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2010 Melonix, J. Landron, Loire

Es war einmal eine Rebsorte Namens Melon, die aus ihrer Heimat, dem Königreich Bhurrgund vertrieben wurde vom bösen Charr’Donnay, der von hier aus weiter sein Unwesen treiben und die ganze Welt erobern sollte. Aber das ist nicht die Geschichte, die heute erzählt werden soll. Ohne Heimat wanderte Melon lange herum, bis sie endlich einen Ort fand, an dem sie sich niederlassen konnte. Dieser lag an einem breiten Fluss, der bald ins große Meer enden würde. Hier konnte sie sich dann entgültig niederlassen, nachdem sie im Kampf gegen den großen Frost die Oberhand gewinnen konnte. Fast drei Jahrhunderte wurde sie hier geschätzt und Kunde von ihrer Größe erreichte auch die fremden Kontinente von A’hsia und Ahm’Erikka. Als Charr’Donnay von diesem hörte, schickte er viele Spione durch die Länder, die gezielt Geschichten unter die Leute brachten, in denen Melon als Schwächling diffamiert wurde. Voller Scham vesteckte sich Melon, bis sie eines Tages vom guten Magier Landron aufgespürt wurde. Dieser sprach ihr Mut zu und gab ihr einen magischen Umhang, mit dem sie nicht mehr als Melon erkannt werden konnte. Er nannte sie Melonix.

Das ist die Geschichte des heutigen Weins, Melonix von Jo Landron als Kitsch-Fantasy-Roman. Ein 20 Jahre alter Melon de Bourgogne Weinberg, biologischer Weinbau, keine zugesetzten Hefen, keine Schwefelung, keine Schönung oder Filtration. Also ein klassischer Fall von vin naturel. Und die Erklärung, warum der Wein nur als Vin de France verkauft werden darf, da er nicht als typischer Muscadet gezählt werden kann.

Gekauft auf der Messe der Unabhängigen Winzer in Lille vor fast 2 Jahren, lag die Flasche seitdem in meinem Weinkeller bei Temperaturen, die im Sommer auch über 20 Grad erreichen können. Dabei wird auf dem Rücketikett extra um Lagerung von unter 14 Grad gebeten.
Melonix RücketikettDeshalb habe ich die Flasche mit etwas Angst geöffnet, diese könnte die Lagerung nicht überstanden haben. Der Korken entpuppt sich als Nomacork-Kunststoff-Korken. Im Glas dann Entwarnung:

Vin naturel-typischer Apfelmost, Zimt, Haferkeks, leichter Honig. Keine flüchtige Säure, kein Stinker. Kräftige Säure kombiniert mit vollmundigem Körper. Apfel, Himbeere, Salbei, Lakritze im Mund. Vollrohrzucker und Pfeffer im Nachgeschmack bei leichter Bitternote. Mit Erwärmung verändern sich die Aromen noch etwas: Tarte Tatin, also Karamell, Butter mit Apfel. Danach Mango, Salbei, Butter, Honig. Mit der Zeit nimmt die Käuternote zu, zum Salbei gesellt sich Geißfuß und Oregano.

Definitiv kein typischer Muscadet, also nichts, was man zu einer Auswahl an Meeresfrüchten servieren sollte. Eher zu einer Poulet a la normande oder einfach Flasche auf und genießen.

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%

2013 Salon des Vins des Vignerons Indépendants in Lille

Jedes Jahr im November zieht es mich nach Lille, die nördliche Metropole in Frankreich. An der belgischen Grenze gelegen ist der flämische Einfluss sehr groß, was vor allem die Esskultur betrifft. Das Wetter im November ist eher nass und kalt, Wein wächst hier keiner, warum also den weiten Weg auf sich nehmen? Weil Mitte November hier die Weinmesse der unabhängigen Winzer Frankreichs statt findet. Die vignerons independants sind ein Zusammenschluss von Winzern, die in ihren Statuten aufgenommen haben, ihre eigenen Weinberge zu bearbeiten, den Wein selbst zu vinifizieren, ihn selbst abzufüllen und schließlich zu vermarkten, so dass die totale Kontrolle über die eigene Produktion gegeben ist.
Mit knapp 600 verschiedenen Winzern aus ganz Frankreich, darunter aber auch Destilleure, hat man eine Mammutaufgabe vor sich, will man alle durchprobieren. Und das ist ja auch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Nach Bezahlen des Eintritts (es sei denn man hat eine Einladung durch einen Winzer) erhält man ein Probier-Glas und kann sich durch alle Weine der Aussteller durchprobieren.
Dieses Jahr war die Messe von Freitag bis Montag, also theoretisch 4 Tage, die man sich gut einteilen kann. Freitag und Montag sind meistens eher ruhiger, ab Samstag Abend kann es aber schon vorkommen, dass der eine oder andere Wein schon ausverkauft ist. Bei manchen Winzern kann man diesen vielleicht wenigstens noch probieren und dann vor Ort bestellen, wenn man in Frankreich wohnt, da die wenigsten direkt ins Ausland exportieren.
Ich selbst war nur Freitag und Samstag auf der Messe, Freitag Weiß, Samstag Rot.
Hier eine kleine Auswahl an Weinen die mir besonders aufgefallen sind:

Domaine Petillat mit einem St Pourçain aus 60% Chardonnay und 40% Tressallier. 2011. Lecker mineralische Säure, kreidiger Apfel.

Vignoble des Bois Vaudons von der Loire mit einem 100% Menu Pineau, der 2009er Boa Moa. Honig und Bratapfel, erinnert an Chenin Blanc, aber mit milderer Säure. Später rauchig.
Sauvignon Blanc oxidativ ausgebaut nach Art von vin jaune aus dem Jura.
2000er Tu le Boa. Apfel, Rosine, leichter Curry. Etwas Restsüße mit langem Nachhall.

Le Domaine du Moulin aus dem Gaillac.
2011er Muscadelle VV. Ein spät gelesener Muscadelle, Süße geht Richtung Spätlese, Bienenwachs und Mirabellen.
2011er Gaillac Sec VV. 90% Sauvignon Blanc, 10% Loin de l’oeil, im Eichenfass ausgebaut. Schinkenkruste und Orange. Kräftige Säure, voll. Lange im Mund.
Methode Ancestrale Brut. 50% Mauzac Blanc, 50% Mauzac Rosé. Apfel und gekochter Sellerie in der Nase, noch apfeliger im Mund.
Die Weine aus Gaillac gibt es übrigens auch in Köln zu erwerben…

Château de Plaisance aus Chaume an der Loire.
2011er Le Clos, Savennieres. Trockener Chenin Blanc. Quitte, Bananenkaugummi, Honig in der Nase, Kräuter (Thymian, Rosmarin, Minze) im Mund.
2011er L’Insolent de Chaume. Ein trocken ausgebauter Chaume, wo eigentlich nur Süßweine zugelassen sind. Honig, Quitte. Im Mund voller als Le Clos, aber nicht so aromatisch bei leichtem Bitterton.
Cremant de Loire Brut. 50% Chardonnay, 50% Chenin Blanc. Leichte Quitte in der Nase, im Mund gebratenes Hähnchen mit Apfel gefüllt.

Patrice Colin von der Loire, Coteaux du Vendômois, der mit besonders alten Rebstöcken gesegnet ist.
2012er Vieilles Vignes blanc. 100% Chenin Blanc, 50-80 Jahre alte Rebstöcke. Duftiger Apfel, im Mund Sellerie. Kräftige Säure.
2011er Emile Colin rouge. 100% Pineau d’Aunis, gepflanzt in den Jahren 1898 und 1920 vom namensgebenden Urgroßvater. Rote Beete, Möhren, Sellerieknolle.

Château du Breuil von der Loire. Einer der wenigen Winzer, die dem Grolleau Noir eine Chance geben und ihn extra neu angepflanzt haben.
2012er Grolleau, IGP Val de Loire. Erst der zweite Jahrgang. Rote Beete, Erdbeere. Riecht süß, kaum Tannine, Pfeffer im Nachgeschmack. Der sonst eher hohe Ertrag des Grolleau wir durch pflanzen auf magerem Boden und Grünlese stark reduziert.

Domaine Mathieu aus Châteauneuf-du-Pape.
2010er Anselme Mathieu rouge. Grenache dominanter Wein mit allen 13 zugelassenen Rebsorten, gepflanzt in den Jahren 1890 und 1892. Noch etwas verschlossen. Süß, leichter Tabak, Cassis. Kräftigste Tannine.

Domaine Vodanis, Vouvray, Loire. Liehabern von Domaine Huet dürfte Vodanis ein Begriff sein, gehörten die Weinberge bis 2007 doch zum Weingut, bevor sie von den jungen Winzern Francois Gilet und Nicolas Darracq übernommen wurden.
2010er Vouvray sec. Grüne Mandel, Honig. Etwas grüne Säure, kreidig
2009er Vouvray sec. Apfel, Kerbel, Lindenblüte, leckere Säure, etwas Nori-Alge im Nachgeschmack.

Domaine le Fort aus dem Languedoc mit einer grossen Auswahl an Rebsorten-reinen IGP Oc-Weinen, unter anderem Riesling und Gewürztraminer.

Domaine de la Charrière von der Loir (sic).
2008er Duo Majeur, Jasnieres. 100% Chenin Blanc. Nach normalem Ausbau im grossen Kastanienholzfass 2 Jahre in Eiche. Quitte, saurer Bonbon im Mund. Wirkt süß, hat aber nur 4g Restzucker.
2010er Pineau d’Aunis. Sehr hell. Kiefernwald mit weichem Nadelbett. Kräftige Säure, kaum Tannine.
2011er Pineau d’Aunis. Kräftiger als 2010. Kiefernwald und Rote Beete.

Einen leichten Hang zur Loire kann ich hier nicht abstreiten, was mir noch alles entgangen ist, kann ich nur erahnen.

 

Reben Quiz

Rebsorten-Quiz

Ein Expertenquiz über französische Rebsorten.

Viel Spaß!