Archiv der Kategorie: Survivor

Eigentlich müssten diese alten Weine schon untrinkbar sein. Eigentlich…

Bouzeron A&P. de Villaine Battle 1998 vs 2002 vs 2004

Bouzeron 2004
Dass im Burgund außer Pinot Noir und Chardonnay noch andere Rebsorten angebaut werden, haben wir beim Pinot Gris-Battle gesehen. Zu den bekannteren Rebsorten, die noch angebaut werden, gehören die Gamay noir a jus blanc und die Aligoté-Rebe. Letztere hat im Burgund eine eigene Appellation, die Bourgogne Aligoté AOC. Ihre Weine sind leicht, mit kräftiger Säure und werden hauptsächlich zum Mischen mit Créme de Cassis als Kir verwendet. Eine Sonderstellung hat die Bouzeron AOC, ein kleines Gebiet um das Dorf Bouzeron in der Côte Chalonnaise. Diese Weine sind aus 100% Aligoté, müssen aber seit 1998 nicht mehr den Zusatz Aligoté tragen.
Die ersten Namen, die im Zusammenhang mit Bouzeron auftreten, sind Aubert und Pamela de Villaine, Mitbesitzer der Romanée-Conti. Hier haben sie ihr eigenes Weingut mit Weinen zu zivilen Preisen.
Der Jahrgang 1998, der erste Jahrgang der Bouzeron AOC, gilt für Weißweine als schwierig, da die Weine nicht viel Säure haben, das Reifepotential also eher gering ist. Die Aligoté hat davon ja eher mehr, vielleicht gleicht sich das aus.
Der Jahrgang 2002 hingegen gilt als sehr gutes Weißweinjahr, mit ausreichend Säure und Konzentration.
2004 war der Ertrag durchgehend etwas höher, was niedrigeres Mostgewicht und hohe Säure brachte.

Außer der Reihe kämpft noch ein anderer Aligoté aus dem Burgund mit, der 2002er Vieilles Vignes vom Château du Cary Potet, auch aus der Côte Chalonnaise. Diesen Winzer habe ich auf meiner ersten Weinmesse in Lille kennengelernt.

Let the Battle begin:

1998 Bouzeron, de Villaine:
Schlieren in der Flasche.
Oxi-Nase: Sherry, Sojasauce. Mineralische Säure im Mund, Christstollen mit Rosinen und Marzipan im Abgang.
Im Eisch-Rieslinglas verschwindet die Oxi-Nase. Dafür frischer Koriander mit Wurzel, etwas Mandarine.
pH: 2.81
Brix: 6.2
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Bouzeron, de Villaine:
Frisch aus dem Kühlschrank leichter Champignon und Honig. Erinnert an einen einfachen, jungen Chenin Blanc von der Loire, dann Kreide und gekochter Apfel. Weicher, voller als der 98er, leichter Pfeffer im Abgang.
pH: 2.84
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Aligoté de Bourgogne Vieilles Vignes, Cary Potet:
Hochwertiger Kunststoffkorken.
Dickmilch mit frischen Trauben. Leichter als der 2002er Bouzeron. Im Mund oxidativ, Soja und Sherry, etwas roher Apfel und Rosine.
pH: 2.83
Brix: 6.4
Alkohol: 12.5 Vol%

2004 Bouzeron, de Villaine:
Leichte Kreide und Apfel, Dill. Im Mund leichter Oxi-Ton. Sonnenblumenöl, Vollkornbrot und getrockneter Apfel im Nachgeschmack. Weicher als der 2002er Bouzeron.
pH: 2.94
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

Der 1998er Bouzeron ist leider schon etwas zu alt. Am besten gefällt mir noch der 2002er Bouzeron, der Cary Potet aus dem gleichen Jahrgang zeigt leider nicht die selbe Qualität und ist auch fortgeschrittener. Ob das am Korken liegt? Der 2004er ist jahrgangsgemäß etwas einfacher gebaut. Insgesamt ist Aligoté nicht unbedingt eine Rebsorte die man lange lagern sollte.

90er Austria kleine Flaschen Battle: 96er Grüner Veltliner vs 99er Roter Veltliner Auslese vs 93er Neuburger BA

Heute fand eine kleine Runde kleiner Flaschen aus Österreich den Weg in meine Küche. Alles Flaschen aus den 90er Jahren, alle zwischen 0.375 und 0.5 Liter Größen. Ein einfacher Grüner Veltliner aus dem Jahrgang 1996 von einem nicht unbedeutenden Weingut aus Langenlois, eine 99er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken, auch aus dem Kamptal sowie eine 93er Beerenauslese von der Neuburger-Rebe aus Rust. Bis auf den Grünen Veltliner sind hier Rebsorten vertreten, die nicht besonders für ihre Lagerfähigkeit bekannt sind. Was, kombiniert mit der Tatsache, dass es sich um kleine Flaschen handelt, eher für ein kurzes Weinerlebnis spricht.

1996er Langenloiser Steinhaus Grüner Veltliner trocken vom Sonnenhof Jurtschitsch:
Direkt nach dem Öffnen bezaubert der Wein mit einem Bild von einem frischen Weissbrot kräftig bestrichen mit Butter und Alpenrosenhonig. Nach 5 Minuten verdrängt gekochter Apfel den Honig. Im Mund gute Säure, Apfel und Honig, leichter weißer Pfeffer im Abgang. Leider baut der Wein schnell ab, wird Sherry-lastig, oxidativ.
pH: 3.27
Brix: 6.6
Alkohol: 12 Vol%

1999er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Kamptal Rosenberg vom Weingut Mayer-Hörmann:
Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Mayer-Hörmann
Die Nase zeigt einen Apfel-Grundton, der von einer starken Kräuternote (Salbei, Thymian) begleitet wird. Er ist sehr vollmundig, eine leichte Süße, adequat ausbalancierte Säure und leichte Bitternote, die die Kräuternote noch hervorhebt. Dieser Wein kommt aus der 0.5 Liter Flasche und zeigt sich auch nach 2 Stunden noch unverändert.
pH: 3.21
Brix: 9.6
Alkohol: 14.9 Vol%

1993er Neuburger Beerenauslese Rust vom Weingut Marienhof Gerhard Just:
93er Neuburger BA Weingut Marienhof Gerhard Just
Der Neuburger erinnert stark an einen Gewürztraminer. Getrockneter Pfirsisch, Honig, Rose, kurz kräftige Nori-Alge, die aber schnell wieder verschwindet. Eine für die Süße etwas zu geringe Säure und der Bitterton spielen auch in die Hand von Gewürztraminer.
pH: 3.53
Brix: 12.1
Alkohol: 14.5 Vol%

Am meisten haben mir die ersten Minuten des Grünen Veltliners gefallen. Insgesamt hat aber sonst der Rote Veltliner die Nase vorn, er zeigt sich aromatisch und ausbalanciert.

2007 Minimus Anima – Tormentas – Brasilien

Rechtzeitig vor der Fussball-WM gibt es heute nach dem Cabernet Franc auch einen Vin Naturel aus Brasilien. Bekommen habe ich ihn von einem guten Wein-Freund aus Brasilien, der ihn mir bei seinem letzten Aufenthalt in Barcelona nach Düsseldorf Anfang des Jahres geschickt hat. Die Rebesorten sind 35% extra reif geernteter Tannat, 35% Cabernet Sauvignon, 20% Alicante Bouschet und 10% Merlot. Die Trauben selbst sind nicht unbedingt ökologisch angebaut, dafür ist das Klima in Brasilien wahrscheinlich einfach zu schwierig, aber nach der Ernte wurde dem Most bis auf eine geringe Menge Schwefel, nichts hinzugefügt, keine Schöner, Hefen oder anderweitige Zusatzstoffe. Mein Freund hat den Wein 2008 erworben und in seiner Wohnung in Rio de Janeiro gelagert. Bei Temperaturen von über 30°C. Über 5 Jahre bei erhöhter Temperatur wird wohl auch seine Spuren hinterlassen haben.

Tag 1:
Der Korken sitzt extrem fest im Flaschenhals. Mit normalem Korkenzieher droht er eher durchzubrechen, deshalb schnell mit Federzungen-Zieher heraus gedreht. Ins Glas eingegossen, zeigt sich ein bräunlicher Farbstich. Die Nase ins Glas gesteckt kommt direkt der Geruch einer ganzen Ananas, die man im Obstkorb zu lange ignoriert hat und die sich deshalb dunkelbraun verfärbt hat, entgegen. Dazu leichte, flüchtige Säure, aber auch getrocknete Hibiskusblüte, reife Brombeere und Veilchen. Der erste Schluck verstärkt den Eindruck von flüchtiger Säure noch etwas, dieser bleibt aber nicht konstant. Eine süffige Säure verdeckt die vorhandene, nicht zu kräftige Tanninstruktur, die aber von hinten nochmal ankommt. Brombeerfruchtschnitte mit Kakao und leichte Minze im Nachgeschmack. Etwas später setzt sich der Cabernet mehr durch gegen Tannat und Cassis, würziger Rotwein-Jus, Tabak, Kirsche und Leder kommen hervor. Farbpigmentausfall nach ca. 1 Stunde.

Tag 2:
Der Braunstich hat die Wandlung zu einem Braunton vollzogen. Essig und der unangeheme Geruch von Ananas sind verflogen. Jetzt zeigt er sich als einfacher, süffiger Kirschsaft mit Tabak-Aroma.

Sehr Schade, dass der Wein keine bessere Lagerung mitmachen durfte. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie sich der Wein mit Abstrichen noch recht gut präsentieren konnte. Mein Dank geht an Jandir nach Rio.

pH: 3.48
Brix: 8.4
Alkohol: 13 Vol%

Fiano Battle Naturalia Factory: 2001 vs 2000 Vendemmia Tardiva

Nach dem 2004er Fiano, der sich noch relativ frisch zeigte, wollte ich herausfinden, ob sich ein Fiano noch länger lagern lässt. Und bin dafür dann in die Untiefen meines Weinkellers geklettert, um mit 2 Flaschen heraus zu kommen, beide von Naturalia Factory. Ein Fiano di Avellino aus dem Jahr 2001 und ein Fiano dell‘ Irpinia Vendemmia Tardiva aus dem Jahre 2000. Dies wird wohl ein ungleicher Battle werden. So wird der Jahrgang 2000 in Kampanien von Rober Parker mit 92 und der 2001 nur mit 91 Punkten bewertet. Weiterhin ist der 2000er eine Spätlese, während der 2001er nur mit seiner Herkunft (DOCG Avellino vs IGT Irpinia) punkten kann.

Farbe:
Hier zeigt sich der 2001er gereifter, dunkler. Etwas überraschend.

Nase:
Der 2001er kommt frisch aus dem Kühlschrank mit gekochter Birne, Hafer-Porridge mit getrockneten Apfelstücken, grüner Haselnuss. Später dann Porridge mit Mandarinenstückchen aus der Dose und gekochter Birne, Mandelmus.

Der 2000er zeigt ein Bouquet, welches ich eher einem vin naturel zusprechen würde. Hefe und leichter Essig. Dazu getrocknete Birne gefolgt von getrockneter Ananas und Mandarinensaft.

Mund
Der 2001er zeigt sich voll mit animierender Säure und leichtem Bitterton. Feine Sherry-Note, Porridge mit Mandarinen im Abgang.

Im Gegensatz dazu lässt der 2000er jegliche Restsüße vermissen, die man bei einer Spätlese erwartet hätte. Auch er ist voll, mit einer weichen Säure. Eine Mischung von Birnensaft, Mandarinensaft und Wasser.

Ergebnis:
Der 2001er überrascht und lässt den enttäuschenden 2000er weit hinter sich. Qualitativ liegt er etwas hinter dem 2004er Bechár, was Hoffnung auf ein paar schöne Momente mit dem Bechár in einigen Jahren wecken lässt. Auch zeigt sich, dass man sich nicht auf irgendwelche Jahrgangsbewertungen verlassen sollte. Dafür ist Wein einfach eine zu komplexe Angelegenheit.


Werte:

2001
pH: 3.17
Brix: 6.4
Alkohol: 12% Vol

2000
pH: 3.10
Brix: 5.8
Alkohol: 14% Vol

2004 Fiano di Avellino – Béchar – Cantine Antonio Caggiano

Nach einer längeren Pause wegen Urlaub eines Kollegen gefolgt vom eigenen gibt es heute einen Eintrag über einen weißen Italiener. Dank Prosecco, Pinot Grigio und jetzt Lugana, gehören Weine dieser Gattung eher nicht zu meinem Beuteschema. Aber ein Land voller autochtoner Rebsorten kann ich nicht mein Leben lang ignorieren, und deshalb werde ich mir in nächster Zeit wohl die eine oder andere Flasche zu Gemüte tun, bis die Italo-Vino-Phobie vollkommen auskuriert ist.
Die Fiano-Rebe stammt aus Kampanien wo sie schon 1240 erste schriftliche Erwähnung fand. Je nachdem, welcher Quelle man jetzt glauben mag, sind die Weine nur jung zu genießen (Wikipedia) oder können auch gut gelagert werden (Wine Grapes). Mit einem 2004er Jahrgang wäre der Wein nach Wikipedia wohl nicht mehr genießbar.
Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein noch etwas derb. Frischer Brotteig. Es folgen eine Hauch Mango, etwas Honig und getrocknete Birne.

Der erste Schluck gibt sich voll mit einer anregenden Säure, die einen Hauch länger im Mund verweilt. Eine Abfolge von getrocknetem Obst, Apfel, dann Birne, Feige und zum Abschluss Rosinen.

Mit dem Erwärmen des Weins kommt buttrige Mango, getrocknete Birne abwechselnd mit gekochter Birne raus. Ab und an blitzt auch etwas geröstete Haselnuss hervor. Erinnerte mich etwas an den 1996er Pacherenc, nur nicht ganz so expressiv.
Ein weiterer Schritt ist getan, meine Vorurteile abzubauen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Wikipedia nicht immer zu trauen ist. Zu viele Köche.

pH: 2.85
Brix: 6.9
Alkohol: 13% Vol

1993 Gewurztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre, Trimbach, Alsace

Und wieder probiere ich einen Gewürztraminer aus dem Elsaß, diesmal von einer alteingesessenen, renommierten Winzerfamilie, den Trimbachs aus Ribeauvillé. Der sind aufmerksame Leser dieses Blogs schon mal hier begegnet. Da aber in der Kategorie Gutsriesling.

Diesmal gehe ich ans andere Ende der Qualitätsleiter, zu einem Gewürztraminer der Stufe Réserve Personnelle. Höher geht es hier bei Gewürztraminer nur noch im Bereich der Dessert-Weine mit der Sélection de Grains Nobles.

Die Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre wird aus Trauben von alten Rebstöcken gekeltert, die auf dem Land der alten Herren von Ribeauvillé, den von Ribeaupierre, wachsen.

Mal sehen, wie sich der Wein nach über 20 Jahren entwickelt hat.

Im Glas zeigt sich die Farbe noch frisch wie am ersten Tag. In der Nase überzeugt er mit Rosenwasser, Grapefruit, Lychee und würzigem Heide-Honig.

Ein erster Schluck umschmeichelt den Gaumen mit Fülle, einer ganz leichten Restsüße und nur milder Säure. Getrocknete Rosenblätter und Rosinen, gefolgt von einem mit anregendem Bitterton akzentuierten, entsäuerten Grapefruit-Saft.

Mit der Zeit verliert der Wein die erst sehr dominante Grapefruit und ersetzt diese durch Bienenwachs, getrocknetem Ingwer, Birnensaft und Piment.

Zuerst fehlt mir die Säure, dieser Mangel wird für mich aber auf unerklärliche Weise durch den Bitterton ausgeglichen.

pH: 3.41

Brix: 7.8

Alkohol: 13 Vol%

Den Vergleich mit den Weinen von Maurice Schmitt braucht man hier nicht anstellen. Der Trimbach zeigt sich kompletter, ausgewogener, besser gealtert. Und das trotz niedrigerer Säure. Eine Flasche liegt noch im Keller, wäre was für 2024.

Ohne Jahrgang – Freeze Concentration Cabernet Sauvignon, Takahata Winery, Japan

Wie Matze in seinem Weinblog Chez Matze schon festgestellt hat, ist Japan ein Land, das nicht besonders für den Weinbau geeignet ist. Feuchtigkeit, fehlende Sonnenstunden in den wichtigen Monaten,.. Aber der Japaner wäre kein Japaner, wenn er trotz aller Widrigkeiten nicht doch sein Bestes gibt, wenn er sich etwas vorgenommen hat.
So auch bei dem Freeze Concentration Cabernet Sauvignon der Takahata Winery. Das Weingut besteht seit 1990 in der Präfektur Yamagata, im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshû. Gekauft habe ich den Wein vor circa 10 Jahren in der Weinabteilung eines Kaufhauses in Aizu-Wakamatsu, Präfektur Fukushima für 3.000 Yen. Dort sind meine Großeltern zu Hause. Wie meine Recherche ergeben hat, wird dieser Wein so nicht mehr hergestellt. Nur noch eine Variante aus Chardonnay-Trauben ist erhältlich.
Cabernet Sauvignon Freeze Concentration FrontLaut Etikett werden die Trauben geerntet, gefrostet, dann gepresst und dem Most Hefen zugesetzt. Dieser wird dann zwischen 10 und 15°C vergoren um dann noch mal auf -5°C herunter gekühlt zu werden, wahrscheinlich um Weinstein vorzukommen, oder eine weitere Steigerung des Extrakts durch Entfernen von Eis zu erreichen. Das ganze Verfahren nennt sich Kryoextraktion und simuliert den Prozess der Eisweingewinnung. In Deutschland ist es verboten, wird aber in Frankreich u.a. von der Domaine Baumard zumindest noch bis 2020 angewendet (Jim’s Loire Blog) um den Most noch etwas weiter zu konzentrieren. Neben dem Zuckergehalt wird aber auch der Säureanteil erhöht, was auch bei Eiswein zu der charakteristischen, kräftigen Säure führt.

Takahata Winery Cabernet SauvigonLaut Rückenetikett handelt es sich um 100% Cabernet Sauvignon aus japanischen Trauben. Ein Jahrgang ist nicht angegeben, dafür ein ungefährer Alkoholgehalt von 14% Vol. Wurden hier Trauben von mehreren Jahrgängen im Froster gelagert, bis sie dann gemeinsam gepresst wurden?

Im Glas zeigt sich ein dunkles Rosa, ähnlich einem Clairet aus dem Bordeaux. Erste Nase zeigt gekochte Erdbeere, Cassis, Körnerjoghurt Erdbeere, leichte, gekochte Rote Beete, gefolgt von süßer Wildkirsche.

Im Mund zeigt sich der Wein weich, mit kräftiger Süße und einer nicht allzu kräftigen Säure, wie man sie eigentlich von einem „Eiswein“ erwarten könnte. Auch hier dominieren Cassis und Erdbeere, Erdbeermarmelade und kräftige Rosine im Finnish.

Mit Erwärmen wird der Cassis aber stärker, auf Kosten der Erdbeere.

Alles in allem ein fruchtiger Süßwein, der die Cabernet-typische Frucht trotz der langen Lagerung erhalten konnte.

Kann ich mir gut vorstellen zu Rotweinbirne mit weißem Minzeis (kein Minzextrakt sondern friche Minze in der Sahne ziehen lassen).

pH: 2.99

Brix: 13.5

Alkohol: um die 14% Vol

 

Elbling Battle 1994 Spätlese vs 1996 Auslese

Der Elbling gilt als älteste Rebsorte Deutschlands. Es wird ihr sogar nachgesagt, von den Römern vor 2000 Jahren nach Germanien gebracht worden zu sein. Das lässt sich natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, aber vor 200 Jahren war sie noch die meist verbreitete Rebsorte in Deutschland. Heute ist sie nur noch an der Mosel und auch am Bodensee anzutreffen. Meist für die Sektproduktion angedacht, finden sich ansonsten eher Schoppen-Weine von neutralem Charakter und kräftiger Säure. Vereinzelte Winzer versuchen etwas mehr Geschmack durch längere Reifung auf den Hefen (sur lie) in den Wein zu bringen. Vorbild ist hier der Muscadet sur lie von der westlichen Loire, der auch mit einem Image-Problem und niedrigen Preisen zu kämpfen hat.

Der möglicherweise einzige Winzer, der regelmässig den Elbling zu Spätlese und Auslese-Weinen reifen lässt, ist Baron von Hobe-Gelting vom Weingut Schloss Thorn. Dieses liegt auf der deutschen Seite der Obermosel gegenüber von Remich in Luxemburg, in einem von Muschelkalk geprägten Abschnitt. Neben dem Elbling ist das Weingut auch bekannt für seinen Sauvignon Gris, einer Mutation des bekannteren Sauvignon Blanc.

Der Jahrgang 1994 gilt als sehr gut. Die Rebblüte war um 1 Woche früher als normal, ein heißer August brachte die Reife der Trauben um 2 Wochen nach vorne. Doch der lange Regen im September förderte dann frühe Fäule, die im sonnigen Oktober als Edelfäule zu vielen Auslesen und höherwertigen Weinen führten. Bei all dem haben sich die Weine aber eine kräftige Säure bewahrt.

Im Gegensatz dazu der Jahrgang 1996: Ein Spätstarter, der durch Wetterwechsel in den entscheidenden Anfangsphasen mit einem drastischen Rückgang der Erntemenge zu kämpfen hatte. Erst ein sehr guter Oktober brachte die Wende: hohe Säure und Mostgewichte mit viel Extrakt. Kaum Edelfäule.

Der Battle, 1. Tag:

1994 Spätlese, ganze Flasche:

Frisch aus dem Kühlschrank: Honig, Kreide, Limette. Der Honig wird stärker, leichte Vanille, Kamille, Körnerjoghurt. Im Mund relativ voll mit einer kräftigen Säure, die aber zuerst noch von der Fülle verdeckt wird. Leichte Restsüße, die eher an Kabinett erinnert. Aromen von leichtem Champignon, überreifer Zitrone und Honig im Mund, wird von leichtem Oxi-Ton eingeholt.

1996 Auslese, halbe Flasche:

Auch frisch aus dem Kühlschrank: Porridge mit Honig. Der Honig wird mit der Zeit stärker, hinzu kommen etwas gebackene Banane und Kerbel. Im Mund ähnlich voll wie die Spätlese, etwas geringere Säure, höherer Restzucker, ähnlich einer Spätlese. Oxi-Noten mit Karamell im Nachgeschmack. Wärmer kommt der Wein etwas breiter durch und zeigt Aromen von Tomatensaft, Honig, Karamell.

Der erste Tag endet mit einem leichten Punktsieg für die Auslese, fühlt sie sich ausgewogener an.

Battle, zweiter Tag:

1994: Honig, ungeröstete Nori-Alge in der Nase. Überreife Zitrone und Honig im Mund.

1996: Sojasauce (Oxidation), leichter Honig. Im Mund Zitrone und leichte Sojasauce. Dieser Wein hat seinen Zenit leider überschritten.

Ein klarer Sieg für die Spätlese. Ob da jetzt der Jahrgang eine Rolle spielt oder einfach nur das größere Format der Flasche, werde ich wohl nicht mehr erfahren.

 

 

 

1970 Maison Leroy, Meursault Blanc

Angeregt vom Bericht über Domaine Leroy im Blog von Chez Matze habe ich den 1970er Meursault blanc der Maison Leroy, also dem Weinhaus des Weingutes probiert. Der Wein wird aus zugekauften Weinen zusammengestellt die dem Standard des Hauses entsprechen. Wegen der dunklen Farbe, die schon durch die Flasche hindurch sichtbar war und einigen Schlieren bin ich davon ausgegangen, dass der Wein schon lange tot war. Von Matze schon vorgewarnt, dass der Korken wahrscheinlich eher bröselig wird, habe ich mich dann daran versucht, ihn so vorsichtig wie möglich zu öffnen.

Erster Versuch mit der Korkenspange drückt den Korken 5mm runter Richtung Wein. Fail.

Zweiter Versuch mit Kellnermesser scheint erfolgsversprechender. Langsam kommt der Kork hoch, bricht dann aber bei der Hälfte ab. Weiteres Anwenden des Messers bringt nur Korkkrümel. Matze, du hast recht!

Dritter Versuch: Vakuumpumpe ansetzen und durch Unterdruck den Korken nach oben bewegen. Gewünschtes Ergebnis wird leider nicht erreicht, Korken fällt in den Wein.

Vierter Versuch: 3 dünne Stahlspieße sollen den Korken fixieren und hochziehen. Das funktioniert dann zum Glück, nur ein paar Korkkrümel schwimmen in der Flasche.

Ins Glas gegossen zeigt sich zuerst die braun-goldene Farbe. Tot?
Nase reingehalten: Überraschend starker Karamell mit Butter, leichter Rauch, danach Rosinen mit dunklem Krustenbrot. Etwas gekochter Apfel und zwischendurch ein Hauch von gebackenem Knoblauch, fast Richtung weisser Trüffel.
Der erste Schluck beeindruckt durch eine lang anhaltende, lebendige Säure, leicht kreidig, etwas Apfel und Karamell.

Nach 30 Minuten verliert der Wein etwas im Mund, wirkt kürzer, gehetzt.

Am nächsten Tag setzt die eigentlich erwartete oxidative Note ein. Karamell nur noch im Nachgeschmack, diesmal aber kräftiger als beim ersten mal.

Totgesagte leben länger…

pH: 2.99
Brix: 7.3
Alkohol: Geschätze 12.5 % Vol

1999 Elsaß Riesling Battle: Trimbach vs Meyer-Fonne

Der Jahrgang 1999 war im Elsaß je nachdem, wo man gerade nachliest, ein schwieriges Jahr: mit gutem Wetter bis Ende September, danach aber Regen bis Mitte Oktober (Berry Bros.), Hagel im August (Trimbach); Befriedigend was Qualität und Quantität angeht: mit gesunden Trauben (Vins Alsace), Guter Jahrgang (wieder Vins Alsace.com), so auch bei Vin Vigne.com – hier ist „Bon“ aber das siebtschlechteste Ergebnis, gerade noch vor „moyen“ und „médiocre“. Irgendwie haben da dann wohl alle Recht.

Das Weingut Trimbach, mit einer Jahresproduktion von über 1 Millionen Flaschen einer der größeren Produzenten des Elsaß aus Ribeauvillé, hat mit dem Clos Ste-Hune und der Cuvée Frederic Emile zwei der größten Rieslinge Frankreichs im Programmm, die den Ruhm des Weinguts schon früh begründeten. Trauben für die normalen Cuvées werden auch dazu gekauft.

Meyer-Fonné hingegen produziert nicht einmal ein Zehntel der Menge von Trimbach, alles aus eigenen Weinbergen. Im Gegensatz zu Trimbach ist das Weingut erst in den letzten 15 Jahren bekannter geworden. In „The Wines of Alsace, das eigentlich alle wichtigen Weingüter bespricht, taucht es noch nicht auf. In „Bettane & Dessauve“ von 2002 sind sie aber schon mit einem Stern vertreten, Trimbach hat hier einen mehr. Beim eigentlichen Nachfolger, dem „Le Guide des meilleurs vins de France“ von 2013 hat sich die Sternenzahl wieder gedreht. Hier führt Meyer-Fonné 2:1.

Kampfgewicht:

Meyer-Fonné mit Cuvée Vignoble de Katzenthal

pH: 2.77

Brix: 6.7

Alkohol: 12.5 %Vol

Trimbach

pH: 2.63

Brix: 6.8

Alkohol: 12 % Vol

Der Herausforderer Meyer-Fonné zeigt sich im Glas direkt um einiges dunkler, der Korken zu einem Drittel durchnässt und mit leichtem Weinstein an diesem.

In der Nase überrascht erst frisch geröstetes Bauernbrot, dann Limette, leichter Honig der stärker wird. Der Brotton nimmt ab. Dafür kommen Pfirsisch, Limette und Honig, das Brot wird dann ersetzt durch Karamell.

Im Mund zeigt er sich relativ voll, gedämpfte Säure. Hier leichter Honig und Bauernbrot, ist aber schon schnell wieder weg um einen Hauch von gekochter Esskastanie zu hinterlassen.

Nach einer halben Stunde werden die Aromen klarer: Butterkaramell, Honig, Ananas-Quitte, Vanille und ein kleines Pfefferminz-Blättchen.

 

Trimbach: Der Korken ist komplett trocken, im Glas definitiv heller als Meyer-Fonné.

Leichter Muff, der schnell verfliegt, dann leichter Honig, etwas Birne, Quitte, getrocknete Ananas. Der Honig wird stärker, dann verschwindet die Frucht, es bleibt etwas kreidige Limette. Im Mund eine sehr gute Säure/Körper-Balance, leichte Quitte, etwas Munster-Käse, sehr süffig.

30 Minuten später Eukalyptus und Limette, Minze und Lakritze

Sieger

Die Balance spricht für Trimbach, die expressive Frucht für Meyer-Fonné. Der Trimbach kann noch etwas liegen, Meyer-Fonné hat jetzt seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Deshalb ein leichter Punktsieg für Meyer-Fonné und Katzenthal