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2012 Grauburgunder, Enderle & Moll – Schwefel-Battle : 25 mg/l vs 0 mg/l

Bei einem Vin Naturel Tasting in der Vincaillerie in Köln, bei dem auch der Spätburgunder Rosé von Enderle & Moll ausgeschenkt wurde, erwähnte die symphatische Besitzerin, Surk-Ki Schrade, daß sie sich von den beiden Winzern aus Münchweier/Baden einen Grauburgunder Schwefel-frei hat abfüllen lassen. Auf eigene Gefahr. Die normale Cuvée kommt bis zum Abfüllen ohne Schwefel aus. Erst dann werden 25 mg/l hinzugefügt, um den weiteren Transport sichern zu können. Ein direkter Vergleich, da konnte ich mich nicht zurückhalten und musste gleich meine kleine Einkaufsliste um beide Grauburgunder erweitern.

Über die jungen Winzer Sven Enderle und Florian Moll ist schon viel geschrieben worden. In deutschen Blogs wird oft auf deren Namen rumgeritten, er klinge wie der einer Anwaltskanzlei oder Werbeagentur. Mir kommt die Assoziation zu Endemol, dem großen Fernsehproduzent aus den Niederlanden, denen wir Fernsehjuwelen wie Traumhochzeit und Big Brother zu verdanken haben.

Inhaltlich kann ich aber besonders den englischen Blog-Eintrag auf Wine Terroirs von Bertrand Celce empfehlen, der bei Vin Naturel immer mit dabei zu sein scheint.

Da es sich bei dem Schwefel-freien Wein um eine Sonderabfüllung handelt, hat die Flasche kein extra Etikett, aber ich würde die Weine trotzdem unterscheiden können, meinte Surk-Ki, und ich musste ihr beim Einpacken der Flaschen recht geben. Ohne ist um einiges kräftiger an Farbe als mit.

Dann der Battle:

Mit Schwefel:

Leichter Rosa-Stich. Den Grauburgunder ein wenig länger auf der Maische stehen lassen als gewöhnlich würde diesen Farbton erklären.

Erste Nase zeigt leichte Hefe, etwas Pfirsisch. Die Hefe bleibt und wird von Birnenschale, dann leichter weißer Schokolade begleitet.

Im Mund wirkt er voll, mit süffiger Säure und leichtem Bitterton. Lakritze, Birne, lange Säure, Hefe bleibt im Hintergrund zu schmecken.

Später in der Nase dann Lakritze, Birne, Hauch von Thymian, immer wieder Hefe. Mit der Zeit wandelt sich Hefe zu Brot, kommt beim Schlucken aber wieder hervor.

pH: 3.12

Brix: 6.6

Alkohol: 12% Vol

Ohne Schwefel:

Kräftigeres Rosa.

In der Nase würziges Brot, leichte Birne. Dazu dann feiner Honig von der milden Sorte. Dann Hafer-Porridge mit Birnenkompott. Abate-Birne, getrocknete Ananas. Buttriger Haferkeks. Von Hefe keine Spur.

Die Säure wirkt etwas milder. Apfelige Aromen im Mund, der Bitterton verschiebt sich etwas nach hinten. Leichte Bier-Note mit Birne gefolgt von Honig im Nachgeschmack.

Später dann Hafer, Birne, leichte, frische Minze, etwas milder Honig.

Noch später (ca 30 Minuten nach Öffnen) verliert der Hafer, dafür kommt Apfelmus zur Birne hinzu. Im Mund lange Lakritze mit Apfel & Birne.

Drei Tage später kommt auch noch Pfirsich hinzu.

pH: 3.22

Brix: 6.7

Alkohol: 12% Vol

Resumée:

Es ist ein klarer Unterschied zwischen den beiden Weinen festzustellen.

Der ungeschwefelte Grauburgunder hat für meinen Geschmack in allen Punkten die Nase vorne, bin ich aber auch ein Liebhaber von gereiften Weinen. Denn diesen Eindruck habe ich von dem Wein. Perfekt gereift. Der leicht geschwefelte kann noch etwas die Hefe-Aromen abbauen, aber zeigt sich auch als Grauburgunder mit Charakter.