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Das Land mit der besten Wein-PR seit Jahrhunderten. Hier werden sie gemacht, die berühmtesten Weine der Welt. Von Burgunder, Bordeaux und Champagner, aber auch noch viele andere.

Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

2013 Mondeuse Blanche, Maison Philippe Grisard, Savoie

Nach dem Aufenthalt bei der Domaine de Mèjane ging die Fahrt weiter Richtung Beaufort, wo die sehr fortschrittliche Cooperative des Ortes einen 24h Käseverkaufsautomaten betreibt und die beim Käsen anfallende Molke zu Energie umwandelt und damit nicht nur die Molkerei betreibt sondern auch ins öffentliche Stromnetz einspeist. Aber das ist eine andere Geschichte…

Denn einen kleinen Zwischenstopp wollte ich vorher unbedingt noch bei der Maison Philippe Grisard in Cruet machen. Denn neben meinem heimlichen Favoriten, der Verdesse, hat der Winzer auch Frühroten Veltliner und die Mondeuse Blanche im Angebot.

Die Mondeuse Blanche, mit ca 5ha in den Savoyen angebaut ist keine Mutation der Mondeuse Noire aber durchaus mit ihr verwandt. Bekannter ist sie aber als Elternteil von Syrah (zusammen mit Dureza, einer fast ausgestorbenen Rebsorte aus der Ardéche).

Drei verschiedene Weine, für die es sich lohnt, zur Domaine zu fahren, dachte ich gab die Adresse ins Navi ein und fuhr los. Erstmal schön Landstraße an Radfahrern vorbei. Dann hieß es rechts einen Berg hoch. Enge Straße, noch war nicht abzusehen, wie weit es noch hoch ging. Bei Gegenverkehr hätte ich auf jeden Fall ein Problem. Panik. Erstmal rechts in eine kleine Gasse rein. Da kam ein netter Herr daher und fragte, wohin wir denn wohl hin wollten. Zum Grisard, Philippe. Kommt man denn dort mit dem Wohnmobil rauf, war dann meine Frage. Ja, da gäbe es einen Parkplatz, kein Problem war die Antwort, auf Deutsch. Mit schweißnassen Händen und viel rangieren ging es dann wieder zurück und rauf auf den Berg an den Augen einiger verwunderter Einheimischer vorbei, bis ich dann endlich den Parkplatz der Domaine sichtete. Zum Glück war auch noch ein Plätzchen frei.

Grisard Parking

Man beachte die relative Höhe zu den Bergen im Hintergrund und den Abhang links unten… den musste ich nachher schräg runterfahren… wieder an den Anwohnern vorbei, die dann belustigt zugesehen und kommentiert haben, wie ich den Weg zurück zur Hauptstraße gesucht habe.

Grisard Weinkeller

Mir war darum erstmal nicht nach Weinprobe zumute, deshalb habe ich von den drei Weinen je 2 Flaschen gekauft.

Um zurück in Deutschland erstmal die Mondeuse auszuprobieren.

Die Flasche ist mit weißem Wachs versiegelt, darunter verbirgt sich ein Noma-Korken.

Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein erst sehr bananig. Frisches Obst und Kaugummi. Relativ voll, ausbalancierte Säure mit gekochter Banane im Mund und langem mineralischem Abgang.

Nach einigem Hin und Her zwischen zwei Weingläsern (Weinglas-Dekantieren) kommt mehr Frucht zum Vorschein. Banane, unreife Aprikose, Jasmin. Im Mund gekochte Banane und Aprikose mit einem interessanten bitter-süß-salzigem Finish.

Am nächsten Tag: Bananenschale, Aprikose, Himbeere und Kirschmarmelade auf Haferbrei mit Honig gesüßt. Eine Stunde später ist die Frucht umgewandelt, jetzt hat man Löwenzahn und Honig in der Nase.

Am Tag darauf Löwenzahn und Aprikose.

Fazit:

Eine interessante Rebsorte, beim nächsten Mal fahre ich zum Weingut mit einem PKW.

Domaine Méjane, Saint Jean de la Porte, Savoie

Der nächste Halt nach dem Cave de Bernin war bei der Domaine Méjane, einem weiteren Teilnehmer bei France Passion. Späteste Ankunftszeit war mit 18:00 Uhr festgelegt, weil dann die letzte Möglichkeit auf eine Verkostung der Weine gegeben war. Leider stimmten die GPS-Daten, die im France Passion Guide angegeben waren, diesmal nicht, man wurde hinter das Haus geführt. Die Wegbeschreibung hingegen stimmte perfekt und so konnten wir gerade noch rechtzeitig unser Wohnmobil abstellen.
Domaine Méjane Wohnmobil unter den Bäumen
Der Stellplatz liegt im Park der Domaine, eine große Rasenfläche mit hohen Bäumen und einigen Unebenheiten. Das ganze Areal ist von einer Mauer umgeben, mit einem Tor, das abends geschlossen wird. Neben der Probierstube gibt es ein WC, welches benutzt werden kann. Vor dem Haus steht ein kleiner Brunnen, aus dem leckeres, klares Wasser fließt.
Domaine Méjane Brunnen
Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt hatten, gingen wir direkt zur Probierstube, um die Weine der Domaine kennenzulernen. Die Weinprobe kostet normalerweise 5€, wird aber bei einem Einkauf ab 30€ erlassen. Dafür werden die Gläser aber auch gut gefüllt. Geschätzte 0.05 Liter. Ein Spucknapf war nicht zu sehen…
Domaine Méjane Tasting An Weißweinen bietet die Domaine Weine der Rebsorten Jacquere, Chardonnay, Roussanne und Altesse an. Von denen habe ich dann nur letztere probiert.

Domaine Méjane Roussette de Savoie 2013
Der einfache Altesse, oder Roussette, wie er hier auch genannt wird, gab einen guten Einstieg. Lindenblüte, Birne, Honig und Haferbrei. Anregende Säure mit weichem Ende. Und das für €5.50.

Domaine Méjane Altesse fût de Chêne
Selbe Rebsorte, diesmal Jahrgang 2012 und im Eichenfass ausgebaut. Dieser Wein kommt mit Orange, Vanille und leichter Eiche in der Nase daher. Leckere Säure, stärkere Eiche im Mund mit langem Trockenfrucht-Apfel-Pfirsisch Nachgeschmack. Mit €6.60 nahezu geschenkt.

An Rotweinreben hat die Domaine Gamay, Pinot Noir, Mondeuse und die seltene Persan im Programm. Gamay und Pinot Noir habe ich übersprungen.

Domaine Méjane Mondeuse St Jean de la Porte 2012
Die Mondeuse 2012 für €6.10 zeigte sich leicht mit mittleren Tanninen und kräftiger Säure. Wald und Rote Beete.

Domaine Méjane Mondeuse Fût de Chêne
Vom Cru St Jean de la Porte kam der nächste Mondeuse, Jahrgang 2010, aus dem Eichenfass. Weich mit roten Früchten, Kakao, Kirsche, Tannine schon gut abgebaut, Eiche im Nachgeschmack. Auch diesmal ist die Eichen-Version nur unwesentlich teurer: €6.70.

Domaine Méjane Persan
Highlight war der Persan 2012: Veilchen, dunkle rote Früchte, Pflaume. Noch jung, mit ausbalancierter Säure und Tanninen. Auch dieser Wein mit €6.70 eher geschenkt. Auf dem Etikett prangt der Wasserspeier vom Brunnen.

Blick von Domaine Méjane
Fazit:
Gute, günstige Weine, ein schöner Wohnmobil-Stellplatz mit brillanter Aussicht. Ich werde wieder kommen.

 

Verdesse, Persan, Étraire de la Dhuy – Cave de Bernin – Côteaux du Grésivaudan

Auf der Suche nach unbekannten Rebsorten muss man in unbekannten Regionen schauen. Eine davon liegt in Frankreich zwischen Grenoble und dem Gebiet des Vin de Savoie AOC, was auch zumindest in Deutschland nicht gerade oft anzutreffen ist. Die Côteaux du Grésivaudan sind Teil des IGP Isère (zusammen mit Balmes Dauphinoises) und haben mit niedrigen Preisen, hohem manuellem Aufwand und höheren Grundstückspreisen zu kämpfen. Dass es diese Weine trotzdem noch gibt, hat man auch der Leidenschaft der Winzer zu verdanken, die die alte Winzer-Tradition hochhalten. Vor allem durch den Anbau von autochthonen Rebsorten, die neben den auch in den benachbarten Savoyen vorkommenden Reben wie Jacquère und Mondeuse Noire ihren Platz beibehalten konnten.

Zu diesen gehören die weiße Verdesse und die roten Rebsorten Persan und Étraire de la Dhuy. Die Verdesse hatte ich vorher schon bei der Domaine des Rutissons probiert und für interessant befunden, mit 2ha in 2008 eine wahre Rarität. Persan und Etraire waren mir noch unbekannt, laut Wine Grapes handelt es sich bei der Etraire um einen Sämling von Persan. 2008 waren nur 6ha bepflanzt. Etwas mehr verbreitet mit 9ha in Frankreich und einigen Winzern im Piedmont ist die Persan-Rebe, in Italien Becuet genannt. Alle drei Rebsorten werden von der kleinen Winzergenossenschaft aus Bernin angebaut und einzeln abgefüllt. Damit sind sie, soweit ich feststellen konnte, die einzigen Winzer, die alle drei Rebsorten anbieten. Ein Grund dort mal vorbeizuschauen.

 

Cave de Bernin

Die Genossenschaft war mit Navi einfach zu finden und mit dem Wohnmobil auch gut zu erreichen, was in den Bergdörfern der Gegend leider nicht selbstverständlich ist. Ein Parkplatz, ein kleiner Verkaufsraum mit eigenen Weinen und Spezialitäten aus der Region wie Walnüsse, Marmeladen und Blick auf die Berge. Was will man mehr! Und das alles zu sehr günstigen Preisen: Flaschenpreise von 2.90€ bis 5€, BiBs sind noch günstiger. Alle Weine sind ohne Jahrgangsangabe. Leider hatte ich keine Zeit zu Probieren, da ich noch schnell weiter Richtung Saint-Jean de la Port zur Domaine de Méjane, unserem nächsten Wohnmobil-Stellplatz wollte.

Verdesse Cave de Bernin

Der erste Wein, Verdesse, zeigt sich hell. In der Nase Granny-Smith-Apfel, Zitronen-Limonade, leichte Seife gefolgt von gekochtem Apfel mit Lavendelhonig, überreifer Ananas und leider mehr als nur einem Hauch von flüchtiger Säure. Im Mund leicht, mit einem langen mineralisch saurem Abgang und Nachgeschmack von getrockneter Apfelschale. Insgesamt kommt der Wein etwas wässrig daher, es fehlt ihm Konzentration.

Am zweiten Tag keine Spur mehr vom Essig, wieder Granny Smith, dann geeiste Ananas, Bananen-Kaugummi, Lavendelhonig, Himbeerbrause und Kreide. Überreife Ananas und Austernpilz im Nachgeschmack.

Etraire de la Dhuy Cave de Bernin

Der zweite Wein, der Etraire de la Dhuy, zeigt sich hell im Glas. In der Nase entfalten sich Gewürznelke, Vanille und Kirsche (saftig und reif, so wie Marmelade). Im Mund leicht, auch nur leichte Tannine mit erfrischender Säure. Auch dieser Wein lässt hier nur erahnen, was aus der Rebsorte gemacht werden könnte, wenn der Ertrag niedrig gehalten wird.

Am nächsten Tag hat sich der Wein nur leicht verändert: Cassis, Kirsche, leicht geräucherter Schinken mit Nelken. Kirsche und Nelke im Nachgeschmack bei leichter Bitternote.

Persan Cave de Bernin

Der dritte Wein und mit 5€ auch der teuerste des ganzen Sortiments ist der Persan.

Von der Farbe etwas intensiver als der Etraire, was jetzt auch nicht so schwierig ist. In der Nase erst einmal eine volle Breitseite Brett (Brettanomyces), Kuhstall. Zum Glück sind diese Aromen im Glas recht schnell verschwunden. Dafür kommen Himbeermarmelade, Hibiskusblüte und Orangenmarmelade mit Safran zum Vorschein. Auch im Mund voller als der Etraire, mit einer ausgewogeneren Säure Pflaumenschale im Abgang.

Am zweiten Tag ist der Einfluss von Brett nicht mehr so stark, eher angenehm. Er verleiht dem Wein jetzt eine Note, die in der Literatur als „foxy“ beschrieben wird. Der Geschmack von Concorde-Trauben-Konfitüre. Im Mund dann knuspriges Vollkornbrot mit eben jener Konfitüre bestrichen, ohne dabei süß zu sein. Die Säure kommt jetzt etwas kräftiger raus. Er bleibt trotzdem für mich der beste der drei Weine.

 

Insgesamt eine interessante Angelegenheit. Komplexe Aromen, leider fehlt es allen etwas an Konzentration, da ist noch Platz nach oben. Ausserdem bis auf die weite Anfahrt extrem kostengünstig.

 

2010 Melonix, J. Landron, Loire

Es war einmal eine Rebsorte Namens Melon, die aus ihrer Heimat, dem Königreich Bhurrgund vertrieben wurde vom bösen Charr’Donnay, der von hier aus weiter sein Unwesen treiben und die ganze Welt erobern sollte. Aber das ist nicht die Geschichte, die heute erzählt werden soll. Ohne Heimat wanderte Melon lange herum, bis sie endlich einen Ort fand, an dem sie sich niederlassen konnte. Dieser lag an einem breiten Fluss, der bald ins große Meer enden würde. Hier konnte sie sich dann entgültig niederlassen, nachdem sie im Kampf gegen den großen Frost die Oberhand gewinnen konnte. Fast drei Jahrhunderte wurde sie hier geschätzt und Kunde von ihrer Größe erreichte auch die fremden Kontinente von A’hsia und Ahm’Erikka. Als Charr’Donnay von diesem hörte, schickte er viele Spione durch die Länder, die gezielt Geschichten unter die Leute brachten, in denen Melon als Schwächling diffamiert wurde. Voller Scham vesteckte sich Melon, bis sie eines Tages vom guten Magier Landron aufgespürt wurde. Dieser sprach ihr Mut zu und gab ihr einen magischen Umhang, mit dem sie nicht mehr als Melon erkannt werden konnte. Er nannte sie Melonix.

Das ist die Geschichte des heutigen Weins, Melonix von Jo Landron als Kitsch-Fantasy-Roman. Ein 20 Jahre alter Melon de Bourgogne Weinberg, biologischer Weinbau, keine zugesetzten Hefen, keine Schwefelung, keine Schönung oder Filtration. Also ein klassischer Fall von vin naturel. Und die Erklärung, warum der Wein nur als Vin de France verkauft werden darf, da er nicht als typischer Muscadet gezählt werden kann.

Gekauft auf der Messe der Unabhängigen Winzer in Lille vor fast 2 Jahren, lag die Flasche seitdem in meinem Weinkeller bei Temperaturen, die im Sommer auch über 20 Grad erreichen können. Dabei wird auf dem Rücketikett extra um Lagerung von unter 14 Grad gebeten.
Melonix RücketikettDeshalb habe ich die Flasche mit etwas Angst geöffnet, diese könnte die Lagerung nicht überstanden haben. Der Korken entpuppt sich als Nomacork-Kunststoff-Korken. Im Glas dann Entwarnung:

Vin naturel-typischer Apfelmost, Zimt, Haferkeks, leichter Honig. Keine flüchtige Säure, kein Stinker. Kräftige Säure kombiniert mit vollmundigem Körper. Apfel, Himbeere, Salbei, Lakritze im Mund. Vollrohrzucker und Pfeffer im Nachgeschmack bei leichter Bitternote. Mit Erwärmung verändern sich die Aromen noch etwas: Tarte Tatin, also Karamell, Butter mit Apfel. Danach Mango, Salbei, Butter, Honig. Mit der Zeit nimmt die Käuternote zu, zum Salbei gesellt sich Geißfuß und Oregano.

Definitiv kein typischer Muscadet, also nichts, was man zu einer Auswahl an Meeresfrüchten servieren sollte. Eher zu einer Poulet a la normande oder einfach Flasche auf und genießen.

Guide des vins en biodynamie 3e édition & Le Guide de l’Altervin

An jährlich erscheinenden Weinführern für den Raum Frankreich haben sich mit der Zeit eine Handvoll durchgesetzt, alle mit dem Ziel, dem Konsumenten bei der Auswahl an Weinen zu helfen. Vom Aufbau und Inhalt sehr ähnlich,  sind „Le Guide des meuilleurs vins de France“, von Frankreichs großer Weinzeitschrift La Revue du von de france herausgegeben und das direkte Konkurrenzprodukt „Le Guide Bettanen & Dessauve des vins de France“, ironischer Weise von den ehemaligen Herausgebern des  Vorgängers von „Le Guide des meuilleurs vins de France“. Die Betonung liegt hier bei den einzelnen Winzern, die mit ihren Weinen vorgestellt werden. Diese gelten allgemein als die besten Winzer in Frankreich. Deshalb sind sich beide Bücher vom Inhalt recht ähnlich. Auch die Neuerscheinungen unterscheiden sich bei den Winzern nicht viel von den älteren Versionen. Einen weinbetonten Ansatz wählt „Le Guide Hachette des Vins“, hier haben auch kleinere, unbekanntere Winzer mit durchwachsenem Sortiment die Chance, zumindest mit einem Wein auf Veröffentlichung. Andere Veröffentlichungen haben es nicht einfach, sich gegen diese Klassiker durchzusetzen. Auch große Namen wie „Gault & Millau“ haben sich deshalb mit ihren eigenen Weinführern nach Jahren zurückgezogen. Deshalb sind neue Weinführer mit neuen Konzepten bei mir gern gesehen.

Das Buch : „Guide des vins en biodynamie“ von Évelyne Malnic herausgegeben, gibt es schon in der dritten Edition. Das Konzept ist einfach: Die besten Weine von zertifiziert biodynamischen Winzern aus Frankreich und der französischsprachigen Schweiz. Ein weiteres Novum ist der önologische Schwerpunkt bei der Weinbeschreibung. Zusätzlich zur geschmacklichen Analyse der Weine gibt es eine ausführliche Beschreibung zu Rebsorte, Terroir, Alter der Reben sowie Arbeit auf dem Weinberg und im Keller. Auch Werte wie Restzucker und Schwefelgehalt werden angegeben. Die Art der Filterung und Schönung. 21 Somelliers aus der Region Normandie haben sich durch 487 Weine von 136 französischen Weingütern getrunken und diese bewertet. Zu den bekannteren Weingütern gehören Château Climens, Marcel Deiss, Domaine Leroy. Für mich unbekannte Winzer waren aber in der Überzahl.

Le Guide de l'Alter-Vin

Das Buch „Le Guide de L’Alter-Vin, 133 vignerons hors du commun“ von Laurent Baraou & Monsieur Septime ist schon im August 2012 erschienen, ist mir aber erst letztes Jahr November in einem großen Buchladen in Lille aufgefallen. Das Buch ist eher eine Sammlung von Portraits außergewöhnlicher Winzer als ein Weinführer. Die Autoren vergleichen die Winzer mit den jungen Künstlern Picasso, Manet, oder Cézanne, deren Werke vom Paris Salon abgelehnt wurden und mit ihren Bildern die Kunst nachhaltig verändert haben.  Viele Anhänger der vin naturels Bewegung gehören zu den portraitierten Winzern. Andere ignorieren Vorgaben der einzelnen AOC Komitees und füllen ihre Weine als Vin de France, Tafelweine, ab. Auch Winzer aus eher ungewöhnlichen Weinregionen wie die Domaine Lelièvre aus Lothringen gehören dazu. Um als Weinführer durchzukommen, stellt jeder Autor noch seinen Lieblingswein des betreffenden Winzers mit einem Satz vor.

Beide Bücher bereichern die französische Weinbuchszene ungemein, hoffentlich wird es weitere jährliche Ausgaben geben.

La Vellavia Bière blonde, Polignac, Auvergne

Auch dieses Jahr ging der große Sommerurlaub wieder nach Frankreich, diesmal mit dem Wohnmobil. Eigentlich auf der Suche nach Wein, aber eine Station wollte ich unbedingt dabei haben, Le Puy en Velay in der Auvergne. Hier kommen die berühmten grünen Linsen her, und die Stadt hat auch ihren ureigenen, fast märchenhaften Charme. Wir hatten uns den Camping de Bouthezard im Stadtteil Aiguilhe wegen der Lage direkt unterhalb der berühmten Felsenkirche St Michel d’Aiguilhe (auch auf dem Etikett des Bieres abgebildet) ausgesucht. Außerdem sprachen noch WiFi, Waschmaschine und Trockner dafür. Die einfachen Nassräume eher nicht.
Als verdientes Ankunftsbier nach Reifenwechsel auf der Autobahn gab es am Kiosk des Campinplatzes „leider“ nur lokales Bier, wie der Platzwart bedauernd feststellte. Einmal ein Linsen-Bier, Perle Verte, wie könnte es auch anders sein, und das La Vellavia blonde aus dem Nachbarort Polignac mit seiner berühmten Festung.
Polignac

Das Perle Verte war süffig, mit einem Hauch Linse im Nachgeschmack. Hätte ich das Etikett nicht gesehen, wahrscheinlich wäre es mir aber nicht aufgefallen.
Perle Verte
Das La Vellavia hingegen zeigte sich schon im Glas von einer eigenen Seite. Orange-Braun. Feine Schaumkrone.
In der Nase getrocknete und gefrorene Mangos, getrockneter Apfel, leichter Cidre. Im Mund getrocknete Mango und Malz kombiniert mit blumigem Hopfen und einem ganz leichten Bitterton zum Finale.
Neben dem guten Wasser aus dem Zentral-Massiv kommt beim Brauen noch eine besondere Zutat hinzu, die das Ergebnis so einzigartig macht. Die uralte Gerstensorte Ponote, die genau wie die Puy-Linse auf dem Hochplateau (600-1200 Meter) um Le Puy angebaut wird. Die Körner sind besonders groß, was im Zusammenhang mit dem Anbau der Linsen Sinn macht. Diese wurden früher nämlich gerne in Mischkultur angebaut. Die Gerste diente dann als Rankhilfe, die größeren Gersten-Körner ließen sich dann auch einfacher von den Linsen trennen. Auch ohne Tauben wie beim Aschenputtel.

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%

Vins étonnants

Wenn man im Internet auf der Suche nach den obskursten Rebsorten ist, dann ist die Chance groß, dass man irgendwann einmal auf die Homepage von Vins étonnants, einem französischen Online-Weinshop stößt. Betrieben wird das Geschäft von Eric Reppert aus seinem Lager in Ambazac im Limousin. Eric spezialisiert sich auf Weine von unbekannten Rebsorten, vins naturels, also einfach Weine, die etwas anders sind. Und davon hat er nicht zu knapp (ca. 500 Referenzen auf Lager). Dies ist ein reiner Internet-Shop, bietet aber die Möglichkeit an, Bestellungen vor Ort abzuholen. Von Köln aus sind es fast 900 km, wenn alles gut läuft knapp 8 Stunden Fahrt. Hinzu kommen noch 32.90€ Maut mit dem PKW. Einfache Strecke. Da kommt was zusammen.
Aber Eric verschickt auch nach Deutschland, und das zu für französische Verhältnisse günstigen Versandkosten. 1-6 Flaschen 16€, 7-12 Flaschen 20€, 13-18 Flaschen 29€…
Ich habe mich schweren Herzens für 12 Flaschen entschieden, am Mittwoch bestellt und per PayPal bezahlt, dann montags per DPD erhalten. Vins naturels würde ich vielleicht nicht unbedingt im Sommer bestellen, da die Transportzeit und vor allem die Temperatur dem Wein nicht gut tut.

Was dann demnächst hier im Blog zu erwarten ist:
– Wurzelechter Chenin Blanc und Bourboulenc
– Die Rebsorten Counouise, Piquepoul Noir, Aramon, Biancu Gentile, Gamay de Bouze, Gamay Teinturier, Grolleau Noir, Verdanel
– Natursüßer Tannat
– Orange Wein von Carignan Blanc
Bourboulenc, Tannat, Grolleau, Verdanel
Gamay de Bouze, Carignan Blanc, Biancu Gentile, Chenin Blanc

Bouzeron A&P. de Villaine Battle 1998 vs 2002 vs 2004

Bouzeron 2004
Dass im Burgund außer Pinot Noir und Chardonnay noch andere Rebsorten angebaut werden, haben wir beim Pinot Gris-Battle gesehen. Zu den bekannteren Rebsorten, die noch angebaut werden, gehören die Gamay noir a jus blanc und die Aligoté-Rebe. Letztere hat im Burgund eine eigene Appellation, die Bourgogne Aligoté AOC. Ihre Weine sind leicht, mit kräftiger Säure und werden hauptsächlich zum Mischen mit Créme de Cassis als Kir verwendet. Eine Sonderstellung hat die Bouzeron AOC, ein kleines Gebiet um das Dorf Bouzeron in der Côte Chalonnaise. Diese Weine sind aus 100% Aligoté, müssen aber seit 1998 nicht mehr den Zusatz Aligoté tragen.
Die ersten Namen, die im Zusammenhang mit Bouzeron auftreten, sind Aubert und Pamela de Villaine, Mitbesitzer der Romanée-Conti. Hier haben sie ihr eigenes Weingut mit Weinen zu zivilen Preisen.
Der Jahrgang 1998, der erste Jahrgang der Bouzeron AOC, gilt für Weißweine als schwierig, da die Weine nicht viel Säure haben, das Reifepotential also eher gering ist. Die Aligoté hat davon ja eher mehr, vielleicht gleicht sich das aus.
Der Jahrgang 2002 hingegen gilt als sehr gutes Weißweinjahr, mit ausreichend Säure und Konzentration.
2004 war der Ertrag durchgehend etwas höher, was niedrigeres Mostgewicht und hohe Säure brachte.

Außer der Reihe kämpft noch ein anderer Aligoté aus dem Burgund mit, der 2002er Vieilles Vignes vom Château du Cary Potet, auch aus der Côte Chalonnaise. Diesen Winzer habe ich auf meiner ersten Weinmesse in Lille kennengelernt.

Let the Battle begin:

1998 Bouzeron, de Villaine:
Schlieren in der Flasche.
Oxi-Nase: Sherry, Sojasauce. Mineralische Säure im Mund, Christstollen mit Rosinen und Marzipan im Abgang.
Im Eisch-Rieslinglas verschwindet die Oxi-Nase. Dafür frischer Koriander mit Wurzel, etwas Mandarine.
pH: 2.81
Brix: 6.2
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Bouzeron, de Villaine:
Frisch aus dem Kühlschrank leichter Champignon und Honig. Erinnert an einen einfachen, jungen Chenin Blanc von der Loire, dann Kreide und gekochter Apfel. Weicher, voller als der 98er, leichter Pfeffer im Abgang.
pH: 2.84
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

2002 Aligoté de Bourgogne Vieilles Vignes, Cary Potet:
Hochwertiger Kunststoffkorken.
Dickmilch mit frischen Trauben. Leichter als der 2002er Bouzeron. Im Mund oxidativ, Soja und Sherry, etwas roher Apfel und Rosine.
pH: 2.83
Brix: 6.4
Alkohol: 12.5 Vol%

2004 Bouzeron, de Villaine:
Leichte Kreide und Apfel, Dill. Im Mund leichter Oxi-Ton. Sonnenblumenöl, Vollkornbrot und getrockneter Apfel im Nachgeschmack. Weicher als der 2002er Bouzeron.
pH: 2.94
Brix: 6.8
Alkohol: 12.5 Vol%

Der 1998er Bouzeron ist leider schon etwas zu alt. Am besten gefällt mir noch der 2002er Bouzeron, der Cary Potet aus dem gleichen Jahrgang zeigt leider nicht die selbe Qualität und ist auch fortgeschrittener. Ob das am Korken liegt? Der 2004er ist jahrgangsgemäß etwas einfacher gebaut. Insgesamt ist Aligoté nicht unbedingt eine Rebsorte die man lange lagern sollte.