Archiv der Kategorie: Terra Incognita

Unbekanntes Weinbaugebiet

Serbische Weine Teil 3 : 2011 Alma Mons, BeloBrdo

Als dritten und leider letzten Wein von Samovino probiere ich den

2011 Alma Mons, Weingut Belo Brdo, Weinregion Fruška Gora, Teil der Region Srem

Die Rebsorten für diesen Rotwein kommen alle aus Frankreich: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und die Neuzüchtung Marselan (Cabernet Sauvignon x Grenache Noir), die mir bisher als fruchtig süffiger Rotwein von der Rhône bzw aus der Ardeche untergekommen ist. Nicht unbedingt eine Rebsorte, die ich in der illustren Bordeaux-Reben-Runde erwartet hätte. Der Besitzer Aleksandar Zeremski war früher Wein-Importeur und hat 2006 den Weinberg neu angelegt. Das Weingut selbst besteht offiziell seit 2010, dem ersten Jahrgang der noch sehr jungen Reben. Übersetzt heißt Belo Brdo „weißer Hügel“, Alma Mons „nährender Berg“, Alba Mons wäre hier vielleicht passender.

Frisch ins Glas: Reife Brom-, und Blaubeere. Cassis, Pflaume, dann Erdbeer-Körner-Joghurt, Milchschokolade, Vanille.
Eine gute Balance zwischen Körper, Tannine und Säure. Alles kommt kräftig durch, nichts dominiert. Pflaumenfruchtleder im Nachgeschmack.

2. Tag: Brombeere, Pflaume und Kirsche im ständigen Wechsel, Kakao. Eichenvanille kräftiger als an Tag 1.

3. Tag: Pflaume, Pfeffer. Pflaume und kräftige Kirsche im Mund.

5. Tag: Wassermelone, Cassis, Vanille, Brombeere. Weiter kräftige Tannine. Tabak und Pflaume im Nachgeschmack.

Da es sich hier um Wein von jungen Reben handelt, bin ich gespannt auf die späteren Jahrgänge, wenn dann noch die Konzentration hinzu kommt.

pH: 2.92

Brix: 8.5

Alkohol: 14.4 Vol%

Serbische Weine Teil 2 : 2012 Experiment Prokupac, Podrum Cokot

Neben den großen internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay gibt es in Serbien noch viele weitere zu entdecken.

Typische Balkan-Rebsorten:

Graševina (Welschriesling, Laski Riesling): Auch in Italien angebaute Weißweinrebe, die sehr produktiv sein kann und dann belanglose Weißweine erbringt. Bessere Weine sind floral-fruchtig mit guter Säure.

Kadarka: Rotweinrebe mit weichen Tanninen und nicht ganz so dunkler Farbe. Mit Pinot Noir vergleichbar.

Plovdina (Pamid): Leichte, dünne Rotweine mit geringer Säure.

Smederevka (Dimyat):  Frische Weißweine mit manchmal leichtem Vanille-Aroma.

Vranac: Dunkle, volle, kräftige Rotweine mit kräftigen Tanninen und Lagerpotential.

Autochtone Rebsorten:

Bagrina: Rosafarbene Rebsorte aus der Region Timok. Nicht selbsbefruchtend, muss deshalb neben anderen Rebsorten gepflanzt werden. Gute Säure und Lagerungspotential.

Kreaca: Auch bekannt als Banat Riesling. Im Gegensatz zum echten Riesling fehlt den Weinen Säure und sind dementsprechend auch eher sofort zu konsumieren.

Prokupac: Die Weine sind zum frühen Genuss gedacht, bei hohem Alkoholgehalt. Dunkel mit roten Früchten.

Slankamenka: Uralte Weißweinrebsorte mit geringem Mostgewicht, Säure und Aroma. Wird deshalb eher zur Weinbrand-Gewinnung gebraucht.

Tamjanika: Weißer Muskat der schon seit über 500 Jahren in Serbien angebaut wird, und sich durch Selektion sich dem Klima und Terroir angepasst hat. Es gibt auch eine seltene, dunkle Mutation

Začinak: Rotweinrebe, die einen besonders dunklen Wein ergibt, weshalb er gerne mit helleren Rebsorten verschnitten wird.

Neuzüchtungen:

Bačka: Rosafarbene Hybride aus Petra und Bianca.

Morava: Weiße Rebsorte aus Frührotem Veltliner und Müller-Thurgau. Ähnelt dem Sauvignon Blanc in Säure und Fruchtigkeit. Dieser Rebsorte wird man demnächst wahrscheinlich öfter begegnen.

Neoplanta: Weiße Rebsorte aus Smederevka und Roter Traminer. Starke Muskat-Aromen, hohes Mostgewicht und niedrige Säure.

Panonia: Genau wie Morava aus Frührotem Veltliner und Müller-Thurgau entstanden.

Petra: Hybride aus Kunbarat und Pinot Noir. Hohes Mostgewicht, Muskat-Nase.

Probus: Kadarka und Cabernet Sauvignon sind die Eltern dieser produktiven Rotweinrebe.

Rubinka: Auch eine rosafarbene Hybride aus Petra und Bianca.

Sila: Weißweinrebe aus Kövidinka und Chardonnay. Ergibt leichte, spritzige Weine.

Sirmium: Anfällige Weißweinrebe aus Sauvignon Blanc und Smederevka

Župljanka: Weiße Rebsorte von roten Eltern, Prokupac und Pinot Noir. Gibt ausbalancierte, frische Weine. Hoher Gehalt an Apfelsäure im Most.

Nach der ganzen Theorie endlich der zweite Wein von Samovino.

2012 Prokupac Experiment, Weingut Čokot, Weinregion Župa
Die Rebsorte Prokupac ist eine echt autochtone Rotweinrebe Serbiens. Radovan Čokot betreibt das Weingut offiziell seit 2011. Vorher wurde Wein von der Familie eher zum Eigengebrauch produziert. Neben der Prokupac baut er auch Tamjanika an. Alle seine Weine heißen Experiment, da er sich noch nicht als erfahren sieht und jeder Jahrgang ein neues Experiment darstellt.

In der Nase: Schwarze und rote Johannisbeere, Kakao, gekochtes Rindfleisch, leichte Pflaume.

Der erste Schluck zeigt sich weich mit leichten Tanninen und angenehmer Säure. Süffig mit Cassis und Pflaume im Nachgeschmack.

Mit der Zeit ändert sich das Aromenspektrum zu Veilchen, Kakao, Pflaume mit leichter Brombeere, die Johannisbeeren werden verdrängt.

Am zweiten Tag:

Rote Pflaume als würziges Kompott und frisch dazu gegeben und dann mit Kakao besprenkelt. Im Mund kommt die Pflaume noch besonders dank der Säure gut durch. Pflaume mit hohem Schalenanteil im Nachgeschmack.

Insgesamt ein fruchtig, weicher, süffiger Rotwein für den Alltag. Jetzt sehr gut zu trinken, ein Jahr aber bestimmt noch gut zu lagern. Hier stimmt die Säure/Tannin-Struktur.

 

Serbische Weine Teil 1: 2011 Sofia Tamjanika – Braca Rajković

Als häufiger Benutzer der Vivino-App, einem Wein-Scanner für Smartphones, bei der man sich durch Scannen von Weinen Badges verdienen kann, bin ich auf ein relativ unbekanntes Weinland gestoßen, zu welchem mir noch ein „Abzeichen“ fehlt. Serbien.
Die erste Suche im Internet nach interessanten Flaschen war leider nicht sehr erfolgreich. Die Weine der Nachbarn Kroatien und Slowenien sind da viel einfacher zu bekommen. Zu denen gibt es bei Vivino aber keine Badges…

Dabei hat Serbien eine lange Weingeschichte, die auch die Europas beeinflusst hat. Der im serbischen Sremska Mitrovica geborene römische Kaiser Probus, förderte den Weinbau nördlich der Alpen, indem er das Edikt von Domitian auflöste, welches den Weinbau dort verbot. Dies inspirierte die Serben dazu, ihm einige Rebneuzüchtungen zu widmen (Probus, Pannonia, Sirmium).
Bis zur Besetzung Serbiens durch die Ottomanen florierte der Weinbau. Auch nach der Befreiung wurden wieder fleißig Weinreben angebaut. Die Reblaus hatte eine geteilte Auswirkung auf das Land. Im nördlichen Subotica-Horgos, nahe der ungarischen Grenze, konnte die Reblaus das Wurzelwerk der Reben nicht angreifen, da dort der Boden sehr sandig ist. Von hier aus wurde dann viel Wein exportiert, da es in anderen Ländern wegen der Reblaus zu einer Weinknappheit kam. In den anderen Regionen Serbiens wurde die Reblaus zu einem ernsten Problem, das erst durch Aufpropfung auf Amerikaner-Reben gelöst werden konnte. Während der Zeit des Kommunismus wurde dann mehr auf Ertragsmenge als Qualität gesetzt. Jetzt mit der Annäherung an die EU und ihren Markt, wurde das Wein-Gesetz dem europäischen angepasst und mehr Wert auf Qualität und deren Kontrolle gelegt.
Das Weinland Serbien hat ein einzigartiges Klima. Gemäßigt bis gemäßigt warm, subhumid bis feucht mit sehr kühlen Nächten.
Badische kühle Nächte und Niederschlag gepaart mit der Sonne der Toscana würde das ganz gut beschreiben. Eher rot als weiß. Nur die hohe Feuchtigkeit stört etwas, aber hier sorgt meist ein kräftiger Wind, dass die Reben nicht krank werden. Dafür muss aber der Ertrag kontrolliert werden.

Die wichtigsten Weinbauregionen sind von Norden nach Süden:

Subotica-Horgos:
Sandboden, am Palić See gelegen, unweit der ungarischen Grenze. Das kühlste Weinbaugebiet Serbiens wobei der See als Wärmespeicher wirkt und nachts die Temperaturen nicht so stark abfallen wie im restlichen Serbien.

Banat:
Südlich an den Karpaten gelegen und mit noch spürbar deutschem Einfluss wird hier hauptsächlich Weißwein angebaut. Was nicht ganz so viel Sinn macht, weil hier die höchste Durchschnittstemperatur herrscht und auch die Nächte die wärmsten Serbiens sind. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Srem:
In dieser fruchtbaren Ebene an der Grenze zu Kroatien wird der Weinbau hauptsächlich durch den Fruška Gora-Berg geprägt. An dessen Südseite werden die meisten Reben angebaut. Auch hier werden die Nächte nicht so kalt, ähnlich wie in Banat hat hier das Gebirge einen Einfluss. Auch hier wird hauptsächlich Weißwein produziert.

Sumadija – Great Morava:
Eingepfercht von den zwei Flüssen, Donau und Morava, gehört das Gebiet zu den eher kühleren Regionen Serbiens. Aber auch das ist nur relativ zu sehen. Cabernet Sauvignon kann hier voll ausreifen.

West Morava:
Das hügelige Gebiet am westlichen Zuläufer der Morava gilt als Ursprung des Weinbaus in Serbien. Es hat hier aber auch mit dem höchsten Niederschlag zu kämpfen.

Timok:
Dieses kleine Gebiet bietet die höchsten Temperaturschwankungen von Sommer und Winter, aber auch von Tag und Nacht. Hier könnten extrem wärmeliebende Rebsorten wie Mourvèdre und Carignan ausreifen, wenn da nicht der Frost im Winter wäre der die Rebstöcke angreift.

Nisava – South Morava:
Gebiet zwischen dem Fluss Nisava und dem südlichen Zuläufer der Morava. Eher wärmer aber nicht so extrem wie Timok.

Daneben gibt es noch das kleine Pocerina um den Berg Cer und je nachdem wie man zur politischen Lage steht auch noch den Kosovo.

Un nun zu den Weinen:

Gefunden habe ich sie auf der Seite von Samovino, einem jungen Start-Up in the Making auf Crowdfunding-Suche. Ihr erklärtes Ziel ist es, serbische Weine in Deutschland bekannt zu machen und hier auch zu vertreiben. Dafür sind sie zweimal nach Serbien gefahren und haben bei 40 ausgewählten Winzern über 200 Weine probiert. Lukas Ertl, einer der Gründer, war so nett mir 3 Weine zuzusenden, die ins Sortiment aufgenommen werden sollen.

Sofia Tamjanika Braca Rajkovic 2011

2011 Sofia Tamjanika, Weingut Braca Rajković, Weinregion Župa, Teil der Region West Morava
Die Tamjanika-Rebe ist eigentlich identisch mit dem Muscat blanc á petits grains, nur wird sie schon seit über 500 Jahren hier angebaut und hat sich durch natürliche Selektion der Region angepasst.
Die Familie Rajković betreibt schon seit dem 18. Jhd. Weinbau in der Region. Es sind hauptsächlich Rotweinreben, unter anderem auch Serbiens erste Pinot Noirs (1962). 2011 ist jetzt nicht der jüngste Jahrgang für einen Muskateller, aber mal sehn.

Aus dem Kühlschrank frisch ins Glas:
Kräftige, reife Melone gefolgt von Holunderblüten, reife Aprikose, Akazienhonig und Grapefruit.
Im Mund voll, weiche Säure, die sich nach hinten hin ausbreitet, zusammen mit einem deutlichen Bitterton. Grapefruit gefolgt von Holunderblüte im Nachgeschmack.
Der Tamjanika schmeckt wie ein reif geernteter Muscat, dem noch ein paar Viognier-Trauben in die Presse gefolgt sind, keine Spur von Oxidation, dafür voller Frucht. Eher kühl bis kalt zu genießen, sonst wirkt er etwas breit, die Frucht ist kräftig genug um auch kalt seine Wirkung zu entfalten.

pH: 3.45

Brix: 7.6

Alkohol: 12.5 Vol%

Mein erster serbischer Wein war schon mal eine angenehme Überraschung.

Die Vivino-App hingegen bedarf noch einiger Verbesserungen. Unter anderem habe ich trotz scannen der drei Weine noch keinen Badge erhalten.

2007 Petite Arvine – Les Coteaux de Serre – Serge Heymoz

Eine der etwas weiter verbreiteten seltenen Rebsorten der Alpen ist die Petite Arvine. Hauptsächlich in der Schweiz und hier im Wallis angebaut, findet sich die Weißweinrebe aber auch im benachbarten Aosta-Tal. Weitere Winzer, die die Petite Arvine anbauen sind Aimé Guibert von Daumas Gassac und Hildegard Horat vom Grange de Quatre Sous, beide im Languedoc. Die Weine der Petite Arvine gelten als lagerfähig mit guter Säure und einem typisch salzigem Geschmack. Eine Rebsorte mit Zukunft, wie auch die Rebflächenzunahme im Wallis beweist: 1991 noch 39 ha, 2012 schon 166 ha.

Das Weingut Serge Heymoz – Cave les Sentes besteht seit Mitte der 80er Jahre in Sierre, mit 270 ha Rebfläche eins der mittleren Weindörfer des Wallis. Neben den Klassikern des Wallis, Chasselas und Pinot Noir, baut Serge aber auch andere autochtone Rebsorten wie Rèze und Humagne Rouge an. Die Weine sind VITIVAL-zertifiziert.

 

In der Nase: Grapefruit in verschiedensten Varianten. Zuerst weiß. Dann rosa und reif. Butter und Honig.

Im Mund: Restsüße, Richtung halb-trocken. Weiche Säure. Leicht salziges Finnish. Grapefruit Nachgeschmack unterstrichen von leichtem Bitterton.

Später gesellt sich im Mund zur Grapefruit kleine spanische grüne Paprika hinzu.

Es ist erstaunlich, dass ein so weicher Weißwein nach über fünf Jahren noch so fruchtig sein kann. Keine Spur von Oxidation, trotz der wider Erwarten niedrigen Säure. Im Keller liegen noch fünf weitere Flaschen, ich denke, wir werden diesem Wein noch einmal später wieder begegnen.

pH: 3.32

Brix: 8.3

Alkohol: 12.5 Vol%

Bouzeron A&P. de Villaine Battle 1998 vs 2002 vs 2004

Bouzeron 2004
Dass im Burgund außer Pinot Noir und Chardonnay noch andere Rebsorten angebaut werden, haben wir beim Pinot Gris-Battle gesehen. Zu den bekannteren Rebsorten, die noch angebaut werden, gehören die Gamay noir a jus blanc und die Aligoté-Rebe. Letztere hat im Burgund eine eigene Appellation, die Bourgogne Aligoté AOC. Ihre Weine sind leicht, mit kräftiger Säure und werden hauptsächlich zum Mischen mit Créme de Cassis als Kir verwendet. Eine Sonderstellung hat die Bouzeron AOC, ein kleines Gebiet um das Dorf Bouzeron in der Côte Chalonnaise. Diese Weine sind aus 100% Aligoté, müssen aber seit 1998 nicht mehr den Zusatz Aligoté tragen.
Die ersten Namen, die im Zusammenhang mit Bouzeron auftreten, sind Aubert und Pamela de Villaine, Mitbesitzer der Romanée-Conti. Hier haben sie ihr eigenes Weingut mit Weinen zu zivilen Preisen.
Der Jahrgang 1998, der erste Jahrgang der Bouzeron AOC, gilt für Weißweine als schwierig, da die Weine nicht viel Säure haben, das Reifepotential also eher gering ist. Die Aligoté hat davon ja eher mehr, vielleicht gleicht sich das aus.
Der Jahrgang 2002 hingegen gilt als sehr gutes Weißweinjahr, mit ausreichend Säure und Konzentration.
2004 war der Ertrag durchgehend etwas höher, was niedrigeres Mostgewicht und hohe Säure brachte.

Außer der Reihe kämpft noch ein anderer Aligoté aus dem Burgund mit, der 2002er Vieilles Vignes vom Château du Cary Potet, auch aus der Côte Chalonnaise. Diesen Winzer habe ich auf meiner ersten Weinmesse in Lille kennengelernt.

Let the Battle begin:

1998 Bouzeron, de Villaine:
Schlieren in der Flasche.
Oxi-Nase: Sherry, Sojasauce. Mineralische Säure im Mund, Christstollen mit Rosinen und Marzipan im Abgang.
Im Eisch-Rieslinglas verschwindet die Oxi-Nase. Dafür frischer Koriander mit Wurzel, etwas Mandarine.
pH: 2.81
Brix: 6.2
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Bouzeron, de Villaine:
Frisch aus dem Kühlschrank leichter Champignon und Honig. Erinnert an einen einfachen, jungen Chenin Blanc von der Loire, dann Kreide und gekochter Apfel. Weicher, voller als der 98er, leichter Pfeffer im Abgang.
pH: 2.84
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Aligoté de Bourgogne Vieilles Vignes, Cary Potet:
Hochwertiger Kunststoffkorken.
Dickmilch mit frischen Trauben. Leichter als der 2002er Bouzeron. Im Mund oxidativ, Soja und Sherry, etwas roher Apfel und Rosine.
pH: 2.83
Brix: 6.4
Alkohol: 12.5 Vol%

2004 Bouzeron, de Villaine:
Leichte Kreide und Apfel, Dill. Im Mund leichter Oxi-Ton. Sonnenblumenöl, Vollkornbrot und getrockneter Apfel im Nachgeschmack. Weicher als der 2002er Bouzeron.
pH: 2.94
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

Der 1998er Bouzeron ist leider schon etwas zu alt. Am besten gefällt mir noch der 2002er Bouzeron, der Cary Potet aus dem gleichen Jahrgang zeigt leider nicht die selbe Qualität und ist auch fortgeschrittener. Ob das am Korken liegt? Der 2004er ist jahrgangsgemäß etwas einfacher gebaut. Insgesamt ist Aligoté nicht unbedingt eine Rebsorte die man lange lagern sollte.

Battle Vin de Savoie Malvoisie 2011 vs Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot 2010

Im heutigen Battle treten der 2011er Vin de Savoie Malvoisie Cuvée Prestige von der Domaine Grisard gegen den 2010er Vin de Pays de Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot La Mystérieuse vom Vignoble de Flavigny-Alesia gegeneinander an. Die Trauben beider Weine wurden per Hand gelesen, aber das kann ja nicht die Gemeinsamkeit sein, die einen Battle rechtfertigen würde. Ok. Es sind beides Weißweine, aus Frankreich… Beide Winzer sind Mitglied von France-Passion, einer Organisation, bei deren Mitglieder Wohnmobilisten nach Kauf einer Vignette umsonst beim Weingut übernachten können.
Und es sind beides Weine aus der Pinot Gris oder Grauburgunder-Rebe.
In Frankreich hat die Pink-farbene Farbmutation des Pinot Noirs genauso wie sein weißer Gegenpart einen schweren Stand. Die Anbaufläche des Pinot Gris beträgt noch nicht einmal ein Zehntel, die des Pinot Blanc knapp ein Zwanzigstel des Pinot Noir. Beide werden vorwiegend im Elsaß angebaut, wo Pinot Blanc meistens als Zugabe zum Cremant d’Alsace angebaut wird, wogegen der Pinot Gris zu den 4.5 Grand Cru Rebsorten zählt. 4.5 deshalb, weil neben den allgemein zugelassenen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling der Silvaner eine Sonderstellung mit dem Grand Cru Zotzenberg hat. Hier war der Pinot Gris bis zu den Beitrittsverhandlungen Ungarns zur EU als Tokay bekannt, was eher auf einen Re-Import schliessen lässt, als auf ein langsames Ausbreiten von Burgund aus. Ansonsten gibt es noch die Reully AOC, wo Pinot Gris zusammen mit Pinot Noir in die Traubenpresse gelangt und dann als Rosé abgefüllt wird. Im Burgund ist sie zwar offiziell für viele Rotweine zugelassen, wieviel aber davon wirklich in die Eichenfässer findet, dürfte sich stark in Grenzen halten.
Das Gebiet der Coteaux de l’Auxois gehört zwar offiziell zum Burgund, die Weine liegen aber außerhalb der Bourgogne AOC. Anstatt Weinberge kann man hier eher kräftig gebaute Rinder auf grünen Wiesen begutachten. Das Auxois ist eine alte Grafschaft im westlichen Teil des Herzogtums Burgund. Das Weingut Vignoble de Flavigny-Alesia liegt südlich des durch den Film Chocolat mit Johnny Depp und Juliette Binoche bekannt gewordenen Orts Flavigny-sur-Ozerain und auch nicht weit vom geschichtsträchtigen Ort Alesia, an dem Julius Cäsar 52 v. Chr den Galliern die vollständige Niederlage zufügte. Neben dem Grauburgunder werden hier auch Spätburgunder, Chardonnay, Auxerrois und César angebaut. Den Wein habe ich vor zwei Jahren direkt vor Ort erworben. In Anspielung an die Schlacht von Alesia hat die Flasche wohl auch die Form einer Amphore erhalten.
Den Malvoisie von Domaine Grisard habe ich vor einem Jahr in Mens gekauft, wie auch den Verdesse. Zuerst war mir nicht bewusst, dass es sich hier um einen Pinot Gris handelt, ich hatte noch die Hoffnung auf einen seltenen Malvasia bianca di Piemonte. Aber die Domaine Grisard wird schon wissen, was sie vinifiziert, betreibt sie neben dem Weinbau doch auch noch eine pepiniere viticole, eine Rebschule für seltene Rebsorten der Alpen.

Frisch aus dem Kühlschrank:
Vin de Savoie: Birne, leichter Muskat-Ton, Kreide. Weich und halbtrocken.
Coteaux de l’Auxois: leichter Pfirsich, Apfelkitsche, grüne Haselnuss, Rapshonig. Kräftige, anhaltende Säure mit Bitterton.

Zimmertemperatur:
Vin de Savoie: Birne, getrocknete Mango und frische, reife Mango, etwas Bienenwachs. Leichter Pfeffer im Abgang.
Coteaux de l’Auxois: leichter Champignon und Senf. Würzig im Mund, Himbeer-Vinaigrette.

Kombiniert mit:
Vin de Savoie: gebratene Jakobsmuschel
Coteaux de l’Auxois: Plat de Charcuterie

Von der Aromatik gewinnt klar der Malvoisie aus den Savoyen, bei Balance hat der Burgunder knapp die Nase vorn. Insgesamt ist dann der Savoyer knapper Gewinner.

Vin de Savoie:
pH: 3.25
Brix: 7.2
Alkohol: 12.5 Vol%

Coteaux de l’Auxois:
pH: 2.84
Brix: 6.1
Alkohol: 12 Vol%

Nach 2 Tagen im Kühlschrank…
Vin de Savoie:
Williams-Birne, frische und reife Mango, leichte Ananas. Süße kommt stärker raus.

Coteaux de l’Auxois:
Senf, Birne, unreife Mango, leichte Zwiebel. Säurebetont.

2011 Verdesse – Domaine des Rutissons – Isère

Wenn man die Weine Frankreichs grob in die bekannten Hauptanbaugebiete Bordeaux, Burgund, Champagne, Elsaß, Languedoc-Roussillon, Loire, Jura, Korsika, Provence, Rhône, Savoyen und Südwesten aufteilt, gibt es immer noch ein paar Weinregionen, die nicht in das Raster passen. Das gilt besonders für die Weine des Départements Isère. Südwestlich der Savoyen grenzt es westlich an die Rhône, die nächste Weinregion im Süden ist die Provence. Von der Landschaft ähnelt es am ehesten den Savoyen, zeigt sich aber kulinarisch eigenständig. Tartiflets, Raclette, Fondue findet man hier weniger, dafür überzeugt die Küche mit leckeren raviols, kleine Teigtaschen gefüllt mit Käse und Petersilie. Das musste ich im letzten September erfahren, auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur zurück nach Deutschland. Als Ziel hatte ich mir die Stadt Mens ausgesucht, aber nicht wegen der schönen Aussicht.
Landschaft um Mens
In dieser kleinen (ca 1200 Einwohner), aber ökologisch sehr engagierten Stadt (große Bio-Messe im September, Samstags-Markt mit hohem Anteil an Bio-Waren, kleine Bio-Brauerei, Gemeinschafts-Gemüsegärten), gibt es einen Weinladen, der sich auf die unbekannten Weine der Alpen spezialisiert hat. Direkt am Marktplatz gelegen war er zwar leicht zu finden, aber an diesem Tag eigentlich geschlossen, wegen Vorbereitung auf die Bio-Messe. Glücklicherweise war aber ein Herr durch ein Fenster im Keller zu sehen, der Kisten ausräumte. Mit Winken konnte ich seine Aufmerksamkeit erreichen und dann auch sein Herz erweichen, mir ein paar Flaschen zu verkaufen.
Eine von diesen ist der 2011er Verdesse der Domaine des Rutissons aus St Vincent de Mercuze. Neben Rebsorten der Nachbarn (Jacquère aus den Savoyen und Viognier von der Rhône) bauen sie auch autochthone Rebsorten an, Etraire de la Dhuy und Verdesse. Die Verdesse-Rebe ist mit 2ha Gesamtanbaufläche in Frankreich (2008) eine eher unbedeutende Rebe. Den Namen hat sie von ihren stark grünen Blättern. Sie gilt als aromatisch und hat deshalb auch das Synonym Verdesse Musquée erhalten, aber es sollen keine Muscat-Aromen sein.

Frisch aus dem Kühlschrank kommen erst einmal Sauerkraut mit Äpfeln, Zwiebeln und Speck hervor. Im Mund überzeugt eine kristallin mineralische Säure, Himbeerbrausepulver im Abgang, Trockenfrüchte und leichter Champignon aus dem Glas im Nachgeschmack. Schnell verschwindet das Sauerkraut und die Himbeerbrause kommt mit gekochtem Apfel, leichtem Räucherspeck etwas Honig und Kreide in die Nase.
Eine wirklich große Entdeckung, ich kann nur hoffen, dass die Verdesse sich gegen Rebsorten wie Chardonnay oder Viognier durchsetzen kann und nicht ausstirbt.

Die raviols gab es am Abend im Café des Arts. In der Nacht, Frieren im Zelt und eine Rückfahrt in den Regen.

pH: 2.9
Brix: 6.4
Alkohol: 12 Vol%

2007 Minimus Anima – Tormentas – Brasilien

Rechtzeitig vor der Fussball-WM gibt es heute nach dem Cabernet Franc auch einen Vin Naturel aus Brasilien. Bekommen habe ich ihn von einem guten Wein-Freund aus Brasilien, der ihn mir bei seinem letzten Aufenthalt in Barcelona nach Düsseldorf Anfang des Jahres geschickt hat. Die Rebesorten sind 35% extra reif geernteter Tannat, 35% Cabernet Sauvignon, 20% Alicante Bouschet und 10% Merlot. Die Trauben selbst sind nicht unbedingt ökologisch angebaut, dafür ist das Klima in Brasilien wahrscheinlich einfach zu schwierig, aber nach der Ernte wurde dem Most bis auf eine geringe Menge Schwefel, nichts hinzugefügt, keine Schöner, Hefen oder anderweitige Zusatzstoffe. Mein Freund hat den Wein 2008 erworben und in seiner Wohnung in Rio de Janeiro gelagert. Bei Temperaturen von über 30°C. Über 5 Jahre bei erhöhter Temperatur wird wohl auch seine Spuren hinterlassen haben.

Tag 1:
Der Korken sitzt extrem fest im Flaschenhals. Mit normalem Korkenzieher droht er eher durchzubrechen, deshalb schnell mit Federzungen-Zieher heraus gedreht. Ins Glas eingegossen, zeigt sich ein bräunlicher Farbstich. Die Nase ins Glas gesteckt kommt direkt der Geruch einer ganzen Ananas, die man im Obstkorb zu lange ignoriert hat und die sich deshalb dunkelbraun verfärbt hat, entgegen. Dazu leichte, flüchtige Säure, aber auch getrocknete Hibiskusblüte, reife Brombeere und Veilchen. Der erste Schluck verstärkt den Eindruck von flüchtiger Säure noch etwas, dieser bleibt aber nicht konstant. Eine süffige Säure verdeckt die vorhandene, nicht zu kräftige Tanninstruktur, die aber von hinten nochmal ankommt. Brombeerfruchtschnitte mit Kakao und leichte Minze im Nachgeschmack. Etwas später setzt sich der Cabernet mehr durch gegen Tannat und Cassis, würziger Rotwein-Jus, Tabak, Kirsche und Leder kommen hervor. Farbpigmentausfall nach ca. 1 Stunde.

Tag 2:
Der Braunstich hat die Wandlung zu einem Braunton vollzogen. Essig und der unangeheme Geruch von Ananas sind verflogen. Jetzt zeigt er sich als einfacher, süffiger Kirschsaft mit Tabak-Aroma.

Sehr Schade, dass der Wein keine bessere Lagerung mitmachen durfte. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie sich der Wein mit Abstrichen noch recht gut präsentieren konnte. Mein Dank geht an Jandir nach Rio.

pH: 3.48
Brix: 8.4
Alkohol: 13 Vol%

Ohne Jahrgang – Freeze Concentration Cabernet Sauvignon, Takahata Winery, Japan

Wie Matze in seinem Weinblog Chez Matze schon festgestellt hat, ist Japan ein Land, das nicht besonders für den Weinbau geeignet ist. Feuchtigkeit, fehlende Sonnenstunden in den wichtigen Monaten,.. Aber der Japaner wäre kein Japaner, wenn er trotz aller Widrigkeiten nicht doch sein Bestes gibt, wenn er sich etwas vorgenommen hat.
So auch bei dem Freeze Concentration Cabernet Sauvignon der Takahata Winery. Das Weingut besteht seit 1990 in der Präfektur Yamagata, im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshû. Gekauft habe ich den Wein vor circa 10 Jahren in der Weinabteilung eines Kaufhauses in Aizu-Wakamatsu, Präfektur Fukushima für 3.000 Yen. Dort sind meine Großeltern zu Hause. Wie meine Recherche ergeben hat, wird dieser Wein so nicht mehr hergestellt. Nur noch eine Variante aus Chardonnay-Trauben ist erhältlich.
Cabernet Sauvignon Freeze Concentration FrontLaut Etikett werden die Trauben geerntet, gefrostet, dann gepresst und dem Most Hefen zugesetzt. Dieser wird dann zwischen 10 und 15°C vergoren um dann noch mal auf -5°C herunter gekühlt zu werden, wahrscheinlich um Weinstein vorzukommen, oder eine weitere Steigerung des Extrakts durch Entfernen von Eis zu erreichen. Das ganze Verfahren nennt sich Kryoextraktion und simuliert den Prozess der Eisweingewinnung. In Deutschland ist es verboten, wird aber in Frankreich u.a. von der Domaine Baumard zumindest noch bis 2020 angewendet (Jim’s Loire Blog) um den Most noch etwas weiter zu konzentrieren. Neben dem Zuckergehalt wird aber auch der Säureanteil erhöht, was auch bei Eiswein zu der charakteristischen, kräftigen Säure führt.

Takahata Winery Cabernet SauvigonLaut Rückenetikett handelt es sich um 100% Cabernet Sauvignon aus japanischen Trauben. Ein Jahrgang ist nicht angegeben, dafür ein ungefährer Alkoholgehalt von 14% Vol. Wurden hier Trauben von mehreren Jahrgängen im Froster gelagert, bis sie dann gemeinsam gepresst wurden?

Im Glas zeigt sich ein dunkles Rosa, ähnlich einem Clairet aus dem Bordeaux. Erste Nase zeigt gekochte Erdbeere, Cassis, Körnerjoghurt Erdbeere, leichte, gekochte Rote Beete, gefolgt von süßer Wildkirsche.

Im Mund zeigt sich der Wein weich, mit kräftiger Süße und einer nicht allzu kräftigen Säure, wie man sie eigentlich von einem „Eiswein“ erwarten könnte. Auch hier dominieren Cassis und Erdbeere, Erdbeermarmelade und kräftige Rosine im Finnish.

Mit Erwärmen wird der Cassis aber stärker, auf Kosten der Erdbeere.

Alles in allem ein fruchtiger Süßwein, der die Cabernet-typische Frucht trotz der langen Lagerung erhalten konnte.

Kann ich mir gut vorstellen zu Rotweinbirne mit weißem Minzeis (kein Minzextrakt sondern friche Minze in der Sahne ziehen lassen).

pH: 2.99

Brix: 13.5

Alkohol: um die 14% Vol

 

2008 Cabernet Franc, Pequenas Partilhas, Serra Gaucha, Brasilien

Noch vor der Fussball-WM in Brasilien wollte ich unbedingt noch einen hiesigen Wein. Meine erste Erfahrung, ein süßer Muskateller gekauft auf dem Fest der Kulturen in Bonn vor einigen Jahren, war ok. Weder schlimm noch besonders hervorragend. Den heutigen Wein habe ich in Düsseldorf beim Weinladen mit dem Vogel erstanden. War auch direkt um ungefähr ein Drittel reduziert…

Es handelt sich dabei um einen Cabernet Franc von der größten Kooperative Brasiliens, der Cooperativa Vinicola Aurora. Das Anbaugebiet im Süden Brasiliens ist für 85% der Weinproduktion Brasiliens verantwortlich. Relativ hohe Luftfeuchtigkeit (60-80%) und Wärme sind Faktoren, die hier gegen den Weinanbau sprechen.

Studieren geht über Probieren, also Flasche geöffnet und ab ins Glas:

Erster Eindruck ist relativ zahm. Leichte rote Paprika, etwas dunkle Brotkruste. Danach gebratene rote Paprika, leichte Cassis-Frucht.

Für meinen Geschmack vielleicht etwas breit (für andere besonders süffig), nur noch leichte Tannine gefolgt von Bitterton. Im Mund auf Feuer gegrillte, rote Paprika, eingelegt in bitterem Olivenöl mit leichter, schwarzer Johannisbeere, etwas Karamell und ein paar Rosinen.

Mit der Zeit wird er etwas komplexer, Röstaromen stärker.

Durchaus lecker, aber bitte jetzt schnell trinken.

pH: 3.40

Brix: 8.0

Alkohol: 13% Vol