Archiv der Kategorie: Kein Wein

In diese Kategorie fallen Lebensmittel mit Jahrgang, die aber kein Wein sind. Als da wären Jahrgangssardinen, Jahrgangsschokolade, Jahrgangsbier…

Guide des vins en biodynamie 3e édition & Le Guide de l’Altervin

An jährlich erscheinenden Weinführern für den Raum Frankreich haben sich mit der Zeit eine Handvoll durchgesetzt, alle mit dem Ziel, dem Konsumenten bei der Auswahl an Weinen zu helfen. Vom Aufbau und Inhalt sehr ähnlich,  sind „Le Guide des meuilleurs vins de France“, von Frankreichs großer Weinzeitschrift La Revue du von de france herausgegeben und das direkte Konkurrenzprodukt „Le Guide Bettanen & Dessauve des vins de France“, ironischer Weise von den ehemaligen Herausgebern des  Vorgängers von „Le Guide des meuilleurs vins de France“. Die Betonung liegt hier bei den einzelnen Winzern, die mit ihren Weinen vorgestellt werden. Diese gelten allgemein als die besten Winzer in Frankreich. Deshalb sind sich beide Bücher vom Inhalt recht ähnlich. Auch die Neuerscheinungen unterscheiden sich bei den Winzern nicht viel von den älteren Versionen. Einen weinbetonten Ansatz wählt „Le Guide Hachette des Vins“, hier haben auch kleinere, unbekanntere Winzer mit durchwachsenem Sortiment die Chance, zumindest mit einem Wein auf Veröffentlichung. Andere Veröffentlichungen haben es nicht einfach, sich gegen diese Klassiker durchzusetzen. Auch große Namen wie „Gault & Millau“ haben sich deshalb mit ihren eigenen Weinführern nach Jahren zurückgezogen. Deshalb sind neue Weinführer mit neuen Konzepten bei mir gern gesehen.

Das Buch : „Guide des vins en biodynamie“ von Évelyne Malnic herausgegeben, gibt es schon in der dritten Edition. Das Konzept ist einfach: Die besten Weine von zertifiziert biodynamischen Winzern aus Frankreich und der französischsprachigen Schweiz. Ein weiteres Novum ist der önologische Schwerpunkt bei der Weinbeschreibung. Zusätzlich zur geschmacklichen Analyse der Weine gibt es eine ausführliche Beschreibung zu Rebsorte, Terroir, Alter der Reben sowie Arbeit auf dem Weinberg und im Keller. Auch Werte wie Restzucker und Schwefelgehalt werden angegeben. Die Art der Filterung und Schönung. 21 Somelliers aus der Region Normandie haben sich durch 487 Weine von 136 französischen Weingütern getrunken und diese bewertet. Zu den bekannteren Weingütern gehören Château Climens, Marcel Deiss, Domaine Leroy. Für mich unbekannte Winzer waren aber in der Überzahl.

Le Guide de l'Alter-Vin

Das Buch „Le Guide de L’Alter-Vin, 133 vignerons hors du commun“ von Laurent Baraou & Monsieur Septime ist schon im August 2012 erschienen, ist mir aber erst letztes Jahr November in einem großen Buchladen in Lille aufgefallen. Das Buch ist eher eine Sammlung von Portraits außergewöhnlicher Winzer als ein Weinführer. Die Autoren vergleichen die Winzer mit den jungen Künstlern Picasso, Manet, oder Cézanne, deren Werke vom Paris Salon abgelehnt wurden und mit ihren Bildern die Kunst nachhaltig verändert haben.  Viele Anhänger der vin naturels Bewegung gehören zu den portraitierten Winzern. Andere ignorieren Vorgaben der einzelnen AOC Komitees und füllen ihre Weine als Vin de France, Tafelweine, ab. Auch Winzer aus eher ungewöhnlichen Weinregionen wie die Domaine Lelièvre aus Lothringen gehören dazu. Um als Weinführer durchzukommen, stellt jeder Autor noch seinen Lieblingswein des betreffenden Winzers mit einem Satz vor.

Beide Bücher bereichern die französische Weinbuchszene ungemein, hoffentlich wird es weitere jährliche Ausgaben geben.

La Vellavia Bière blonde, Polignac, Auvergne

Auch dieses Jahr ging der große Sommerurlaub wieder nach Frankreich, diesmal mit dem Wohnmobil. Eigentlich auf der Suche nach Wein, aber eine Station wollte ich unbedingt dabei haben, Le Puy en Velay in der Auvergne. Hier kommen die berühmten grünen Linsen her, und die Stadt hat auch ihren ureigenen, fast märchenhaften Charme. Wir hatten uns den Camping de Bouthezard im Stadtteil Aiguilhe wegen der Lage direkt unterhalb der berühmten Felsenkirche St Michel d’Aiguilhe (auch auf dem Etikett des Bieres abgebildet) ausgesucht. Außerdem sprachen noch WiFi, Waschmaschine und Trockner dafür. Die einfachen Nassräume eher nicht.
Als verdientes Ankunftsbier nach Reifenwechsel auf der Autobahn gab es am Kiosk des Campinplatzes „leider“ nur lokales Bier, wie der Platzwart bedauernd feststellte. Einmal ein Linsen-Bier, Perle Verte, wie könnte es auch anders sein, und das La Vellavia blonde aus dem Nachbarort Polignac mit seiner berühmten Festung.
Polignac

Das Perle Verte war süffig, mit einem Hauch Linse im Nachgeschmack. Hätte ich das Etikett nicht gesehen, wahrscheinlich wäre es mir aber nicht aufgefallen.
Perle Verte
Das La Vellavia hingegen zeigte sich schon im Glas von einer eigenen Seite. Orange-Braun. Feine Schaumkrone.
In der Nase getrocknete und gefrorene Mangos, getrockneter Apfel, leichter Cidre. Im Mund getrocknete Mango und Malz kombiniert mit blumigem Hopfen und einem ganz leichten Bitterton zum Finale.
Neben dem guten Wasser aus dem Zentral-Massiv kommt beim Brauen noch eine besondere Zutat hinzu, die das Ergebnis so einzigartig macht. Die uralte Gerstensorte Ponote, die genau wie die Puy-Linse auf dem Hochplateau (600-1200 Meter) um Le Puy angebaut wird. Die Körner sind besonders groß, was im Zusammenhang mit dem Anbau der Linsen Sinn macht. Diese wurden früher nämlich gerne in Mischkultur angebaut. Die Gerste diente dann als Rankhilfe, die größeren Gersten-Körner ließen sich dann auch einfacher von den Linsen trennen. Auch ohne Tauben wie beim Aschenputtel.

2012 Perle dans les vignes Riesling & Gewurztraminer, Strasbourg

Vom Titel könnte man eigentlich annehmen, dass heute ein Weißwein aus dem Elsaß probiert wird. Aber weit gefehlt. Elsaß stimmt, aber kein Wein, sondern ein Bier. Gebraut von einem jungen Braumeister mit Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Most von Riesling- und Gewürztraminertrauben vom Winzer Romain Fritsch in Marlenheim. 3/4 Malzmaische und 1/4 Traubenmost in der Flasche refermentiert.

In der Nase feine Hefe, Traubensaft.

Im Mund feiner Schaum, dann Fruchtnoten und leichte Säure gefolgt von einem kräftigen Schlag Bitter. Karamell-Malz, danach kommt Traubensaft durch, leichte Lychee. Langer Trauben-Nachgeschmack.

Definitiv ein Bier, gerne zu einer Paté au Riesling.

pH: 4.04

Brix: 10

Alkohol: 7.7 Vol%

Traubensaft Battle Schweiz vs Österreich, Müller Thurgau vs Grüner Veltliner

Nach den alkoholreichen Feiertagen gibt es heute einen Rebsorten-Battle ohne den Kater-machenden Grundstoff. Aber keinen entalkoholisierten Wein, sondern die Vorstufe: Traubensaft. Meist wird im Supermarkt ein generischer Traubensaft in den Farben Rot oder Weiß angeboten. Manchmal wird die Herkunft des Mostes angegeben, die Rebsorten aber nicht. Bei vorweihnachtlichen Einkäufen in Düsseldorf sind mir aber je zwei sortenreine Traubensäfte in den Farben Rot und Weiß  in die Hände gefallen.

Von der Staatskellerei Zürich ein Müller-Thurgau (bzw. Riesling-Sylvaner) und ein Pinot Noir (Blauburgunder), beide aus Züricher Trauben, je 0.75 Liter unter 4€ bei Mövenpick.

Vom Stift Klosterneuburg ein Grüner Veltliner und ein St. Laurent. Beide ungefiltert und aus den eigenen extensiven Weingärten rund um den Großraum Wien und mit Vitamin C vor Oxidation geschützt. Diese kommen als Literflasche daher, 5.50€ bei Manufactum.

Um den Traubensaft haltbar zu machen, wurden sie wohl alle pasteurisiert, was Aromen-Verlust und -Veränderungen hervorbringen kann.

Auch ob die Säfte von jungen Rebstöcken stammen, deren Trauben noch nicht legal zur Weingewinnung verwendet werden dürfen, kann ich nur spekulieren.

Heute kommen erstmal die Weißen zum Zuge.

Schweiz/Müller-Thurgau:

Im Glas klar, zeigt sich kein besonders hervorstechendes Aroma. Blind würde ich auf Traubensaft tippen. Milde Säure, nur leichte Süße, relativ voll. Im Mund dann Honig, Banane und gekochte Birne im Nachgeschmack.

pH: 3.25

Brix: 15.2

Österreich/Grüner Veltliner:

Der Veltliner ist trüb, zusätzlich zum Traubensaft hat es etwas gekochte Tomate in der Nase. Auch hier eine milde Säure und volles Mundgefühl, bei einer im Vergleich etwas kräftigeren Süße. Honig mit langem Ananas-Finnish. Am Boden der Flasche lässt sich Weinstein finden.

pH: 2.98

Brix: 16.2

Süffiger und aromatischer, hat hier der Veltliner die Nase vorne.

Ölsardinen Battle 2006 vs 2013

In welchem Buch ich als erstes von Jahrgangssardinen gelesen habe, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber die Faszination, dass ein Lebensmittel durch eigenes Lagern im Keller besser wird, hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Wein, Sardinen, wo ist da der Unterschied? Und was gibt es noch? Jahrgangsbier gibt es schon mal in Belgien, aber werden diese mit den Jahren besser?

Aber nun zurück zu den Sardinen. Diese werden meist vor der Bretagne mit kleinen Booten gefangen und noch am selben Tag verarbeitet. Geköpft, ausgenommen und mit feinem Olivenöl aufgegossen werden, die oft verschmähten Fische eingedost. Beim Konsumenten angekommen, hat dieser nun die Aufgabe, zweimal im Jahr die Dosen umzudrehen, damit das Olivenöl den Fisch von beiden Seiten umhüllen kann.

Meine ersten Jahrgangssardinen habe ich 2007 im gut sortierten Auchan-Hypermarché in Luxemburg-Kirchberg gefunden und direkt ein paar Dosen eingekauft. Im Laufe der Zeit sind ein paar weitere hinzu gekommen, die letzte im November in Lille. Im großen Carrefour-Euralille gab es nur Jahrgang 2011/12, der neue Jahrgang nicht aufzutreiben, bis mir einfiel, wo ich die Dosen früher schon mal gesehen hatte. Im Fisch-Restaurant/Deli „A L’Huitriere“ in der Rue des chats bossus. Dort wurde ich zum Glück fündig.

Battle

Beide Dosen stammen vom selben Hersteller, von der Conserverié Gonidec aus Concarneau am westlichen Zipfel der Bretagne. Jedes Jahr werden zwei verschiedene Sorten Jahrgangssardinen eingedost, die Sardines de Saison (erster Fang des Jahres) und die „einfachen“ Millésimés. 2013 (links) ist ein normaler Jahrgang währen 2006 vom ersten Fang stammt. Das erste Öffnen der Dosen zeigt schon einen deutlichen farblichen Unterschied. 2006 hat eine rötliche Tönung und hier ist auch eine Sardine weniger in der Dose.

SardinenDoseOffenAuf dem Teller und mit abgefülltem Öl ist der Unterschied noch deutlicher. Jahrgang 2013 (links) ist länger als 2006. Im Glas hat das Öl von 2013 einen leichten Grünstich und es ist etwa ein Viertel Fischfond darin. 2006 zeigt sich als rötliches, pures Öl.

Sardinen und Öl

2013 wurde geschuppt, 2006 nicht.

Um den Querschnitt fotografieren zu können, halbiere ich sie mit einem scharfen Messer. Hier offenbart sich dann gleich der nächste Unterschied. 2013 ist heller und weicher, während 2006 dunkler und fester ist.

Jahrgangssardinen Querschnitt

Tasting:

2013:

Feines Sardinenaroma. Etwas trocken im Mund. Ein leichtes Sardinenaroma mit feinstem Rauch im Nachgeschmack. Das Öl selbst hat eine leichte, Fischnote, begleitet von Vanille. Eine feine Sache, nicht allzu kräftig.

2006:

Kräftige Fischaromen mit etwas gekochtem Tomatenfond. Fester, aber nicht so trocken im Mund wie der 2013. Im Mund offenbart sich eine Mischung von guten Spanischen Anchovies (die im Glas aus dem Kühlregal), etwas Stockfisch und mein geliebter Bottarga (getrockneter Meeräschen-Rogen). Das ganze bleibt relativ lange im Mund, mit einem leichten Bitterton im Abgang. Eine richtige Umami-Bombe. Das Öl riecht zuerst unappetitlich nach getrocknetem Katzenfutter, gefolgt von Bottarga. Im Mund voller als der 2013, Stockfisch und Trockentomaten.

Resumée:

Ich schaffe es nicht, den 2006 komplett aufzuessen. Er ist zwar lecker aber nach der dritten Sardine ist es zu viel des Guten. Beim milden 2013 ist das ganze kein Problem. Den älteren Fisch kann ich mir sehr gut in einer Sardinen-Butter vorstellen. Auf Brot oder gar zu einem leckeren Steak….. Der neue Jahrgang ist mit seiner feinen Art eher was für den Alltag .

 

PS:

Die alte Sardine mit 50g Butter in Topf erwärmt, zerkleinert, gut gesalzen und gepfeffert… ein Traum.