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Rosen, Lychees, eher Säurearm.

1993 Gewurztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre, Trimbach, Alsace

Und wieder probiere ich einen Gewürztraminer aus dem Elsaß, diesmal von einer alteingesessenen, renommierten Winzerfamilie, den Trimbachs aus Ribeauvillé. Der sind aufmerksame Leser dieses Blogs schon mal hier begegnet. Da aber in der Kategorie Gutsriesling.

Diesmal gehe ich ans andere Ende der Qualitätsleiter, zu einem Gewürztraminer der Stufe Réserve Personnelle. Höher geht es hier bei Gewürztraminer nur noch im Bereich der Dessert-Weine mit der Sélection de Grains Nobles.

Die Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre wird aus Trauben von alten Rebstöcken gekeltert, die auf dem Land der alten Herren von Ribeauvillé, den von Ribeaupierre, wachsen.

Mal sehen, wie sich der Wein nach über 20 Jahren entwickelt hat.

Im Glas zeigt sich die Farbe noch frisch wie am ersten Tag. In der Nase überzeugt er mit Rosenwasser, Grapefruit, Lychee und würzigem Heide-Honig.

Ein erster Schluck umschmeichelt den Gaumen mit Fülle, einer ganz leichten Restsüße und nur milder Säure. Getrocknete Rosenblätter und Rosinen, gefolgt von einem mit anregendem Bitterton akzentuierten, entsäuerten Grapefruit-Saft.

Mit der Zeit verliert der Wein die erst sehr dominante Grapefruit und ersetzt diese durch Bienenwachs, getrocknetem Ingwer, Birnensaft und Piment.

Zuerst fehlt mir die Säure, dieser Mangel wird für mich aber auf unerklärliche Weise durch den Bitterton ausgeglichen.

pH: 3.41

Brix: 7.8

Alkohol: 13 Vol%

Den Vergleich mit den Weinen von Maurice Schmitt braucht man hier nicht anstellen. Der Trimbach zeigt sich kompletter, ausgewogener, besser gealtert. Und das trotz niedrigerer Säure. Eine Flasche liegt noch im Keller, wäre was für 2024.

2012 Perle dans les vignes Riesling & Gewurztraminer, Strasbourg

Vom Titel könnte man eigentlich annehmen, dass heute ein Weißwein aus dem Elsaß probiert wird. Aber weit gefehlt. Elsaß stimmt, aber kein Wein, sondern ein Bier. Gebraut von einem jungen Braumeister mit Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Most von Riesling- und Gewürztraminertrauben vom Winzer Romain Fritsch in Marlenheim. 3/4 Malzmaische und 1/4 Traubenmost in der Flasche refermentiert.

In der Nase feine Hefe, Traubensaft.

Im Mund feiner Schaum, dann Fruchtnoten und leichte Säure gefolgt von einem kräftigen Schlag Bitter. Karamell-Malz, danach kommt Traubensaft durch, leichte Lychee. Langer Trauben-Nachgeschmack.

Definitiv ein Bier, gerne zu einer Paté au Riesling.

pH: 4.04

Brix: 10

Alkohol: 7.7 Vol%

Gewürztraminer Battle: Maurice Schmitt Cuvée Particuliere 1990 vs 1995

Region: Elsaß

Ein Alptraum für jeden Sommelier.

Warum? Es gibt keinen Anhaltspunkt ob der Wein Trocken, Halb-Trocken oder Süß ist. Einige Weingüter geben einen kleinen Hinweis, aber die sind noch eine Seltenheit.

Ort : Gertwiller

Laut Tom Stevenson in seinem Werk, The Wines of Alsace, ein Dorf, welches für seinen Gewürztraminer bekannt ist.

Winzer: Maurice Schmitt

Ich würde gerne etwas schreiben, aber leider finde ich nichts, weder in meiner Bibliothek noch im Internet.

Rebsorte: Gewürztraminer

Eine der für Grand Cru Weine im Elsaß zugelassenen Rebsorten. Eher säurearm, dafür aromastark, Rosen, Lychee.

Jahrgang: 1990

Klimatisch bedingte Verrieselung, besonders bei Muskat und Gewürztraminer. Danach langer Sommer.

Jahrgang: 1995

Guter Rieslings-Jahrgang, eher nicht so gut für Gewürztraminer. Hohe Säure.

 

1990 vs 1995

1990:

In der Nase leider leichter Kork-Muff. Lychee, welkende Rose, leichter Kleehonig, der dann dominanter wird.

Im Mund voll, weiche Säure, pfeffriger, bitterer Nachgeschmack, Rose und Trockenfrüchte. Hohe Restsüße, Richtung Spätlese.

pH: 3.33

Brix: 9.1

Alkohol: 14% Vol

1995:

In der Nase Rosenwasser, Vollkornmehlteig, Akazienhonig, leichte Orange. Dann Pfeffer, Pain de Miel, leichte Orange, die dann kräftiger wird.

Im Mund voll, gute Säure, leichter Restzucker. Dominanter Bitterton, der sich ausbreitet und den Gaumen austrocknen lässt. Trockenfrüchte ( Feigen) im Nachgeschmack. Etwas grün.

pH: 3.17

Brix: 7.6

Alkohol: 13% Vol

Ergebnis

Abgesehen vom Kork beim 1990er fühlt er sich ausbalancierter an,  der 1995er ist jedoch um einiges aromatischer, dafür etwas grün. Beide hinterlassen im leeren Glas Raucharomen. Ohne Kork ein wäre es ein klarer 1:0 Sieg für 1990, so nur ein knappes Unentschieden.

Dass der 1990er mit seinen 14% Vol noch einen relativ hohen Restzuckeranteil hat, überrascht. Er hätte auch als Vendange Tardive durchgehen können, da dafür nur ein potentieller Alkoholgehalt von 14.3 Vol% erforderlich ist. Damit wäre er dann auch einfacher als süßer Wein zu bestimmen gewesen, ohne ihn öffnen zu müssen.

2009 Kikè, Traminer Aromatico, Fina, Sizilien

Der Traminer Aromatico oder Gewürztraminer wird normalerweise im Elsaß angebaut oder, wenn er denn aus Italien kommt, dann aus Südtirol. Oft werden die Weine etwas schwer, da ihnen meist die Säure fehlt. 13-14 % Vol sind auch keine Seltenheit.

Und dann finde ich einen Gewürztraminer aus Sizilien. Erste Erwartungshaltung: ölig, schwer.

Erster Blick auf das Etikett: Nur 12.5 %Vol. Weiterer Blick auf die Homepage von Fina: Er enthält auch noch Sauvignon Blanc. Vielleicht wird es doch nicht so schlimm…

Deshalb Flasche auf und Wein ins Glas.

In der Nase zuerst Orange und Ananas. Langsam kommen die typischen Aromen von Rose und Lychee, Pain de Mie, danach überreife Orange kombiniert mit leichtem Kuhstall, was sich unangenehmer liest als es riecht. Es folgen Akazienhonig und eine leichte Riesling-Note, Kreide und Lychee mit Cassis. Da macht sich dann wohl der Sauvignon Blanc bemerkbar.

Im Mund zeigt sich der Wein voll, mit einer gut gepufferten Säure, die erst nach dem Schlucken rauskommt und von einem Bitterton untermalt lange nachhallt.

Die Aromen hier sind überreife Zitrone, Pfirsisch und leichter getrockneter Ingwer im Nachgeschmack. Sehr viel später dann geräucherter Speck, ein typisches Merkmal von gealtertem Gewürztraminer. Und das gibt auch direkt den Hinweis, was ich gerne zum Wein essen würde: eine schöne Auswahl an Charcuterie.

pH: 2.61

Brix: 7.3

Alkohol: 12.5 %Vol

Verschluss: Presskorken

 

 

1966 Clos du Zahnacker, CV de Ribeauvillé

Das Elsaß ist in Frankreich bekannt für rebsortenreine Weine, besonders für Riesling und Gewürztraminer. Natürlich gibt es auch Cuvées: die meisten sind Pinot & Chardonnay Cuvées als Cremant oder Weine der Kategorie Edelzwicker. Leicht, belanglos, oft mit etwas Restzucker. Einige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bei dem Clos du Zahnacker in Ribeauvillé handelt es sich um einen Weinberg der, von Mauern umfasst, direkt neben dem Grand Cru Weinberg Osterberg liegt. HIer wächst ein gemischter Satz von zu gleichen Teilen Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling. Den Namen erhielt er von Martin Zahn, einem adligen Mönch aus dem zwölften Jahrhundert. Der Jahrgang 1966 gilt im Elsaß als sehr langlebig. Besonders gut gelangen damals Gewürztraminer und Pinot Gris. Der Weinberg gehört seit 1965 zur Cave Cooperative de Ribeauvillé, also der zweite Jahrgang überhaupt. Höchste Zeit, die Flasche zu öffnen.

Der Korken ist noch flexibel mit leichtem Weinstein am unteren Ende.

Im Glas zeigt sich der Wein erstmal Dunkelgold, erstes Anzeichen für fortgeschrittenes Alter.

Eine Riesenüberaschung dann in der Nase: Honig, Lychee, Melone, Aprikose, leichtester Petrol. Jahrgangsgemäß kommen Gewürztraminer und Pinot Gris zum tragen.

Im Mund sehr voll und nur eine dezente Säure, was wieder für die Hauptakteure spricht aber wundern lässt, wie sich der trockene Wein sich so lange lagern ließ. Karamel, getrocknete Aprikose, unreife Melone, Rose, und etwas später dann leichteste Sherry-Oxidativ Noten eingebettet in einen angenehmen Bitterton, der mit dem Karamel harmoniert. Erinnert an einen reif geernteten Viognier. Im Nachgeschmack getrocknete Aprikose, etwas Pfeffer, Lychee und Karamel.

Ein sehr beeindruckender Wein, bestimmt interessant zu einer Tagine von Huhn, Mandel und Aprikose.

pH: 3.26

Brix: 7.5

Alkohol: gefühlte 13 %Vol