Archiv der Kategorie: Battle

Direkter Vergleich zwischen zwei oder mehr Weinen. Verbunden durch Jahrgang, Rebsorte oder Anbaugebiet.

Muscadet Sèvre & Maine aus dem Eichenfass Battle 2000 vs 2010

Zu den leider nicht mehr ganz so salonfähigen Weinen Frankreichs gehört meiner Meinung nach der Muscadet, was sich auch im Preis niederschlägt. Es ist nicht schwer, einen einfachen Wein für 3€, einen guten für 5€ zu erstehen, aber dafür umso schwieriger, mehr als 10€ die Flasche auszugeben.

Die Rebsorte ist die Melon de Bourgogne, die, wie der Name schon sagt, ursprünglich aus dem Burgund kommt, wo sie aber so gut wie nicht mehr angebaut wird. Ein paar Flecken um Vezelay herum lassen sich finden. Früher wurden sie als Bourgogne Grand Ordinaire, jetzt unter dem neuen, wohlklingerenden Namen Coteaux Bourguignons abgefüllt. Sie ergibt frische Weine mit relativ niedrigem Alkoholgehalt, die in Frankreich oft zu einer Plateau de Fruit de Mer gereicht werden. Ein guter palate cleanser, wie der Engländer sagen würde, wo man den Wein etwas häufiger als hier in Deutschland antrifft.
Zwischen 1990 und 2010 ging alleine der Export von 200 000 hl auf 40 000 hl runter. Auch der Konsum im eigenen Land hat horrende Einbußen erlitten. So versuchen die Winzer der Region mit unterschiedlichen Mitteln, interessante Weine aus der nicht mehr populären Rebsorte zu machen. Süße Spätlesen, Schaumweine oder Ausbau im Barrique.

Letzteres betreibt auch der Winzer Sylvain Paquereau. Für 5€ gibt es seinen Muscadet im Holzfass fermentiert und auf den Hefen 9 Monate lang ausgebaut. Kennen gelernt habe ich ihn vor Jahren auf der Weinmesse der unabhängigen Winzer in Lille. Neben den Muscadets produziert er auch einen soliden Cremant aus Pinot Noir und Chardonnay, für den selben Preis.

Battle:

2010: Leichter Granny Smith gefolgt von Honig. Der Apfel wird mit der Zeit stärker. Im Mund relativ voll, gute, nicht aufdringliche Säure. Kokos (da kommt die Eiche zu tragen), dann Vollkornbrot, etwas später Bratapfel mit einem Finnish von Apfelkernen.

pH: 2.80

Brix: 6.1

Alkohol: 12 Vol%

2000: Gekochter Apfel, gesüßt mit Honig und dann mit frischer Sahne übergossen. Das ist mein erster Eindruck. Erinnert mich stark an meine Kindheit. Viele Apfelbäume im Garten. Und wenn sich die Äpfel dann alle zeitgleich entschliessen, der Erdanziehungskraft nachzugeben, ist gekochter Apfelmus mit Sahne eine willkommene Abwechslung.

Vom Mundgefühl her ähnlich wie 2010, Säure etwas dominanter. Schorfiger Apfel, leichte Oxi-Nase. 15 Minuten später wechselt Sahne über zu Sojasauce. Oxidation holt stark auf. Immer noch lecker, aber wahrscheinlich wäre der Wein vor 2 Jahren perfekt gewesen.

pH: 2.88

Brix: 6.2

Alkohol: 12 Vol%

Resumée: Dies war kein richtiger Battle im klassischen Sinne, eher ein Test, ob Muscadet zu Recht in Ungnade gefallen ist. Definitiv eine Chance geben, vor allem bei dem Preis.

 

 

Ölsardinen Battle 2006 vs 2013

In welchem Buch ich als erstes von Jahrgangssardinen gelesen habe, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber die Faszination, dass ein Lebensmittel durch eigenes Lagern im Keller besser wird, hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Wein, Sardinen, wo ist da der Unterschied? Und was gibt es noch? Jahrgangsbier gibt es schon mal in Belgien, aber werden diese mit den Jahren besser?

Aber nun zurück zu den Sardinen. Diese werden meist vor der Bretagne mit kleinen Booten gefangen und noch am selben Tag verarbeitet. Geköpft, ausgenommen und mit feinem Olivenöl aufgegossen werden, die oft verschmähten Fische eingedost. Beim Konsumenten angekommen, hat dieser nun die Aufgabe, zweimal im Jahr die Dosen umzudrehen, damit das Olivenöl den Fisch von beiden Seiten umhüllen kann.

Meine ersten Jahrgangssardinen habe ich 2007 im gut sortierten Auchan-Hypermarché in Luxemburg-Kirchberg gefunden und direkt ein paar Dosen eingekauft. Im Laufe der Zeit sind ein paar weitere hinzu gekommen, die letzte im November in Lille. Im großen Carrefour-Euralille gab es nur Jahrgang 2011/12, der neue Jahrgang nicht aufzutreiben, bis mir einfiel, wo ich die Dosen früher schon mal gesehen hatte. Im Fisch-Restaurant/Deli „A L’Huitriere“ in der Rue des chats bossus. Dort wurde ich zum Glück fündig.

Battle

Beide Dosen stammen vom selben Hersteller, von der Conserverié Gonidec aus Concarneau am westlichen Zipfel der Bretagne. Jedes Jahr werden zwei verschiedene Sorten Jahrgangssardinen eingedost, die Sardines de Saison (erster Fang des Jahres) und die „einfachen“ Millésimés. 2013 (links) ist ein normaler Jahrgang währen 2006 vom ersten Fang stammt. Das erste Öffnen der Dosen zeigt schon einen deutlichen farblichen Unterschied. 2006 hat eine rötliche Tönung und hier ist auch eine Sardine weniger in der Dose.

SardinenDoseOffenAuf dem Teller und mit abgefülltem Öl ist der Unterschied noch deutlicher. Jahrgang 2013 (links) ist länger als 2006. Im Glas hat das Öl von 2013 einen leichten Grünstich und es ist etwa ein Viertel Fischfond darin. 2006 zeigt sich als rötliches, pures Öl.

Sardinen und Öl

2013 wurde geschuppt, 2006 nicht.

Um den Querschnitt fotografieren zu können, halbiere ich sie mit einem scharfen Messer. Hier offenbart sich dann gleich der nächste Unterschied. 2013 ist heller und weicher, während 2006 dunkler und fester ist.

Jahrgangssardinen Querschnitt

Tasting:

2013:

Feines Sardinenaroma. Etwas trocken im Mund. Ein leichtes Sardinenaroma mit feinstem Rauch im Nachgeschmack. Das Öl selbst hat eine leichte, Fischnote, begleitet von Vanille. Eine feine Sache, nicht allzu kräftig.

2006:

Kräftige Fischaromen mit etwas gekochtem Tomatenfond. Fester, aber nicht so trocken im Mund wie der 2013. Im Mund offenbart sich eine Mischung von guten Spanischen Anchovies (die im Glas aus dem Kühlregal), etwas Stockfisch und mein geliebter Bottarga (getrockneter Meeräschen-Rogen). Das ganze bleibt relativ lange im Mund, mit einem leichten Bitterton im Abgang. Eine richtige Umami-Bombe. Das Öl riecht zuerst unappetitlich nach getrocknetem Katzenfutter, gefolgt von Bottarga. Im Mund voller als der 2013, Stockfisch und Trockentomaten.

Resumée:

Ich schaffe es nicht, den 2006 komplett aufzuessen. Er ist zwar lecker aber nach der dritten Sardine ist es zu viel des Guten. Beim milden 2013 ist das ganze kein Problem. Den älteren Fisch kann ich mir sehr gut in einer Sardinen-Butter vorstellen. Auf Brot oder gar zu einem leckeren Steak….. Der neue Jahrgang ist mit seiner feinen Art eher was für den Alltag .

 

PS:

Die alte Sardine mit 50g Butter in Topf erwärmt, zerkleinert, gut gesalzen und gepfeffert… ein Traum.

 

Elbling Battle 1994 Spätlese vs 1996 Auslese

Der Elbling gilt als älteste Rebsorte Deutschlands. Es wird ihr sogar nachgesagt, von den Römern vor 2000 Jahren nach Germanien gebracht worden zu sein. Das lässt sich natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, aber vor 200 Jahren war sie noch die meist verbreitete Rebsorte in Deutschland. Heute ist sie nur noch an der Mosel und auch am Bodensee anzutreffen. Meist für die Sektproduktion angedacht, finden sich ansonsten eher Schoppen-Weine von neutralem Charakter und kräftiger Säure. Vereinzelte Winzer versuchen etwas mehr Geschmack durch längere Reifung auf den Hefen (sur lie) in den Wein zu bringen. Vorbild ist hier der Muscadet sur lie von der westlichen Loire, der auch mit einem Image-Problem und niedrigen Preisen zu kämpfen hat.

Der möglicherweise einzige Winzer, der regelmässig den Elbling zu Spätlese und Auslese-Weinen reifen lässt, ist Baron von Hobe-Gelting vom Weingut Schloss Thorn. Dieses liegt auf der deutschen Seite der Obermosel gegenüber von Remich in Luxemburg, in einem von Muschelkalk geprägten Abschnitt. Neben dem Elbling ist das Weingut auch bekannt für seinen Sauvignon Gris, einer Mutation des bekannteren Sauvignon Blanc.

Der Jahrgang 1994 gilt als sehr gut. Die Rebblüte war um 1 Woche früher als normal, ein heißer August brachte die Reife der Trauben um 2 Wochen nach vorne. Doch der lange Regen im September förderte dann frühe Fäule, die im sonnigen Oktober als Edelfäule zu vielen Auslesen und höherwertigen Weinen führten. Bei all dem haben sich die Weine aber eine kräftige Säure bewahrt.

Im Gegensatz dazu der Jahrgang 1996: Ein Spätstarter, der durch Wetterwechsel in den entscheidenden Anfangsphasen mit einem drastischen Rückgang der Erntemenge zu kämpfen hatte. Erst ein sehr guter Oktober brachte die Wende: hohe Säure und Mostgewichte mit viel Extrakt. Kaum Edelfäule.

Der Battle, 1. Tag:

1994 Spätlese, ganze Flasche:

Frisch aus dem Kühlschrank: Honig, Kreide, Limette. Der Honig wird stärker, leichte Vanille, Kamille, Körnerjoghurt. Im Mund relativ voll mit einer kräftigen Säure, die aber zuerst noch von der Fülle verdeckt wird. Leichte Restsüße, die eher an Kabinett erinnert. Aromen von leichtem Champignon, überreifer Zitrone und Honig im Mund, wird von leichtem Oxi-Ton eingeholt.

1996 Auslese, halbe Flasche:

Auch frisch aus dem Kühlschrank: Porridge mit Honig. Der Honig wird mit der Zeit stärker, hinzu kommen etwas gebackene Banane und Kerbel. Im Mund ähnlich voll wie die Spätlese, etwas geringere Säure, höherer Restzucker, ähnlich einer Spätlese. Oxi-Noten mit Karamell im Nachgeschmack. Wärmer kommt der Wein etwas breiter durch und zeigt Aromen von Tomatensaft, Honig, Karamell.

Der erste Tag endet mit einem leichten Punktsieg für die Auslese, fühlt sie sich ausgewogener an.

Battle, zweiter Tag:

1994: Honig, ungeröstete Nori-Alge in der Nase. Überreife Zitrone und Honig im Mund.

1996: Sojasauce (Oxidation), leichter Honig. Im Mund Zitrone und leichte Sojasauce. Dieser Wein hat seinen Zenit leider überschritten.

Ein klarer Sieg für die Spätlese. Ob da jetzt der Jahrgang eine Rolle spielt oder einfach nur das größere Format der Flasche, werde ich wohl nicht mehr erfahren.

 

 

 

1999 Elsaß Riesling Battle: Trimbach vs Meyer-Fonne

Der Jahrgang 1999 war im Elsaß je nachdem, wo man gerade nachliest, ein schwieriges Jahr: mit gutem Wetter bis Ende September, danach aber Regen bis Mitte Oktober (Berry Bros.), Hagel im August (Trimbach); Befriedigend was Qualität und Quantität angeht: mit gesunden Trauben (Vins Alsace), Guter Jahrgang (wieder Vins Alsace.com), so auch bei Vin Vigne.com – hier ist „Bon“ aber das siebtschlechteste Ergebnis, gerade noch vor „moyen“ und „médiocre“. Irgendwie haben da dann wohl alle Recht.

Das Weingut Trimbach, mit einer Jahresproduktion von über 1 Millionen Flaschen einer der größeren Produzenten des Elsaß aus Ribeauvillé, hat mit dem Clos Ste-Hune und der Cuvée Frederic Emile zwei der größten Rieslinge Frankreichs im Programmm, die den Ruhm des Weinguts schon früh begründeten. Trauben für die normalen Cuvées werden auch dazu gekauft.

Meyer-Fonné hingegen produziert nicht einmal ein Zehntel der Menge von Trimbach, alles aus eigenen Weinbergen. Im Gegensatz zu Trimbach ist das Weingut erst in den letzten 15 Jahren bekannter geworden. In „The Wines of Alsace, das eigentlich alle wichtigen Weingüter bespricht, taucht es noch nicht auf. In „Bettane & Dessauve“ von 2002 sind sie aber schon mit einem Stern vertreten, Trimbach hat hier einen mehr. Beim eigentlichen Nachfolger, dem „Le Guide des meilleurs vins de France“ von 2013 hat sich die Sternenzahl wieder gedreht. Hier führt Meyer-Fonné 2:1.

Kampfgewicht:

Meyer-Fonné mit Cuvée Vignoble de Katzenthal

pH: 2.77

Brix: 6.7

Alkohol: 12.5 %Vol

Trimbach

pH: 2.63

Brix: 6.8

Alkohol: 12 % Vol

Der Herausforderer Meyer-Fonné zeigt sich im Glas direkt um einiges dunkler, der Korken zu einem Drittel durchnässt und mit leichtem Weinstein an diesem.

In der Nase überrascht erst frisch geröstetes Bauernbrot, dann Limette, leichter Honig der stärker wird. Der Brotton nimmt ab. Dafür kommen Pfirsisch, Limette und Honig, das Brot wird dann ersetzt durch Karamell.

Im Mund zeigt er sich relativ voll, gedämpfte Säure. Hier leichter Honig und Bauernbrot, ist aber schon schnell wieder weg um einen Hauch von gekochter Esskastanie zu hinterlassen.

Nach einer halben Stunde werden die Aromen klarer: Butterkaramell, Honig, Ananas-Quitte, Vanille und ein kleines Pfefferminz-Blättchen.

 

Trimbach: Der Korken ist komplett trocken, im Glas definitiv heller als Meyer-Fonné.

Leichter Muff, der schnell verfliegt, dann leichter Honig, etwas Birne, Quitte, getrocknete Ananas. Der Honig wird stärker, dann verschwindet die Frucht, es bleibt etwas kreidige Limette. Im Mund eine sehr gute Säure/Körper-Balance, leichte Quitte, etwas Munster-Käse, sehr süffig.

30 Minuten später Eukalyptus und Limette, Minze und Lakritze

Sieger

Die Balance spricht für Trimbach, die expressive Frucht für Meyer-Fonné. Der Trimbach kann noch etwas liegen, Meyer-Fonné hat jetzt seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Deshalb ein leichter Punktsieg für Meyer-Fonné und Katzenthal

1998 Languedoc Battle: Prieure de Saint-Jean de Bebian vs Puech-Haut Tête de Cuvée

Der Jahrgang 1998 gilt im Languedoc als der beste des letzten Jahrhunderts. Es gab zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall genug Winzer, die mit ihren Qualitätsansprüchen diesen Punkt unterstreichen konnten. Zwei davon treten heute zu einem Battle an: Die Top-Cuvées von Prieure de Saint-Jean de Bebian und Château Puech-Haut mit der Tête de Cuvée.
Prieure de Saint-Jean de Bebian legt besonderen Wert auf gutes Pflanzenmaterial und hat sich deshalb Ableger von verschiedenen Top-Weingütern besorgt: Syrah von Chave und Beaucastel, Mourvedre von der Domaine Tempier in Bandol, Grenache und eine komplette Parzelle mit den restlichen zugelassenen Rebsorten für Châteauneuf-du-Pape vom Château Rayas. Etwas Cabernet wächst dort auch noch.
Château Puech-Haut belässt es einfach: Grenache, Syrah und alter Carignan, die klassischen Languedoc-Reben.
Beide Weine habe ich in einem Weinfachgeschäft in Lille erstanden, als ich dort noch gelebt habe. Das Au Gré du Vin in der Rue Péterinck 20 in der Altstadt wurde im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil meines sonntäglichen Rituals. Erst zum Marktplatz am Place du Concert mit den leckeren Poulet Rôties und Saucissons secs, danach ins Au Gré du Vin. Die Auswahl der Weine war auf den Südwesten Frankreichs und Languedoc-Roussillon „beschränkt“, für mich damals alles noch böhmische Dörfer aber ich wurde vom Besitzer Paul Sirvent immer gut beraten.

Im hinteren Teil des Ladens gibt es auch noch eine kleine Weinbar, die ich zu meiner Schande nie aufgesucht habe… Sonntags nach dem Markt war es da immer sehr voll.

Flaschen auf und eingegossen: Sehr dunkel, der Bebian noch mehr als der Puech-Haut. Ich denke, das wird ein langer Kampf.

Die Maße:

Puech-Haut:

pH: 3.23

Brix: 7.7

Alkohol: 13.5

Bebian:

pH: 3.30

Brix: 7.8

Alkohol: 14 % Vol

1. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, dann leichtes Sauerkraut. Erste Reaktion: ein leichtes Zusammenzucken, dann aber schnell Hefe-Vollkornbrot mit Pflaumenmus. Relativ voll, leichte Säurewelle, gefolgt von seichten Tanninausläufern. Im Mund Pflaumenmus, gefolgt von Pflaumenschale und etwas pfeffrigem Olivenöl.

Bebian: Zuerst leichte flüchtige Säure, dahinter versteckt sich rote Grütze mit Brombeere, Kirsche, Vanille, leichte Pflaume, dazu dunkler Dinkelstreusel mit schwarzem Pfeffer. Im Mund zuerst Alkohol (immerhin 14% Vol), dann Säurepfeil hinter dem ein schmaler, roter Tannin-Teppich ausgerollt wird. Brombeere und Kirsche im Nachgeschmack.

Dekantieren von Glas zu Glas:

Puech-Haut: Sojasauce wird stärker, kombiniert zwar mit Pflaumenmus, die Frucht wird aber vom Oxi-Ton bedrängt. Im Mund verliert sich die Sojasauce, die Pflaume wird schwächer und tendiert von Mus eher hin zur Rohware.

Bebian: Lecker süße Brombeerfruchtschnitten aus dem Bioladen mit hohem Anteil an gerösteten Haselnüssen und etwas Kakao, reife Kirsche. Die Säure kommt nicht mehr so stark rüber, dafür ist der Tannin-Teppich jetzt breiter, mit bitterer Kirschhaut und endet mit Zwetschgen.

Tag 1, klarer Punkt für Bebian.

2. Tag

Puech-Haut: Nuss (geröstete Mandel), Pflaume, Sojasauce, Brombeere. Im Mund Pflaumensaft mit leichter Brombeere, Nachgeschmack von weißem Pfeffer und Zwetschge.

Bebian: Kiefer, Brombeere, geröstete Haselnuss, Kakao, undurchdringlich, dunkler Wald.

Tag 2: Puech Haut kann ausgleichen

3. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, leichter Port. Tannine kaum da. Puech schmeisst das Handtuch in den Ring.

Bebian: Immer noch kräftige Tannine, Frucht nicht mehr klar definiert. Erinnert momentan eher an einen jungen, kräftigen Côtes du Rhône. Im Nachgeschmack etwas krautig (Rosmarin & Salbei) bei leichter Pflaume.

4. Tag

Bebian: Brombeere, frisch gemahlener Kaffee, Kirsche

5. Tag

Bebian: Gemahlener Kaffee, Kirsche, leichtes Leder, Pflaumennachgeschmack.

6. Tag

Bebian: Saftige Kirsche & Espresso. Schokolade, Vanille, leichter Tabak. Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee. Im Mund kräftige Kirsche, etwas Schokolade, leichte frische Minze im Nachgeschmack.

7. Tag

Bebian: Leichte Oxi-Note. Kirsche abgeschwächt. Etwas rohes Rind. Im Mund etwas Vollkornbrot, Leder, noch immer kräftige Tannine.

Klarer Gesamtsieg für den Bebian. Der zeigt sich jetzt noch mit Potential für weitere Jahre, während der Puech-Haut vielleicht vor 2 bis 3 Jahren besser gewesen wäre.

 

1994 Comte Lafond, Sancerre Grande Cuvée Rouge, Gläser Battle

Die durchschnittlich teuersten Rotweine der Loire kommen wohl aus Sancerre. Nicht unbedingt, weil hier die besten Rotweintrauben wachsen, vielleicht eher weil der Weißwein zu dominant und nachgefragt ist. Rebsorten sind relativ einfach: Nur Pinot Noir ist hier beim Rotwein zugelassen. Wobei wahrscheinlich auch die Nähe zum Burgund eine Rolle spielen mag. So sind die nächsten Weinbauorte im Burgund mit Vezelay und Saint Bris le Vineux (Sauvignon Blanc!) nur knapp 1.5 Autostunden entfernt.

Der Winzer de Ladoucette, war einer der großen Vorreiter der Appellation Pouilly-Fumé, die diesen Wein auf die önologische Weltkarte setzten und der dann mit dem finanziellen Erfolg auch fleißig expandieren konnte. So besitzt er heute Weingüter in der Provence, dem Burgund, der Champagne und weitere an der Loire.

Dass unter solch einer Expansion leider auch die Qualität leiden kann, mag der Grund sein, warum ich seine Weine weder im „Les meilleurs Vins de France“  noch im „Bettanes & Desseauve“ gefunden habe. In „Loire, Meisterwerke der Natur“ von James Turnbull, 2000 (eine Auflistung der besten 90 Weine der Loire) ist ihm eine eigene Seite gewidmet.

Der heutige Wein stammt aus dem Jahre 1994 und könnte somit noch zur Aufnahme in die besten Weingüter der Loire beigetragen haben.

Laut Jim’s Loire Blog war 1994 ein schwieriges Jahr für Rot und Trocken-Weiß, in dem die Winzer mit Feuchtigkeit und entsprechender Fäule zu kämpfen hatten. Mal sehen was Herr de Ladoucette da noch in seine Fässer packen konnte.

Das Erste was auffällt, ist der extrem schmale Korken. Durchmesser 1,6 cm.

Im Glas erinnert die Farbe an selbst eingekochten Himbeersaft.

In der Nase zuerst Hefe-Vollkornbrot, danach noch rohes Wildschwein in Rotweinmarinade und reife Kirschen. Die Kirschen werden stärker, aber das WIldschwein bleibt grunzend im Hintergrund, später gesellt sich noch Himbeere dazu.

Im Mund leicht, gute Säure. Tannine sind da, kommen aber erst nach der Säure durch und sind auch schon sehr zahm. Die Aromen im Mund setzen jetzt kräftige Kirsche mit hohem Schalenanteil frei.

Das ganze habe ich in einem Glas vom Marché aux Vins der Confrerie der Saint Peray probiert. Bei anderen Gläsern sieht das Aroma und der Geschmack etwas anders aus.

von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray
von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray

Im Schott-Glas wirkt der Wildton stärker, der Wein schmeckt etwas bitterer.

Im ISO-Glas finde ich den Vollkorncharacter kräftiger, allgemein aber die Aromen weniger klar.

Im diVino Burgunder-Glas kommt der Wein alkoholischer und süßer rüber, WIld wird schwächer, Kirsche feiner aber auch schwächer.

Gewinner : St-Peray gefolgt vom Burgunder-Glas

So wie es aussieht, hätte der Wein noch etwas länger lagern können, es waren noch genug Tannine da, auch die Frucht noch sehr präsent. Leider war das die letzte Flasche…

pH: 3.22

Brix: 8.1

Alkohol: Angenehme 12.5% Vol

Das waren noch Zeiten, als ein guter Rotwein mit 12-12.5% Vol ausgekommen ist.

Gewürztraminer Battle: Maurice Schmitt Cuvée Particuliere 1990 vs 1995

Region: Elsaß

Ein Alptraum für jeden Sommelier.

Warum? Es gibt keinen Anhaltspunkt ob der Wein Trocken, Halb-Trocken oder Süß ist. Einige Weingüter geben einen kleinen Hinweis, aber die sind noch eine Seltenheit.

Ort : Gertwiller

Laut Tom Stevenson in seinem Werk, The Wines of Alsace, ein Dorf, welches für seinen Gewürztraminer bekannt ist.

Winzer: Maurice Schmitt

Ich würde gerne etwas schreiben, aber leider finde ich nichts, weder in meiner Bibliothek noch im Internet.

Rebsorte: Gewürztraminer

Eine der für Grand Cru Weine im Elsaß zugelassenen Rebsorten. Eher säurearm, dafür aromastark, Rosen, Lychee.

Jahrgang: 1990

Klimatisch bedingte Verrieselung, besonders bei Muskat und Gewürztraminer. Danach langer Sommer.

Jahrgang: 1995

Guter Rieslings-Jahrgang, eher nicht so gut für Gewürztraminer. Hohe Säure.

 

1990 vs 1995

1990:

In der Nase leider leichter Kork-Muff. Lychee, welkende Rose, leichter Kleehonig, der dann dominanter wird.

Im Mund voll, weiche Säure, pfeffriger, bitterer Nachgeschmack, Rose und Trockenfrüchte. Hohe Restsüße, Richtung Spätlese.

pH: 3.33

Brix: 9.1

Alkohol: 14% Vol

1995:

In der Nase Rosenwasser, Vollkornmehlteig, Akazienhonig, leichte Orange. Dann Pfeffer, Pain de Miel, leichte Orange, die dann kräftiger wird.

Im Mund voll, gute Säure, leichter Restzucker. Dominanter Bitterton, der sich ausbreitet und den Gaumen austrocknen lässt. Trockenfrüchte ( Feigen) im Nachgeschmack. Etwas grün.

pH: 3.17

Brix: 7.6

Alkohol: 13% Vol

Ergebnis

Abgesehen vom Kork beim 1990er fühlt er sich ausbalancierter an,  der 1995er ist jedoch um einiges aromatischer, dafür etwas grün. Beide hinterlassen im leeren Glas Raucharomen. Ohne Kork ein wäre es ein klarer 1:0 Sieg für 1990, so nur ein knappes Unentschieden.

Dass der 1990er mit seinen 14% Vol noch einen relativ hohen Restzuckeranteil hat, überrascht. Er hätte auch als Vendange Tardive durchgehen können, da dafür nur ein potentieller Alkoholgehalt von 14.3 Vol% erforderlich ist. Damit wäre er dann auch einfacher als süßer Wein zu bestimmen gewesen, ohne ihn öffnen zu müssen.

1990 Riesling Spätlese Battle – Steinberger vs Bernkasteler Schlossberg

Nicht oft ergibt sich die Gelegenheit, alte Jahrgänge miteinander zu vergleichen. Ein Gang in meinen Keller brachte dennoch dieses interessante Pärchen hervor:

Aus dem Rheingau mit 10% Vol der Steinberger, der Vorzeigeweinberg der Staatsdomäne Kloster Eberbach.

Von der Mosel mit leichten 8.5% Vol ein Bernkasteler Schlossberg vom VDP -Weingut Witwe Dr. H. Thanisch.

Rheingau:

Im Glas zeigt sich der Rheingau dunkler von der Farbe. Man erwartet Alterstöne, die sind aber nicht zu finden. Statt dessen Honig, Grapefruit und Holunderblüte, Birne, leichter Muskattraubenton gefolgt von Limette. Bis auf Honig und Limette nicht unbedingt Geschmacksnoten die von einem Riesling zu erwarten sind, sondern eher an Sauvignon Blanc oder Scheurebe erinnern.

Der erste Schluck offenbart bei leckerer Säure mit leichter Süße reife Limette, die lange im Mund verweilt. Die Süße ist schnell heruntergespült, die Säure bleibt länger präsent.

Mosel:

Im Vergleich dazu glänzt der Bernkasteler mit einem Potpourrie von Honig, getrockneter Ananas, Limette und leichtem Jasmin. Mit Erwärmen im Glas kommen noch Vanille und ein leichter Champignon-Ton hinzu. Auch hier kein Petrol.

Im Mund ebenfalls eine kräftige Säure, die aber von einer überzeugenderen Süße begleitet wird. Es breiten sich Aromen von Limette und Honig aus.

Im Vergleich zum Rheingauer ist hier die Süße-Säure-Balance ausgeglichener, macht den Wein direkt süffiger. Der Steinberger hingegen überzeugt durch seine einzgartige Aromatik. Beide haben noch weiteres Potential, leider waren das meine letzten Flaschen.

Dieser Vergleich geht damit 1:1 aus.

Die Daten:

Steinberger

pH: 2.55

Brix: 8.0

Alkohol: 10%Vol

 

Bernkasteler Schlossberg

pH: 2.25

Brix: 8.4

Alkohol: 8.5% Vol