Archiv der Kategorie: Terra Incognita

Unbekanntes Weinbaugebiet

Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

Wein-Nachten naht… Langsames Einstimmen mit Wein aus Bethlehem

Die Tage werden kälter, erster Schnee ist in Deutschland schon gefallen. Auch gibt es endlich wieder Zimtsterne und Lebkuchen in den Supermärkten. Höchste Zeit also, sich auf das heilige Fest einzustimmen. Womit sollte das besser gehn, wenn nicht mit einem Wein aus der heiligen Stadt, von Mönchen geschaffen und uneigennützig für den Unterhalt einer Berufsschule genutzt.

Wie zum Beispiel dem Baladi 2010 von Cremisan.

BaladiBack

Die Rebsorte Baladi selbst gibt ein paar Rätsel auf, im Wine Grapes von J. Robinson et al wird sie mit Cayetana Blanca gleichgesetzt, wobei es sich schon von der Farbe her um andere Rebsorten handeln muss.

Ein Blick in das Mammut-Werk, Dictionnaire Encyclopédique des Cépages, Pierre Galet lässt 6 verschiedene Baladi-Varianten auftauchen, alle Weiß. Drei aus Spanien, drei aus dem Nahen Osten. Bei letzteren wird eine Übersetzung mitgeliefert: le raisin de mon pays, oder Rebe aus meinem Land.

In der Nase: Süße, reife Brombeere, Veilchen, Pfingstrose, leichte Note von Wildragout and kräftigere frische Feige.

Süffig mit angenehmer Säure und leichten Tanninen. Leichte Brombeere, Tabak und frische Feige am Gaumen.

Nachgeschmack von getrockneter Feige und Tabak.

 

Jetzt trinken oder bis nächstes Jahr Weihnachten warten.

 

Schaumwein aus Wales? Ancre Hill Estate Blanc de Noirs 2010

Dass die Engländer gute Schaumweine produzieren, mag man schon mal gehört haben. Einige vielleicht auch schon selbst versucht. Die Engländer selbst sind auf jedenfall fleissig dabei, ihre Produkte anzupreisen. Ein ähnliches Terroir wie in der Champagne mit den tiefen Kalkböden (man denke an die weissen Klippen von Dover) bei vergleichbaren Sonnenstunden. Nur, da kommt der Engländer leider nicht drum herum dies zu bestätigen, mit einem etwas höheren Regenfall.
123 Weingüter in England stehen 12 in Wales gegenüber.  Die meisten von diesen im Südosten von Wales, wie auch das Ancre Hill Estate aus Monmouth. Die ersten Rebstöcke wurden hier 2006 gepflanzt, seit 2011 wird biodynamischer Weinbau betrieben. Organisch zertifiziert seit 2012 und das begehrte Demeter-Siegel seit 2013. Damit ist Ancre Hill Estate eins von zwei biodynamischen Weingütern im Vereinigten Königreich.

Der Blanc de Noirs 2010 wurde aus 100% Pinot Noir Trauben gewonnen. Ausbau im Stahltank. 24 Monate Flaschenreife vor dem Degorgieren und weitere 6 Monate vor der ersten Auslieferung.

Die Kapsel ist leider etwas einfach gehalten, eine neutrale Kapsel mit einem aufgeklebten Logo. Eine kleine Enttäuschung für Kapselsammler.

Ancre Hill Capsule

In der Nase versöhnt er dafür mit Apfel, buttrige Brioche, Vanille und leichtem Anis.

Feine Perlage mit lebhafter Säure, blumig, etwas Brioche und Honig mit Birne am Gaumen.

Ein interessanter, langer Salz-Laktritz Abgang und Nachgeschmack von Herbst unter dem alten Apfelbaum mit einem Biss ins Apfelkerngehäuse zum Schluss.

Ein guter Wein zum Aperitif, mit 11.5% Vol kann man auch noch ein halbes Glas mehr trinken.

Wein Crowd Funding – Besuch bei meinem Winzer – Le Verdus, Aveyron

Welche Folgen das Liken auf einer Facebook-Seite über seltene Rebsorten haben kann durfte ich feststellen, als ich auf einen Crowd-Funding Aufruf eines jungen Winzer-Pärchens im Aveyron, Frankreich stieß. Philippe Rousseau und Aline Solignac wollten die Weintradition im kleinen Ort St-Cyprien-sur-Dourdou bei Marcillac wieder aufleben lassen mit der Gründung der Domaine Le Verdus.

Gesucht wurden €2500 für das Anlegen einer neuen Parzelle Reben von Chenin Blanc und einer mir unbekannten weißen Sorte Namens Roussellou. Für meine €100 sollte es 6 Flaschen Wein und eine Führung vor Ort geben. Das Projekt kam dann auch zum Glück zusammen, das erhoffte Ziel wurde sogar mit 151% übertroffen. Auslieferung der Weine war mit September angesagt, was das Winzerpaar aber nicht bedacht hatte, war dass einer ihrer Unterstützer seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Um die erhöhten Frachtkosten zu sparen und gleichzeitig die Weingut-Führung einzulösen stand ein Teil unserer alljährlichen Frankreich-Tour mit dem Wohnmobil fest: St-Cyprien-sur-Dourdou im Zentralmassiv.

Einen kleinen Abstecher gab es aber vorher noch ins Nachbardorf Conques, einem mittelalterlichem Städtchen, was offiziell mit zu den Schönsten Orten Frankreichs zählt.

Conques

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist es ganz schön hügelig hier.

Conques3Ohne viel Aufwand ließe sich hier ein Film in historischer Kulisse drehen.

Der Camping-Platz von St-Cyprien-sur-Dourdou liegt zwischen Sportplatz and Schwimmbad und war wahrscheinlich früher Teil des dem Sportplatz zugehörigen Parkplatzes. Die rudimentären Waschräume werden auch von den Sportlern mit verwendet. Aber für €14.40 für Camper, Strom und 2 Personen, schattige, nivellierte Parzellen mit eigenem Wasseranschluss kann man sich nicht beschweren. Bäckerei und Metzgerei bei Gemüse-Abteilung sind zu Fuß innerhalb von 5 Minuten zu erreichen.

St Cyprien sur Dourdou Camping PlatzLe Verdus liegt etwas ausserhalb von St-Cyprien auf einem Hügel. Dort trafen wir Philippe der uns das Weingut vorstellte.

Das Grundstück gehört der Familie seiner Partnerin, die vor der Phylloxera-Krise hier in großem Maße Weinbau betrieb dann aber nach Argentinien auswanderte um dann aber schlussendlich wieder in die Heimat zurückzukehren und den Hof umstrukturiert wieder aufzubauen. Nur vom Weinbau wurden die Finger gelassen, dafür Viehwirtschaft, Getreideanbau und Fischzucht betrieben. Aber ein Weinkeller war noch vorhanden, in einen Hügel gebaut um die Temperatur im Keller niedrig zu halten.

Verdus Cave

Das Gebäude steht schon seit ca. 300 Jahren, ist zweistöckig, wobei nur das untere Stockwerk im Hügel steht, das zweite Stockwerk hat von hinten einen direkten Zugang zum Weinberg. Hier steht dann auch die Presse.

Verdus Pressoir

Der gepresste Most kann dann direkt durch ein Loch im Boden ins Erdgeschoss geleitet werden. Verdus Cave

Und hier dann weiterverarbeitet und vergoren werden, ohne dass gepumpt werden muss. Die Barrique-Fässer sind gebraucht gekauft und wurden vorher schon 5 mal verwendet, geben also keinen Holzgeschmack mehr ab sondern ermöglichen ein sanftes Lagern. In diesem Raum befindet sich dann auch das Flaschenlager, alles in allem sehr kompakt und mit dem natürlichen Charme eines alten Steingemäuers.

Natürlich gab es auch eine Führung durch den neu angelegten Rebgarten.

Verdus La Vigne

 

Hier wurden zwei Chenin Blanc Klone angepflanzt, die nachweislich aus dem Aveyron stammen. Ausserdem durch Massale Selektion gewonnene Roussellou Reben, die mit Unterstützung von einem Spezialisten von verschiedenen alten Rebstöcken in der Umgebung gesammelt wurden.

Roussellou ist der der regionale Name für St Côme, eine Rebsorte die Philippe bei einem befreundeten Winzer kennengelernt hat, der einen Versuchsweinberg für alte Rebsorten der Region pflegt. Gemeinsam haben sie sich für diese Rebsorte entschieden, weil sie das meiste Potential zeigte.

Die Reben für den schlussendlich von mir erworbenen Wein, ein Rotwein aus 70 Jahre altem Fer Servadou (90%) und Jurançon Noir (10%)  stehen in einem Nachbarort, Salles-la-Source und sind gepachtet. Offiziell sind es Rebstöcke die im Weinbaugebiet Marcillac AOC gepflanzt sind, sein Jungfernwein aber ist offiziell „nur“ ein Vin de Pays de l’Aveyron. Als nächstes will Philippe einen Marcillac-konformen Weinberg anpflanzen, dafür muss er aber erstmal nachweisen, dass er schon einen Marcillac-Wein gekeltert hat. Deshalb wird der Jahrgang 2015 wahrscheinlich ein AOC Wein werden.

La Mitat

La Mitat heißt  im lokalen Dialekt : Die Hälfte, Halb, Semi.

Der Weinberg ist erst zur Hälfte besetzt, der Keller ist nur halb fertig, und der Wein wurde mit der Macération Semi-Carbonique Technik vergoren.

Nebenbei ist Mitat auch der Ausruf von traditionellen Tänzern im Aveyron, wenn die Musiker sich eine Pause gönnen wollen, bitte doch noch etwas weiter zu spielen. Ist doch erst Halbzeit..

 

Der Wein ist infiltriert und ungeschönt spontan vergoren, mit alleinigem Zusatzstoff : ein wenig Schwefel bei der Abfüllung.

In der Nase: Rote Bete, Veilchen, schwarze Johannisbeere, künstliche Himbeere.

Erfrischende Säure mit nur leichten Tanninen am Gaumen. Hier sind neben Cassis auch etwas Pfeffer und Gurke zu schmecken.

Alles in allem ein perfekter Sommer-Rotwein, auch lecker gekühlt zu geniessen. Beim Winzer kostet die Flasche €7.

Gut, da habe ich etwas mehr bezahlt, aber darum geht es ja nicht beim Crowd Funding.

Frühroter Veltliner in den Savoyen? Philippe Grisard Malvoisie 2012

Zugegeben, es handelt sich nicht um einen reinen Frühroten Veltliner sondern um eine Cuvée aus Pinot Gris und dem FrühVel, beide in den Savoyen als Malvoisie bekannt. Dass der Pinot Gris sich hinter Malvoisie versteckt, haben wir ja schon beim Pinot Gris Battle Malvoisie vs Pinot Beurot gesehen. Auch findet man in der Französisch-sprachigen Schweiz öfter den Grauburgunder als Malvoisie. Wie der Frührote Veltliner den Weg von Österreich nach Frankreich gefunden hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Meine persönliche Vermutung liegt bei einem Umweg über das alpine Italien, wo auch noch geringe Mengen an FrühVel angebaut werden.
Fruehroter Veltliner bei Domaine de Mejane‚Velteliner‘ im Sortenweingarten der Domaine de Mejane

Auf die Flasche, rein ins Glas:
Hefe, Himbeerbrausepulver, Wachs, leichter Honig, Apfel mit kalter Melone und Birne.
Voller als erwartet für einen Berg-Wein, mit genug Säure.
Insgesamt weich mit Kokosnuss und Birne am Gaumen und einer leichten Bitternote.

2013 Chignin Bergeron, Ravier Pascal & Benjamin

Eine Suche nach reinsortigem Roussanne in Deutschland kann sehr frustrierend oder teuer enden. Frustrierend, weil nicht leicht zu finden. Teuer, weil eine der wenigen Flaschen gleich der Beaucastel Vieilles Vignes ist, eine Chateauneuf-du-Pape Ikone mit entsprechendem Preis.

Die Rebsorte Roussanne kommt ursprünglich aus dem nördlichen Teil der Rhône. Hier ist sie mit der Rebsorte Marsanne, mit der sie engstens verwandt ist, verantwortlich für die berühmten Hermitage Weißweine. Spät reifend und mit geringerem Ertrag wart sie fast ausgestorben. Um 1960 gab es nur noch 71 ha in Frankreich. Diese Zahl ist jetzt zum Glück auf 1352 ha (2009) angewachsen.
Roussanne
In den Savoyen, genauer im Cru Chignin, wird die Roussanne Bergeron genannt und ist als einzige Rebsorte im Chignin-Bergeron AOC zugelassen. Wie und wann sie dort hinkam, ist mir unbekannt. Es wundert aber ein wenig, da sie selbst für die Rhône als spät reifend gilt und hier mit dem kühleren Wetter der Alpen klarkommen muss.

Chinin Bergeron habe ich in einem französischen Online-Shop gefunden: Vinatis aus Annecy in den Savoyen. Versandkosten nach Deutschland bis zu einem Einkaufswert von 200€ liegen bei 10€, was für Frankreich sehr günstig ist. Soviel kann man auch schon für den Versand innerhalb Frankreichs ausgeben. Die Versandzeit ging relativ flott, nach 4 Tagen waren sechs Weine bei mir. Bezahlt habe ich mit PayPal, wofür es einen leichten Aufpreis von 3% zu zahlen gab.

Eingeschenkt frisch aus dem kühlen Keller:
In der Nase überrascht der Wein mit Mirabelle, Honig, Löwenzahnblüte, leichtem Joghurt und etwas Quitte.
Im Mund etwas leichter mit weicher Säure und feinem Bitterton.
Hier kommen dann wieder Mirabelle und Löwenzahn zum Vorschein, während Joghurt und Quitte den Nachgeschmack bestimmen.

Weitere Roussanne-Weine werden folgen müssen, aber vorher gibt es noch ein paar andere Rebschätze aus den Savoyen.

2013 Mondeuse Blanche, Maison Philippe Grisard, Savoie

Nach dem Aufenthalt bei der Domaine de Mèjane ging die Fahrt weiter Richtung Beaufort, wo die sehr fortschrittliche Cooperative des Ortes einen 24h Käseverkaufsautomaten betreibt und die beim Käsen anfallende Molke zu Energie umwandelt und damit nicht nur die Molkerei betreibt sondern auch ins öffentliche Stromnetz einspeist. Aber das ist eine andere Geschichte…

Denn einen kleinen Zwischenstopp wollte ich vorher unbedingt noch bei der Maison Philippe Grisard in Cruet machen. Denn neben meinem heimlichen Favoriten, der Verdesse, hat der Winzer auch Frühroten Veltliner und die Mondeuse Blanche im Angebot.

Die Mondeuse Blanche, mit ca 5ha in den Savoyen angebaut ist keine Mutation der Mondeuse Noire aber durchaus mit ihr verwandt. Bekannter ist sie aber als Elternteil von Syrah (zusammen mit Dureza, einer fast ausgestorbenen Rebsorte aus der Ardéche).

Drei verschiedene Weine, für die es sich lohnt, zur Domaine zu fahren, dachte ich gab die Adresse ins Navi ein und fuhr los. Erstmal schön Landstraße an Radfahrern vorbei. Dann hieß es rechts einen Berg hoch. Enge Straße, noch war nicht abzusehen, wie weit es noch hoch ging. Bei Gegenverkehr hätte ich auf jeden Fall ein Problem. Panik. Erstmal rechts in eine kleine Gasse rein. Da kam ein netter Herr daher und fragte, wohin wir denn wohl hin wollten. Zum Grisard, Philippe. Kommt man denn dort mit dem Wohnmobil rauf, war dann meine Frage. Ja, da gäbe es einen Parkplatz, kein Problem war die Antwort, auf Deutsch. Mit schweißnassen Händen und viel rangieren ging es dann wieder zurück und rauf auf den Berg an den Augen einiger verwunderter Einheimischer vorbei, bis ich dann endlich den Parkplatz der Domaine sichtete. Zum Glück war auch noch ein Plätzchen frei.

Grisard Parking

Man beachte die relative Höhe zu den Bergen im Hintergrund und den Abhang links unten… den musste ich nachher schräg runterfahren… wieder an den Anwohnern vorbei, die dann belustigt zugesehen und kommentiert haben, wie ich den Weg zurück zur Hauptstraße gesucht habe.

Grisard Weinkeller

Mir war darum erstmal nicht nach Weinprobe zumute, deshalb habe ich von den drei Weinen je 2 Flaschen gekauft.

Um zurück in Deutschland erstmal die Mondeuse auszuprobieren.

Die Flasche ist mit weißem Wachs versiegelt, darunter verbirgt sich ein Noma-Korken.

Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein erst sehr bananig. Frisches Obst und Kaugummi. Relativ voll, ausbalancierte Säure mit gekochter Banane im Mund und langem mineralischem Abgang.

Nach einigem Hin und Her zwischen zwei Weingläsern (Weinglas-Dekantieren) kommt mehr Frucht zum Vorschein. Banane, unreife Aprikose, Jasmin. Im Mund gekochte Banane und Aprikose mit einem interessanten bitter-süß-salzigem Finish.

Am nächsten Tag: Bananenschale, Aprikose, Himbeere und Kirschmarmelade auf Haferbrei mit Honig gesüßt. Eine Stunde später ist die Frucht umgewandelt, jetzt hat man Löwenzahn und Honig in der Nase.

Am Tag darauf Löwenzahn und Aprikose.

Fazit:

Eine interessante Rebsorte, beim nächsten Mal fahre ich zum Weingut mit einem PKW.

Domaine Méjane, Saint Jean de la Porte, Savoie

Der nächste Halt nach dem Cave de Bernin war bei der Domaine Méjane, einem weiteren Teilnehmer bei France Passion. Späteste Ankunftszeit war mit 18:00 Uhr festgelegt, weil dann die letzte Möglichkeit auf eine Verkostung der Weine gegeben war. Leider stimmten die GPS-Daten, die im France Passion Guide angegeben waren, diesmal nicht, man wurde hinter das Haus geführt. Die Wegbeschreibung hingegen stimmte perfekt und so konnten wir gerade noch rechtzeitig unser Wohnmobil abstellen.
Domaine Méjane Wohnmobil unter den Bäumen
Der Stellplatz liegt im Park der Domaine, eine große Rasenfläche mit hohen Bäumen und einigen Unebenheiten. Das ganze Areal ist von einer Mauer umgeben, mit einem Tor, das abends geschlossen wird. Neben der Probierstube gibt es ein WC, welches benutzt werden kann. Vor dem Haus steht ein kleiner Brunnen, aus dem leckeres, klares Wasser fließt.
Domaine Méjane Brunnen
Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt hatten, gingen wir direkt zur Probierstube, um die Weine der Domaine kennenzulernen. Die Weinprobe kostet normalerweise 5€, wird aber bei einem Einkauf ab 30€ erlassen. Dafür werden die Gläser aber auch gut gefüllt. Geschätzte 0.05 Liter. Ein Spucknapf war nicht zu sehen…
Domaine Méjane Tasting An Weißweinen bietet die Domaine Weine der Rebsorten Jacquere, Chardonnay, Roussanne und Altesse an. Von denen habe ich dann nur letztere probiert.

Domaine Méjane Roussette de Savoie 2013
Der einfache Altesse, oder Roussette, wie er hier auch genannt wird, gab einen guten Einstieg. Lindenblüte, Birne, Honig und Haferbrei. Anregende Säure mit weichem Ende. Und das für €5.50.

Domaine Méjane Altesse fût de Chêne
Selbe Rebsorte, diesmal Jahrgang 2012 und im Eichenfass ausgebaut. Dieser Wein kommt mit Orange, Vanille und leichter Eiche in der Nase daher. Leckere Säure, stärkere Eiche im Mund mit langem Trockenfrucht-Apfel-Pfirsisch Nachgeschmack. Mit €6.60 nahezu geschenkt.

An Rotweinreben hat die Domaine Gamay, Pinot Noir, Mondeuse und die seltene Persan im Programm. Gamay und Pinot Noir habe ich übersprungen.

Domaine Méjane Mondeuse St Jean de la Porte 2012
Die Mondeuse 2012 für €6.10 zeigte sich leicht mit mittleren Tanninen und kräftiger Säure. Wald und Rote Beete.

Domaine Méjane Mondeuse Fût de Chêne
Vom Cru St Jean de la Porte kam der nächste Mondeuse, Jahrgang 2010, aus dem Eichenfass. Weich mit roten Früchten, Kakao, Kirsche, Tannine schon gut abgebaut, Eiche im Nachgeschmack. Auch diesmal ist die Eichen-Version nur unwesentlich teurer: €6.70.

Domaine Méjane Persan
Highlight war der Persan 2012: Veilchen, dunkle rote Früchte, Pflaume. Noch jung, mit ausbalancierter Säure und Tanninen. Auch dieser Wein mit €6.70 eher geschenkt. Auf dem Etikett prangt der Wasserspeier vom Brunnen.

Blick von Domaine Méjane
Fazit:
Gute, günstige Weine, ein schöner Wohnmobil-Stellplatz mit brillanter Aussicht. Ich werde wieder kommen.

 

Verdesse, Persan, Étraire de la Dhuy – Cave de Bernin – Côteaux du Grésivaudan

Auf der Suche nach unbekannten Rebsorten muss man in unbekannten Regionen schauen. Eine davon liegt in Frankreich zwischen Grenoble und dem Gebiet des Vin de Savoie AOC, was auch zumindest in Deutschland nicht gerade oft anzutreffen ist. Die Côteaux du Grésivaudan sind Teil des IGP Isère (zusammen mit Balmes Dauphinoises) und haben mit niedrigen Preisen, hohem manuellem Aufwand und höheren Grundstückspreisen zu kämpfen. Dass es diese Weine trotzdem noch gibt, hat man auch der Leidenschaft der Winzer zu verdanken, die die alte Winzer-Tradition hochhalten. Vor allem durch den Anbau von autochthonen Rebsorten, die neben den auch in den benachbarten Savoyen vorkommenden Reben wie Jacquère und Mondeuse Noire ihren Platz beibehalten konnten.

Zu diesen gehören die weiße Verdesse und die roten Rebsorten Persan und Étraire de la Dhuy. Die Verdesse hatte ich vorher schon bei der Domaine des Rutissons probiert und für interessant befunden, mit 2ha in 2008 eine wahre Rarität. Persan und Etraire waren mir noch unbekannt, laut Wine Grapes handelt es sich bei der Etraire um einen Sämling von Persan. 2008 waren nur 6ha bepflanzt. Etwas mehr verbreitet mit 9ha in Frankreich und einigen Winzern im Piedmont ist die Persan-Rebe, in Italien Becuet genannt. Alle drei Rebsorten werden von der kleinen Winzergenossenschaft aus Bernin angebaut und einzeln abgefüllt. Damit sind sie, soweit ich feststellen konnte, die einzigen Winzer, die alle drei Rebsorten anbieten. Ein Grund dort mal vorbeizuschauen.

 

Cave de Bernin

Die Genossenschaft war mit Navi einfach zu finden und mit dem Wohnmobil auch gut zu erreichen, was in den Bergdörfern der Gegend leider nicht selbstverständlich ist. Ein Parkplatz, ein kleiner Verkaufsraum mit eigenen Weinen und Spezialitäten aus der Region wie Walnüsse, Marmeladen und Blick auf die Berge. Was will man mehr! Und das alles zu sehr günstigen Preisen: Flaschenpreise von 2.90€ bis 5€, BiBs sind noch günstiger. Alle Weine sind ohne Jahrgangsangabe. Leider hatte ich keine Zeit zu Probieren, da ich noch schnell weiter Richtung Saint-Jean de la Port zur Domaine de Méjane, unserem nächsten Wohnmobil-Stellplatz wollte.

Verdesse Cave de Bernin

Der erste Wein, Verdesse, zeigt sich hell. In der Nase Granny-Smith-Apfel, Zitronen-Limonade, leichte Seife gefolgt von gekochtem Apfel mit Lavendelhonig, überreifer Ananas und leider mehr als nur einem Hauch von flüchtiger Säure. Im Mund leicht, mit einem langen mineralisch saurem Abgang und Nachgeschmack von getrockneter Apfelschale. Insgesamt kommt der Wein etwas wässrig daher, es fehlt ihm Konzentration.

Am zweiten Tag keine Spur mehr vom Essig, wieder Granny Smith, dann geeiste Ananas, Bananen-Kaugummi, Lavendelhonig, Himbeerbrause und Kreide. Überreife Ananas und Austernpilz im Nachgeschmack.

Etraire de la Dhuy Cave de Bernin

Der zweite Wein, der Etraire de la Dhuy, zeigt sich hell im Glas. In der Nase entfalten sich Gewürznelke, Vanille und Kirsche (saftig und reif, so wie Marmelade). Im Mund leicht, auch nur leichte Tannine mit erfrischender Säure. Auch dieser Wein lässt hier nur erahnen, was aus der Rebsorte gemacht werden könnte, wenn der Ertrag niedrig gehalten wird.

Am nächsten Tag hat sich der Wein nur leicht verändert: Cassis, Kirsche, leicht geräucherter Schinken mit Nelken. Kirsche und Nelke im Nachgeschmack bei leichter Bitternote.

Persan Cave de Bernin

Der dritte Wein und mit 5€ auch der teuerste des ganzen Sortiments ist der Persan.

Von der Farbe etwas intensiver als der Etraire, was jetzt auch nicht so schwierig ist. In der Nase erst einmal eine volle Breitseite Brett (Brettanomyces), Kuhstall. Zum Glück sind diese Aromen im Glas recht schnell verschwunden. Dafür kommen Himbeermarmelade, Hibiskusblüte und Orangenmarmelade mit Safran zum Vorschein. Auch im Mund voller als der Etraire, mit einer ausgewogeneren Säure Pflaumenschale im Abgang.

Am zweiten Tag ist der Einfluss von Brett nicht mehr so stark, eher angenehm. Er verleiht dem Wein jetzt eine Note, die in der Literatur als „foxy“ beschrieben wird. Der Geschmack von Concorde-Trauben-Konfitüre. Im Mund dann knuspriges Vollkornbrot mit eben jener Konfitüre bestrichen, ohne dabei süß zu sein. Die Säure kommt jetzt etwas kräftiger raus. Er bleibt trotzdem für mich der beste der drei Weine.

 

Insgesamt eine interessante Angelegenheit. Komplexe Aromen, leider fehlt es allen etwas an Konzentration, da ist noch Platz nach oben. Ausserdem bis auf die weite Anfahrt extrem kostengünstig.

 

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%