oxidativ.
pH: 3.27
Brix: 6.6
Alkohol: 12 Vol%

1999er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Kamptal Rosenberg vom Weingut Mayer-Hörmann:
Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Mayer-Hörmann
Die Nase zeigt einen Apfel-Grundton, der von einer starken Kräuternote (Salbei, Thymian) begleitet wird. Er ist sehr vollmundig, eine leichte Süße, adequat ausbalancierte Säure und leichte Bitternote, die die Kräuternote noch hervorhebt. Dieser Wein kommt aus der 0.5 Liter Flasche und zeigt sich auch nach 2 Stunden noch unverändert.
pH: 3.21
Brix: 9.6
Alkohol: 14.9 Vol%

1993er Neuburger Beerenauslese Rust vom Weingut Marienhof Gerhard Just:
93er Neuburger BA Weingut Marienhof Gerhard Just
Der Neuburger erinnert stark an einen Gewürztraminer. Getrockneter Pfirsisch, Honig, Rose, kurz kräftige Nori-Alge, die aber schnell wieder verschwindet. Eine für die Süße etwas zu geringe Säure und der Bitterton spielen auch in die Hand von Gewürztraminer.
pH: 3.53
Brix: 12.1
Alkohol: 14.5 Vol%

Am meisten haben mir die ersten Minuten des Grünen Veltliners gefallen. Insgesamt hat aber sonst der Rote Veltliner die Nase vorn, er zeigt sich aromatisch und ausbalanciert.

Fiano Battle Naturalia Factory: 2001 vs 2000 Vendemmia Tardiva

Nach dem 2004er Fiano, der sich noch relativ frisch zeigte, wollte ich herausfinden, ob sich ein Fiano noch länger lagern lässt. Und bin dafür dann in die Untiefen meines Weinkellers geklettert, um mit 2 Flaschen heraus zu kommen, beide von Naturalia Factory. Ein Fiano di Avellino aus dem Jahr 2001 und ein Fiano dell‘ Irpinia Vendemmia Tardiva aus dem Jahre 2000. Dies wird wohl ein ungleicher Battle werden. So wird der Jahrgang 2000 in Kampanien von Rober Parker mit 92 und der 2001 nur mit 91 Punkten bewertet. Weiterhin ist der 2000er eine Spätlese, während der 2001er nur mit seiner Herkunft (DOCG Avellino vs IGT Irpinia) punkten kann.

Farbe:
Hier zeigt sich der 2001er gereifter, dunkler. Etwas überraschend.

Nase:
Der 2001er kommt frisch aus dem Kühlschrank mit gekochter Birne, Hafer-Porridge mit getrockneten Apfelstücken, grüner Haselnuss. Später dann Porridge mit Mandarinenstückchen aus der Dose und gekochter Birne, Mandelmus.

Der 2000er zeigt ein Bouquet, welches ich eher einem vin naturel zusprechen würde. Hefe und leichter Essig. Dazu getrocknete Birne gefolgt von getrockneter Ananas und Mandarinensaft.

Mund
Der 2001er zeigt sich voll mit animierender Säure und leichtem Bitterton. Feine Sherry-Note, Porridge mit Mandarinen im Abgang.

Im Gegensatz dazu lässt der 2000er jegliche Restsüße vermissen, die man bei einer Spätlese erwartet hätte. Auch er ist voll, mit einer weichen Säure. Eine Mischung von Birnensaft, Mandarinensaft und Wasser.

Ergebnis:
Der 2001er überrascht und lässt den enttäuschenden 2000er weit hinter sich. Qualitativ liegt er etwas hinter dem 2004er Bechár, was Hoffnung auf ein paar schöne Momente mit dem Bechár in einigen Jahren wecken lässt. Auch zeigt sich, dass man sich nicht auf irgendwelche Jahrgangsbewertungen verlassen sollte. Dafür ist Wein einfach eine zu komplexe Angelegenheit.


Werte:

2001
pH: 3.17
Brix: 6.4
Alkohol: 12% Vol

2000
pH: 3.10
Brix: 5.8
Alkohol: 14% Vol

2012 Grauburgunder, Enderle & Moll – Schwefel-Battle : 25 mg/l vs 0 mg/l

Bei einem Vin Naturel Tasting in der Vincaillerie in Köln, bei dem auch der Spätburgunder Rosé von Enderle & Moll ausgeschenkt wurde, erwähnte die symphatische Besitzerin, Surk-Ki Schrade, daß sie sich von den beiden Winzern aus Münchweier/Baden einen Grauburgunder Schwefel-frei hat abfüllen lassen. Auf eigene Gefahr. Die normale Cuvée kommt bis zum Abfüllen ohne Schwefel aus. Erst dann werden 25 mg/l hinzugefügt, um den weiteren Transport sichern zu können. Ein direkter Vergleich, da konnte ich mich nicht zurückhalten und musste gleich meine kleine Einkaufsliste um beide Grauburgunder erweitern.

Über die jungen Winzer Sven Enderle und Florian Moll ist schon viel geschrieben worden. In deutschen Blogs wird oft auf deren Namen rumgeritten, er klinge wie der einer Anwaltskanzlei oder Werbeagentur. Mir kommt die Assoziation zu Endemol, dem großen Fernsehproduzent aus den Niederlanden, denen wir Fernsehjuwelen wie Traumhochzeit und Big Brother zu verdanken haben.

Inhaltlich kann ich aber besonders den englischen Blog-Eintrag auf Wine Terroirs von Bertrand Celce empfehlen, der bei Vin Naturel immer mit dabei zu sein scheint.

Da es sich bei dem Schwefel-freien Wein um eine Sonderabfüllung handelt, hat die Flasche kein extra Etikett, aber ich würde die Weine trotzdem unterscheiden können, meinte Surk-Ki, und ich musste ihr beim Einpacken der Flaschen recht geben. Ohne ist um einiges kräftiger an Farbe als mit.

Dann der Battle:

Mit Schwefel:

Leichter Rosa-Stich. Den Grauburgunder ein wenig länger auf der Maische stehen lassen als gewöhnlich würde diesen Farbton erklären.

Erste Nase zeigt leichte Hefe, etwas Pfirsisch. Die Hefe bleibt und wird von Birnenschale, dann leichter weißer Schokolade begleitet.

Im Mund wirkt er voll, mit süffiger Säure und leichtem Bitterton. Lakritze, Birne, lange Säure, Hefe bleibt im Hintergrund zu schmecken.

Später in der Nase dann Lakritze, Birne, Hauch von Thymian, immer wieder Hefe. Mit der Zeit wandelt sich Hefe zu Brot, kommt beim Schlucken aber wieder hervor.

pH: 3.12

Brix: 6.6

Alkohol: 12% Vol

Ohne Schwefel:

Kräftigeres Rosa.

In der Nase würziges Brot, leichte Birne. Dazu dann feiner Honig von der milden Sorte. Dann Hafer-Porridge mit Birnenkompott. Abate-Birne, getrocknete Ananas. Buttriger Haferkeks. Von Hefe keine Spur.

Die Säure wirkt etwas milder. Apfelige Aromen im Mund, der Bitterton verschiebt sich etwas nach hinten. Leichte Bier-Note mit Birne gefolgt von Honig im Nachgeschmack.

Später dann Hafer, Birne, leichte, frische Minze, etwas milder Honig.

Noch später (ca 30 Minuten nach Öffnen) verliert der Hafer, dafür kommt Apfelmus zur Birne hinzu. Im Mund lange Lakritze mit Apfel & Birne.

Drei Tage später kommt auch noch Pfirsich hinzu.

pH: 3.22

Brix: 6.7

Alkohol: 12% Vol

Resumée:

Es ist ein klarer Unterschied zwischen den beiden Weinen festzustellen.

Der ungeschwefelte Grauburgunder hat für meinen Geschmack in allen Punkten die Nase vorne, bin ich aber auch ein Liebhaber von gereiften Weinen. Denn diesen Eindruck habe ich von dem Wein. Perfekt gereift. Der leicht geschwefelte kann noch etwas die Hefe-Aromen abbauen, aber zeigt sich auch als Grauburgunder mit Charakter.

 

Traubensaft Battle Schweiz vs Österreich, Müller Thurgau vs Grüner Veltliner

Nach den alkoholreichen Feiertagen gibt es heute einen Rebsorten-Battle ohne den Kater-machenden Grundstoff. Aber keinen entalkoholisierten Wein, sondern die Vorstufe: Traubensaft. Meist wird im Supermarkt ein generischer Traubensaft in den Farben Rot oder Weiß angeboten. Manchmal wird die Herkunft des Mostes angegeben, die Rebsorten aber nicht. Bei vorweihnachtlichen Einkäufen in Düsseldorf sind mir aber je zwei sortenreine Traubensäfte in den Farben Rot und Weiß  in die Hände gefallen.

Von der Staatskellerei Zürich ein Müller-Thurgau (bzw. Riesling-Sylvaner) und ein Pinot Noir (Blauburgunder), beide aus Züricher Trauben, je 0.75 Liter unter 4€ bei Mövenpick.

Vom Stift Klosterneuburg ein Grüner Veltliner und ein St. Laurent. Beide ungefiltert und aus den eigenen extensiven Weingärten rund um den Großraum Wien und mit Vitamin C vor Oxidation geschützt. Diese kommen als Literflasche daher, 5.50€ bei Manufactum.

Um den Traubensaft haltbar zu machen, wurden sie wohl alle pasteurisiert, was Aromen-Verlust und -Veränderungen hervorbringen kann.

Auch ob die Säfte von jungen Rebstöcken stammen, deren Trauben noch nicht legal zur Weingewinnung verwendet werden dürfen, kann ich nur spekulieren.

Heute kommen erstmal die Weißen zum Zuge.

Schweiz/Müller-Thurgau:

Im Glas klar, zeigt sich kein besonders hervorstechendes Aroma. Blind würde ich auf Traubensaft tippen. Milde Säure, nur leichte Süße, relativ voll. Im Mund dann Honig, Banane und gekochte Birne im Nachgeschmack.

pH: 3.25

Brix: 15.2

Österreich/Grüner Veltliner:

Der Veltliner ist trüb, zusätzlich zum Traubensaft hat es etwas gekochte Tomate in der Nase. Auch hier eine milde Säure und volles Mundgefühl, bei einer im Vergleich etwas kräftigeren Süße. Honig mit langem Ananas-Finnish. Am Boden der Flasche lässt sich Weinstein finden.

pH: 2.98

Brix: 16.2

Süffiger und aromatischer, hat hier der Veltliner die Nase vorne.