Archiv der Kategorie: Methusalem

Alte Rebstöcke. Da gibt es keine offizielle Bestimmung, wann Reben alt sind, für mich zählt 40 aufwärts (älter als ich sollten die schon sein…)

Tafelwein aus Tafeltrauben? Lagasquaïre, Domaine de la Gasqui

Diesen Sommer waren wir mit dem Wohnmobil in der Provence unterwegs und wollten in der Sommerhitze ein für uns neues Ziel ansteuern: L’Isle sur la Sorgue.

Diese Stadt die ursprünglich in einem Sumpfgebiet errichtet wurde ist berühmt für seine kleinen Kanäle, mit denen der Sumpf trocken gelegt wurde und deshalb als Venedig des Comtat bekannt.

L'Isle de la Sorgue

Auch gibt es noch einige funktionierende Wasserräder, die früher unter anderem für die Wollindustrie verwendet wurden,

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Heute ist hier aber hauptsächlich Tourismus und ein Handel mit Antiquitäten von Interesse.

Es gibt hier zwar einen Campingplatz in der Nähe der Stadt aber auch einen Winzer der bei France Passion teilnimmt.

Das Weingut Domaine de la Gasqui liegt etwas ausserhalb von L’Isle sur la Sorgue und auch etwas höher, was mit dem Fahrrad in die Stadt angenehme 15 Minuten dauert. Der Rückweg dafür dann etwas länger…

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Der Stellplatz ist eine große Wiese mit einigen Bäumen am Rand die Schatten spenden, wenn man den wanderden Sonnenstand mit berücksichtigt. Ansonsten ist der Platz relativ grade und steht zwischen dem Weingut und Weinberg.

WoMo bei Gasqui

Wir wurden direkt freundlich begrüßt. Nicht direkt vom Winzer sondern von einem anderen Familienmitglied.

Besuch bei Gasqui

Das Tasting beim Senior-Winzer fing erst ein wenig unterkühlt an. 1 Rosé, 1 Weisswein und 4 Rote gab es zu probieren. Der Weisswein fiel mir dabei sofort ins Auge. Vin de France, kein Jahrgang und mit 9€ auch nicht gerade billig. Darauf angesprochen taute Herr Feraud Senior direkt auf. Es handelt sich hierbei um Tafeltrauben der Sorte Gros Vert und Weintrauben der Sorte Uni Blanc die sein Großvater noch angepflanzt hatte. Gros Vert zeichnet sich durch eine dicke Schale und viele Kerne aus. Nicht das, was der Markt heutzutage sucht. Die dicke Schale war früher mehr gefragt, da diese Trauben bis nach Weihnachten gelagert werden konnten. Ausreissen und mit etwas anderem Pflanzen wollte er aber nicht, also nutzt er die Möglichkeit aus Tafeltrauben Wein zu erzeugen, wenn die Reben älter als 25 Jahre sind.

Hunt for Gros Vert

Wo diese Reben gepflanzt sind konnte uns der kleine Freund direkt zeigen. Auf dem Weinberg hinter dem Wohnmobil…

Gros Vert

Aber wie schmeckt er denn jetzt?

Honig, Holunderblüte, Rosenwasser und etwas Grapefruit. Relativ voll mit ausgleichender Säure und noch mehr Grapefruit am Gaumen. Vielleicht etwas kurz aber sehr erfrischend.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Reben noch lange Frucht tragen da es unwahrscheinlich ist, dass neue Reben von Gros Vert gepflanzt werden. 25 Jahre ohne Einnahmen kann sich wohl kein Winzer leisten.

Chilling at Domaine la Gasqui

2013 Malinger – Walporzheimer Pfaffenberg – Johannes Hostert

Direkt eine Woche nach der Jungfernfahrt mit unserem Wohnmobil ging es diesmal nach Mayschoß, an die Ahr. Hier wollten wir den Wohnmobil-Stellplatz direkt am Bahnhof ausprobieren. Der liegt zwischen Ahr und Weinberg mit Aussicht auf die Ruine der Saffenburg. Es gibt eine Trinkwasser-Station, zum Teil auch Strom und die Möglichkeit, Chemie-WC zu entleeren. Die Stellplätze sind zum Teil extrem schräg, besonders die asphaltierten, nahe der Stromquelle gelegenen. Die geschotterten Stellplätze im Weinberg sind dafür relativ gerade und trotz Bahntrasse und Bundesstrasse relativ ruhig.
Von Köln aus schnell zu erreichen, sind hier in diesem nördlichen Weinbaugebiet hauptsächlich Rotweinreben (86% 2008) gepflanzt. Was an sich eher ungewöhnlich ist für die geografische Lage, würde man hier doch eher Weißweine vermuten. Wie ich dann feststellen durfte werden aber auch viele Rotweintrauben zu Blanc de Noirs ausgebaut, was unter der prallen Sonne auf den Terrassen der vielen Weinstuben durchaus Sinn macht. Das große Ziel der Reise waren aber nicht die Rotweine der Region, auch kein Wein aus Mayschoß, sondern eine wahre Rarität von einem Winzer aus dem Nachbarort Rech.
Johannes Hostert besitzt in Walporzheim eine Parzelle von über 90 Jahre alten, wurzelechten Malinger-Reben. Auch als Prècoce de Malingre bekannt, nach dem Züchter, einem Pariser Gärtner, gilt die Rebe als frühreifend mit wenig Charakter. Laut Wine Grapes wird sie auch als Tafeltraube angebaut. Und Herr Hostert scheint weltweit der einzige Winzer zu sein, der den Malinger als sortenreinen Wein abfüllt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Terrasse der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr und einem Spaziergang über den Rotweinwanderweg nach Rech konnte ich dann endlich das Objekt der Begierde im Glas halten. Auf der Terrasse des Weinguts Johannes Hostert.
Malinger 2013 im Glas
Eine sehr helle Farbe schien die Charakterlosigkeit des Malingers zu bestätigen. Aber in der Nase überraschte der Wein zuerst mit gerösteten Haselnüssen und dann mit sehr viel Honig. Eher weich mit geringer Säure war auch noch etwas Restzucker vorhanden. Bei 11.5% Vol hätte ich den Wein gerne trocken ausgebaut probiert. Eine Flasche habe ich dann auch noch mitgenommen, vielleicht lässt sich der Wein ja etwas lagern.Flasche Walporzheimer Pfaffenberg Malinger 2013

2012 Mille-Neuf-Cent-Un, Le Clos des Grillons, Côtes du Rhône

Neben dem Abouriou von Domaine Lassolle war der Mille-Neuf-Cent-Un (1901) vom Clos des Grillons ein weiterer Fund auf der Weinmesse in Olne, Belgien.
Der Winzer, Nicolas Renaud, ein Quereinsteiger, hat sich in Rochefort du Gard ein kleines Weingut aufgebaut, das er nach den Regeln der Biodynamik bewirtschaftet. Auch Schwefel scheint ein Fremdwort zu sein.
Die Cuvée Mille-Neuf-Cent-Un, benannt nach dem Jahr in dem die Reben gepflanzt wurden ist ein fast reiner Bourboulenc, zu 50% im Eichenfass ausgebaut. Die Reben stehen auf einem Hang mit Nordneigung, was in der Hitze bestimmt nicht schlecht ist. Ein Bericht auf englisch von Bertrand Celce über das Weingut war auch sehr interessant.

Im Glas geschälte Birne gefolgt von Eiche. Dann Süßholz mit leichter Biernote (Schwefelfrei; Bier habe ich bei einigen Weißweinen ohne Schwefel herausgeschmeckt). Dann leichter Dill, etwas gekochte Zwiebel, Senf, wobei die Birne die ganze Zeit präsent bleibt. Etwas später dann wandelt sich die Birne in einen leckeren, aromatischen Apfel (Gravensteiner), zuerst roh, dann gekocht mit einem Hauch Jasmin.

Im Mund voll, leichte Säure aber eine salzige Mineralität, die eine kräftigere Säure vorgaukelt. Zuerst Birne dann Eiche, zu der sich ein gekochter Apfel hinzugesellt.

Zu einem Hühnerfrikassée oder einem reifen Camembert, gerne aber auf dem Balkon, gut gekühlt mit netter Begleitung, dass sich der Wein langsam erwärmen und sein volles Potential zeigen kann.

pH: 2.75
Brix: 6.4
Alkohol: 13.5% Vol