Tafelwein aus Tafeltrauben? Lagasquaïre, Domaine de la Gasqui

Diesen Sommer waren wir mit dem Wohnmobil in der Provence unterwegs und wollten in der Sommerhitze ein für uns neues Ziel ansteuern: L’Isle sur la Sorgue.

Diese Stadt die ursprünglich in einem Sumpfgebiet errichtet wurde ist berühmt für seine kleinen Kanäle, mit denen der Sumpf trocken gelegt wurde und deshalb als Venedig des Comtat bekannt.

L'Isle de la Sorgue

Auch gibt es noch einige funktionierende Wasserräder, die früher unter anderem für die Wollindustrie verwendet wurden,

Sorgue12

Heute ist hier aber hauptsächlich Tourismus und ein Handel mit Antiquitäten von Interesse.

Es gibt hier zwar einen Campingplatz in der Nähe der Stadt aber auch einen Winzer der bei France Passion teilnimmt.

Das Weingut Domaine de la Gasqui liegt etwas ausserhalb von L’Isle sur la Sorgue und auch etwas höher, was mit dem Fahrrad in die Stadt angenehme 15 Minuten dauert. Der Rückweg dafür dann etwas länger…

Sorgue9

Der Stellplatz ist eine große Wiese mit einigen Bäumen am Rand die Schatten spenden, wenn man den wanderden Sonnenstand mit berücksichtigt. Ansonsten ist der Platz relativ grade und steht zwischen dem Weingut und Weinberg.

WoMo bei Gasqui

Wir wurden direkt freundlich begrüßt. Nicht direkt vom Winzer sondern von einem anderen Familienmitglied.

Besuch bei Gasqui

Das Tasting beim Senior-Winzer fing erst ein wenig unterkühlt an. 1 Rosé, 1 Weisswein und 4 Rote gab es zu probieren. Der Weisswein fiel mir dabei sofort ins Auge. Vin de France, kein Jahrgang und mit 9€ auch nicht gerade billig. Darauf angesprochen taute Herr Feraud Senior direkt auf. Es handelt sich hierbei um Tafeltrauben der Sorte Gros Vert und Weintrauben der Sorte Uni Blanc die sein Großvater noch angepflanzt hatte. Gros Vert zeichnet sich durch eine dicke Schale und viele Kerne aus. Nicht das, was der Markt heutzutage sucht. Die dicke Schale war früher mehr gefragt, da diese Trauben bis nach Weihnachten gelagert werden konnten. Ausreissen und mit etwas anderem Pflanzen wollte er aber nicht, also nutzt er die Möglichkeit aus Tafeltrauben Wein zu erzeugen, wenn die Reben älter als 25 Jahre sind.

Hunt for Gros Vert

Wo diese Reben gepflanzt sind konnte uns der kleine Freund direkt zeigen. Auf dem Weinberg hinter dem Wohnmobil…

Gros Vert

Aber wie schmeckt er denn jetzt?

Honig, Holunderblüte, Rosenwasser und etwas Grapefruit. Relativ voll mit ausgleichender Säure und noch mehr Grapefruit am Gaumen. Vielleicht etwas kurz aber sehr erfrischend.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Reben noch lange Frucht tragen da es unwahrscheinlich ist, dass neue Reben von Gros Vert gepflanzt werden. 25 Jahre ohne Einnahmen kann sich wohl kein Winzer leisten.

Chilling at Domaine la Gasqui

100 Jahre Scheurebe

Nach dem Rebenblut schon letztes Jahr 99 Jahre Scheurebe gefeiert hat, gibt es heute eine kleine Auswahl an unterschiedlichsten Scheureben aus deutschen Landen.

Der erste Vertreter, aus Franken, ein handgelesener trockener Wein von der Weininsel im Main. Weinberg mit südliche Ausrichtung. Der Winzer, Otmar Zang, ist vor allem auch für seinen Alten Satz bekannt, ein Wein aus dem ältesten Weinberg Frankens von 1835.

Otmar Zang Scheurebe

In der Nase: Grapefruit, Bananenkaugummi, Holunderblüte, Jackfruit,  Mirabelle und eine Note von künstlicher Wildkirsche.

Relativ voll mit ausbalancierter Säure und leichter Süße. Lange Bitterste mit künstlicher Wildkirsche im Nachgeschmack.

Am zweiten Tag: Holunderblüte, Guave und Grapefruit.

Insgesamt ein fruchtig erfrischender Vertreter, leider ist für mich persönlich diese künstliche Wildkirsche mit unangenehmen Erinnerungen verbunden.

 

Die zweite Scheurebe, ein Sekt aus der Pfalz vom Wein – und Sektgut Kissel aus der Pfalz. Neben den klassischen Champagner-Reben und Riesling versektet dieses Weingut auch Scheurebe und Sauvignon Blanc. Dieses Exemplar von 2007 lag 5 Jahre auf der Hefe.

Kissel Scheurebe Sekt

Auch hier erstmal die Grapefruit, etwas Lakritze, dunkles Bauernbrot, etwas Schwarze Johannisbeeren-Konfitüre.

Im Mund feine Perlage, ziemlich voll, leichtes Bitter. Schwarze Johannisbeere. Ich vermisse etwas an Säure. Langer Nachgeschmack von frischer Lychee und Grapefruit.

Am zweiten Tag etwas Löwenzahn samt Bitternote im Mund.

Meine erste Erfahrung mit einem Scheurebe-Sekt und hoffentlich nicht die letzte.

 

Der dritte Vertreter der Runde, ein Kabinett vom Weingut Geil in Buchheim, Rheinhessen. Jahrgang 2013.

 

Geil Scheurebe Kabinett

In der Nase sehr dezent: etwas Grapefruit und Holunderblüte.

Am Gaumen Wehrsekret eines Marienkäfers… Deutlich wahrnehmbare Restsüße, relativ voll, dabei aber auch weich/wässrig wenn das irgendwie Sinn ergibt. Säure ist relativ niedrig. Lychee aus der Dose im Nachgeschmack.

Der zweite Tag überrascht mit einem leichten Duft von Riesling, Pilz, Honig. Insgesamt erinnert er mich an diesen Tag an einen Chenin Blanc von der Loire von einem nassen Jahrgang.

Hatte mich nicht richtig überzeugen können, vielleicht war er für meinen Geschmack auch nur einfach zu jung.

 

Der vierte Wein kommt von der Mosel, vom Weingut Franz-Josef Eifel, aus der berühmten Lage Trittenheimer Altärchen. Dies ist die erste Scheurebe von der Mosel die ich bisher gesehen habe.

Eifel Scheurebe

Auch dieser Wein startet eher leicht in der Nase: Zitrus wie Limette und Grapefruit, ein Hauch von Holunderblüte. Später Flieder und weisse Schokolade. Am Gaumen eine lebhafte Säure mit einer leichten Süße, lange Grapefruit die sich in Amerikanische Fanta Weintraube umwandelt.

Am nächsten Tag: Limette, Grapefruit mit dunklem Brot und Honig im Nachgeschmack.

Dieser Wein hat mich mit seiner Säure und Mineralik überzeugt, ich bin auf andere Jahrgänge gespannt.

 

Der letzte Wein dieser Reihe ist vom VDP Weingut Kruger-Rumpf an der Nahe, eine Spätlese Jahrgang 2013.

Kruger-Rumpf Scheurebe

In der Nase: Bananen-Kaugummi, reife weiße Grapefruit, Birne.

Eine schöne Balance von Säure und Süße, mit einem leichten Prickeln auf der Zunge und Bananen-Kaugummi am Gaumen. Holunderblüte im Nachgeschmack.

Am nächsten Tag etwas Ananas, Birne und Mirabelle.

Bei diesem Wein hatte ich etwas mehr Komplexität erwartet. Vielleicht war er aber auch nur einfach zu jung. Da hätte ich wohl noch den dritten Tag abwarten müssen, aber da war die Flasche leider schon leer. Nicht komplex aber süffig…

 

2011 Domaine des Ardoisières, Argile Blanc, VdP des Allobroges

Was macht ein Sushi-Koch an seinem freien Tag? Er kocht. Aber nicht irgendwas, sondern Fisch. In diesem Fall ein paar kleine Flussbarsche aus dem Rhein, weiter südlich Richtung Schweizer Grenze auch als Egli bekannt.

Egli

Bis auf das Entschuppen, ist es der selbe Aufwand einen kleinen Fisch von 40g zu filetieren wie einen großen Verwandten, einen 2 Kilo Meerbarsch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass man mehr als einen Flussbarsch brauch um satt zu werden, während der Meerbarsch je nach Größe auch für mehrere Portionen reicht.

Eglifilet

Zum Fisch passt natürlich am Besten ein feiner Weißwein, den ich vorher probiert habe um die entsprechenden Beilagen darauf abzustimmen. (Der Wein ist so wie er ist, das Essen ist so flexibel wie der Koch)

Das Weingut, Domaine des Ardoisières wurde 1997 mit der Neupflanzung von alten Rebsorten auf alten, vor langer Zeit aufgegebenen Weinbergen begonnen. Biodynamisch geführt wachsen hier auf steilen, zum Teil terrassierten Hängen Chardonnay, Jacquere, Altesse, Mondeuse Blanche und Malvoisie (entweder Pinot Gris oder Frühroter Veltliner) in Weiß sowie die roten Rebsorten Mondeuse und Persan. Die Weinberge liegen zwar in den Savoyen, sind aber nicht Teil des AOC Vin de Savoie. Aus diesem Grunde dürfen die Weine nur als IGP Vin des Allobroges, also als Wein der Allobroger, einem alten keltischen Stamm, die in dieser Gegend wohnten, verkauft werden.

Die Cuvée Argile Blanc ist ein Mix von 40% Jacquere, 40% Chardonnay und 20% Mondeuse Blanche, einer fast ausgestorbenen Rebsorte mit kräftiger Säure.  Teils in alten Holzfässern, Teils in Stahl ausgebaut. Laut Weingut am Besten innerhalb von 5 Jahren zu trinken, also höchste Eisenbahn…

 

In der Nase: feiner Apfel, Gänseblümchen, Kreide, etwas Birne.

Am Gaumen relativ voll für einen Alpen-Wein. Kräftige Säure und leichter Bitterton, eine Kombination die eine gewisse Spannung im Mund erzeugt. Kräutrig, apfeliger Geschmack.

Im langen Nachgeschmack dann zuerst Süßholz und Apfel, dann ein leichter Pilzton gefolgt von einer leicht oxidativ nussigen Note.

Das ganze bei leichten 12% abv.

Kurzer Blick in den Kühlschrank und die Speisekammer, und das Gericht steht…

Natürlich gibt es dazu keinen Reis, sondern Kartoffeln. Von der Sorte Ratte de Touquet, eine festkochende, alte, französische Varietät.

La Ratte

Dank ihrer eigenwilligen Form leicht zu erkennen aber dafür schwer zu schälen, also genau das Richtige, um Entspannung zu finden…

Dazu ein leicht in Butter angedünstetes Fenchelgemüse und mit etwas Jungknoblauch sautierten Shiitake-Pilz.

Die Egli-Filets vor dem Braten noch in Verte du Puy-Linsenmehl gewendet, für eine nussige Note und etwas Extra Crunch.

FarineLentil

Noch etwas Petersilie an Kartoffeln und Pilze, die Filets in Butter und Öl mit der Hautseite zuerst kross gebraten. Wichtig hier: das Linsenmehl muss durchgaren, darf nicht roh schmecken.

LePairing

 

Wein-Nachten naht… Langsames Einstimmen mit Wein aus Bethlehem

Die Tage werden kälter, erster Schnee ist in Deutschland schon gefallen. Auch gibt es endlich wieder Zimtsterne und Lebkuchen in den Supermärkten. Höchste Zeit also, sich auf das heilige Fest einzustimmen. Womit sollte das besser gehn, wenn nicht mit einem Wein aus der heiligen Stadt, von Mönchen geschaffen und uneigennützig für den Unterhalt einer Berufsschule genutzt.

Wie zum Beispiel dem Baladi 2010 von Cremisan.

BaladiBack

Die Rebsorte Baladi selbst gibt ein paar Rätsel auf, im Wine Grapes von J. Robinson et al wird sie mit Cayetana Blanca gleichgesetzt, wobei es sich schon von der Farbe her um andere Rebsorten handeln muss.

Ein Blick in das Mammut-Werk, Dictionnaire Encyclopédique des Cépages, Pierre Galet lässt 6 verschiedene Baladi-Varianten auftauchen, alle Weiß. Drei aus Spanien, drei aus dem Nahen Osten. Bei letzteren wird eine Übersetzung mitgeliefert: le raisin de mon pays, oder Rebe aus meinem Land.

In der Nase: Süße, reife Brombeere, Veilchen, Pfingstrose, leichte Note von Wildragout and kräftigere frische Feige.

Süffig mit angenehmer Säure und leichten Tanninen. Leichte Brombeere, Tabak und frische Feige am Gaumen.

Nachgeschmack von getrockneter Feige und Tabak.

 

Jetzt trinken oder bis nächstes Jahr Weihnachten warten.

 

Schaumwein aus Wales? Ancre Hill Estate Blanc de Noirs 2010

Dass die Engländer gute Schaumweine produzieren, mag man schon mal gehört haben. Einige vielleicht auch schon selbst versucht. Die Engländer selbst sind auf jedenfall fleissig dabei, ihre Produkte anzupreisen. Ein ähnliches Terroir wie in der Champagne mit den tiefen Kalkböden (man denke an die weissen Klippen von Dover) bei vergleichbaren Sonnenstunden. Nur, da kommt der Engländer leider nicht drum herum dies zu bestätigen, mit einem etwas höheren Regenfall.
123 Weingüter in England stehen 12 in Wales gegenüber.  Die meisten von diesen im Südosten von Wales, wie auch das Ancre Hill Estate aus Monmouth. Die ersten Rebstöcke wurden hier 2006 gepflanzt, seit 2011 wird biodynamischer Weinbau betrieben. Organisch zertifiziert seit 2012 und das begehrte Demeter-Siegel seit 2013. Damit ist Ancre Hill Estate eins von zwei biodynamischen Weingütern im Vereinigten Königreich.

Der Blanc de Noirs 2010 wurde aus 100% Pinot Noir Trauben gewonnen. Ausbau im Stahltank. 24 Monate Flaschenreife vor dem Degorgieren und weitere 6 Monate vor der ersten Auslieferung.

Die Kapsel ist leider etwas einfach gehalten, eine neutrale Kapsel mit einem aufgeklebten Logo. Eine kleine Enttäuschung für Kapselsammler.

Ancre Hill Capsule

In der Nase versöhnt er dafür mit Apfel, buttrige Brioche, Vanille und leichtem Anis.

Feine Perlage mit lebhafter Säure, blumig, etwas Brioche und Honig mit Birne am Gaumen.

Ein interessanter, langer Salz-Laktritz Abgang und Nachgeschmack von Herbst unter dem alten Apfelbaum mit einem Biss ins Apfelkerngehäuse zum Schluss.

Ein guter Wein zum Aperitif, mit 11.5% Vol kann man auch noch ein halbes Glas mehr trinken.

Wein Crowd Funding – Besuch bei meinem Winzer – Le Verdus, Aveyron

Welche Folgen das Liken auf einer Facebook-Seite über seltene Rebsorten haben kann durfte ich feststellen, als ich auf einen Crowd-Funding Aufruf eines jungen Winzer-Pärchens im Aveyron, Frankreich stieß. Philippe Rousseau und Aline Solignac wollten die Weintradition im kleinen Ort St-Cyprien-sur-Dourdou bei Marcillac wieder aufleben lassen mit der Gründung der Domaine Le Verdus.

Gesucht wurden €2500 für das Anlegen einer neuen Parzelle Reben von Chenin Blanc und einer mir unbekannten weißen Sorte Namens Roussellou. Für meine €100 sollte es 6 Flaschen Wein und eine Führung vor Ort geben. Das Projekt kam dann auch zum Glück zusammen, das erhoffte Ziel wurde sogar mit 151% übertroffen. Auslieferung der Weine war mit September angesagt, was das Winzerpaar aber nicht bedacht hatte, war dass einer ihrer Unterstützer seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Um die erhöhten Frachtkosten zu sparen und gleichzeitig die Weingut-Führung einzulösen stand ein Teil unserer alljährlichen Frankreich-Tour mit dem Wohnmobil fest: St-Cyprien-sur-Dourdou im Zentralmassiv.

Einen kleinen Abstecher gab es aber vorher noch ins Nachbardorf Conques, einem mittelalterlichem Städtchen, was offiziell mit zu den Schönsten Orten Frankreichs zählt.

Conques

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist es ganz schön hügelig hier.

Conques3Ohne viel Aufwand ließe sich hier ein Film in historischer Kulisse drehen.

Der Camping-Platz von St-Cyprien-sur-Dourdou liegt zwischen Sportplatz and Schwimmbad und war wahrscheinlich früher Teil des dem Sportplatz zugehörigen Parkplatzes. Die rudimentären Waschräume werden auch von den Sportlern mit verwendet. Aber für €14.40 für Camper, Strom und 2 Personen, schattige, nivellierte Parzellen mit eigenem Wasseranschluss kann man sich nicht beschweren. Bäckerei und Metzgerei bei Gemüse-Abteilung sind zu Fuß innerhalb von 5 Minuten zu erreichen.

St Cyprien sur Dourdou Camping PlatzLe Verdus liegt etwas ausserhalb von St-Cyprien auf einem Hügel. Dort trafen wir Philippe der uns das Weingut vorstellte.

Das Grundstück gehört der Familie seiner Partnerin, die vor der Phylloxera-Krise hier in großem Maße Weinbau betrieb dann aber nach Argentinien auswanderte um dann aber schlussendlich wieder in die Heimat zurückzukehren und den Hof umstrukturiert wieder aufzubauen. Nur vom Weinbau wurden die Finger gelassen, dafür Viehwirtschaft, Getreideanbau und Fischzucht betrieben. Aber ein Weinkeller war noch vorhanden, in einen Hügel gebaut um die Temperatur im Keller niedrig zu halten.

Verdus Cave

Das Gebäude steht schon seit ca. 300 Jahren, ist zweistöckig, wobei nur das untere Stockwerk im Hügel steht, das zweite Stockwerk hat von hinten einen direkten Zugang zum Weinberg. Hier steht dann auch die Presse.

Verdus Pressoir

Der gepresste Most kann dann direkt durch ein Loch im Boden ins Erdgeschoss geleitet werden. Verdus Cave

Und hier dann weiterverarbeitet und vergoren werden, ohne dass gepumpt werden muss. Die Barrique-Fässer sind gebraucht gekauft und wurden vorher schon 5 mal verwendet, geben also keinen Holzgeschmack mehr ab sondern ermöglichen ein sanftes Lagern. In diesem Raum befindet sich dann auch das Flaschenlager, alles in allem sehr kompakt und mit dem natürlichen Charme eines alten Steingemäuers.

Natürlich gab es auch eine Führung durch den neu angelegten Rebgarten.

Verdus La Vigne

 

Hier wurden zwei Chenin Blanc Klone angepflanzt, die nachweislich aus dem Aveyron stammen. Ausserdem durch Massale Selektion gewonnene Roussellou Reben, die mit Unterstützung von einem Spezialisten von verschiedenen alten Rebstöcken in der Umgebung gesammelt wurden.

Roussellou ist der der regionale Name für St Côme, eine Rebsorte die Philippe bei einem befreundeten Winzer kennengelernt hat, der einen Versuchsweinberg für alte Rebsorten der Region pflegt. Gemeinsam haben sie sich für diese Rebsorte entschieden, weil sie das meiste Potential zeigte.

Die Reben für den schlussendlich von mir erworbenen Wein, ein Rotwein aus 70 Jahre altem Fer Servadou (90%) und Jurançon Noir (10%)  stehen in einem Nachbarort, Salles-la-Source und sind gepachtet. Offiziell sind es Rebstöcke die im Weinbaugebiet Marcillac AOC gepflanzt sind, sein Jungfernwein aber ist offiziell “nur” ein Vin de Pays de l’Aveyron. Als nächstes will Philippe einen Marcillac-konformen Weinberg anpflanzen, dafür muss er aber erstmal nachweisen, dass er schon einen Marcillac-Wein gekeltert hat. Deshalb wird der Jahrgang 2015 wahrscheinlich ein AOC Wein werden.

La Mitat

La Mitat heißt  im lokalen Dialekt : Die Hälfte, Halb, Semi.

Der Weinberg ist erst zur Hälfte besetzt, der Keller ist nur halb fertig, und der Wein wurde mit der Macération Semi-Carbonique Technik vergoren.

Nebenbei ist Mitat auch der Ausruf von traditionellen Tänzern im Aveyron, wenn die Musiker sich eine Pause gönnen wollen, bitte doch noch etwas weiter zu spielen. Ist doch erst Halbzeit..

 

Der Wein ist infiltriert und ungeschönt spontan vergoren, mit alleinigem Zusatzstoff : ein wenig Schwefel bei der Abfüllung.

In der Nase: Rote Bete, Veilchen, schwarze Johannisbeere, künstliche Himbeere.

Erfrischende Säure mit nur leichten Tanninen am Gaumen. Hier sind neben Cassis auch etwas Pfeffer und Gurke zu schmecken.

Alles in allem ein perfekter Sommer-Rotwein, auch lecker gekühlt zu geniessen. Beim Winzer kostet die Flasche €7.

Gut, da habe ich etwas mehr bezahlt, aber darum geht es ja nicht beim Crowd Funding.

99 Jahre Scheurebe Teil 1

2016 feiert die Scheurebe 100 jährigen Geburtstag, also höchste Zeit, ein paar Flaschen auf dem Balkon zu öffnen.
Diese aromatische Rebsorte wurde von Georg Scheu in Alzey, Rheinhessen, aus Riesling und Bukettraube gekreuzt, wobei er angenommen hatte, statt Bukettraube Silvaner verwendet zu haben. Dieses konnte aber durch einen DNA-Test korrigiert werden.
Zuerst wurde die Scheurebe als Alzey S88 bezeichnet. Zwischen 1930 und 1945 musste sie den Namen des Landesbauernführers von Hessen-Nassau, Richard Wagner, tragen, ein Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS. Erst 1950 wurde der heutige in Deutschland gebräuchliche Name, Scheurebe, festgesetzt. Bei unseren Nachbarn in Österreich wird häufig noch eine Abwandlung der Ursprungsbezeichnung, Sämling 88 verwendet.

Im ersten Teil stehen sich 4 Weine aus Rheinhessen, dem Ursprung der Scheurebe entgegen. Vier Winzer, vier Jahrgänge. Alle um die 10€.

Gysler Scheurebe
Aus Alzey selbst kommt das Weingut Gysler. Einer der wenigen Winzer, die sich auch an einer trockenen Huxelrebe versuchen.

Mit dem ältesten Wein aus dem Jahrgang 2011.

Leckere Frucht in der Nase: Grapefruit, Katzenpipi, aber auch gereifte Töne wie dunkles Bauernbrot aus dem Holzofen. Weich mit ausbalancierter Säure mit Grapefruit und Vanille im Mund. Blumiger Nachgeschmack.

 

Wagner Stempel Scheurebe
Das VDP Mitglied Wagner-Stempel ist mit dem Jahrgang 2012 vertreten.

Sehr viel Zitrus im Glas: Grapefruit, Limette, erinnerte auch etwas an Sprite-Limonade. Weicher als der Gysler mit ähnlicher Säure. Limette nochmals im Nachgeschmack.

Kuehling Gillot Scheurebe

Ein weiteres VDP Mitglied ist Kühling-Gillot, mit dem Qvinterra 2013.

Eine wahre Fruchtbombe im Glas, vielleicht für den einen oder anderen zu aromatisch.

Erschlagen von Jackfruit, Guave, Schwarze Johannisbeere, grüne Mango und einem Hauch Honig. Kräftige Säure, die das an sich schwere Aroma belebt. Was die Nase verspricht, hält sie auch am Gaumen mit ähnlich expressiven Aromen.

Manz Scheurebe Kalkstein

Der Jahrgang 2014 wird vom Weingut Manz aus Weinolsheim vertreten.

Der jüngste  und auch hellste Wein von allen. Etwas verhaltene Nase: Birne, Grapefruit, weiße Blüten und ein Hauch Banane. Riecht süß, ist er aber nicht. Aber auch weniger Säure als die anderen Scheureben. Etwas kurz.

 

Meine persönlichen Favoriten waren diesmal die  Weine von Gysler und Kühling-Gillot.

Der Gysler mit dem Mix von Sekundär und Tertiär-Aromen. Der Qvinterra dank seiner hervorstechenden Aromatik.

Weitere Scheureben-Beiträge sind in Planung: Pfalz, Franken, Süß, Gereift

Frühroter Veltliner in den Savoyen? Philippe Grisard Malvoisie 2012

Zugegeben, es handelt sich nicht um einen reinen Frühroten Veltliner sondern um eine Cuvée aus Pinot Gris und dem FrühVel, beide in den Savoyen als Malvoisie bekannt. Dass der Pinot Gris sich hinter Malvoisie versteckt, haben wir ja schon beim Pinot Gris Battle Malvoisie vs Pinot Beurot gesehen. Auch findet man in der Französisch-sprachigen Schweiz öfter den Grauburgunder als Malvoisie. Wie der Frührote Veltliner den Weg von Österreich nach Frankreich gefunden hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Meine persönliche Vermutung liegt bei einem Umweg über das alpine Italien, wo auch noch geringe Mengen an FrühVel angebaut werden.
Fruehroter Veltliner bei Domaine de Mejane‘Velteliner’ im Sortenweingarten der Domaine de Mejane

Auf die Flasche, rein ins Glas:
Hefe, Himbeerbrausepulver, Wachs, leichter Honig, Apfel mit kalter Melone und Birne.
Voller als erwartet für einen Berg-Wein, mit genug Säure.
Insgesamt weich mit Kokosnuss und Birne am Gaumen und einer leichten Bitternote.

2013 Chignin Bergeron, Ravier Pascal & Benjamin

Eine Suche nach reinsortigem Roussanne in Deutschland kann sehr frustrierend oder teuer enden. Frustrierend, weil nicht leicht zu finden. Teuer, weil eine der wenigen Flaschen gleich der Beaucastel Vieilles Vignes ist, eine Chateauneuf-du-Pape Ikone mit entsprechendem Preis.

Die Rebsorte Roussanne kommt ursprünglich aus dem nördlichen Teil der Rhône. Hier ist sie mit der Rebsorte Marsanne, mit der sie engstens verwandt ist, verantwortlich für die berühmten Hermitage Weißweine. Spät reifend und mit geringerem Ertrag wart sie fast ausgestorben. Um 1960 gab es nur noch 71 ha in Frankreich. Diese Zahl ist jetzt zum Glück auf 1352 ha (2009) angewachsen.
Roussanne
In den Savoyen, genauer im Cru Chignin, wird die Roussanne Bergeron genannt und ist als einzige Rebsorte im Chignin-Bergeron AOC zugelassen. Wie und wann sie dort hinkam, ist mir unbekannt. Es wundert aber ein wenig, da sie selbst für die Rhône als spät reifend gilt und hier mit dem kühleren Wetter der Alpen klarkommen muss.

Chinin Bergeron habe ich in einem französischen Online-Shop gefunden: Vinatis aus Annecy in den Savoyen. Versandkosten nach Deutschland bis zu einem Einkaufswert von 200€ liegen bei 10€, was für Frankreich sehr günstig ist. Soviel kann man auch schon für den Versand innerhalb Frankreichs ausgeben. Die Versandzeit ging relativ flott, nach 4 Tagen waren sechs Weine bei mir. Bezahlt habe ich mit PayPal, wofür es einen leichten Aufpreis von 3% zu zahlen gab.

Eingeschenkt frisch aus dem kühlen Keller:
In der Nase überrascht der Wein mit Mirabelle, Honig, Löwenzahnblüte, leichtem Joghurt und etwas Quitte.
Im Mund etwas leichter mit weicher Säure und feinem Bitterton.
Hier kommen dann wieder Mirabelle und Löwenzahn zum Vorschein, während Joghurt und Quitte den Nachgeschmack bestimmen.

Weitere Roussanne-Weine werden folgen müssen, aber vorher gibt es noch ein paar andere Rebschätze aus den Savoyen.

Savoie Wein Battle Gringet Geschwefelt vs ungeschwefelt

Eine Rebsorte, die ich schon immer gesucht aber nie in Deutschland gefunden habe ist Gringet, eine fast ausgestorbene Rebsorte aus den französichen Alpen. Sie wurde als Mutation der Savagnin-Rebe gesehen, aber DNA-Tests haben dies ausschließen können. Gringet wird meines Wissens nach nur von der Domaine Belluard in Ayse als reiner Gringet ausgebaut.

Rebenversuchsanbau Domaine Méjane Gringet

Die Domaine Belluard betreibt Weinbau nach biodynamischen Prinzipien. 95% Gringet als Weißwein oder auch als Schaumwein, etwas Altesse und Mondeuse werden angebaut.

Als ich dann im Newsletter von Vins Vivants las, daß das Weingut endlich in Deutschland vertreten ist, musste ich unbedingt zuschlagen. Und habe dabei unteranderem diese beiden Weine erstanden: die Weine Les Alpes und Pur Jus 100% aus dem Jahrgang 2012. Dabei handelt es sich eigentlich um genau den selben Wein, nur dass der Pur Jus 100% ungeschwefelt abgefüllt wurde. Zum Teil in Beton-Eiern ausgebaut, nur mit den Terroir-eigenen Hefen und Bakterien.

Der Battle:

Les Alpes 2012:

Im Glas schönes Gelb. Interessante Nase: Apfel, Räucherspeck, frittierte Petersilie und gekochte weiße Bohnen.
Im Mund relativ voll mit lebhafter Säure, Apfelsaft, etwas Cidre mit einem leicht kreidigem Mundgefühl, als ob ein paar Tannine den Weg in den Wein gefunden haben. Nachgeschmack von Cidre und Zitrus.
Etwas später Blumen, Apfel und gekochte Bohnen.
Noch später: Joghurt, Wachs, Apfelschale, Honig und Mirabelle

Am nächsten Tag: Schweinefleisch und Apfel, Zitrus und Trockenblumen Abgang mit einem Hauch von Esskastanie.

Pur Jus 100% 2012:
Von der Farbe etwas dunkler als der Les Alpes.
Heu, Trockenblume, Cidre, Honig und Champignon, Schweinefleisch mit Bohnen, leichter Anflug von Brett mit Ziege. Joghurt und Honig Abgang.

Später: Apfel, Bouillon-Pulver, weiße Blumen, Pflaume
Noch später: Honig, Apfel, kräftige, fast künstliche Kirsche. Apfelig, kräutriger Abgang.

Am nächsten Tag: Minze, Lakritze, Apfel und Zitrus.

Fazit

Beides sind sehr interessante Weine, vor allem die eher ungewöhnlichen Noten von Schwein und Bohnen die in allen Weinen zu finden waren haben mich angenehm überrascht. Der Pur Jus 100% ist sehr sauber verarbeitet worden. Selbst nach einer Woche gab es noch keine Anzeichen von Essigbakterien, obwohl ich den Wein ohne Kork über meiner zugegebener Weise kaum benutzen Heizung stehen hatte. Auch war der Unterschied zwischen beiden Abfüllungen sehr groß mit einem leichten Vorsprung für den Pur Jus 100%, der sich auf Dauer als etwas komplexer erwies.