Archiv der Kategorie: Unorthodox

Weinbereitung mal ganz anders.

Wein Crowd Funding – Besuch bei meinem Winzer – Le Verdus, Aveyron

Welche Folgen das Liken auf einer Facebook-Seite über seltene Rebsorten haben kann durfte ich feststellen, als ich auf einen Crowd-Funding Aufruf eines jungen Winzer-Pärchens im Aveyron, Frankreich stieß. Philippe Rousseau und Aline Solignac wollten die Weintradition im kleinen Ort St-Cyprien-sur-Dourdou bei Marcillac wieder aufleben lassen mit der Gründung der Domaine Le Verdus.

Gesucht wurden €2500 für das Anlegen einer neuen Parzelle Reben von Chenin Blanc und einer mir unbekannten weißen Sorte Namens Roussellou. Für meine €100 sollte es 6 Flaschen Wein und eine Führung vor Ort geben. Das Projekt kam dann auch zum Glück zusammen, das erhoffte Ziel wurde sogar mit 151% übertroffen. Auslieferung der Weine war mit September angesagt, was das Winzerpaar aber nicht bedacht hatte, war dass einer ihrer Unterstützer seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Um die erhöhten Frachtkosten zu sparen und gleichzeitig die Weingut-Führung einzulösen stand ein Teil unserer alljährlichen Frankreich-Tour mit dem Wohnmobil fest: St-Cyprien-sur-Dourdou im Zentralmassiv.

Einen kleinen Abstecher gab es aber vorher noch ins Nachbardorf Conques, einem mittelalterlichem Städtchen, was offiziell mit zu den Schönsten Orten Frankreichs zählt.

Conques

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist es ganz schön hügelig hier.

Conques3Ohne viel Aufwand ließe sich hier ein Film in historischer Kulisse drehen.

Der Camping-Platz von St-Cyprien-sur-Dourdou liegt zwischen Sportplatz and Schwimmbad und war wahrscheinlich früher Teil des dem Sportplatz zugehörigen Parkplatzes. Die rudimentären Waschräume werden auch von den Sportlern mit verwendet. Aber für €14.40 für Camper, Strom und 2 Personen, schattige, nivellierte Parzellen mit eigenem Wasseranschluss kann man sich nicht beschweren. Bäckerei und Metzgerei bei Gemüse-Abteilung sind zu Fuß innerhalb von 5 Minuten zu erreichen.

St Cyprien sur Dourdou Camping PlatzLe Verdus liegt etwas ausserhalb von St-Cyprien auf einem Hügel. Dort trafen wir Philippe der uns das Weingut vorstellte.

Das Grundstück gehört der Familie seiner Partnerin, die vor der Phylloxera-Krise hier in großem Maße Weinbau betrieb dann aber nach Argentinien auswanderte um dann aber schlussendlich wieder in die Heimat zurückzukehren und den Hof umstrukturiert wieder aufzubauen. Nur vom Weinbau wurden die Finger gelassen, dafür Viehwirtschaft, Getreideanbau und Fischzucht betrieben. Aber ein Weinkeller war noch vorhanden, in einen Hügel gebaut um die Temperatur im Keller niedrig zu halten.

Verdus Cave

Das Gebäude steht schon seit ca. 300 Jahren, ist zweistöckig, wobei nur das untere Stockwerk im Hügel steht, das zweite Stockwerk hat von hinten einen direkten Zugang zum Weinberg. Hier steht dann auch die Presse.

Verdus Pressoir

Der gepresste Most kann dann direkt durch ein Loch im Boden ins Erdgeschoss geleitet werden. Verdus Cave

Und hier dann weiterverarbeitet und vergoren werden, ohne dass gepumpt werden muss. Die Barrique-Fässer sind gebraucht gekauft und wurden vorher schon 5 mal verwendet, geben also keinen Holzgeschmack mehr ab sondern ermöglichen ein sanftes Lagern. In diesem Raum befindet sich dann auch das Flaschenlager, alles in allem sehr kompakt und mit dem natürlichen Charme eines alten Steingemäuers.

Natürlich gab es auch eine Führung durch den neu angelegten Rebgarten.

Verdus La Vigne

 

Hier wurden zwei Chenin Blanc Klone angepflanzt, die nachweislich aus dem Aveyron stammen. Ausserdem durch Massale Selektion gewonnene Roussellou Reben, die mit Unterstützung von einem Spezialisten von verschiedenen alten Rebstöcken in der Umgebung gesammelt wurden.

Roussellou ist der der regionale Name für St Côme, eine Rebsorte die Philippe bei einem befreundeten Winzer kennengelernt hat, der einen Versuchsweinberg für alte Rebsorten der Region pflegt. Gemeinsam haben sie sich für diese Rebsorte entschieden, weil sie das meiste Potential zeigte.

Die Reben für den schlussendlich von mir erworbenen Wein, ein Rotwein aus 70 Jahre altem Fer Servadou (90%) und Jurançon Noir (10%)  stehen in einem Nachbarort, Salles-la-Source und sind gepachtet. Offiziell sind es Rebstöcke die im Weinbaugebiet Marcillac AOC gepflanzt sind, sein Jungfernwein aber ist offiziell „nur“ ein Vin de Pays de l’Aveyron. Als nächstes will Philippe einen Marcillac-konformen Weinberg anpflanzen, dafür muss er aber erstmal nachweisen, dass er schon einen Marcillac-Wein gekeltert hat. Deshalb wird der Jahrgang 2015 wahrscheinlich ein AOC Wein werden.

La Mitat

La Mitat heißt  im lokalen Dialekt : Die Hälfte, Halb, Semi.

Der Weinberg ist erst zur Hälfte besetzt, der Keller ist nur halb fertig, und der Wein wurde mit der Macération Semi-Carbonique Technik vergoren.

Nebenbei ist Mitat auch der Ausruf von traditionellen Tänzern im Aveyron, wenn die Musiker sich eine Pause gönnen wollen, bitte doch noch etwas weiter zu spielen. Ist doch erst Halbzeit..

 

Der Wein ist infiltriert und ungeschönt spontan vergoren, mit alleinigem Zusatzstoff : ein wenig Schwefel bei der Abfüllung.

In der Nase: Rote Bete, Veilchen, schwarze Johannisbeere, künstliche Himbeere.

Erfrischende Säure mit nur leichten Tanninen am Gaumen. Hier sind neben Cassis auch etwas Pfeffer und Gurke zu schmecken.

Alles in allem ein perfekter Sommer-Rotwein, auch lecker gekühlt zu geniessen. Beim Winzer kostet die Flasche €7.

Gut, da habe ich etwas mehr bezahlt, aber darum geht es ja nicht beim Crowd Funding.

Savoie Wein Battle Gringet Geschwefelt vs ungeschwefelt

Eine Rebsorte, die ich schon immer gesucht aber nie in Deutschland gefunden habe ist Gringet, eine fast ausgestorbene Rebsorte aus den französichen Alpen. Sie wurde als Mutation der Savagnin-Rebe gesehen, aber DNA-Tests haben dies ausschließen können. Gringet wird meines Wissens nach nur von der Domaine Belluard in Ayse als reiner Gringet ausgebaut.

Rebenversuchsanbau Domaine Méjane Gringet

Die Domaine Belluard betreibt Weinbau nach biodynamischen Prinzipien. 95% Gringet als Weißwein oder auch als Schaumwein, etwas Altesse und Mondeuse werden angebaut.

Als ich dann im Newsletter von Vins Vivants las, daß das Weingut endlich in Deutschland vertreten ist, musste ich unbedingt zuschlagen. Und habe dabei unteranderem diese beiden Weine erstanden: die Weine Les Alpes und Pur Jus 100% aus dem Jahrgang 2012. Dabei handelt es sich eigentlich um genau den selben Wein, nur dass der Pur Jus 100% ungeschwefelt abgefüllt wurde. Zum Teil in Beton-Eiern ausgebaut, nur mit den Terroir-eigenen Hefen und Bakterien.

Der Battle:

Les Alpes 2012:

Im Glas schönes Gelb. Interessante Nase: Apfel, Räucherspeck, frittierte Petersilie und gekochte weiße Bohnen.
Im Mund relativ voll mit lebhafter Säure, Apfelsaft, etwas Cidre mit einem leicht kreidigem Mundgefühl, als ob ein paar Tannine den Weg in den Wein gefunden haben. Nachgeschmack von Cidre und Zitrus.
Etwas später Blumen, Apfel und gekochte Bohnen.
Noch später: Joghurt, Wachs, Apfelschale, Honig und Mirabelle

Am nächsten Tag: Schweinefleisch und Apfel, Zitrus und Trockenblumen Abgang mit einem Hauch von Esskastanie.

Pur Jus 100% 2012:
Von der Farbe etwas dunkler als der Les Alpes.
Heu, Trockenblume, Cidre, Honig und Champignon, Schweinefleisch mit Bohnen, leichter Anflug von Brett mit Ziege. Joghurt und Honig Abgang.

Später: Apfel, Bouillon-Pulver, weiße Blumen, Pflaume
Noch später: Honig, Apfel, kräftige, fast künstliche Kirsche. Apfelig, kräutriger Abgang.

Am nächsten Tag: Minze, Lakritze, Apfel und Zitrus.

Fazit

Beides sind sehr interessante Weine, vor allem die eher ungewöhnlichen Noten von Schwein und Bohnen die in allen Weinen zu finden waren haben mich angenehm überrascht. Der Pur Jus 100% ist sehr sauber verarbeitet worden. Selbst nach einer Woche gab es noch keine Anzeichen von Essigbakterien, obwohl ich den Wein ohne Kork über meiner zugegebener Weise kaum benutzen Heizung stehen hatte. Auch war der Unterschied zwischen beiden Abfüllungen sehr groß mit einem leichten Vorsprung für den Pur Jus 100%, der sich auf Dauer als etwas komplexer erwies.

2010 Melonix, J. Landron, Loire

Es war einmal eine Rebsorte Namens Melon, die aus ihrer Heimat, dem Königreich Bhurrgund vertrieben wurde vom bösen Charr’Donnay, der von hier aus weiter sein Unwesen treiben und die ganze Welt erobern sollte. Aber das ist nicht die Geschichte, die heute erzählt werden soll. Ohne Heimat wanderte Melon lange herum, bis sie endlich einen Ort fand, an dem sie sich niederlassen konnte. Dieser lag an einem breiten Fluss, der bald ins große Meer enden würde. Hier konnte sie sich dann entgültig niederlassen, nachdem sie im Kampf gegen den großen Frost die Oberhand gewinnen konnte. Fast drei Jahrhunderte wurde sie hier geschätzt und Kunde von ihrer Größe erreichte auch die fremden Kontinente von A’hsia und Ahm’Erikka. Als Charr’Donnay von diesem hörte, schickte er viele Spione durch die Länder, die gezielt Geschichten unter die Leute brachten, in denen Melon als Schwächling diffamiert wurde. Voller Scham vesteckte sich Melon, bis sie eines Tages vom guten Magier Landron aufgespürt wurde. Dieser sprach ihr Mut zu und gab ihr einen magischen Umhang, mit dem sie nicht mehr als Melon erkannt werden konnte. Er nannte sie Melonix.

Das ist die Geschichte des heutigen Weins, Melonix von Jo Landron als Kitsch-Fantasy-Roman. Ein 20 Jahre alter Melon de Bourgogne Weinberg, biologischer Weinbau, keine zugesetzten Hefen, keine Schwefelung, keine Schönung oder Filtration. Also ein klassischer Fall von vin naturel. Und die Erklärung, warum der Wein nur als Vin de France verkauft werden darf, da er nicht als typischer Muscadet gezählt werden kann.

Gekauft auf der Messe der Unabhängigen Winzer in Lille vor fast 2 Jahren, lag die Flasche seitdem in meinem Weinkeller bei Temperaturen, die im Sommer auch über 20 Grad erreichen können. Dabei wird auf dem Rücketikett extra um Lagerung von unter 14 Grad gebeten.
Melonix RücketikettDeshalb habe ich die Flasche mit etwas Angst geöffnet, diese könnte die Lagerung nicht überstanden haben. Der Korken entpuppt sich als Nomacork-Kunststoff-Korken. Im Glas dann Entwarnung:

Vin naturel-typischer Apfelmost, Zimt, Haferkeks, leichter Honig. Keine flüchtige Säure, kein Stinker. Kräftige Säure kombiniert mit vollmundigem Körper. Apfel, Himbeere, Salbei, Lakritze im Mund. Vollrohrzucker und Pfeffer im Nachgeschmack bei leichter Bitternote. Mit Erwärmung verändern sich die Aromen noch etwas: Tarte Tatin, also Karamell, Butter mit Apfel. Danach Mango, Salbei, Butter, Honig. Mit der Zeit nimmt die Käuternote zu, zum Salbei gesellt sich Geißfuß und Oregano.

Definitiv kein typischer Muscadet, also nichts, was man zu einer Auswahl an Meeresfrüchten servieren sollte. Eher zu einer Poulet a la normande oder einfach Flasche auf und genießen.

Guide des vins en biodynamie 3e édition & Le Guide de l’Altervin

An jährlich erscheinenden Weinführern für den Raum Frankreich haben sich mit der Zeit eine Handvoll durchgesetzt, alle mit dem Ziel, dem Konsumenten bei der Auswahl an Weinen zu helfen. Vom Aufbau und Inhalt sehr ähnlich,  sind „Le Guide des meuilleurs vins de France“, von Frankreichs großer Weinzeitschrift La Revue du von de france herausgegeben und das direkte Konkurrenzprodukt „Le Guide Bettanen & Dessauve des vins de France“, ironischer Weise von den ehemaligen Herausgebern des  Vorgängers von „Le Guide des meuilleurs vins de France“. Die Betonung liegt hier bei den einzelnen Winzern, die mit ihren Weinen vorgestellt werden. Diese gelten allgemein als die besten Winzer in Frankreich. Deshalb sind sich beide Bücher vom Inhalt recht ähnlich. Auch die Neuerscheinungen unterscheiden sich bei den Winzern nicht viel von den älteren Versionen. Einen weinbetonten Ansatz wählt „Le Guide Hachette des Vins“, hier haben auch kleinere, unbekanntere Winzer mit durchwachsenem Sortiment die Chance, zumindest mit einem Wein auf Veröffentlichung. Andere Veröffentlichungen haben es nicht einfach, sich gegen diese Klassiker durchzusetzen. Auch große Namen wie „Gault & Millau“ haben sich deshalb mit ihren eigenen Weinführern nach Jahren zurückgezogen. Deshalb sind neue Weinführer mit neuen Konzepten bei mir gern gesehen.

Das Buch : „Guide des vins en biodynamie“ von Évelyne Malnic herausgegeben, gibt es schon in der dritten Edition. Das Konzept ist einfach: Die besten Weine von zertifiziert biodynamischen Winzern aus Frankreich und der französischsprachigen Schweiz. Ein weiteres Novum ist der önologische Schwerpunkt bei der Weinbeschreibung. Zusätzlich zur geschmacklichen Analyse der Weine gibt es eine ausführliche Beschreibung zu Rebsorte, Terroir, Alter der Reben sowie Arbeit auf dem Weinberg und im Keller. Auch Werte wie Restzucker und Schwefelgehalt werden angegeben. Die Art der Filterung und Schönung. 21 Somelliers aus der Region Normandie haben sich durch 487 Weine von 136 französischen Weingütern getrunken und diese bewertet. Zu den bekannteren Weingütern gehören Château Climens, Marcel Deiss, Domaine Leroy. Für mich unbekannte Winzer waren aber in der Überzahl.

Le Guide de l'Alter-Vin

Das Buch „Le Guide de L’Alter-Vin, 133 vignerons hors du commun“ von Laurent Baraou & Monsieur Septime ist schon im August 2012 erschienen, ist mir aber erst letztes Jahr November in einem großen Buchladen in Lille aufgefallen. Das Buch ist eher eine Sammlung von Portraits außergewöhnlicher Winzer als ein Weinführer. Die Autoren vergleichen die Winzer mit den jungen Künstlern Picasso, Manet, oder Cézanne, deren Werke vom Paris Salon abgelehnt wurden und mit ihren Bildern die Kunst nachhaltig verändert haben.  Viele Anhänger der vin naturels Bewegung gehören zu den portraitierten Winzern. Andere ignorieren Vorgaben der einzelnen AOC Komitees und füllen ihre Weine als Vin de France, Tafelweine, ab. Auch Winzer aus eher ungewöhnlichen Weinregionen wie die Domaine Lelièvre aus Lothringen gehören dazu. Um als Weinführer durchzukommen, stellt jeder Autor noch seinen Lieblingswein des betreffenden Winzers mit einem Satz vor.

Beide Bücher bereichern die französische Weinbuchszene ungemein, hoffentlich wird es weitere jährliche Ausgaben geben.

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%

Serbische Weine Teil 3 : 2011 Alma Mons, BeloBrdo

Als dritten und leider letzten Wein von Samovino probiere ich den

2011 Alma Mons, Weingut Belo Brdo, Weinregion Fruška Gora, Teil der Region Srem

Die Rebsorten für diesen Rotwein kommen alle aus Frankreich: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und die Neuzüchtung Marselan (Cabernet Sauvignon x Grenache Noir), die mir bisher als fruchtig süffiger Rotwein von der Rhône bzw aus der Ardeche untergekommen ist. Nicht unbedingt eine Rebsorte, die ich in der illustren Bordeaux-Reben-Runde erwartet hätte. Der Besitzer Aleksandar Zeremski war früher Wein-Importeur und hat 2006 den Weinberg neu angelegt. Das Weingut selbst besteht offiziell seit 2010, dem ersten Jahrgang der noch sehr jungen Reben. Übersetzt heißt Belo Brdo „weißer Hügel“, Alma Mons „nährender Berg“, Alba Mons wäre hier vielleicht passender.

Frisch ins Glas: Reife Brom-, und Blaubeere. Cassis, Pflaume, dann Erdbeer-Körner-Joghurt, Milchschokolade, Vanille.
Eine gute Balance zwischen Körper, Tannine und Säure. Alles kommt kräftig durch, nichts dominiert. Pflaumenfruchtleder im Nachgeschmack.

2. Tag: Brombeere, Pflaume und Kirsche im ständigen Wechsel, Kakao. Eichenvanille kräftiger als an Tag 1.

3. Tag: Pflaume, Pfeffer. Pflaume und kräftige Kirsche im Mund.

5. Tag: Wassermelone, Cassis, Vanille, Brombeere. Weiter kräftige Tannine. Tabak und Pflaume im Nachgeschmack.

Da es sich hier um Wein von jungen Reben handelt, bin ich gespannt auf die späteren Jahrgänge, wenn dann noch die Konzentration hinzu kommt.

pH: 2.92

Brix: 8.5

Alkohol: 14.4 Vol%

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

2011 Pithos Blanc Grecanico – Sicilia – Azienda Agricola COS

Azienda Agricola COS ist vielleicht nicht eins der Pionier-Weingüter in Westeuropa, was den Ausbau von Wein in Amphoren betrifft, aber sie kann man ruhig zur zweiten Generation zählen. Den ersten Wein in der Amphore haben sie im Jahr 2000 ausgebaut. Elisabetta Foradori liegt eindeutig mit den Weinen Morei und Sgarzon an der Spitze, die sie zuerst 1987, mit einer Unterbrechung von 1999-2007 geschaffen hat. Der heutige Wein, Pithos Bianco, wird seit 2007 produziert, aus der Weißweintraube Garganega, oder wie sie auf Sizilien genannt wird: Grecanico. Ursprünglich aus Veneto, Nordost-Italien, hat sie hier eine zweite Heimat gefunden. Hier wird fast die Hälfte an Garganega in ganz Italien angebaut. Nach der Ernte werden die Trauben für den Pithos Blanc 7 Monate in spanischen Ton-Amphoren ausgebaut und dann auf Flaschen gefüllt. Der hier vorliegende 2011er Jahrgang deklariert einen Alkoholgehalt von 11.5 Vol%. Das ist extrem niedrig, schließlich haben wir es hier auch noch mit Trauben zu tun, die der heißen sizilianischen Sonne ausgesetzt sind. Hoffentlich wird es nicht süß…

Im Glas zeigt der Wein erstmal eine außergewöhnliche Farbe. Dunkles Gelb, fast Orange. Die Nase : Apfel, Honig, leichte, frische Minze, Safran. Im Mund zeigt er sich leicht mit einer erfrischenden Säure, keine Süße, ganz leichte Tannine, Aromen von Weinbergpfirsich und Apfel. Eine leichte Diskrepanz zwischen der Leichtigkeit des Weins, der kräftigen Aromen und dann noch die leichten Tannine, die einen leichten Pelz auf der Zunge hinterlassen.
Wie der Sommelier des Lido, das dem selben Besitzer gehört wie die Weinkarte, wo ich den Wein gekauft habe (um 18€),meint, passt er gut zu gegrillten Garnelen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Die leichte Säure betont die Süße der Garnele und Safran mit Garnele passt eh.

pH: 3.31
Brix: 6.4
Alkohol: 11.5 Vol%

2007 Minimus Anima – Tormentas – Brasilien

Rechtzeitig vor der Fussball-WM gibt es heute nach dem Cabernet Franc auch einen Vin Naturel aus Brasilien. Bekommen habe ich ihn von einem guten Wein-Freund aus Brasilien, der ihn mir bei seinem letzten Aufenthalt in Barcelona nach Düsseldorf Anfang des Jahres geschickt hat. Die Rebesorten sind 35% extra reif geernteter Tannat, 35% Cabernet Sauvignon, 20% Alicante Bouschet und 10% Merlot. Die Trauben selbst sind nicht unbedingt ökologisch angebaut, dafür ist das Klima in Brasilien wahrscheinlich einfach zu schwierig, aber nach der Ernte wurde dem Most bis auf eine geringe Menge Schwefel, nichts hinzugefügt, keine Schöner, Hefen oder anderweitige Zusatzstoffe. Mein Freund hat den Wein 2008 erworben und in seiner Wohnung in Rio de Janeiro gelagert. Bei Temperaturen von über 30°C. Über 5 Jahre bei erhöhter Temperatur wird wohl auch seine Spuren hinterlassen haben.

Tag 1:
Der Korken sitzt extrem fest im Flaschenhals. Mit normalem Korkenzieher droht er eher durchzubrechen, deshalb schnell mit Federzungen-Zieher heraus gedreht. Ins Glas eingegossen, zeigt sich ein bräunlicher Farbstich. Die Nase ins Glas gesteckt kommt direkt der Geruch einer ganzen Ananas, die man im Obstkorb zu lange ignoriert hat und die sich deshalb dunkelbraun verfärbt hat, entgegen. Dazu leichte, flüchtige Säure, aber auch getrocknete Hibiskusblüte, reife Brombeere und Veilchen. Der erste Schluck verstärkt den Eindruck von flüchtiger Säure noch etwas, dieser bleibt aber nicht konstant. Eine süffige Säure verdeckt die vorhandene, nicht zu kräftige Tanninstruktur, die aber von hinten nochmal ankommt. Brombeerfruchtschnitte mit Kakao und leichte Minze im Nachgeschmack. Etwas später setzt sich der Cabernet mehr durch gegen Tannat und Cassis, würziger Rotwein-Jus, Tabak, Kirsche und Leder kommen hervor. Farbpigmentausfall nach ca. 1 Stunde.

Tag 2:
Der Braunstich hat die Wandlung zu einem Braunton vollzogen. Essig und der unangeheme Geruch von Ananas sind verflogen. Jetzt zeigt er sich als einfacher, süffiger Kirschsaft mit Tabak-Aroma.

Sehr Schade, dass der Wein keine bessere Lagerung mitmachen durfte. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie sich der Wein mit Abstrichen noch recht gut präsentieren konnte. Mein Dank geht an Jandir nach Rio.

pH: 3.48
Brix: 8.4
Alkohol: 13 Vol%

2012 Perle dans les vignes Riesling & Gewurztraminer, Strasbourg

Vom Titel könnte man eigentlich annehmen, dass heute ein Weißwein aus dem Elsaß probiert wird. Aber weit gefehlt. Elsaß stimmt, aber kein Wein, sondern ein Bier. Gebraut von einem jungen Braumeister mit Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Most von Riesling- und Gewürztraminertrauben vom Winzer Romain Fritsch in Marlenheim. 3/4 Malzmaische und 1/4 Traubenmost in der Flasche refermentiert.

In der Nase feine Hefe, Traubensaft.

Im Mund feiner Schaum, dann Fruchtnoten und leichte Säure gefolgt von einem kräftigen Schlag Bitter. Karamell-Malz, danach kommt Traubensaft durch, leichte Lychee. Langer Trauben-Nachgeschmack.

Definitiv ein Bier, gerne zu einer Paté au Riesling.

pH: 4.04

Brix: 10

Alkohol: 7.7 Vol%