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Heimat der berühmtesten Weine aus Pinot Noir und Chardonnay. Daneben ist es auch Ursprung für Rebsorten, die nicht mehr hier oder nur noch kaum angebaut werden, wie zB Melon de Bourgogne oder Romorantin, Cesar.

Bouzeron A&P. de Villaine Battle 1998 vs 2002 vs 2004

Bouzeron 2004
Dass im Burgund außer Pinot Noir und Chardonnay noch andere Rebsorten angebaut werden, haben wir beim Pinot Gris-Battle gesehen. Zu den bekannteren Rebsorten, die noch angebaut werden, gehören die Gamay noir a jus blanc und die Aligoté-Rebe. Letztere hat im Burgund eine eigene Appellation, die Bourgogne Aligoté AOC. Ihre Weine sind leicht, mit kräftiger Säure und werden hauptsächlich zum Mischen mit Créme de Cassis als Kir verwendet. Eine Sonderstellung hat die Bouzeron AOC, ein kleines Gebiet um das Dorf Bouzeron in der Côte Chalonnaise. Diese Weine sind aus 100% Aligoté, müssen aber seit 1998 nicht mehr den Zusatz Aligoté tragen.
Die ersten Namen, die im Zusammenhang mit Bouzeron auftreten, sind Aubert und Pamela de Villaine, Mitbesitzer der Romanée-Conti. Hier haben sie ihr eigenes Weingut mit Weinen zu zivilen Preisen.
Der Jahrgang 1998, der erste Jahrgang der Bouzeron AOC, gilt für Weißweine als schwierig, da die Weine nicht viel Säure haben, das Reifepotential also eher gering ist. Die Aligoté hat davon ja eher mehr, vielleicht gleicht sich das aus.
Der Jahrgang 2002 hingegen gilt als sehr gutes Weißweinjahr, mit ausreichend Säure und Konzentration.
2004 war der Ertrag durchgehend etwas höher, was niedrigeres Mostgewicht und hohe Säure brachte.

Außer der Reihe kämpft noch ein anderer Aligoté aus dem Burgund mit, der 2002er Vieilles Vignes vom Château du Cary Potet, auch aus der Côte Chalonnaise. Diesen Winzer habe ich auf meiner ersten Weinmesse in Lille kennengelernt.

Let the Battle begin:

1998 Bouzeron, de Villaine:
Schlieren in der Flasche.
Oxi-Nase: Sherry, Sojasauce. Mineralische Säure im Mund, Christstollen mit Rosinen und Marzipan im Abgang.
Im Eisch-Rieslinglas verschwindet die Oxi-Nase. Dafür frischer Koriander mit Wurzel, etwas Mandarine.
pH: 2.81
Brix: 6.2
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Bouzeron, de Villaine:
Frisch aus dem Kühlschrank leichter Champignon und Honig. Erinnert an einen einfachen, jungen Chenin Blanc von der Loire, dann Kreide und gekochter Apfel. Weicher, voller als der 98er, leichter Pfeffer im Abgang.
pH: 2.84
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Aligoté de Bourgogne Vieilles Vignes, Cary Potet:
Hochwertiger Kunststoffkorken.
Dickmilch mit frischen Trauben. Leichter als der 2002er Bouzeron. Im Mund oxidativ, Soja und Sherry, etwas roher Apfel und Rosine.
pH: 2.83
Brix: 6.4
Alkohol: 12.5 Vol%

2004 Bouzeron, de Villaine:
Leichte Kreide und Apfel, Dill. Im Mund leichter Oxi-Ton. Sonnenblumenöl, Vollkornbrot und getrockneter Apfel im Nachgeschmack. Weicher als der 2002er Bouzeron.
pH: 2.94
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

Der 1998er Bouzeron ist leider schon etwas zu alt. Am besten gefällt mir noch der 2002er Bouzeron, der Cary Potet aus dem gleichen Jahrgang zeigt leider nicht die selbe Qualität und ist auch fortgeschrittener. Ob das am Korken liegt? Der 2004er ist jahrgangsgemäß etwas einfacher gebaut. Insgesamt ist Aligoté nicht unbedingt eine Rebsorte die man lange lagern sollte.

Battle Vin de Savoie Malvoisie 2011 vs Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot 2010

Im heutigen Battle treten der 2011er Vin de Savoie Malvoisie Cuvée Prestige von der Domaine Grisard gegen den 2010er Vin de Pays de Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot La Mystérieuse vom Vignoble de Flavigny-Alesia gegeneinander an. Die Trauben beider Weine wurden per Hand gelesen, aber das kann ja nicht die Gemeinsamkeit sein, die einen Battle rechtfertigen würde. Ok. Es sind beides Weißweine, aus Frankreich… Beide Winzer sind Mitglied von France-Passion, einer Organisation, bei deren Mitglieder Wohnmobilisten nach Kauf einer Vignette umsonst beim Weingut übernachten können.
Und es sind beides Weine aus der Pinot Gris oder Grauburgunder-Rebe.
In Frankreich hat die Pink-farbene Farbmutation des Pinot Noirs genauso wie sein weißer Gegenpart einen schweren Stand. Die Anbaufläche des Pinot Gris beträgt noch nicht einmal ein Zehntel, die des Pinot Blanc knapp ein Zwanzigstel des Pinot Noir. Beide werden vorwiegend im Elsaß angebaut, wo Pinot Blanc meistens als Zugabe zum Cremant d’Alsace angebaut wird, wogegen der Pinot Gris zu den 4.5 Grand Cru Rebsorten zählt. 4.5 deshalb, weil neben den allgemein zugelassenen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling der Silvaner eine Sonderstellung mit dem Grand Cru Zotzenberg hat. Hier war der Pinot Gris bis zu den Beitrittsverhandlungen Ungarns zur EU als Tokay bekannt, was eher auf einen Re-Import schliessen lässt, als auf ein langsames Ausbreiten von Burgund aus. Ansonsten gibt es noch die Reully AOC, wo Pinot Gris zusammen mit Pinot Noir in die Traubenpresse gelangt und dann als Rosé abgefüllt wird. Im Burgund ist sie zwar offiziell für viele Rotweine zugelassen, wieviel aber davon wirklich in die Eichenfässer findet, dürfte sich stark in Grenzen halten.
Das Gebiet der Coteaux de l’Auxois gehört zwar offiziell zum Burgund, die Weine liegen aber außerhalb der Bourgogne AOC. Anstatt Weinberge kann man hier eher kräftig gebaute Rinder auf grünen Wiesen begutachten. Das Auxois ist eine alte Grafschaft im westlichen Teil des Herzogtums Burgund. Das Weingut Vignoble de Flavigny-Alesia liegt südlich des durch den Film Chocolat mit Johnny Depp und Juliette Binoche bekannt gewordenen Orts Flavigny-sur-Ozerain und auch nicht weit vom geschichtsträchtigen Ort Alesia, an dem Julius Cäsar 52 v. Chr den Galliern die vollständige Niederlage zufügte. Neben dem Grauburgunder werden hier auch Spätburgunder, Chardonnay, Auxerrois und César angebaut. Den Wein habe ich vor zwei Jahren direkt vor Ort erworben. In Anspielung an die Schlacht von Alesia hat die Flasche wohl auch die Form einer Amphore erhalten.
Den Malvoisie von Domaine Grisard habe ich vor einem Jahr in Mens gekauft, wie auch den Verdesse. Zuerst war mir nicht bewusst, dass es sich hier um einen Pinot Gris handelt, ich hatte noch die Hoffnung auf einen seltenen Malvasia bianca di Piemonte. Aber die Domaine Grisard wird schon wissen, was sie vinifiziert, betreibt sie neben dem Weinbau doch auch noch eine pepiniere viticole, eine Rebschule für seltene Rebsorten der Alpen.

Frisch aus dem Kühlschrank:
Vin de Savoie: Birne, leichter Muskat-Ton, Kreide. Weich und halbtrocken.
Coteaux de l’Auxois: leichter Pfirsich, Apfelkitsche, grüne Haselnuss, Rapshonig. Kräftige, anhaltende Säure mit Bitterton.

Zimmertemperatur:
Vin de Savoie: Birne, getrocknete Mango und frische, reife Mango, etwas Bienenwachs. Leichter Pfeffer im Abgang.
Coteaux de l’Auxois: leichter Champignon und Senf. Würzig im Mund, Himbeer-Vinaigrette.

Kombiniert mit:
Vin de Savoie: gebratene Jakobsmuschel
Coteaux de l’Auxois: Plat de Charcuterie

Von der Aromatik gewinnt klar der Malvoisie aus den Savoyen, bei Balance hat der Burgunder knapp die Nase vorn. Insgesamt ist dann der Savoyer knapper Gewinner.

Vin de Savoie:
pH: 3.25
Brix: 7.2
Alkohol: 12.5 Vol%

Coteaux de l’Auxois:
pH: 2.84
Brix: 6.1
Alkohol: 12 Vol%

Nach 2 Tagen im Kühlschrank…
Vin de Savoie:
Williams-Birne, frische und reife Mango, leichte Ananas. Süße kommt stärker raus.

Coteaux de l’Auxois:
Senf, Birne, unreife Mango, leichte Zwiebel. Säurebetont.

1970 Maison Leroy, Meursault Blanc

Angeregt vom Bericht über Domaine Leroy im Blog von Chez Matze habe ich den 1970er Meursault blanc der Maison Leroy, also dem Weinhaus des Weingutes probiert. Der Wein wird aus zugekauften Weinen zusammengestellt die dem Standard des Hauses entsprechen. Wegen der dunklen Farbe, die schon durch die Flasche hindurch sichtbar war und einigen Schlieren bin ich davon ausgegangen, dass der Wein schon lange tot war. Von Matze schon vorgewarnt, dass der Korken wahrscheinlich eher bröselig wird, habe ich mich dann daran versucht, ihn so vorsichtig wie möglich zu öffnen.

Erster Versuch mit der Korkenspange drückt den Korken 5mm runter Richtung Wein. Fail.

Zweiter Versuch mit Kellnermesser scheint erfolgsversprechender. Langsam kommt der Kork hoch, bricht dann aber bei der Hälfte ab. Weiteres Anwenden des Messers bringt nur Korkkrümel. Matze, du hast recht!

Dritter Versuch: Vakuumpumpe ansetzen und durch Unterdruck den Korken nach oben bewegen. Gewünschtes Ergebnis wird leider nicht erreicht, Korken fällt in den Wein.

Vierter Versuch: 3 dünne Stahlspieße sollen den Korken fixieren und hochziehen. Das funktioniert dann zum Glück, nur ein paar Korkkrümel schwimmen in der Flasche.

Ins Glas gegossen zeigt sich zuerst die braun-goldene Farbe. Tot?
Nase reingehalten: Überraschend starker Karamell mit Butter, leichter Rauch, danach Rosinen mit dunklem Krustenbrot. Etwas gekochter Apfel und zwischendurch ein Hauch von gebackenem Knoblauch, fast Richtung weisser Trüffel.
Der erste Schluck beeindruckt durch eine lang anhaltende, lebendige Säure, leicht kreidig, etwas Apfel und Karamell.

Nach 30 Minuten verliert der Wein etwas im Mund, wirkt kürzer, gehetzt.

Am nächsten Tag setzt die eigentlich erwartete oxidative Note ein. Karamell nur noch im Nachgeschmack, diesmal aber kräftiger als beim ersten mal.

Totgesagte leben länger…

pH: 2.99
Brix: 7.3
Alkohol: Geschätze 12.5 % Vol