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Der längste Fluß Frankreichs ist berühmt für seine vielen Schlösser und ist deshalb in Teilen UNESCO Welt-Kulturerbe. An Reben gibt es hier Sauvignon Blanc (Sancerre, Pouilly-Fumé), die in Deutschland nicht so bekannte Chenin Blanc (Vouvray, Montouis, Savennieres), Cabernet Franc (Chinon), Melon de Bourgogne (Muscadet), Pinot Noir, und viel Chardonnay, der oft seinen Weg in die Cremants der Gegend findet. Autochtone Rebsorten sind unter anderem : Romorantin, Grolleau, Pineau d’Aunis…

2010 Melonix, J. Landron, Loire

Es war einmal eine Rebsorte Namens Melon, die aus ihrer Heimat, dem Königreich Bhurrgund vertrieben wurde vom bösen Charr’Donnay, der von hier aus weiter sein Unwesen treiben und die ganze Welt erobern sollte. Aber das ist nicht die Geschichte, die heute erzählt werden soll. Ohne Heimat wanderte Melon lange herum, bis sie endlich einen Ort fand, an dem sie sich niederlassen konnte. Dieser lag an einem breiten Fluss, der bald ins große Meer enden würde. Hier konnte sie sich dann entgültig niederlassen, nachdem sie im Kampf gegen den großen Frost die Oberhand gewinnen konnte. Fast drei Jahrhunderte wurde sie hier geschätzt und Kunde von ihrer Größe erreichte auch die fremden Kontinente von A’hsia und Ahm’Erikka. Als Charr’Donnay von diesem hörte, schickte er viele Spione durch die Länder, die gezielt Geschichten unter die Leute brachten, in denen Melon als Schwächling diffamiert wurde. Voller Scham vesteckte sich Melon, bis sie eines Tages vom guten Magier Landron aufgespürt wurde. Dieser sprach ihr Mut zu und gab ihr einen magischen Umhang, mit dem sie nicht mehr als Melon erkannt werden konnte. Er nannte sie Melonix.

Das ist die Geschichte des heutigen Weins, Melonix von Jo Landron als Kitsch-Fantasy-Roman. Ein 20 Jahre alter Melon de Bourgogne Weinberg, biologischer Weinbau, keine zugesetzten Hefen, keine Schwefelung, keine Schönung oder Filtration. Also ein klassischer Fall von vin naturel. Und die Erklärung, warum der Wein nur als Vin de France verkauft werden darf, da er nicht als typischer Muscadet gezählt werden kann.

Gekauft auf der Messe der Unabhängigen Winzer in Lille vor fast 2 Jahren, lag die Flasche seitdem in meinem Weinkeller bei Temperaturen, die im Sommer auch über 20 Grad erreichen können. Dabei wird auf dem Rücketikett extra um Lagerung von unter 14 Grad gebeten.
Melonix RücketikettDeshalb habe ich die Flasche mit etwas Angst geöffnet, diese könnte die Lagerung nicht überstanden haben. Der Korken entpuppt sich als Nomacork-Kunststoff-Korken. Im Glas dann Entwarnung:

Vin naturel-typischer Apfelmost, Zimt, Haferkeks, leichter Honig. Keine flüchtige Säure, kein Stinker. Kräftige Säure kombiniert mit vollmundigem Körper. Apfel, Himbeere, Salbei, Lakritze im Mund. Vollrohrzucker und Pfeffer im Nachgeschmack bei leichter Bitternote. Mit Erwärmung verändern sich die Aromen noch etwas: Tarte Tatin, also Karamell, Butter mit Apfel. Danach Mango, Salbei, Butter, Honig. Mit der Zeit nimmt die Käuternote zu, zum Salbei gesellt sich Geißfuß und Oregano.

Definitiv kein typischer Muscadet, also nichts, was man zu einer Auswahl an Meeresfrüchten servieren sollte. Eher zu einer Poulet a la normande oder einfach Flasche auf und genießen.

Muscadet Sèvre & Maine aus dem Eichenfass Battle 2000 vs 2010

Zu den leider nicht mehr ganz so salonfähigen Weinen Frankreichs gehört meiner Meinung nach der Muscadet, was sich auch im Preis niederschlägt. Es ist nicht schwer, einen einfachen Wein für 3€, einen guten für 5€ zu erstehen, aber dafür umso schwieriger, mehr als 10€ die Flasche auszugeben.

Die Rebsorte ist die Melon de Bourgogne, die, wie der Name schon sagt, ursprünglich aus dem Burgund kommt, wo sie aber so gut wie nicht mehr angebaut wird. Ein paar Flecken um Vezelay herum lassen sich finden. Früher wurden sie als Bourgogne Grand Ordinaire, jetzt unter dem neuen, wohlklingerenden Namen Coteaux Bourguignons abgefüllt. Sie ergibt frische Weine mit relativ niedrigem Alkoholgehalt, die in Frankreich oft zu einer Plateau de Fruit de Mer gereicht werden. Ein guter palate cleanser, wie der Engländer sagen würde, wo man den Wein etwas häufiger als hier in Deutschland antrifft.
Zwischen 1990 und 2010 ging alleine der Export von 200 000 hl auf 40 000 hl runter. Auch der Konsum im eigenen Land hat horrende Einbußen erlitten. So versuchen die Winzer der Region mit unterschiedlichen Mitteln, interessante Weine aus der nicht mehr populären Rebsorte zu machen. Süße Spätlesen, Schaumweine oder Ausbau im Barrique.

Letzteres betreibt auch der Winzer Sylvain Paquereau. Für 5€ gibt es seinen Muscadet im Holzfass fermentiert und auf den Hefen 9 Monate lang ausgebaut. Kennen gelernt habe ich ihn vor Jahren auf der Weinmesse der unabhängigen Winzer in Lille. Neben den Muscadets produziert er auch einen soliden Cremant aus Pinot Noir und Chardonnay, für den selben Preis.

Battle:

2010: Leichter Granny Smith gefolgt von Honig. Der Apfel wird mit der Zeit stärker. Im Mund relativ voll, gute, nicht aufdringliche Säure. Kokos (da kommt die Eiche zu tragen), dann Vollkornbrot, etwas später Bratapfel mit einem Finnish von Apfelkernen.

pH: 2.80

Brix: 6.1

Alkohol: 12 Vol%

2000: Gekochter Apfel, gesüßt mit Honig und dann mit frischer Sahne übergossen. Das ist mein erster Eindruck. Erinnert mich stark an meine Kindheit. Viele Apfelbäume im Garten. Und wenn sich die Äpfel dann alle zeitgleich entschliessen, der Erdanziehungskraft nachzugeben, ist gekochter Apfelmus mit Sahne eine willkommene Abwechslung.

Vom Mundgefühl her ähnlich wie 2010, Säure etwas dominanter. Schorfiger Apfel, leichte Oxi-Nase. 15 Minuten später wechselt Sahne über zu Sojasauce. Oxidation holt stark auf. Immer noch lecker, aber wahrscheinlich wäre der Wein vor 2 Jahren perfekt gewesen.

pH: 2.88

Brix: 6.2

Alkohol: 12 Vol%

Resumée: Dies war kein richtiger Battle im klassischen Sinne, eher ein Test, ob Muscadet zu Recht in Ungnade gefallen ist. Definitiv eine Chance geben, vor allem bei dem Preis.

 

 

1994 Comte Lafond, Sancerre Grande Cuvée Rouge, Gläser Battle

Die durchschnittlich teuersten Rotweine der Loire kommen wohl aus Sancerre. Nicht unbedingt, weil hier die besten Rotweintrauben wachsen, vielleicht eher weil der Weißwein zu dominant und nachgefragt ist. Rebsorten sind relativ einfach: Nur Pinot Noir ist hier beim Rotwein zugelassen. Wobei wahrscheinlich auch die Nähe zum Burgund eine Rolle spielen mag. So sind die nächsten Weinbauorte im Burgund mit Vezelay und Saint Bris le Vineux (Sauvignon Blanc!) nur knapp 1.5 Autostunden entfernt.

Der Winzer de Ladoucette, war einer der großen Vorreiter der Appellation Pouilly-Fumé, die diesen Wein auf die önologische Weltkarte setzten und der dann mit dem finanziellen Erfolg auch fleißig expandieren konnte. So besitzt er heute Weingüter in der Provence, dem Burgund, der Champagne und weitere an der Loire.

Dass unter solch einer Expansion leider auch die Qualität leiden kann, mag der Grund sein, warum ich seine Weine weder im „Les meilleurs Vins de France“  noch im „Bettanes & Desseauve“ gefunden habe. In „Loire, Meisterwerke der Natur“ von James Turnbull, 2000 (eine Auflistung der besten 90 Weine der Loire) ist ihm eine eigene Seite gewidmet.

Der heutige Wein stammt aus dem Jahre 1994 und könnte somit noch zur Aufnahme in die besten Weingüter der Loire beigetragen haben.

Laut Jim’s Loire Blog war 1994 ein schwieriges Jahr für Rot und Trocken-Weiß, in dem die Winzer mit Feuchtigkeit und entsprechender Fäule zu kämpfen hatten. Mal sehen was Herr de Ladoucette da noch in seine Fässer packen konnte.

Das Erste was auffällt, ist der extrem schmale Korken. Durchmesser 1,6 cm.

Im Glas erinnert die Farbe an selbst eingekochten Himbeersaft.

In der Nase zuerst Hefe-Vollkornbrot, danach noch rohes Wildschwein in Rotweinmarinade und reife Kirschen. Die Kirschen werden stärker, aber das WIldschwein bleibt grunzend im Hintergrund, später gesellt sich noch Himbeere dazu.

Im Mund leicht, gute Säure. Tannine sind da, kommen aber erst nach der Säure durch und sind auch schon sehr zahm. Die Aromen im Mund setzen jetzt kräftige Kirsche mit hohem Schalenanteil frei.

Das ganze habe ich in einem Glas vom Marché aux Vins der Confrerie der Saint Peray probiert. Bei anderen Gläsern sieht das Aroma und der Geschmack etwas anders aus.

von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray
von links: Rosenthal diVino Burgunder, ISO Tasting Glas Vignerons Independants, Schott Rotwein, St-Peray

Im Schott-Glas wirkt der Wildton stärker, der Wein schmeckt etwas bitterer.

Im ISO-Glas finde ich den Vollkorncharacter kräftiger, allgemein aber die Aromen weniger klar.

Im diVino Burgunder-Glas kommt der Wein alkoholischer und süßer rüber, WIld wird schwächer, Kirsche feiner aber auch schwächer.

Gewinner : St-Peray gefolgt vom Burgunder-Glas

So wie es aussieht, hätte der Wein noch etwas länger lagern können, es waren noch genug Tannine da, auch die Frucht noch sehr präsent. Leider war das die letzte Flasche…

pH: 3.22

Brix: 8.1

Alkohol: Angenehme 12.5% Vol

Das waren noch Zeiten, als ein guter Rotwein mit 12-12.5% Vol ausgekommen ist.

1996 Cuvée Opus Réserve de l’an 2000, Coteaux du Loir, J. Gigou

Die Loir, nicht zu verwechseln mit der Loire, ist mit über 300 km Länge einer der größeren Nebenflüsse der Loire. Im vitikulturell wichtigen Abschnitt verläuft sie nördlich fast parallel zur Loire. Die Appellationen dort sind Jasnières, Coteaux du Vendômois und Coteaux du Loir. Bei den Weißweinen herrscht die Chenin Blanc-Traube vor, bei Rotwein werden hier die besten Pineau d’Aunis Frankreichs gekeltert, u.a. von Patrice Colin, mit Rebstöcken von 1890, und der Domaine Bellivìere, mit 80-100 jährigen Rebstöcken.

Der Winzer Joël Gigou der Domaine de la Charrière ist zwar nicht in den aktuellen Wein-Bibeln (rvf, Bettane & Desseauve) vertreten, aber dennoch ein wichtiger Winzer der Region. Seine Weine werden in Jasnières und Coteaux du Loir angebaut, hier mit besonderem Augenmerk auf solide Chenin Blancs in trocken und auch süß wobei seine Süßweine nicht die Konzentration der großen Süßweine von Vouvray oder Chaume haben, sondern eher im Auslese-Stil Ausdruck finden.
Als erster Winzer seiner Familie muss er nicht mit Traditionen kämpfen. Darum bringt er auch einen oxidativ ausgebauten Chenin Blanc (Duo Majeur) und einen halbtrockenen, roten Schaumwein von der Pineau d’Aunis-Traube nach der Methode Ancestrale (La Bulle Sarthoise) hervor.

Kennen gelernt habe ich ihn zum erstenmal auf der Weinmesse der Vignerons Independants in Lille im Jahr 2001. Seitdem ist sein Stand ein fester Punkt beim alljährlichen Messebesuch geworden.

Die Cuvée Opus, 100 % Chenin Blanc, wurde mit dem Zusatz Réserve de l’an 2000 versehen. Das heißt, laut Winzer sollte der Wein nicht zu früh getrunken werden, sondern frühestens ab dem Jahr 2000. Wie Monsieur Gigou mir erzählte, handelt es sich beim Opus um einen Süßwein, dessen Erschaffung einem Insekt zu verdanken ist, dem Traubenwickler. Dieser hat anscheinend die Blütenstände der Reben so weit dezimiert, dass sich die Kraft der Rebstöcke auf die wenigen, übrig gebliebenen Reben konzentrieren konnte und hat so diesen Wein geprägt.

Ähnliches habe ich vorher nur im Buch The Wines of Alsace über den 1988er Pinot Blanc NC Eudemis von Pierre Frick gelesen.

Also Flasche auf und eingegossen:

Appetitliches gold, in der Nase die Chenin-typische Quitte, leichter, getrockneter Ingwer, Akazienhonig, leichte Rosenblätter. Mit Erwärmen wird die Honig-Note kräftiger, die Quitte aber bleibt im Mittelpunkt. Keine Botrytis-Noten, nur die Arbeit des Traubenwicklers. Und auch noch keine oxidative Noten.

Der erste Schluck offenbart eine perfekte Balance von Süße, Säure und Körper für einen Wein im Auslese-Stil. Hibiskus-Tee, gekochte Quitte, später Esskastanie und Kombu-Alge.

Klare Aromen, klare Struktur, leider meine einzige Flasche. Selbst 13 Jahre nach dem ursprünglich zum Trinken angedachten Datum noch frisch, zeigt die Cuvée Opus das unglaubliche Potential der Chenin Blanc-Rebe.

pH: 2.88

Brix: 12.8

Alkohol: 11.5 % Vol

2011 nord sud Gens et Pierres Vin de France

Ein interessantes Konzept: Man nehme einen kräftigen Weißwein aus dem Languedoc und vermenge ihn mit einem spritzigen Weißwein von der Loire. Das ganze dann nicht von einer Großkellerei sondern von einer Deutsch-Französischen Kooperation, bestehend aus einem deutschen Weinhändler für Bio-Weine und einem französischen Önologen.

Wie nach langer Recherche auf der französischen Homepage festgestellt, handelt es sich um Weine der Domaine Soulié (St Chinian) und Frederic Brochet (Vins de Vienne) , der berühmt für seine Ampelidae-Reihe (zumindestens in Frankreich) ist. Und beide Winzer werden vom deutschen Weinhändler (Peter Riegel) vertrieben.

Gefunden habe ich die Flasche in der Restekiste eines Kölner Weinladens in der Südstadt.

In der Nase: Birne, Kleehonig, gefolgt von Vollkorn-Birnen-Streusel, also auch leicht nussig. Weiter Anis und Estragon und ein kurzer Auftritt von Feuerstein.

Im Mund sehr voll, leicht salzig, leichte Säure. In dieser Kombination fühlt es sich saurer an als es wirklich ist. Die Aromen von Birne und Sojasauce bleiben im Mund, zwischendurch aber auch Gummi.

Fühlt sich mehr an wie ein guter Weißer aus dem Languedoc, der Sauvignon Blanc kommt nur ganz kurz durch (Feuerstein). Es wäre interessant zu sehen, wie genau die Verteilung aussieht.

Zu Ziegenkäse mit Honig und Pinienkernen oder einer Brandade kann ich mir das ganze gut vorstellen. Jetzt zu trinken (Sojasauce ist leichter Alterston).

pH: 2.87

Brix: 6.6

Alkohol: 13 %Vol