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Frankreich, Deutschland, oder irgendwas dazwischen? Die einzige Apellation in Frankreich, in der Riesling angebaut werden darf, da passen die Elsässer auf wie Schäferhunde. Neben dem Riesling wachsen hier auch fast im Monopol Silvaner, Gewürztraminer. Andere Rebsorten sind Pinot Noir, Blanc und Gris, Auxerrois, Muscat und Savagnin Rosé in der Gegend um Heiligenstein.
Die meisten Weine werden rebsortenrein abgefüllt, es gibt aber auch durchaus Cuvées, die bekanntesten unter dem Namen Edelzwicker vermarktet.

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%

1993 Gewurztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre, Trimbach, Alsace

Und wieder probiere ich einen Gewürztraminer aus dem Elsaß, diesmal von einer alteingesessenen, renommierten Winzerfamilie, den Trimbachs aus Ribeauvillé. Der sind aufmerksame Leser dieses Blogs schon mal hier begegnet. Da aber in der Kategorie Gutsriesling.

Diesmal gehe ich ans andere Ende der Qualitätsleiter, zu einem Gewürztraminer der Stufe Réserve Personnelle. Höher geht es hier bei Gewürztraminer nur noch im Bereich der Dessert-Weine mit der Sélection de Grains Nobles.

Die Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre wird aus Trauben von alten Rebstöcken gekeltert, die auf dem Land der alten Herren von Ribeauvillé, den von Ribeaupierre, wachsen.

Mal sehen, wie sich der Wein nach über 20 Jahren entwickelt hat.

Im Glas zeigt sich die Farbe noch frisch wie am ersten Tag. In der Nase überzeugt er mit Rosenwasser, Grapefruit, Lychee und würzigem Heide-Honig.

Ein erster Schluck umschmeichelt den Gaumen mit Fülle, einer ganz leichten Restsüße und nur milder Säure. Getrocknete Rosenblätter und Rosinen, gefolgt von einem mit anregendem Bitterton akzentuierten, entsäuerten Grapefruit-Saft.

Mit der Zeit verliert der Wein die erst sehr dominante Grapefruit und ersetzt diese durch Bienenwachs, getrocknetem Ingwer, Birnensaft und Piment.

Zuerst fehlt mir die Säure, dieser Mangel wird für mich aber auf unerklärliche Weise durch den Bitterton ausgeglichen.

pH: 3.41

Brix: 7.8

Alkohol: 13 Vol%

Den Vergleich mit den Weinen von Maurice Schmitt braucht man hier nicht anstellen. Der Trimbach zeigt sich kompletter, ausgewogener, besser gealtert. Und das trotz niedrigerer Säure. Eine Flasche liegt noch im Keller, wäre was für 2024.

2012 Perle dans les vignes Riesling & Gewurztraminer, Strasbourg

Vom Titel könnte man eigentlich annehmen, dass heute ein Weißwein aus dem Elsaß probiert wird. Aber weit gefehlt. Elsaß stimmt, aber kein Wein, sondern ein Bier. Gebraut von einem jungen Braumeister mit Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Most von Riesling- und Gewürztraminertrauben vom Winzer Romain Fritsch in Marlenheim. 3/4 Malzmaische und 1/4 Traubenmost in der Flasche refermentiert.

In der Nase feine Hefe, Traubensaft.

Im Mund feiner Schaum, dann Fruchtnoten und leichte Säure gefolgt von einem kräftigen Schlag Bitter. Karamell-Malz, danach kommt Traubensaft durch, leichte Lychee. Langer Trauben-Nachgeschmack.

Definitiv ein Bier, gerne zu einer Paté au Riesling.

pH: 4.04

Brix: 10

Alkohol: 7.7 Vol%

1999 Elsaß Riesling Battle: Trimbach vs Meyer-Fonne

Der Jahrgang 1999 war im Elsaß je nachdem, wo man gerade nachliest, ein schwieriges Jahr: mit gutem Wetter bis Ende September, danach aber Regen bis Mitte Oktober (Berry Bros.), Hagel im August (Trimbach); Befriedigend was Qualität und Quantität angeht: mit gesunden Trauben (Vins Alsace), Guter Jahrgang (wieder Vins Alsace.com), so auch bei Vin Vigne.com – hier ist „Bon“ aber das siebtschlechteste Ergebnis, gerade noch vor „moyen“ und „médiocre“. Irgendwie haben da dann wohl alle Recht.

Das Weingut Trimbach, mit einer Jahresproduktion von über 1 Millionen Flaschen einer der größeren Produzenten des Elsaß aus Ribeauvillé, hat mit dem Clos Ste-Hune und der Cuvée Frederic Emile zwei der größten Rieslinge Frankreichs im Programmm, die den Ruhm des Weinguts schon früh begründeten. Trauben für die normalen Cuvées werden auch dazu gekauft.

Meyer-Fonné hingegen produziert nicht einmal ein Zehntel der Menge von Trimbach, alles aus eigenen Weinbergen. Im Gegensatz zu Trimbach ist das Weingut erst in den letzten 15 Jahren bekannter geworden. In „The Wines of Alsace, das eigentlich alle wichtigen Weingüter bespricht, taucht es noch nicht auf. In „Bettane & Dessauve“ von 2002 sind sie aber schon mit einem Stern vertreten, Trimbach hat hier einen mehr. Beim eigentlichen Nachfolger, dem „Le Guide des meilleurs vins de France“ von 2013 hat sich die Sternenzahl wieder gedreht. Hier führt Meyer-Fonné 2:1.

Kampfgewicht:

Meyer-Fonné mit Cuvée Vignoble de Katzenthal

pH: 2.77

Brix: 6.7

Alkohol: 12.5 %Vol

Trimbach

pH: 2.63

Brix: 6.8

Alkohol: 12 % Vol

Der Herausforderer Meyer-Fonné zeigt sich im Glas direkt um einiges dunkler, der Korken zu einem Drittel durchnässt und mit leichtem Weinstein an diesem.

In der Nase überrascht erst frisch geröstetes Bauernbrot, dann Limette, leichter Honig der stärker wird. Der Brotton nimmt ab. Dafür kommen Pfirsisch, Limette und Honig, das Brot wird dann ersetzt durch Karamell.

Im Mund zeigt er sich relativ voll, gedämpfte Säure. Hier leichter Honig und Bauernbrot, ist aber schon schnell wieder weg um einen Hauch von gekochter Esskastanie zu hinterlassen.

Nach einer halben Stunde werden die Aromen klarer: Butterkaramell, Honig, Ananas-Quitte, Vanille und ein kleines Pfefferminz-Blättchen.

 

Trimbach: Der Korken ist komplett trocken, im Glas definitiv heller als Meyer-Fonné.

Leichter Muff, der schnell verfliegt, dann leichter Honig, etwas Birne, Quitte, getrocknete Ananas. Der Honig wird stärker, dann verschwindet die Frucht, es bleibt etwas kreidige Limette. Im Mund eine sehr gute Säure/Körper-Balance, leichte Quitte, etwas Munster-Käse, sehr süffig.

30 Minuten später Eukalyptus und Limette, Minze und Lakritze

Sieger

Die Balance spricht für Trimbach, die expressive Frucht für Meyer-Fonné. Der Trimbach kann noch etwas liegen, Meyer-Fonné hat jetzt seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Deshalb ein leichter Punktsieg für Meyer-Fonné und Katzenthal

The Wines of Alsace, Tom Stevenson, Faber&Faber, 1993

Dieses Buch ist zwar schon von 1993  aber meiner Meinung nach immer noch das beste Buch über Weine aus dem Elsaß.

Auf fast 600 Seiten wird zuerst die komplexe Geschichte des Elsaß angegangen, aus einer neutralen, englischen Sicht. Ein wichtiges Kapitel beschäftigt sich mit den Faktoren, die den Wein beeinflussen: Terroir, Arbeit im Weingarten, die Arbeit im Keller, selbst die wichtigsten Rebstockunterlagen werden ausreichend erklärt.

Auf fast 80 Seiten werden die einzelnen Weinorte vorgestellt, mal mehr mal weniger ausführlich, je nach vitikultureller Bedeutung.

Auch die 51 Grand Crus haben ihr eigenes Kapitel, die von Stevenson kritisch betrachtet werden, denn seiner Meinung nach ist nicht jeder Grand Cru wirklich ein großes Gewächs und auch nicht unbedingt für alle 4 zugelassenen Rebsorten (Riesling, Gewürztraminer, Muscat, Pinot Gris). So schreibt er über Zotzenberg, dass dieser eigentlich für seinen Silvaner am bekanntesten ist, nur war dieser bis Mai 2005 hier nicht als Grand-Cru-Rebsorte zugelassen.

Etwas kleiner geraten ist das Kapitel über die wichtigsten Einzellagen, die im Elsaß keine so große Bedeutung wie in Deutschland haben.

Die verschiedenen Wein-Stile verdienen auch besondere Aufmerksamkeit: hier werden die verschiedenen Rebsorten vorgestellt und alles, was man beim Weingenuß über sie wissen muß.

Der größte Teil des Buches beschäftigt sich mit den wichtigsten Winzern; dieser Teil ist etwas veraltet. Manche Winzer haben sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht, andere wiederum haben in Weinberg und Keller kräftig hinzugelegt.

Interessant- besonders zur Einordnung von älteren Weinen- ist die ausführliche Bewertung der einzelnen Jahrgänge von 1900 bis 1992, sowie der wichtigsten Weinjahrgänge von 585 (Schlechter Jahrgang) bis 1895 (Großer Jahrgang).

Der Wert des Buches zeigt sich auch bei seinem Preis, ursprünglich 14.99 £ (1993), wird das Buch gebraucht jetzt für zwischen 54€ und 162€ gehandelt (Amazon, 2.Oktober 2013)

Gewürztraminer Battle: Maurice Schmitt Cuvée Particuliere 1990 vs 1995

Region: Elsaß

Ein Alptraum für jeden Sommelier.

Warum? Es gibt keinen Anhaltspunkt ob der Wein Trocken, Halb-Trocken oder Süß ist. Einige Weingüter geben einen kleinen Hinweis, aber die sind noch eine Seltenheit.

Ort : Gertwiller

Laut Tom Stevenson in seinem Werk, The Wines of Alsace, ein Dorf, welches für seinen Gewürztraminer bekannt ist.

Winzer: Maurice Schmitt

Ich würde gerne etwas schreiben, aber leider finde ich nichts, weder in meiner Bibliothek noch im Internet.

Rebsorte: Gewürztraminer

Eine der für Grand Cru Weine im Elsaß zugelassenen Rebsorten. Eher säurearm, dafür aromastark, Rosen, Lychee.

Jahrgang: 1990

Klimatisch bedingte Verrieselung, besonders bei Muskat und Gewürztraminer. Danach langer Sommer.

Jahrgang: 1995

Guter Rieslings-Jahrgang, eher nicht so gut für Gewürztraminer. Hohe Säure.

 

1990 vs 1995

1990:

In der Nase leider leichter Kork-Muff. Lychee, welkende Rose, leichter Kleehonig, der dann dominanter wird.

Im Mund voll, weiche Säure, pfeffriger, bitterer Nachgeschmack, Rose und Trockenfrüchte. Hohe Restsüße, Richtung Spätlese.

pH: 3.33

Brix: 9.1

Alkohol: 14% Vol

1995:

In der Nase Rosenwasser, Vollkornmehlteig, Akazienhonig, leichte Orange. Dann Pfeffer, Pain de Miel, leichte Orange, die dann kräftiger wird.

Im Mund voll, gute Säure, leichter Restzucker. Dominanter Bitterton, der sich ausbreitet und den Gaumen austrocknen lässt. Trockenfrüchte ( Feigen) im Nachgeschmack. Etwas grün.

pH: 3.17

Brix: 7.6

Alkohol: 13% Vol

Ergebnis

Abgesehen vom Kork beim 1990er fühlt er sich ausbalancierter an,  der 1995er ist jedoch um einiges aromatischer, dafür etwas grün. Beide hinterlassen im leeren Glas Raucharomen. Ohne Kork ein wäre es ein klarer 1:0 Sieg für 1990, so nur ein knappes Unentschieden.

Dass der 1990er mit seinen 14% Vol noch einen relativ hohen Restzuckeranteil hat, überrascht. Er hätte auch als Vendange Tardive durchgehen können, da dafür nur ein potentieller Alkoholgehalt von 14.3 Vol% erforderlich ist. Damit wäre er dann auch einfacher als süßer Wein zu bestimmen gewesen, ohne ihn öffnen zu müssen.

1966 Clos du Zahnacker, CV de Ribeauvillé

Das Elsaß ist in Frankreich bekannt für rebsortenreine Weine, besonders für Riesling und Gewürztraminer. Natürlich gibt es auch Cuvées: die meisten sind Pinot & Chardonnay Cuvées als Cremant oder Weine der Kategorie Edelzwicker. Leicht, belanglos, oft mit etwas Restzucker. Einige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bei dem Clos du Zahnacker in Ribeauvillé handelt es sich um einen Weinberg der, von Mauern umfasst, direkt neben dem Grand Cru Weinberg Osterberg liegt. HIer wächst ein gemischter Satz von zu gleichen Teilen Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling. Den Namen erhielt er von Martin Zahn, einem adligen Mönch aus dem zwölften Jahrhundert. Der Jahrgang 1966 gilt im Elsaß als sehr langlebig. Besonders gut gelangen damals Gewürztraminer und Pinot Gris. Der Weinberg gehört seit 1965 zur Cave Cooperative de Ribeauvillé, also der zweite Jahrgang überhaupt. Höchste Zeit, die Flasche zu öffnen.

Der Korken ist noch flexibel mit leichtem Weinstein am unteren Ende.

Im Glas zeigt sich der Wein erstmal Dunkelgold, erstes Anzeichen für fortgeschrittenes Alter.

Eine Riesenüberaschung dann in der Nase: Honig, Lychee, Melone, Aprikose, leichtester Petrol. Jahrgangsgemäß kommen Gewürztraminer und Pinot Gris zum tragen.

Im Mund sehr voll und nur eine dezente Säure, was wieder für die Hauptakteure spricht aber wundern lässt, wie sich der trockene Wein sich so lange lagern ließ. Karamel, getrocknete Aprikose, unreife Melone, Rose, und etwas später dann leichteste Sherry-Oxidativ Noten eingebettet in einen angenehmen Bitterton, der mit dem Karamel harmoniert. Erinnert an einen reif geernteten Viognier. Im Nachgeschmack getrocknete Aprikose, etwas Pfeffer, Lychee und Karamel.

Ein sehr beeindruckender Wein, bestimmt interessant zu einer Tagine von Huhn, Mandel und Aprikose.

pH: 3.26

Brix: 7.5

Alkohol: gefühlte 13 %Vol