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Dieses ernom große Land ist nicht unbedingt für seine Weinproduktion bekannt. Trotzdem werden hier gute Schaumweine hergestellt.

2007 Minimus Anima – Tormentas – Brasilien

Rechtzeitig vor der Fussball-WM gibt es heute nach dem Cabernet Franc auch einen Vin Naturel aus Brasilien. Bekommen habe ich ihn von einem guten Wein-Freund aus Brasilien, der ihn mir bei seinem letzten Aufenthalt in Barcelona nach Düsseldorf Anfang des Jahres geschickt hat. Die Rebesorten sind 35% extra reif geernteter Tannat, 35% Cabernet Sauvignon, 20% Alicante Bouschet und 10% Merlot. Die Trauben selbst sind nicht unbedingt ökologisch angebaut, dafür ist das Klima in Brasilien wahrscheinlich einfach zu schwierig, aber nach der Ernte wurde dem Most bis auf eine geringe Menge Schwefel, nichts hinzugefügt, keine Schöner, Hefen oder anderweitige Zusatzstoffe. Mein Freund hat den Wein 2008 erworben und in seiner Wohnung in Rio de Janeiro gelagert. Bei Temperaturen von über 30°C. Über 5 Jahre bei erhöhter Temperatur wird wohl auch seine Spuren hinterlassen haben.

Tag 1:
Der Korken sitzt extrem fest im Flaschenhals. Mit normalem Korkenzieher droht er eher durchzubrechen, deshalb schnell mit Federzungen-Zieher heraus gedreht. Ins Glas eingegossen, zeigt sich ein bräunlicher Farbstich. Die Nase ins Glas gesteckt kommt direkt der Geruch einer ganzen Ananas, die man im Obstkorb zu lange ignoriert hat und die sich deshalb dunkelbraun verfärbt hat, entgegen. Dazu leichte, flüchtige Säure, aber auch getrocknete Hibiskusblüte, reife Brombeere und Veilchen. Der erste Schluck verstärkt den Eindruck von flüchtiger Säure noch etwas, dieser bleibt aber nicht konstant. Eine süffige Säure verdeckt die vorhandene, nicht zu kräftige Tanninstruktur, die aber von hinten nochmal ankommt. Brombeerfruchtschnitte mit Kakao und leichte Minze im Nachgeschmack. Etwas später setzt sich der Cabernet mehr durch gegen Tannat und Cassis, würziger Rotwein-Jus, Tabak, Kirsche und Leder kommen hervor. Farbpigmentausfall nach ca. 1 Stunde.

Tag 2:
Der Braunstich hat die Wandlung zu einem Braunton vollzogen. Essig und der unangeheme Geruch von Ananas sind verflogen. Jetzt zeigt er sich als einfacher, süffiger Kirschsaft mit Tabak-Aroma.

Sehr Schade, dass der Wein keine bessere Lagerung mitmachen durfte. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie sich der Wein mit Abstrichen noch recht gut präsentieren konnte. Mein Dank geht an Jandir nach Rio.

pH: 3.48
Brix: 8.4
Alkohol: 13 Vol%

2008 Cabernet Franc, Pequenas Partilhas, Serra Gaucha, Brasilien

Noch vor der Fussball-WM in Brasilien wollte ich unbedingt noch einen hiesigen Wein. Meine erste Erfahrung, ein süßer Muskateller gekauft auf dem Fest der Kulturen in Bonn vor einigen Jahren, war ok. Weder schlimm noch besonders hervorragend. Den heutigen Wein habe ich in Düsseldorf beim Weinladen mit dem Vogel erstanden. War auch direkt um ungefähr ein Drittel reduziert…

Es handelt sich dabei um einen Cabernet Franc von der größten Kooperative Brasiliens, der Cooperativa Vinicola Aurora. Das Anbaugebiet im Süden Brasiliens ist für 85% der Weinproduktion Brasiliens verantwortlich. Relativ hohe Luftfeuchtigkeit (60-80%) und Wärme sind Faktoren, die hier gegen den Weinanbau sprechen.

Studieren geht über Probieren, also Flasche geöffnet und ab ins Glas:

Erster Eindruck ist relativ zahm. Leichte rote Paprika, etwas dunkle Brotkruste. Danach gebratene rote Paprika, leichte Cassis-Frucht.

Für meinen Geschmack vielleicht etwas breit (für andere besonders süffig), nur noch leichte Tannine gefolgt von Bitterton. Im Mund auf Feuer gegrillte, rote Paprika, eingelegt in bitterem Olivenöl mit leichter, schwarzer Johannisbeere, etwas Karamell und ein paar Rosinen.

Mit der Zeit wird er etwas komplexer, Röstaromen stärker.

Durchaus lecker, aber bitte jetzt schnell trinken.

pH: 3.40

Brix: 8.0

Alkohol: 13% Vol