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Das Land mit der besten Wein-PR seit Jahrhunderten. Hier werden sie gemacht, die berühmtesten Weine der Welt. Von Burgunder, Bordeaux und Champagner, aber auch noch viele andere.

Battle Vin de Savoie Malvoisie 2011 vs Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot 2010

Im heutigen Battle treten der 2011er Vin de Savoie Malvoisie Cuvée Prestige von der Domaine Grisard gegen den 2010er Vin de Pays de Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot La Mystérieuse vom Vignoble de Flavigny-Alesia gegeneinander an. Die Trauben beider Weine wurden per Hand gelesen, aber das kann ja nicht die Gemeinsamkeit sein, die einen Battle rechtfertigen würde. Ok. Es sind beides Weißweine, aus Frankreich… Beide Winzer sind Mitglied von France-Passion, einer Organisation, bei deren Mitglieder Wohnmobilisten nach Kauf einer Vignette umsonst beim Weingut übernachten können.
Und es sind beides Weine aus der Pinot Gris oder Grauburgunder-Rebe.
In Frankreich hat die Pink-farbene Farbmutation des Pinot Noirs genauso wie sein weißer Gegenpart einen schweren Stand. Die Anbaufläche des Pinot Gris beträgt noch nicht einmal ein Zehntel, die des Pinot Blanc knapp ein Zwanzigstel des Pinot Noir. Beide werden vorwiegend im Elsaß angebaut, wo Pinot Blanc meistens als Zugabe zum Cremant d’Alsace angebaut wird, wogegen der Pinot Gris zu den 4.5 Grand Cru Rebsorten zählt. 4.5 deshalb, weil neben den allgemein zugelassenen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling der Silvaner eine Sonderstellung mit dem Grand Cru Zotzenberg hat. Hier war der Pinot Gris bis zu den Beitrittsverhandlungen Ungarns zur EU als Tokay bekannt, was eher auf einen Re-Import schliessen lässt, als auf ein langsames Ausbreiten von Burgund aus. Ansonsten gibt es noch die Reully AOC, wo Pinot Gris zusammen mit Pinot Noir in die Traubenpresse gelangt und dann als Rosé abgefüllt wird. Im Burgund ist sie zwar offiziell für viele Rotweine zugelassen, wieviel aber davon wirklich in die Eichenfässer findet, dürfte sich stark in Grenzen halten.
Das Gebiet der Coteaux de l’Auxois gehört zwar offiziell zum Burgund, die Weine liegen aber außerhalb der Bourgogne AOC. Anstatt Weinberge kann man hier eher kräftig gebaute Rinder auf grünen Wiesen begutachten. Das Auxois ist eine alte Grafschaft im westlichen Teil des Herzogtums Burgund. Das Weingut Vignoble de Flavigny-Alesia liegt südlich des durch den Film Chocolat mit Johnny Depp und Juliette Binoche bekannt gewordenen Orts Flavigny-sur-Ozerain und auch nicht weit vom geschichtsträchtigen Ort Alesia, an dem Julius Cäsar 52 v. Chr den Galliern die vollständige Niederlage zufügte. Neben dem Grauburgunder werden hier auch Spätburgunder, Chardonnay, Auxerrois und César angebaut. Den Wein habe ich vor zwei Jahren direkt vor Ort erworben. In Anspielung an die Schlacht von Alesia hat die Flasche wohl auch die Form einer Amphore erhalten.
Den Malvoisie von Domaine Grisard habe ich vor einem Jahr in Mens gekauft, wie auch den Verdesse. Zuerst war mir nicht bewusst, dass es sich hier um einen Pinot Gris handelt, ich hatte noch die Hoffnung auf einen seltenen Malvasia bianca di Piemonte. Aber die Domaine Grisard wird schon wissen, was sie vinifiziert, betreibt sie neben dem Weinbau doch auch noch eine pepiniere viticole, eine Rebschule für seltene Rebsorten der Alpen.

Frisch aus dem Kühlschrank:
Vin de Savoie: Birne, leichter Muskat-Ton, Kreide. Weich und halbtrocken.
Coteaux de l’Auxois: leichter Pfirsich, Apfelkitsche, grüne Haselnuss, Rapshonig. Kräftige, anhaltende Säure mit Bitterton.

Zimmertemperatur:
Vin de Savoie: Birne, getrocknete Mango und frische, reife Mango, etwas Bienenwachs. Leichter Pfeffer im Abgang.
Coteaux de l’Auxois: leichter Champignon und Senf. Würzig im Mund, Himbeer-Vinaigrette.

Kombiniert mit:
Vin de Savoie: gebratene Jakobsmuschel
Coteaux de l’Auxois: Plat de Charcuterie

Von der Aromatik gewinnt klar der Malvoisie aus den Savoyen, bei Balance hat der Burgunder knapp die Nase vorn. Insgesamt ist dann der Savoyer knapper Gewinner.

Vin de Savoie:
pH: 3.25
Brix: 7.2
Alkohol: 12.5 Vol%

Coteaux de l’Auxois:
pH: 2.84
Brix: 6.1
Alkohol: 12 Vol%

Nach 2 Tagen im Kühlschrank…
Vin de Savoie:
Williams-Birne, frische und reife Mango, leichte Ananas. Süße kommt stärker raus.

Coteaux de l’Auxois:
Senf, Birne, unreife Mango, leichte Zwiebel. Säurebetont.

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

2011 Verdesse – Domaine des Rutissons – Isère

Wenn man die Weine Frankreichs grob in die bekannten Hauptanbaugebiete Bordeaux, Burgund, Champagne, Elsaß, Languedoc-Roussillon, Loire, Jura, Korsika, Provence, Rhône, Savoyen und Südwesten aufteilt, gibt es immer noch ein paar Weinregionen, die nicht in das Raster passen. Das gilt besonders für die Weine des Départements Isère. Südwestlich der Savoyen grenzt es westlich an die Rhône, die nächste Weinregion im Süden ist die Provence. Von der Landschaft ähnelt es am ehesten den Savoyen, zeigt sich aber kulinarisch eigenständig. Tartiflets, Raclette, Fondue findet man hier weniger, dafür überzeugt die Küche mit leckeren raviols, kleine Teigtaschen gefüllt mit Käse und Petersilie. Das musste ich im letzten September erfahren, auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur zurück nach Deutschland. Als Ziel hatte ich mir die Stadt Mens ausgesucht, aber nicht wegen der schönen Aussicht.
Landschaft um Mens
In dieser kleinen (ca 1200 Einwohner), aber ökologisch sehr engagierten Stadt (große Bio-Messe im September, Samstags-Markt mit hohem Anteil an Bio-Waren, kleine Bio-Brauerei, Gemeinschafts-Gemüsegärten), gibt es einen Weinladen, der sich auf die unbekannten Weine der Alpen spezialisiert hat. Direkt am Marktplatz gelegen war er zwar leicht zu finden, aber an diesem Tag eigentlich geschlossen, wegen Vorbereitung auf die Bio-Messe. Glücklicherweise war aber ein Herr durch ein Fenster im Keller zu sehen, der Kisten ausräumte. Mit Winken konnte ich seine Aufmerksamkeit erreichen und dann auch sein Herz erweichen, mir ein paar Flaschen zu verkaufen.
Eine von diesen ist der 2011er Verdesse der Domaine des Rutissons aus St Vincent de Mercuze. Neben Rebsorten der Nachbarn (Jacquère aus den Savoyen und Viognier von der Rhône) bauen sie auch autochthone Rebsorten an, Etraire de la Dhuy und Verdesse. Die Verdesse-Rebe ist mit 2ha Gesamtanbaufläche in Frankreich (2008) eine eher unbedeutende Rebe. Den Namen hat sie von ihren stark grünen Blättern. Sie gilt als aromatisch und hat deshalb auch das Synonym Verdesse Musquée erhalten, aber es sollen keine Muscat-Aromen sein.

Frisch aus dem Kühlschrank kommen erst einmal Sauerkraut mit Äpfeln, Zwiebeln und Speck hervor. Im Mund überzeugt eine kristallin mineralische Säure, Himbeerbrausepulver im Abgang, Trockenfrüchte und leichter Champignon aus dem Glas im Nachgeschmack. Schnell verschwindet das Sauerkraut und die Himbeerbrause kommt mit gekochtem Apfel, leichtem Räucherspeck etwas Honig und Kreide in die Nase.
Eine wirklich große Entdeckung, ich kann nur hoffen, dass die Verdesse sich gegen Rebsorten wie Chardonnay oder Viognier durchsetzen kann und nicht ausstirbt.

Die raviols gab es am Abend im Café des Arts. In der Nacht, Frieren im Zelt und eine Rückfahrt in den Regen.

pH: 2.9
Brix: 6.4
Alkohol: 12 Vol%

Muscadet Sèvre & Maine aus dem Eichenfass Battle 2000 vs 2010

Zu den leider nicht mehr ganz so salonfähigen Weinen Frankreichs gehört meiner Meinung nach der Muscadet, was sich auch im Preis niederschlägt. Es ist nicht schwer, einen einfachen Wein für 3€, einen guten für 5€ zu erstehen, aber dafür umso schwieriger, mehr als 10€ die Flasche auszugeben.

Die Rebsorte ist die Melon de Bourgogne, die, wie der Name schon sagt, ursprünglich aus dem Burgund kommt, wo sie aber so gut wie nicht mehr angebaut wird. Ein paar Flecken um Vezelay herum lassen sich finden. Früher wurden sie als Bourgogne Grand Ordinaire, jetzt unter dem neuen, wohlklingerenden Namen Coteaux Bourguignons abgefüllt. Sie ergibt frische Weine mit relativ niedrigem Alkoholgehalt, die in Frankreich oft zu einer Plateau de Fruit de Mer gereicht werden. Ein guter palate cleanser, wie der Engländer sagen würde, wo man den Wein etwas häufiger als hier in Deutschland antrifft.
Zwischen 1990 und 2010 ging alleine der Export von 200 000 hl auf 40 000 hl runter. Auch der Konsum im eigenen Land hat horrende Einbußen erlitten. So versuchen die Winzer der Region mit unterschiedlichen Mitteln, interessante Weine aus der nicht mehr populären Rebsorte zu machen. Süße Spätlesen, Schaumweine oder Ausbau im Barrique.

Letzteres betreibt auch der Winzer Sylvain Paquereau. Für 5€ gibt es seinen Muscadet im Holzfass fermentiert und auf den Hefen 9 Monate lang ausgebaut. Kennen gelernt habe ich ihn vor Jahren auf der Weinmesse der unabhängigen Winzer in Lille. Neben den Muscadets produziert er auch einen soliden Cremant aus Pinot Noir und Chardonnay, für den selben Preis.

Battle:

2010: Leichter Granny Smith gefolgt von Honig. Der Apfel wird mit der Zeit stärker. Im Mund relativ voll, gute, nicht aufdringliche Säure. Kokos (da kommt die Eiche zu tragen), dann Vollkornbrot, etwas später Bratapfel mit einem Finnish von Apfelkernen.

pH: 2.80

Brix: 6.1

Alkohol: 12 Vol%

2000: Gekochter Apfel, gesüßt mit Honig und dann mit frischer Sahne übergossen. Das ist mein erster Eindruck. Erinnert mich stark an meine Kindheit. Viele Apfelbäume im Garten. Und wenn sich die Äpfel dann alle zeitgleich entschliessen, der Erdanziehungskraft nachzugeben, ist gekochter Apfelmus mit Sahne eine willkommene Abwechslung.

Vom Mundgefühl her ähnlich wie 2010, Säure etwas dominanter. Schorfiger Apfel, leichte Oxi-Nase. 15 Minuten später wechselt Sahne über zu Sojasauce. Oxidation holt stark auf. Immer noch lecker, aber wahrscheinlich wäre der Wein vor 2 Jahren perfekt gewesen.

pH: 2.88

Brix: 6.2

Alkohol: 12 Vol%

Resumée: Dies war kein richtiger Battle im klassischen Sinne, eher ein Test, ob Muscadet zu Recht in Ungnade gefallen ist. Definitiv eine Chance geben, vor allem bei dem Preis.

 

 

2013 Salon des Vins des Vignerons Indépendants in Lille

Jedes Jahr im November zieht es mich nach Lille, die nördliche Metropole in Frankreich. An der belgischen Grenze gelegen ist der flämische Einfluss sehr groß, was vor allem die Esskultur betrifft. Das Wetter im November ist eher nass und kalt, Wein wächst hier keiner, warum also den weiten Weg auf sich nehmen? Weil Mitte November hier die Weinmesse der unabhängigen Winzer Frankreichs statt findet. Die vignerons independants sind ein Zusammenschluss von Winzern, die in ihren Statuten aufgenommen haben, ihre eigenen Weinberge zu bearbeiten, den Wein selbst zu vinifizieren, ihn selbst abzufüllen und schließlich zu vermarkten, so dass die totale Kontrolle über die eigene Produktion gegeben ist.
Mit knapp 600 verschiedenen Winzern aus ganz Frankreich, darunter aber auch Destilleure, hat man eine Mammutaufgabe vor sich, will man alle durchprobieren. Und das ist ja auch Sinn und Zweck der Veranstaltung. Nach Bezahlen des Eintritts (es sei denn man hat eine Einladung durch einen Winzer) erhält man ein Probier-Glas und kann sich durch alle Weine der Aussteller durchprobieren.
Dieses Jahr war die Messe von Freitag bis Montag, also theoretisch 4 Tage, die man sich gut einteilen kann. Freitag und Montag sind meistens eher ruhiger, ab Samstag Abend kann es aber schon vorkommen, dass der eine oder andere Wein schon ausverkauft ist. Bei manchen Winzern kann man diesen vielleicht wenigstens noch probieren und dann vor Ort bestellen, wenn man in Frankreich wohnt, da die wenigsten direkt ins Ausland exportieren.
Ich selbst war nur Freitag und Samstag auf der Messe, Freitag Weiß, Samstag Rot.
Hier eine kleine Auswahl an Weinen die mir besonders aufgefallen sind:

Domaine Petillat mit einem St Pourçain aus 60% Chardonnay und 40% Tressallier. 2011. Lecker mineralische Säure, kreidiger Apfel.

Vignoble des Bois Vaudons von der Loire mit einem 100% Menu Pineau, der 2009er Boa Moa. Honig und Bratapfel, erinnert an Chenin Blanc, aber mit milderer Säure. Später rauchig.
Sauvignon Blanc oxidativ ausgebaut nach Art von vin jaune aus dem Jura.
2000er Tu le Boa. Apfel, Rosine, leichter Curry. Etwas Restsüße mit langem Nachhall.

Le Domaine du Moulin aus dem Gaillac.
2011er Muscadelle VV. Ein spät gelesener Muscadelle, Süße geht Richtung Spätlese, Bienenwachs und Mirabellen.
2011er Gaillac Sec VV. 90% Sauvignon Blanc, 10% Loin de l’oeil, im Eichenfass ausgebaut. Schinkenkruste und Orange. Kräftige Säure, voll. Lange im Mund.
Methode Ancestrale Brut. 50% Mauzac Blanc, 50% Mauzac Rosé. Apfel und gekochter Sellerie in der Nase, noch apfeliger im Mund.
Die Weine aus Gaillac gibt es übrigens auch in Köln zu erwerben…

Château de Plaisance aus Chaume an der Loire.
2011er Le Clos, Savennieres. Trockener Chenin Blanc. Quitte, Bananenkaugummi, Honig in der Nase, Kräuter (Thymian, Rosmarin, Minze) im Mund.
2011er L’Insolent de Chaume. Ein trocken ausgebauter Chaume, wo eigentlich nur Süßweine zugelassen sind. Honig, Quitte. Im Mund voller als Le Clos, aber nicht so aromatisch bei leichtem Bitterton.
Cremant de Loire Brut. 50% Chardonnay, 50% Chenin Blanc. Leichte Quitte in der Nase, im Mund gebratenes Hähnchen mit Apfel gefüllt.

Patrice Colin von der Loire, Coteaux du Vendômois, der mit besonders alten Rebstöcken gesegnet ist.
2012er Vieilles Vignes blanc. 100% Chenin Blanc, 50-80 Jahre alte Rebstöcke. Duftiger Apfel, im Mund Sellerie. Kräftige Säure.
2011er Emile Colin rouge. 100% Pineau d’Aunis, gepflanzt in den Jahren 1898 und 1920 vom namensgebenden Urgroßvater. Rote Beete, Möhren, Sellerieknolle.

Château du Breuil von der Loire. Einer der wenigen Winzer, die dem Grolleau Noir eine Chance geben und ihn extra neu angepflanzt haben.
2012er Grolleau, IGP Val de Loire. Erst der zweite Jahrgang. Rote Beete, Erdbeere. Riecht süß, kaum Tannine, Pfeffer im Nachgeschmack. Der sonst eher hohe Ertrag des Grolleau wir durch pflanzen auf magerem Boden und Grünlese stark reduziert.

Domaine Mathieu aus Châteauneuf-du-Pape.
2010er Anselme Mathieu rouge. Grenache dominanter Wein mit allen 13 zugelassenen Rebsorten, gepflanzt in den Jahren 1890 und 1892. Noch etwas verschlossen. Süß, leichter Tabak, Cassis. Kräftigste Tannine.

Domaine Vodanis, Vouvray, Loire. Liehabern von Domaine Huet dürfte Vodanis ein Begriff sein, gehörten die Weinberge bis 2007 doch zum Weingut, bevor sie von den jungen Winzern Francois Gilet und Nicolas Darracq übernommen wurden.
2010er Vouvray sec. Grüne Mandel, Honig. Etwas grüne Säure, kreidig
2009er Vouvray sec. Apfel, Kerbel, Lindenblüte, leckere Säure, etwas Nori-Alge im Nachgeschmack.

Domaine le Fort aus dem Languedoc mit einer grossen Auswahl an Rebsorten-reinen IGP Oc-Weinen, unter anderem Riesling und Gewürztraminer.

Domaine de la Charrière von der Loir (sic).
2008er Duo Majeur, Jasnieres. 100% Chenin Blanc. Nach normalem Ausbau im grossen Kastanienholzfass 2 Jahre in Eiche. Quitte, saurer Bonbon im Mund. Wirkt süß, hat aber nur 4g Restzucker.
2010er Pineau d’Aunis. Sehr hell. Kiefernwald mit weichem Nadelbett. Kräftige Säure, kaum Tannine.
2011er Pineau d’Aunis. Kräftiger als 2010. Kiefernwald und Rote Beete.

Einen leichten Hang zur Loire kann ich hier nicht abstreiten, was mir noch alles entgangen ist, kann ich nur erahnen.

 

1970 Maison Leroy, Meursault Blanc

Angeregt vom Bericht über Domaine Leroy im Blog von Chez Matze habe ich den 1970er Meursault blanc der Maison Leroy, also dem Weinhaus des Weingutes probiert. Der Wein wird aus zugekauften Weinen zusammengestellt die dem Standard des Hauses entsprechen. Wegen der dunklen Farbe, die schon durch die Flasche hindurch sichtbar war und einigen Schlieren bin ich davon ausgegangen, dass der Wein schon lange tot war. Von Matze schon vorgewarnt, dass der Korken wahrscheinlich eher bröselig wird, habe ich mich dann daran versucht, ihn so vorsichtig wie möglich zu öffnen.

Erster Versuch mit der Korkenspange drückt den Korken 5mm runter Richtung Wein. Fail.

Zweiter Versuch mit Kellnermesser scheint erfolgsversprechender. Langsam kommt der Kork hoch, bricht dann aber bei der Hälfte ab. Weiteres Anwenden des Messers bringt nur Korkkrümel. Matze, du hast recht!

Dritter Versuch: Vakuumpumpe ansetzen und durch Unterdruck den Korken nach oben bewegen. Gewünschtes Ergebnis wird leider nicht erreicht, Korken fällt in den Wein.

Vierter Versuch: 3 dünne Stahlspieße sollen den Korken fixieren und hochziehen. Das funktioniert dann zum Glück, nur ein paar Korkkrümel schwimmen in der Flasche.

Ins Glas gegossen zeigt sich zuerst die braun-goldene Farbe. Tot?
Nase reingehalten: Überraschend starker Karamell mit Butter, leichter Rauch, danach Rosinen mit dunklem Krustenbrot. Etwas gekochter Apfel und zwischendurch ein Hauch von gebackenem Knoblauch, fast Richtung weisser Trüffel.
Der erste Schluck beeindruckt durch eine lang anhaltende, lebendige Säure, leicht kreidig, etwas Apfel und Karamell.

Nach 30 Minuten verliert der Wein etwas im Mund, wirkt kürzer, gehetzt.

Am nächsten Tag setzt die eigentlich erwartete oxidative Note ein. Karamell nur noch im Nachgeschmack, diesmal aber kräftiger als beim ersten mal.

Totgesagte leben länger…

pH: 2.99
Brix: 7.3
Alkohol: Geschätze 12.5 % Vol

1990 Decembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscasse

Nach einer kleineren Pause geht es dafür nahtlos mit dem letzten Post weiter, diesmal mit der Krönung der Süßweine von Alain Brumont, dem Decembre. Auch dieser Wein hat eine Namensänderung mitgemacht und heißt heute Frimaire. Diese Cuvée wird nur in den besten Jahren produziert und in neuen Eichenfässern ausgebaut. Der letzte Jahrgang wird von Brumont mit 2001 angegeben. Im Internet sind auch keine nachfolgenden Jahrgänge zu finden, was etwas verwundert, da 2005 als der beste Jahrgang überhaupt gilt. Wahrscheinlich rechnet sich der Wein finanziell nicht, aber das selbe Problem scheinen ja auch andere Winzer zu haben: Man denke da an Müller-Catoir mit seinem Rieslaner oder Huet aus Vouvray.

Der Korken sitzt sehr leicht, ist mit zwei Fingern rauszuziehen aber sonst noch sehr stabil. Nur das untere Viertel ist etwas aufgeweicht.

Im Glas zeigt sich die dunkle, schon reifere Farbe. Erste Nase gibt Birne, Ananas, Honig auf Butterbrioche, leichter weißer Trüffel, etwas Pinienkern.

Ananastarte mit karamelisierten Pinienkernen nach einem Teller mit getrüffelter Pasta, dessen Duft noch im Raum schwebt.

Ein Schluck zeigt zuerst die konzentrierte Säure und Süße auf. Kräftig karamelisierte Ananas mit entsprechender Bitternote.

Mit weiterem Erwärmen im Glas kommen jetzt noch Vanille und qualmender Autoreifen zur Ananas, dazu Koriandersaat. Im Mund noch schorfiger, überreifer Apfel (Tannine), danach Rosinen und der Eindruck von geschwefelten Trockenfrüchten.

Interessanterweise offenbart der letzte Tropfen im Glas Aromen von Ananas-Quitte, Rosenblättern und getrockneter Aprikose. Also durchaus noch weiteres Lagerungspotential.

pH: 2.96
Brix: 13.6
Alkohol: 14 % Vol

1990 Novembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscassé

Nach dem überaus erfolgreichen Tasting vom 1996er Pacherenc du Vic Bilh sec von Alain Brumont, gibt es diesmal einen Süßwein vom selben Winzer.  Wie im Jurançon auch werden in Pacherenc Süßweine eher durch langes Reifen am Stock als durch Einfluss von Botrytis geschaffen. Qualitativ orientierte Winzer nehmen für ihre besten Cuvées hauptsächlich Petit Manseng, während sonst gerne der ertragreichere Verwandte Gros Manseng genommen wird. Jahrgang 1990, mit 1988 und 2005 einer der besten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, war im Herbst von Föhn geprägt, der die Trauben trocknen ließ. Dadurch wurden Zucker, aber auch Säure, konzentriert und intensive Weine ermöglicht.

Die Cuvée Novembre von Alain Brumont ist aus 100 % Petit Manseng und, wie der Name schon andeutet, erst im November geerntet worden. Im Laufe der Zeit wurde die Cuvée umbenannt, spätestens ab 1997 heißt sie Brumaire, nach dem französischen Revolutionskalender (22. Oktober bis 20. November). Dass durch diese Umbenennung jetzt 9 Tage früher geerntet werden kann, wird hoffentlich nicht der Grund gewesen sein.

Aber jetzt zur Flasche: Der Korken ist durchnässt, aber immer noch stabil.

Im Glas zeigt sich der Wein mit einer dunkel-orangenen Farbe.

Frisch aus dem Kühlschrank: Duft von Apfel, überreifer Ananas und Vanille, dann getrocknete Birne, dazu Honig und etwas getrockneter Feige strömen in die Nase. Der Wein ist voll, Säure wird erst gedämpft, kommt beim Schlucken länger durch. Süße vergleichbar mit einer guten Riesling-Auslese. Im Mund karamelisierte Ananas, gefolgt von Karamel, dann gekochte Maronen, zum Schluss leichter, frischer Wiesenchampignon.

Mit dem Erwärmen im Glas zeigen sich Aromen von getrockneter und überreifer Ananas, getrockneter Birne, Honig, Zimt, Vanille, Rosinen und getrockneter Pfirsich. Im Mund leichte Hühnerbrühe, Karamell, getrocknete Birne. Eine irre Kombination, aber lecker!

Ich denke, der Wein wird noch einige Jahre lagern können. Ob er aber noch besser wird, da habe ich meine Zweifel.

pH: 2.94

Brix: 11.5

Alkohol: 14% Vol

1998 Languedoc Battle: Prieure de Saint-Jean de Bebian vs Puech-Haut Tête de Cuvée

Der Jahrgang 1998 gilt im Languedoc als der beste des letzten Jahrhunderts. Es gab zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall genug Winzer, die mit ihren Qualitätsansprüchen diesen Punkt unterstreichen konnten. Zwei davon treten heute zu einem Battle an: Die Top-Cuvées von Prieure de Saint-Jean de Bebian und Château Puech-Haut mit der Tête de Cuvée.
Prieure de Saint-Jean de Bebian legt besonderen Wert auf gutes Pflanzenmaterial und hat sich deshalb Ableger von verschiedenen Top-Weingütern besorgt: Syrah von Chave und Beaucastel, Mourvedre von der Domaine Tempier in Bandol, Grenache und eine komplette Parzelle mit den restlichen zugelassenen Rebsorten für Châteauneuf-du-Pape vom Château Rayas. Etwas Cabernet wächst dort auch noch.
Château Puech-Haut belässt es einfach: Grenache, Syrah und alter Carignan, die klassischen Languedoc-Reben.
Beide Weine habe ich in einem Weinfachgeschäft in Lille erstanden, als ich dort noch gelebt habe. Das Au Gré du Vin in der Rue Péterinck 20 in der Altstadt wurde im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil meines sonntäglichen Rituals. Erst zum Marktplatz am Place du Concert mit den leckeren Poulet Rôties und Saucissons secs, danach ins Au Gré du Vin. Die Auswahl der Weine war auf den Südwesten Frankreichs und Languedoc-Roussillon „beschränkt“, für mich damals alles noch böhmische Dörfer aber ich wurde vom Besitzer Paul Sirvent immer gut beraten.

Im hinteren Teil des Ladens gibt es auch noch eine kleine Weinbar, die ich zu meiner Schande nie aufgesucht habe… Sonntags nach dem Markt war es da immer sehr voll.

Flaschen auf und eingegossen: Sehr dunkel, der Bebian noch mehr als der Puech-Haut. Ich denke, das wird ein langer Kampf.

Die Maße:

Puech-Haut:

pH: 3.23

Brix: 7.7

Alkohol: 13.5

Bebian:

pH: 3.30

Brix: 7.8

Alkohol: 14 % Vol

1. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, dann leichtes Sauerkraut. Erste Reaktion: ein leichtes Zusammenzucken, dann aber schnell Hefe-Vollkornbrot mit Pflaumenmus. Relativ voll, leichte Säurewelle, gefolgt von seichten Tanninausläufern. Im Mund Pflaumenmus, gefolgt von Pflaumenschale und etwas pfeffrigem Olivenöl.

Bebian: Zuerst leichte flüchtige Säure, dahinter versteckt sich rote Grütze mit Brombeere, Kirsche, Vanille, leichte Pflaume, dazu dunkler Dinkelstreusel mit schwarzem Pfeffer. Im Mund zuerst Alkohol (immerhin 14% Vol), dann Säurepfeil hinter dem ein schmaler, roter Tannin-Teppich ausgerollt wird. Brombeere und Kirsche im Nachgeschmack.

Dekantieren von Glas zu Glas:

Puech-Haut: Sojasauce wird stärker, kombiniert zwar mit Pflaumenmus, die Frucht wird aber vom Oxi-Ton bedrängt. Im Mund verliert sich die Sojasauce, die Pflaume wird schwächer und tendiert von Mus eher hin zur Rohware.

Bebian: Lecker süße Brombeerfruchtschnitten aus dem Bioladen mit hohem Anteil an gerösteten Haselnüssen und etwas Kakao, reife Kirsche. Die Säure kommt nicht mehr so stark rüber, dafür ist der Tannin-Teppich jetzt breiter, mit bitterer Kirschhaut und endet mit Zwetschgen.

Tag 1, klarer Punkt für Bebian.

2. Tag

Puech-Haut: Nuss (geröstete Mandel), Pflaume, Sojasauce, Brombeere. Im Mund Pflaumensaft mit leichter Brombeere, Nachgeschmack von weißem Pfeffer und Zwetschge.

Bebian: Kiefer, Brombeere, geröstete Haselnuss, Kakao, undurchdringlich, dunkler Wald.

Tag 2: Puech Haut kann ausgleichen

3. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, leichter Port. Tannine kaum da. Puech schmeisst das Handtuch in den Ring.

Bebian: Immer noch kräftige Tannine, Frucht nicht mehr klar definiert. Erinnert momentan eher an einen jungen, kräftigen Côtes du Rhône. Im Nachgeschmack etwas krautig (Rosmarin & Salbei) bei leichter Pflaume.

4. Tag

Bebian: Brombeere, frisch gemahlener Kaffee, Kirsche

5. Tag

Bebian: Gemahlener Kaffee, Kirsche, leichtes Leder, Pflaumennachgeschmack.

6. Tag

Bebian: Saftige Kirsche & Espresso. Schokolade, Vanille, leichter Tabak. Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee. Im Mund kräftige Kirsche, etwas Schokolade, leichte frische Minze im Nachgeschmack.

7. Tag

Bebian: Leichte Oxi-Note. Kirsche abgeschwächt. Etwas rohes Rind. Im Mund etwas Vollkornbrot, Leder, noch immer kräftige Tannine.

Klarer Gesamtsieg für den Bebian. Der zeigt sich jetzt noch mit Potential für weitere Jahre, während der Puech-Haut vielleicht vor 2 bis 3 Jahren besser gewesen wäre.

 

1996 Pacherenc du Vic-Bilh sec – Château Bouscasse

Zu diesem Wein kommen bei mir alte Erinnerungen hoch, als ich 2001/2002 in Lille in der Küche eines japanischen Restaurants gearbeitet und in meiner Freizeit die Weingeschäfte der Stadt unsicher gemacht habe. Eine meiner ersten Anlaufstellen war die Petit Caveau Sainte Catherine auf der Rue de la Barre in der Altstadt. Im Schaufenster standen Weinflaschen von der Loire und vom Jura, drinnen viele Regale voller liegender, wild gestapelter Weine. Was wo liegt,  wusste der Besitzer, aber es klebten auch überall kleine handschriftliche Aufkleber auf den Regalen. Hier erstand ich damals den heutigen Wein für 50 FF, ein Pacherenc du Vic-Bilh sec von Alain Brumont, dem wahrscheinlich berühmtesten Winzer aus Madiran, im Südwesten Frankreichs. Die Weine, die seine Reputation gefördert haben sind eher rot, von der Tannat-Rebe, aber er produziert auch Weißweine in trocken und in süß. Die Süßen aus überreifen Petit Manseng-Trauben und die Trockenen aus viel Petit Courbu und wenig Petit Manseng.

Beides sind autochtone Rebsorten aus den Pyrenäen, mit kräftiger Säure. Petit Courbu soll eher floral schmecken und wird kaum noch angebaut, Petit Manseng hat oft etwas von Ananas und Mango, besonders wenn er süß ausgebaut wurde und hat es schon weit geschafft. Unter anderem wird er in Virginia/USA in der Schweiz und auch in Südtirol (Manincor) angebaut.

In meiner Verkostungsnotiz vom 8.9.2001 schreibe ich kurz: Vollkornbrot, Zwiebelhände, kräftige Säure, relativ voll, langer Säureabgang. Pfeffriger Nachgeschmack, leichte Eiche, später frischer Birnensaft.

Trotz der Zwiebelhände habe ich mir damals noch eine zweite Flasche gekauft, sie im Weinkeller gehegt und gepflegt um dann zwölf Jahre später zu schauen, was sich getan hat.

Frisch aus dem Kühlschrank: Vollkorn, leichte, gekochte Birne mit Vanille pochiert, leichter, gekochter Pfirsisch, Süßholz.

Im Mund voll, leckere Säure, die noch lange nachbitzelt. Birnenjoghurt gefolgt von unreifen Pfirsichen mit hohem Schalenanteil, kurzes Aufblitzen von Honig. Ein feiner Bitterton nach dem langen Säure-Finnish.

Nach einer halben Stunde verändert sich das Bild im Glas noch einmal komplett:

Getrocknete Ananas und Birne mit leichter, überreifer Zitrone.

Nach 45 Minuten:

Unreife Mango, weiße Schokolade, leichter Karamell

Nach einer Stunde:

Buttrige Mango-Emulsion mit Vanille und getrockneten Ananasstückchen neben einem dampfenden Kamille-Tee.

Keine Spur mehr von den Zwiebelhänden, die Wandlung vom eher würzigen Weißwein zur extrem komplexen Fruchtbombe ist mehr als geglückt. Leider mal wieder die letzte Flasche.

Aber es gibt ja noch den 1998er Jahrgang. Auch zu dem gibt es eine Notiz von 2001, diesmal als halbe Flasche…

 

pH: 2.94

Brix: 6.8

Alkohol: 13% Vol