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Der Darling der internationalen Weißweinfreunde, in Vergangenheit wahrscheinlich zu Exzess angepflanzt, weshalb sich die ABC (Anything but Chardonnay) Bewegung gegründet hat. Die besten Exemplare kommen wohl noch aus dem Burgund. Auf jedenfall die teuersten…

2011 Domaine des Ardoisières, Argile Blanc, VdP des Allobroges

Was macht ein Sushi-Koch an seinem freien Tag? Er kocht. Aber nicht irgendwas, sondern Fisch. In diesem Fall ein paar kleine Flussbarsche aus dem Rhein, weiter südlich Richtung Schweizer Grenze auch als Egli bekannt.

Egli

Bis auf das Entschuppen, ist es der selbe Aufwand einen kleinen Fisch von 40g zu filetieren wie einen großen Verwandten, einen 2 Kilo Meerbarsch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass man mehr als einen Flussbarsch brauch um satt zu werden, während der Meerbarsch je nach Größe auch für mehrere Portionen reicht.

Eglifilet

Zum Fisch passt natürlich am Besten ein feiner Weißwein, den ich vorher probiert habe um die entsprechenden Beilagen darauf abzustimmen. (Der Wein ist so wie er ist, das Essen ist so flexibel wie der Koch)

Das Weingut, Domaine des Ardoisières wurde 1997 mit der Neupflanzung von alten Rebsorten auf alten, vor langer Zeit aufgegebenen Weinbergen begonnen. Biodynamisch geführt wachsen hier auf steilen, zum Teil terrassierten Hängen Chardonnay, Jacquere, Altesse, Mondeuse Blanche und Malvoisie (entweder Pinot Gris oder Frühroter Veltliner) in Weiß sowie die roten Rebsorten Mondeuse und Persan. Die Weinberge liegen zwar in den Savoyen, sind aber nicht Teil des AOC Vin de Savoie. Aus diesem Grunde dürfen die Weine nur als IGP Vin des Allobroges, also als Wein der Allobroger, einem alten keltischen Stamm, die in dieser Gegend wohnten, verkauft werden.

Die Cuvée Argile Blanc ist ein Mix von 40% Jacquere, 40% Chardonnay und 20% Mondeuse Blanche, einer fast ausgestorbenen Rebsorte mit kräftiger Säure.  Teils in alten Holzfässern, Teils in Stahl ausgebaut. Laut Weingut am Besten innerhalb von 5 Jahren zu trinken, also höchste Eisenbahn…

 

In der Nase: feiner Apfel, Gänseblümchen, Kreide, etwas Birne.

Am Gaumen relativ voll für einen Alpen-Wein. Kräftige Säure und leichter Bitterton, eine Kombination die eine gewisse Spannung im Mund erzeugt. Kräutrig, apfeliger Geschmack.

Im langen Nachgeschmack dann zuerst Süßholz und Apfel, dann ein leichter Pilzton gefolgt von einer leicht oxidativ nussigen Note.

Das ganze bei leichten 12% abv.

Kurzer Blick in den Kühlschrank und die Speisekammer, und das Gericht steht…

Natürlich gibt es dazu keinen Reis, sondern Kartoffeln. Von der Sorte Ratte de Touquet, eine festkochende, alte, französische Varietät.

La Ratte

Dank ihrer eigenwilligen Form leicht zu erkennen aber dafür schwer zu schälen, also genau das Richtige, um Entspannung zu finden…

Dazu ein leicht in Butter angedünstetes Fenchelgemüse und mit etwas Jungknoblauch sautierten Shiitake-Pilz.

Die Egli-Filets vor dem Braten noch in Verte du Puy-Linsenmehl gewendet, für eine nussige Note und etwas Extra Crunch.

FarineLentil

Noch etwas Petersilie an Kartoffeln und Pilze, die Filets in Butter und Öl mit der Hautseite zuerst kross gebraten. Wichtig hier: das Linsenmehl muss durchgaren, darf nicht roh schmecken.

LePairing

 

1970 Maison Leroy, Meursault Blanc

Angeregt vom Bericht über Domaine Leroy im Blog von Chez Matze habe ich den 1970er Meursault blanc der Maison Leroy, also dem Weinhaus des Weingutes probiert. Der Wein wird aus zugekauften Weinen zusammengestellt die dem Standard des Hauses entsprechen. Wegen der dunklen Farbe, die schon durch die Flasche hindurch sichtbar war und einigen Schlieren bin ich davon ausgegangen, dass der Wein schon lange tot war. Von Matze schon vorgewarnt, dass der Korken wahrscheinlich eher bröselig wird, habe ich mich dann daran versucht, ihn so vorsichtig wie möglich zu öffnen.

Erster Versuch mit der Korkenspange drückt den Korken 5mm runter Richtung Wein. Fail.

Zweiter Versuch mit Kellnermesser scheint erfolgsversprechender. Langsam kommt der Kork hoch, bricht dann aber bei der Hälfte ab. Weiteres Anwenden des Messers bringt nur Korkkrümel. Matze, du hast recht!

Dritter Versuch: Vakuumpumpe ansetzen und durch Unterdruck den Korken nach oben bewegen. Gewünschtes Ergebnis wird leider nicht erreicht, Korken fällt in den Wein.

Vierter Versuch: 3 dünne Stahlspieße sollen den Korken fixieren und hochziehen. Das funktioniert dann zum Glück, nur ein paar Korkkrümel schwimmen in der Flasche.

Ins Glas gegossen zeigt sich zuerst die braun-goldene Farbe. Tot?
Nase reingehalten: Überraschend starker Karamell mit Butter, leichter Rauch, danach Rosinen mit dunklem Krustenbrot. Etwas gekochter Apfel und zwischendurch ein Hauch von gebackenem Knoblauch, fast Richtung weisser Trüffel.
Der erste Schluck beeindruckt durch eine lang anhaltende, lebendige Säure, leicht kreidig, etwas Apfel und Karamell.

Nach 30 Minuten verliert der Wein etwas im Mund, wirkt kürzer, gehetzt.

Am nächsten Tag setzt die eigentlich erwartete oxidative Note ein. Karamell nur noch im Nachgeschmack, diesmal aber kräftiger als beim ersten mal.

Totgesagte leben länger…

pH: 2.99
Brix: 7.3
Alkohol: Geschätze 12.5 % Vol

2011 Ne fais pas sans blanc – Vin de France – Sylvain Bock

Und wieder mal hat mich wärend des Urlaubs, jetz in Montpellier angekommen, ein Vin Naturel überrascht. Nicht das dass noch zur Gewohnheit wird…

Wir hatten am Tag vorher eine Reservierung für das „Le Ban des Gourmands“ am Place de Carnots getätigt, was relativ gute Bewertungen bei Tripadvisor bekommen hatte. Dann sollte es aber ab Mittag den ganzen Tag in Strömen regnen, so dass ich in Flip-Flops und meine Begleitung in Surfschuhen und Ballerinas im Gepäck das Haus verließen. Nicht ohne durch die tiefe Pfütze waaten zu müssen, die direkt vor dem Hauseingang war.

Der Empfang im Restaurant war sehr freundlich, das Menü auf verschiedenen Tafeln sehr kompliziert, die Tafel mit den Weinen dafür sehr übersichtlich, so 8 Flaschen von jeder Farbe. Das geschulte Auge erblickte sofort den Vin de France, meiner Erinnerung nach für 23€, die freundliche Besitzerin schaute nochmal in ihren Unterlagen nach, um mir dann zu sagen, dass es sich dabei um einen Wein aus Chardonnay und Grenache Blanc handelt, eine wenig gesehene Kombination. Die Flasche wurde bestellt und schon das Etikett deutete stark auf einen Vin Naturel hin, die Zeichnung, der Begriff „artisan vigneron“, auf der Rückseite der Hinweis auf Lagerung von unter 14°C, und dass nur sehr wenig geschwefelt wurde. Neben den 14° Grad, hat der Wein auch noch 14% Vol. Weiterhin stellte sich dabei heraus, dass Monsieur Bock aus dem Nachbardorf von Monsieur Doulmet ( siehe Lot 2011 Pendolina) kommt.

Im Glas irritierte zuerst ein leichter rosa Farbstich. Bei Grenache Gris hätte ich das noch nachvollziehen können, aber nicht beim Blanc.

Wie so oft schon bei Vin Naturels erlebt, erst mal eine leichte Essignote, die sich dann schnell verflüchtigte (Flüchtige Säure…). Danach aber direkt kräftig fruchtig, gekochter Apfel, Rosine und Himbeerkerne.

Im Mund wirkte er voll, mit ausgewogener Säure, gefühlte 5g Restzucker, den Alkoholgehalt von 14% Vol ließ er sich nicht anmerken.

Die Aromen von Apfeltarte mit Rosinen und Vanillecreme (die Begleitung bestand auf Apfelstrudel mit Vanilleeis, aber wir waren ja in Frankreich) verblüfften, erwartete die Zunge jetzt noch die Süße. Alles in allem ein beeindruckender Wein, passte gut zu meinem Fisch, noch besser wohl zu einem leckeren Huhn, aber nicht zu Apfelstrudel mit Vanilleeis, da der Wein ja leider trocken ist. Zum Käse war er ausgezeichnet!

Ach ja, das Essen war gut, vielleicht etwas teuer und etwas Abwechslung bei den Beilagen wäre auch nicht schlecht gewesen, aber es stand ja auch nur ein Koch mit einer Küchenhilfe in der kleinen Küche. Bei den Desserts unbedingt die Variation bestellen, da ist von allem was dabei und man muss sich nicht ärgern, wenn man einen Gâteau Chocolat bestellt und dann 5 kleine Küchlein ohne Soße oder Deko auf einem Teller bekommt.

desseret

Ich bitte die Qualität der Fotos zu entschuldigen, aber meine Smartphone-Kamera kommt im Dunklen ohne Blitz nicht so gut zurecht.