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Zwischen Bordeaux und der spanischen Grenze, Teils in den Pyrenäeen ist dieses große Gebiet für einige der interessanten autochtonen Rebsorten in Frankreich berühmt. So wächst hier der seinem Namen alle Ehre machende Tannat oder Petit Manseng, eine weiße Rebsorte mit höchstem Potenzial.

1990 Decembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscasse

Nach einer kleineren Pause geht es dafür nahtlos mit dem letzten Post weiter, diesmal mit der Krönung der Süßweine von Alain Brumont, dem Decembre. Auch dieser Wein hat eine Namensänderung mitgemacht und heißt heute Frimaire. Diese Cuvée wird nur in den besten Jahren produziert und in neuen Eichenfässern ausgebaut. Der letzte Jahrgang wird von Brumont mit 2001 angegeben. Im Internet sind auch keine nachfolgenden Jahrgänge zu finden, was etwas verwundert, da 2005 als der beste Jahrgang überhaupt gilt. Wahrscheinlich rechnet sich der Wein finanziell nicht, aber das selbe Problem scheinen ja auch andere Winzer zu haben: Man denke da an Müller-Catoir mit seinem Rieslaner oder Huet aus Vouvray.

Der Korken sitzt sehr leicht, ist mit zwei Fingern rauszuziehen aber sonst noch sehr stabil. Nur das untere Viertel ist etwas aufgeweicht.

Im Glas zeigt sich die dunkle, schon reifere Farbe. Erste Nase gibt Birne, Ananas, Honig auf Butterbrioche, leichter weißer Trüffel, etwas Pinienkern.

Ananastarte mit karamelisierten Pinienkernen nach einem Teller mit getrüffelter Pasta, dessen Duft noch im Raum schwebt.

Ein Schluck zeigt zuerst die konzentrierte Säure und Süße auf. Kräftig karamelisierte Ananas mit entsprechender Bitternote.

Mit weiterem Erwärmen im Glas kommen jetzt noch Vanille und qualmender Autoreifen zur Ananas, dazu Koriandersaat. Im Mund noch schorfiger, überreifer Apfel (Tannine), danach Rosinen und der Eindruck von geschwefelten Trockenfrüchten.

Interessanterweise offenbart der letzte Tropfen im Glas Aromen von Ananas-Quitte, Rosenblättern und getrockneter Aprikose. Also durchaus noch weiteres Lagerungspotential.

pH: 2.96
Brix: 13.6
Alkohol: 14 % Vol

1990 Novembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscassé

Nach dem überaus erfolgreichen Tasting vom 1996er Pacherenc du Vic Bilh sec von Alain Brumont, gibt es diesmal einen Süßwein vom selben Winzer.  Wie im Jurançon auch werden in Pacherenc Süßweine eher durch langes Reifen am Stock als durch Einfluss von Botrytis geschaffen. Qualitativ orientierte Winzer nehmen für ihre besten Cuvées hauptsächlich Petit Manseng, während sonst gerne der ertragreichere Verwandte Gros Manseng genommen wird. Jahrgang 1990, mit 1988 und 2005 einer der besten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, war im Herbst von Föhn geprägt, der die Trauben trocknen ließ. Dadurch wurden Zucker, aber auch Säure, konzentriert und intensive Weine ermöglicht.

Die Cuvée Novembre von Alain Brumont ist aus 100 % Petit Manseng und, wie der Name schon andeutet, erst im November geerntet worden. Im Laufe der Zeit wurde die Cuvée umbenannt, spätestens ab 1997 heißt sie Brumaire, nach dem französischen Revolutionskalender (22. Oktober bis 20. November). Dass durch diese Umbenennung jetzt 9 Tage früher geerntet werden kann, wird hoffentlich nicht der Grund gewesen sein.

Aber jetzt zur Flasche: Der Korken ist durchnässt, aber immer noch stabil.

Im Glas zeigt sich der Wein mit einer dunkel-orangenen Farbe.

Frisch aus dem Kühlschrank: Duft von Apfel, überreifer Ananas und Vanille, dann getrocknete Birne, dazu Honig und etwas getrockneter Feige strömen in die Nase. Der Wein ist voll, Säure wird erst gedämpft, kommt beim Schlucken länger durch. Süße vergleichbar mit einer guten Riesling-Auslese. Im Mund karamelisierte Ananas, gefolgt von Karamel, dann gekochte Maronen, zum Schluss leichter, frischer Wiesenchampignon.

Mit dem Erwärmen im Glas zeigen sich Aromen von getrockneter und überreifer Ananas, getrockneter Birne, Honig, Zimt, Vanille, Rosinen und getrockneter Pfirsich. Im Mund leichte Hühnerbrühe, Karamell, getrocknete Birne. Eine irre Kombination, aber lecker!

Ich denke, der Wein wird noch einige Jahre lagern können. Ob er aber noch besser wird, da habe ich meine Zweifel.

pH: 2.94

Brix: 11.5

Alkohol: 14% Vol

1996 Pacherenc du Vic-Bilh sec – Château Bouscasse

Zu diesem Wein kommen bei mir alte Erinnerungen hoch, als ich 2001/2002 in Lille in der Küche eines japanischen Restaurants gearbeitet und in meiner Freizeit die Weingeschäfte der Stadt unsicher gemacht habe. Eine meiner ersten Anlaufstellen war die Petit Caveau Sainte Catherine auf der Rue de la Barre in der Altstadt. Im Schaufenster standen Weinflaschen von der Loire und vom Jura, drinnen viele Regale voller liegender, wild gestapelter Weine. Was wo liegt,  wusste der Besitzer, aber es klebten auch überall kleine handschriftliche Aufkleber auf den Regalen. Hier erstand ich damals den heutigen Wein für 50 FF, ein Pacherenc du Vic-Bilh sec von Alain Brumont, dem wahrscheinlich berühmtesten Winzer aus Madiran, im Südwesten Frankreichs. Die Weine, die seine Reputation gefördert haben sind eher rot, von der Tannat-Rebe, aber er produziert auch Weißweine in trocken und in süß. Die Süßen aus überreifen Petit Manseng-Trauben und die Trockenen aus viel Petit Courbu und wenig Petit Manseng.

Beides sind autochtone Rebsorten aus den Pyrenäen, mit kräftiger Säure. Petit Courbu soll eher floral schmecken und wird kaum noch angebaut, Petit Manseng hat oft etwas von Ananas und Mango, besonders wenn er süß ausgebaut wurde und hat es schon weit geschafft. Unter anderem wird er in Virginia/USA in der Schweiz und auch in Südtirol (Manincor) angebaut.

In meiner Verkostungsnotiz vom 8.9.2001 schreibe ich kurz: Vollkornbrot, Zwiebelhände, kräftige Säure, relativ voll, langer Säureabgang. Pfeffriger Nachgeschmack, leichte Eiche, später frischer Birnensaft.

Trotz der Zwiebelhände habe ich mir damals noch eine zweite Flasche gekauft, sie im Weinkeller gehegt und gepflegt um dann zwölf Jahre später zu schauen, was sich getan hat.

Frisch aus dem Kühlschrank: Vollkorn, leichte, gekochte Birne mit Vanille pochiert, leichter, gekochter Pfirsisch, Süßholz.

Im Mund voll, leckere Säure, die noch lange nachbitzelt. Birnenjoghurt gefolgt von unreifen Pfirsichen mit hohem Schalenanteil, kurzes Aufblitzen von Honig. Ein feiner Bitterton nach dem langen Säure-Finnish.

Nach einer halben Stunde verändert sich das Bild im Glas noch einmal komplett:

Getrocknete Ananas und Birne mit leichter, überreifer Zitrone.

Nach 45 Minuten:

Unreife Mango, weiße Schokolade, leichter Karamell

Nach einer Stunde:

Buttrige Mango-Emulsion mit Vanille und getrockneten Ananasstückchen neben einem dampfenden Kamille-Tee.

Keine Spur mehr von den Zwiebelhänden, die Wandlung vom eher würzigen Weißwein zur extrem komplexen Fruchtbombe ist mehr als geglückt. Leider mal wieder die letzte Flasche.

Aber es gibt ja noch den 1998er Jahrgang. Auch zu dem gibt es eine Notiz von 2001, diesmal als halbe Flasche…

 

pH: 2.94

Brix: 6.8

Alkohol: 13% Vol

Ohne Jahrgang, Le Rouge qui Tache, Abouriou, Lassolle

Direkt auf der ersten Seite der Rebsortenvorstellung im neuen Mammutwerk für Rebsorten von Jancis Robinson, Julia Harding und José Vouillamoz wird die Abouriou-Traube als dunkel, tanninreich und säurearm beschrieben. Ihre Wurzeln hat sie in den Côtes du Marmandais, Südwest-Frankreich.

Auf der Natur-Wein Messe im belgischen Olne im April diesen Jahres bin ich auf der Suche nach einem reinen Abouriou auf die Winzerin Stéphanie Roussel gestoßen. Sie ist eine von drei mir bekannten Winzern die die Traube sortenrein abfüllt. Ansonsten sind da noch Elian da Ros aus Marmandais und Domaine le Fay d’Homme an der Loire zu nennen.

Mein erster Eindruck auf der Messe war eher durchwachsen. Ein starker Duft von Hefe und Käse störte die vorhandene Brombeere. Stéphanie Roussel meinte, man sollte den Wein erst mal 3 Stunden vorher dekantieren, dann würden diese „Fehlnoten“ verschwinden. So habe ich mir dann ein paar Flaschen in den Kofferraum gepackt und heute eine von ihnen geöffnet.

Direkt aus der Flasche zeigen sich wieder Hefe und reifer Harzer. Gefolgt von gekochtem Apfel und Pflaume mit Mandel. Mit dem langsamen Erwärmen (der Wein wurde sehr kühl gelagert, um Nachfermentation zu vermeiden, da ungeschwefelt) schiebt sich reife Brombeere in den Vordergrund, die Hefe lässt nach, nur der Harzer bleibt. Die Brombeere wird duftiger, reifer, mit leicht blumigem Charakter, erinnert an Créme de mûre.

Im Mund zeigt sich der Wein sehr sanft und weich. Die auch von der dunklen Farbe versprochenen Tannine bleiben aus, Säure hält sich in Grenzen, eine ganz leichte Süße unterstreicht den süffigen Charakter. Im Nachgeschmack leichte, reife Brombeere.

Dekantiert, verschwindet wirklich die Hefe komplett, der Käse fast ganz. Was bleibt, ist leckerer Brombeersaft. Ein perfekter Rotwein für einen lauen Sommerabend, wenn man sich die Zeit zum Dekantieren nimmt.

Le Rouge qui tache – der Rote, der färbt.

pH: 3.63

Brix: 6.9

Alkohol: 12.5 %Vol