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Ein Land mit langer Wein-Tradition. Jeder Ort scheint hier seine eigene Weinkultur zu haben, was sich dann auch in der großen Zahl der IGP und DOP zeigt. Mit 521 schlagen sie selbst die Franzosen (459, Stand 2013). Auch bei den Rebsorten haben sie sich eine noch größere Vielfalt bewahrt.

2011 Pithos Blanc Grecanico – Sicilia – Azienda Agricola COS

Azienda Agricola COS ist vielleicht nicht eins der Pionier-Weingüter in Westeuropa, was den Ausbau von Wein in Amphoren betrifft, aber sie kann man ruhig zur zweiten Generation zählen. Den ersten Wein in der Amphore haben sie im Jahr 2000 ausgebaut. Elisabetta Foradori liegt eindeutig mit den Weinen Morei und Sgarzon an der Spitze, die sie zuerst 1987, mit einer Unterbrechung von 1999-2007 geschaffen hat. Der heutige Wein, Pithos Bianco, wird seit 2007 produziert, aus der Weißweintraube Garganega, oder wie sie auf Sizilien genannt wird: Grecanico. Ursprünglich aus Veneto, Nordost-Italien, hat sie hier eine zweite Heimat gefunden. Hier wird fast die Hälfte an Garganega in ganz Italien angebaut. Nach der Ernte werden die Trauben für den Pithos Blanc 7 Monate in spanischen Ton-Amphoren ausgebaut und dann auf Flaschen gefüllt. Der hier vorliegende 2011er Jahrgang deklariert einen Alkoholgehalt von 11.5 Vol%. Das ist extrem niedrig, schließlich haben wir es hier auch noch mit Trauben zu tun, die der heißen sizilianischen Sonne ausgesetzt sind. Hoffentlich wird es nicht süß…

Im Glas zeigt der Wein erstmal eine außergewöhnliche Farbe. Dunkles Gelb, fast Orange. Die Nase : Apfel, Honig, leichte, frische Minze, Safran. Im Mund zeigt er sich leicht mit einer erfrischenden Säure, keine Süße, ganz leichte Tannine, Aromen von Weinbergpfirsich und Apfel. Eine leichte Diskrepanz zwischen der Leichtigkeit des Weins, der kräftigen Aromen und dann noch die leichten Tannine, die einen leichten Pelz auf der Zunge hinterlassen.
Wie der Sommelier des Lido, das dem selben Besitzer gehört wie die Weinkarte, wo ich den Wein gekauft habe (um 18€),meint, passt er gut zu gegrillten Garnelen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Die leichte Säure betont die Süße der Garnele und Safran mit Garnele passt eh.

pH: 3.31
Brix: 6.4
Alkohol: 11.5 Vol%

Fiano Battle Naturalia Factory: 2001 vs 2000 Vendemmia Tardiva

Nach dem 2004er Fiano, der sich noch relativ frisch zeigte, wollte ich herausfinden, ob sich ein Fiano noch länger lagern lässt. Und bin dafür dann in die Untiefen meines Weinkellers geklettert, um mit 2 Flaschen heraus zu kommen, beide von Naturalia Factory. Ein Fiano di Avellino aus dem Jahr 2001 und ein Fiano dell‘ Irpinia Vendemmia Tardiva aus dem Jahre 2000. Dies wird wohl ein ungleicher Battle werden. So wird der Jahrgang 2000 in Kampanien von Rober Parker mit 92 und der 2001 nur mit 91 Punkten bewertet. Weiterhin ist der 2000er eine Spätlese, während der 2001er nur mit seiner Herkunft (DOCG Avellino vs IGT Irpinia) punkten kann.

Farbe:
Hier zeigt sich der 2001er gereifter, dunkler. Etwas überraschend.

Nase:
Der 2001er kommt frisch aus dem Kühlschrank mit gekochter Birne, Hafer-Porridge mit getrockneten Apfelstücken, grüner Haselnuss. Später dann Porridge mit Mandarinenstückchen aus der Dose und gekochter Birne, Mandelmus.

Der 2000er zeigt ein Bouquet, welches ich eher einem vin naturel zusprechen würde. Hefe und leichter Essig. Dazu getrocknete Birne gefolgt von getrockneter Ananas und Mandarinensaft.

Mund
Der 2001er zeigt sich voll mit animierender Säure und leichtem Bitterton. Feine Sherry-Note, Porridge mit Mandarinen im Abgang.

Im Gegensatz dazu lässt der 2000er jegliche Restsüße vermissen, die man bei einer Spätlese erwartet hätte. Auch er ist voll, mit einer weichen Säure. Eine Mischung von Birnensaft, Mandarinensaft und Wasser.

Ergebnis:
Der 2001er überrascht und lässt den enttäuschenden 2000er weit hinter sich. Qualitativ liegt er etwas hinter dem 2004er Bechár, was Hoffnung auf ein paar schöne Momente mit dem Bechár in einigen Jahren wecken lässt. Auch zeigt sich, dass man sich nicht auf irgendwelche Jahrgangsbewertungen verlassen sollte. Dafür ist Wein einfach eine zu komplexe Angelegenheit.


Werte:

2001
pH: 3.17
Brix: 6.4
Alkohol: 12% Vol

2000
pH: 3.10
Brix: 5.8
Alkohol: 14% Vol

2004 Fiano di Avellino – Béchar – Cantine Antonio Caggiano

Nach einer längeren Pause wegen Urlaub eines Kollegen gefolgt vom eigenen gibt es heute einen Eintrag über einen weißen Italiener. Dank Prosecco, Pinot Grigio und jetzt Lugana, gehören Weine dieser Gattung eher nicht zu meinem Beuteschema. Aber ein Land voller autochtoner Rebsorten kann ich nicht mein Leben lang ignorieren, und deshalb werde ich mir in nächster Zeit wohl die eine oder andere Flasche zu Gemüte tun, bis die Italo-Vino-Phobie vollkommen auskuriert ist.
Die Fiano-Rebe stammt aus Kampanien wo sie schon 1240 erste schriftliche Erwähnung fand. Je nachdem, welcher Quelle man jetzt glauben mag, sind die Weine nur jung zu genießen (Wikipedia) oder können auch gut gelagert werden (Wine Grapes). Mit einem 2004er Jahrgang wäre der Wein nach Wikipedia wohl nicht mehr genießbar.
Frisch aus dem Kühlschrank zeigt sich der Wein noch etwas derb. Frischer Brotteig. Es folgen eine Hauch Mango, etwas Honig und getrocknete Birne.

Der erste Schluck gibt sich voll mit einer anregenden Säure, die einen Hauch länger im Mund verweilt. Eine Abfolge von getrocknetem Obst, Apfel, dann Birne, Feige und zum Abschluss Rosinen.

Mit dem Erwärmen des Weins kommt buttrige Mango, getrocknete Birne abwechselnd mit gekochter Birne raus. Ab und an blitzt auch etwas geröstete Haselnuss hervor. Erinnerte mich etwas an den 1996er Pacherenc, nur nicht ganz so expressiv.
Ein weiterer Schritt ist getan, meine Vorurteile abzubauen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Wikipedia nicht immer zu trauen ist. Zu viele Köche.

pH: 2.85
Brix: 6.9
Alkohol: 13% Vol

2012 Vigna del Baffo, Agostinetto, Prosecco extra dry, Valdobbiadene

Dass ich kein Fan italienischer Weine bin, hat etwas mit dem heutigen Wein zu tun, einem Prosecco. Ich habe diesen als bestenfalls süffiges Getränk, oft aber auch nur als belanglose Plörre, die man maximal für einen Spritz gebrauchen kann, kennen gelernt.

Mein Wein-Dealer des Vertrauens ( Die Weinkarte ), der zufälligerweise direkt neben meinem Arbeitsplatz sein Geschäft betreibt, hat mir aber dann den Vigna del Baffo von Agostinetto ans Herz gelegt. Alte Reben, zum Teil noch auf den eigenen Wurzelstöcken hieß es, wirst du nicht bereuen. Der Preis von um die 13€ wurde berappt und die Flasche nach Hause mitgenommen. Im Internet war nicht viel über den Wein zu erfahren. Über 60 Jahre alte Rebstöcke, in Edelstahl ausgebaut. 30% Kaltmazeration. Da blieb mir dann nichts mehr anderes übrig, als die Flasche zu öffnen.

In der Nase feine Hefe, leichte Melone, Bergwiesen-Heu. Dann Brot, etwas Satsuma-Mandarine, bei weiterem Erwärmen noch Spuren von Schweinebraten.

Bei feiner Perlage ein zarter Bitterton und leichteste Süße. Brot und Heu im Abgang, gefolgt von Melone. Säure nicht so präsent wie bei einem Champagner.

Welten liegen zwischen dem Vigna del Baffo (Schnurres-Weinberg) und den schnell verblassenden Erinnerungen an all die anderen Proseccos. Dabei ist das anscheinend noch nicht mal die Top-Cuvée von Agostinetto gewesen. Einen Cartizze und einen Prosecco aus 6 Monate getrockneten Glera-Trauben macht er auch noch…

pH: 2.76

Brix: 6.8

Alkohol: 11.5 Vol%

2007 Ribolla Gialla – Tenuta RoncAlto Livon, Collio

Auf die Spur gebracht von einem Weinfreund aus Brasilien (Obrigado, Jandir), habe ich heute die seltene Rebsorte Ribolla Gialla im Glas. Selten ist hier eher relativ. Im Friaul wuchsen im Jahr 2000 284 ha. Bei den Nachbarn in Slowenien firmiert sie unter dem Namen Rebula und wurde 2003 auf 1185 ha angebaut. Berühmt geworden ist sie vor allem durch Josko Gravner im Friaul, der die Ribolla in der Amphore ausgebaut vermarktet. Mit extrem langer Maische erhält der Wein eine dunklere Farbe und wird deshalb auch als Orangewein bezeichnet. Aber bevor ich mich an solch einen Wein wage, versuche ich erst einmal eine konventionelle Ribolla. Mit dem Jahrgang 2007 nicht gerade der jüngste aber mit zwei Gläsern bei der roten Garnele ausgezeichnet.

Im Glas zeigt sich die Farbe noch jung, Wiesenblütenhonig, buttriger Haferkeks, Hauch von Quitte. Später dann getrocknete Ananas, Vanille, Dulce-Milchschokolade. Ich denke an Eichenfass, laut Livon aber zu 100% im Stahlfass ausgebaut.
Im Mund wirkt er sehr voll, dämpft zuerst die Säure, die danach aber klar heraus kommt. Getrocknete Ananas, leichter Karamell im Nachgeschmack mit leicht bitterem Ende.

Und plötzlich ist die Flasche leer…

Der Wein hat auf jeden Fall noch Potential für ein paar Jahre, vorher muss ich aber noch einen Orangewein probieren.

2009 Kikè, Traminer Aromatico, Fina, Sizilien

Der Traminer Aromatico oder Gewürztraminer wird normalerweise im Elsaß angebaut oder, wenn er denn aus Italien kommt, dann aus Südtirol. Oft werden die Weine etwas schwer, da ihnen meist die Säure fehlt. 13-14 % Vol sind auch keine Seltenheit.

Und dann finde ich einen Gewürztraminer aus Sizilien. Erste Erwartungshaltung: ölig, schwer.

Erster Blick auf das Etikett: Nur 12.5 %Vol. Weiterer Blick auf die Homepage von Fina: Er enthält auch noch Sauvignon Blanc. Vielleicht wird es doch nicht so schlimm…

Deshalb Flasche auf und Wein ins Glas.

In der Nase zuerst Orange und Ananas. Langsam kommen die typischen Aromen von Rose und Lychee, Pain de Mie, danach überreife Orange kombiniert mit leichtem Kuhstall, was sich unangenehmer liest als es riecht. Es folgen Akazienhonig und eine leichte Riesling-Note, Kreide und Lychee mit Cassis. Da macht sich dann wohl der Sauvignon Blanc bemerkbar.

Im Mund zeigt sich der Wein voll, mit einer gut gepufferten Säure, die erst nach dem Schlucken rauskommt und von einem Bitterton untermalt lange nachhallt.

Die Aromen hier sind überreife Zitrone, Pfirsisch und leichter getrockneter Ingwer im Nachgeschmack. Sehr viel später dann geräucherter Speck, ein typisches Merkmal von gealtertem Gewürztraminer. Und das gibt auch direkt den Hinweis, was ich gerne zum Wein essen würde: eine schöne Auswahl an Charcuterie.

pH: 2.61

Brix: 7.3

Alkohol: 12.5 %Vol

Verschluss: Presskorken

 

 

2012 Kerner Praepositus Stiftskellerei Neustift Eisacktal

Bei meinem letzten Urlaub in Südtirol wurde mein Bild vom Wein mal eben kurz über den Haufen geworfen.

Nach langer Fahrt vom Rheinland nach Bozen genehmigte ich mir in einem Gasthof am Ortsrand nach einem Viertel Lagrein ein Glas Eisacktaler Müller-Thurgau. Was mich da gerittet hat, den zu probieren, kann ich nicht sagen. Aber wenn man nichts erwartet, kann man nicht enttäuscht werden. Schon gar nicht wenn man einen spritzig, würzigen Wein mit Anflug von Anis und Lakritze bekommt.

Und dieser Müller-Thurgau war dann nach dem Essen mein Begleiter in den Gastraum der voll war mit einem Haufen Aloisen, die dort Namenstag feierten und einer Gruppe Herren vom benachbarten Ritten, mit denen man schnell über den Wein ins Gespräch kam.

„Den Kerner vom Kloster Neustift in Brixen müsst ihr probieren. Da reicht ein Glas, der ist zwar etwas teurer, aber nur den Praepositus, eine Aromenexplosion, der beste Kerner der Welt!“, wurde der Wein angepriesen (wie auch Gerhard Retter bei CaptainCork über den 2008er hier bei YouTube).

Wenn die Südtiroler schon eine Überraschung aus dem Müller-Thurgau schaffen können, was bringen sie dann erst aus dem Kerner hervor?

Bis auf eine birnige Auslese aus Württemberg hatte ich bis dato keine besonderen Erfahrungen gemacht.

Also musste eine Flasche her, am letzten Tag vor der Abreise, die dann bei einem Kerner-Liebhaber mit meiner Urlaubsbegleitung im Garten geöffnet wurde.

Der erste Eindruck zeigt leichte Birne, Lakritze und Anis. Im Mund dann voll mit guter Säure, leicht lakrizig süß, kräftige Birne mit besonderem Augenmerk auf Birnenschalen.

Erwärmt von der Sonne springt die Aromatik um zu Steinobst: Pfirsich, Nektarine und Aprikose waren die jetzt dominanten Düfte, von der Birne keine Spur mehr.

Beim nächsten Urlaub muss ich mir unbedingt noch den Passito vom Kerner einpacken.

pH: 2.77

Brix: 6.9

Alkohol: 14% Vol

 

1985 Passito di Moscato di Strevi

Ein Rätsel von einem Wein. Jahrgang 1985. Appellation: Passito di Moscato di Strevi. Diese DOC gibt es erst seit 2005 im Piemont, ist es offiziell ein Wein? Die Gegend ist bekannt für süßen Schaumwein aus der Brachetto-Traube. Der Winzer, D(omenico) Ivaldi wird in „Aperitivif- und Dessertwein“ von Radford und Brook (Hallwag, 2000) als Produzent von einem Passio aus dieser Traube erwähnt, aber der Muskateller wird nicht erwähnt.

Gelber Muskateller, reif geerntet und dann noch mal getrocknet, bevor vergoren. Mit 14.5 %Vol Alkohol eher recht kräftig, Korken mir Wachs versiegelt, also kein Verlust zu erwarten.

Kapsel Passito Moscato di Strevi
Solch eine Kapsel habe ich bisher aber auch noch nie gesehen

Trotzdem schnell geöffnet, ins Glas und unter die Nase:

Honig, gekochte reife und getrocknete Ananas, leichter Zimt, später dann buttriger Rosinenbrioche.

Leckere Säure, die zuerst die kräftige Süße überspielt, aber dann doch in den Hintergrund gedrängt wird. Leicht oxidative Noten von Walnuss, Rosinen, getrocknete Aprikosen, später Orangensirup, Pfirsich und Rosenblätter. Hinterlässt einen leichten Pelz im Mund. Erscheint aber auch nicht so alkoholisch wie angekündigt. Nicht sonderlich komplex, aber dennoch ein guter, gealteter Wein.

Macht Spaß, so zu trinken, aber auch gut zu einer Kokosnuss-Mousse oder einer Ananas-Tarte Tatin.

pH: 2.56

Brix: 21.9

Alkohol: 14.5 %Vol