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Im Süden Frankreichs ist dieses Weinanbaugebiet bekannt für Massenweine. Früher eher rustikal heute oft auch modern mit Neue-Welt-Einschlag.

Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

1998 Languedoc Battle: Prieure de Saint-Jean de Bebian vs Puech-Haut Tête de Cuvée

Der Jahrgang 1998 gilt im Languedoc als der beste des letzten Jahrhunderts. Es gab zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall genug Winzer, die mit ihren Qualitätsansprüchen diesen Punkt unterstreichen konnten. Zwei davon treten heute zu einem Battle an: Die Top-Cuvées von Prieure de Saint-Jean de Bebian und Château Puech-Haut mit der Tête de Cuvée.
Prieure de Saint-Jean de Bebian legt besonderen Wert auf gutes Pflanzenmaterial und hat sich deshalb Ableger von verschiedenen Top-Weingütern besorgt: Syrah von Chave und Beaucastel, Mourvedre von der Domaine Tempier in Bandol, Grenache und eine komplette Parzelle mit den restlichen zugelassenen Rebsorten für Châteauneuf-du-Pape vom Château Rayas. Etwas Cabernet wächst dort auch noch.
Château Puech-Haut belässt es einfach: Grenache, Syrah und alter Carignan, die klassischen Languedoc-Reben.
Beide Weine habe ich in einem Weinfachgeschäft in Lille erstanden, als ich dort noch gelebt habe. Das Au Gré du Vin in der Rue Péterinck 20 in der Altstadt wurde im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil meines sonntäglichen Rituals. Erst zum Marktplatz am Place du Concert mit den leckeren Poulet Rôties und Saucissons secs, danach ins Au Gré du Vin. Die Auswahl der Weine war auf den Südwesten Frankreichs und Languedoc-Roussillon „beschränkt“, für mich damals alles noch böhmische Dörfer aber ich wurde vom Besitzer Paul Sirvent immer gut beraten.

Im hinteren Teil des Ladens gibt es auch noch eine kleine Weinbar, die ich zu meiner Schande nie aufgesucht habe… Sonntags nach dem Markt war es da immer sehr voll.

Flaschen auf und eingegossen: Sehr dunkel, der Bebian noch mehr als der Puech-Haut. Ich denke, das wird ein langer Kampf.

Die Maße:

Puech-Haut:

pH: 3.23

Brix: 7.7

Alkohol: 13.5

Bebian:

pH: 3.30

Brix: 7.8

Alkohol: 14 % Vol

1. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, dann leichtes Sauerkraut. Erste Reaktion: ein leichtes Zusammenzucken, dann aber schnell Hefe-Vollkornbrot mit Pflaumenmus. Relativ voll, leichte Säurewelle, gefolgt von seichten Tanninausläufern. Im Mund Pflaumenmus, gefolgt von Pflaumenschale und etwas pfeffrigem Olivenöl.

Bebian: Zuerst leichte flüchtige Säure, dahinter versteckt sich rote Grütze mit Brombeere, Kirsche, Vanille, leichte Pflaume, dazu dunkler Dinkelstreusel mit schwarzem Pfeffer. Im Mund zuerst Alkohol (immerhin 14% Vol), dann Säurepfeil hinter dem ein schmaler, roter Tannin-Teppich ausgerollt wird. Brombeere und Kirsche im Nachgeschmack.

Dekantieren von Glas zu Glas:

Puech-Haut: Sojasauce wird stärker, kombiniert zwar mit Pflaumenmus, die Frucht wird aber vom Oxi-Ton bedrängt. Im Mund verliert sich die Sojasauce, die Pflaume wird schwächer und tendiert von Mus eher hin zur Rohware.

Bebian: Lecker süße Brombeerfruchtschnitten aus dem Bioladen mit hohem Anteil an gerösteten Haselnüssen und etwas Kakao, reife Kirsche. Die Säure kommt nicht mehr so stark rüber, dafür ist der Tannin-Teppich jetzt breiter, mit bitterer Kirschhaut und endet mit Zwetschgen.

Tag 1, klarer Punkt für Bebian.

2. Tag

Puech-Haut: Nuss (geröstete Mandel), Pflaume, Sojasauce, Brombeere. Im Mund Pflaumensaft mit leichter Brombeere, Nachgeschmack von weißem Pfeffer und Zwetschge.

Bebian: Kiefer, Brombeere, geröstete Haselnuss, Kakao, undurchdringlich, dunkler Wald.

Tag 2: Puech Haut kann ausgleichen

3. Tag

Puech-Haut: Sojasauce, leichter Port. Tannine kaum da. Puech schmeisst das Handtuch in den Ring.

Bebian: Immer noch kräftige Tannine, Frucht nicht mehr klar definiert. Erinnert momentan eher an einen jungen, kräftigen Côtes du Rhône. Im Nachgeschmack etwas krautig (Rosmarin & Salbei) bei leichter Pflaume.

4. Tag

Bebian: Brombeere, frisch gemahlener Kaffee, Kirsche

5. Tag

Bebian: Gemahlener Kaffee, Kirsche, leichtes Leder, Pflaumennachgeschmack.

6. Tag

Bebian: Saftige Kirsche & Espresso. Schokolade, Vanille, leichter Tabak. Schwarzwälder Kirschtorte mit Kaffee. Im Mund kräftige Kirsche, etwas Schokolade, leichte frische Minze im Nachgeschmack.

7. Tag

Bebian: Leichte Oxi-Note. Kirsche abgeschwächt. Etwas rohes Rind. Im Mund etwas Vollkornbrot, Leder, noch immer kräftige Tannine.

Klarer Gesamtsieg für den Bebian. Der zeigt sich jetzt noch mit Potential für weitere Jahre, während der Puech-Haut vielleicht vor 2 bis 3 Jahren besser gewesen wäre.

 

2011 nord sud Gens et Pierres Vin de France

Ein interessantes Konzept: Man nehme einen kräftigen Weißwein aus dem Languedoc und vermenge ihn mit einem spritzigen Weißwein von der Loire. Das ganze dann nicht von einer Großkellerei sondern von einer Deutsch-Französischen Kooperation, bestehend aus einem deutschen Weinhändler für Bio-Weine und einem französischen Önologen.

Wie nach langer Recherche auf der französischen Homepage festgestellt, handelt es sich um Weine der Domaine Soulié (St Chinian) und Frederic Brochet (Vins de Vienne) , der berühmt für seine Ampelidae-Reihe (zumindestens in Frankreich) ist. Und beide Winzer werden vom deutschen Weinhändler (Peter Riegel) vertrieben.

Gefunden habe ich die Flasche in der Restekiste eines Kölner Weinladens in der Südstadt.

In der Nase: Birne, Kleehonig, gefolgt von Vollkorn-Birnen-Streusel, also auch leicht nussig. Weiter Anis und Estragon und ein kurzer Auftritt von Feuerstein.

Im Mund sehr voll, leicht salzig, leichte Säure. In dieser Kombination fühlt es sich saurer an als es wirklich ist. Die Aromen von Birne und Sojasauce bleiben im Mund, zwischendurch aber auch Gummi.

Fühlt sich mehr an wie ein guter Weißer aus dem Languedoc, der Sauvignon Blanc kommt nur ganz kurz durch (Feuerstein). Es wäre interessant zu sehen, wie genau die Verteilung aussieht.

Zu Ziegenkäse mit Honig und Pinienkernen oder einer Brandade kann ich mir das ganze gut vorstellen. Jetzt zu trinken (Sojasauce ist leichter Alterston).

pH: 2.87

Brix: 6.6

Alkohol: 13 %Vol