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Bekannt für leichte Rieslinge, oft mit einer gewissen Restsüße wachsen hier aber auch andere alte Rebsorten wie der Elbling, aber auch Newcomer.

Elbling Battle 1994 Spätlese vs 1996 Auslese

Der Elbling gilt als älteste Rebsorte Deutschlands. Es wird ihr sogar nachgesagt, von den Römern vor 2000 Jahren nach Germanien gebracht worden zu sein. Das lässt sich natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, aber vor 200 Jahren war sie noch die meist verbreitete Rebsorte in Deutschland. Heute ist sie nur noch an der Mosel und auch am Bodensee anzutreffen. Meist für die Sektproduktion angedacht, finden sich ansonsten eher Schoppen-Weine von neutralem Charakter und kräftiger Säure. Vereinzelte Winzer versuchen etwas mehr Geschmack durch längere Reifung auf den Hefen (sur lie) in den Wein zu bringen. Vorbild ist hier der Muscadet sur lie von der westlichen Loire, der auch mit einem Image-Problem und niedrigen Preisen zu kämpfen hat.

Der möglicherweise einzige Winzer, der regelmässig den Elbling zu Spätlese und Auslese-Weinen reifen lässt, ist Baron von Hobe-Gelting vom Weingut Schloss Thorn. Dieses liegt auf der deutschen Seite der Obermosel gegenüber von Remich in Luxemburg, in einem von Muschelkalk geprägten Abschnitt. Neben dem Elbling ist das Weingut auch bekannt für seinen Sauvignon Gris, einer Mutation des bekannteren Sauvignon Blanc.

Der Jahrgang 1994 gilt als sehr gut. Die Rebblüte war um 1 Woche früher als normal, ein heißer August brachte die Reife der Trauben um 2 Wochen nach vorne. Doch der lange Regen im September förderte dann frühe Fäule, die im sonnigen Oktober als Edelfäule zu vielen Auslesen und höherwertigen Weinen führten. Bei all dem haben sich die Weine aber eine kräftige Säure bewahrt.

Im Gegensatz dazu der Jahrgang 1996: Ein Spätstarter, der durch Wetterwechsel in den entscheidenden Anfangsphasen mit einem drastischen Rückgang der Erntemenge zu kämpfen hatte. Erst ein sehr guter Oktober brachte die Wende: hohe Säure und Mostgewichte mit viel Extrakt. Kaum Edelfäule.

Der Battle, 1. Tag:

1994 Spätlese, ganze Flasche:

Frisch aus dem Kühlschrank: Honig, Kreide, Limette. Der Honig wird stärker, leichte Vanille, Kamille, Körnerjoghurt. Im Mund relativ voll mit einer kräftigen Säure, die aber zuerst noch von der Fülle verdeckt wird. Leichte Restsüße, die eher an Kabinett erinnert. Aromen von leichtem Champignon, überreifer Zitrone und Honig im Mund, wird von leichtem Oxi-Ton eingeholt.

1996 Auslese, halbe Flasche:

Auch frisch aus dem Kühlschrank: Porridge mit Honig. Der Honig wird mit der Zeit stärker, hinzu kommen etwas gebackene Banane und Kerbel. Im Mund ähnlich voll wie die Spätlese, etwas geringere Säure, höherer Restzucker, ähnlich einer Spätlese. Oxi-Noten mit Karamell im Nachgeschmack. Wärmer kommt der Wein etwas breiter durch und zeigt Aromen von Tomatensaft, Honig, Karamell.

Der erste Tag endet mit einem leichten Punktsieg für die Auslese, fühlt sie sich ausgewogener an.

Battle, zweiter Tag:

1994: Honig, ungeröstete Nori-Alge in der Nase. Überreife Zitrone und Honig im Mund.

1996: Sojasauce (Oxidation), leichter Honig. Im Mund Zitrone und leichte Sojasauce. Dieser Wein hat seinen Zenit leider überschritten.

Ein klarer Sieg für die Spätlese. Ob da jetzt der Jahrgang eine Rolle spielt oder einfach nur das größere Format der Flasche, werde ich wohl nicht mehr erfahren.

 

 

 

1990 Riesling Spätlese Battle – Steinberger vs Bernkasteler Schlossberg

Nicht oft ergibt sich die Gelegenheit, alte Jahrgänge miteinander zu vergleichen. Ein Gang in meinen Keller brachte dennoch dieses interessante Pärchen hervor:

Aus dem Rheingau mit 10% Vol der Steinberger, der Vorzeigeweinberg der Staatsdomäne Kloster Eberbach.

Von der Mosel mit leichten 8.5% Vol ein Bernkasteler Schlossberg vom VDP -Weingut Witwe Dr. H. Thanisch.

Rheingau:

Im Glas zeigt sich der Rheingau dunkler von der Farbe. Man erwartet Alterstöne, die sind aber nicht zu finden. Statt dessen Honig, Grapefruit und Holunderblüte, Birne, leichter Muskattraubenton gefolgt von Limette. Bis auf Honig und Limette nicht unbedingt Geschmacksnoten die von einem Riesling zu erwarten sind, sondern eher an Sauvignon Blanc oder Scheurebe erinnern.

Der erste Schluck offenbart bei leckerer Säure mit leichter Süße reife Limette, die lange im Mund verweilt. Die Süße ist schnell heruntergespült, die Säure bleibt länger präsent.

Mosel:

Im Vergleich dazu glänzt der Bernkasteler mit einem Potpourrie von Honig, getrockneter Ananas, Limette und leichtem Jasmin. Mit Erwärmen im Glas kommen noch Vanille und ein leichter Champignon-Ton hinzu. Auch hier kein Petrol.

Im Mund ebenfalls eine kräftige Säure, die aber von einer überzeugenderen Süße begleitet wird. Es breiten sich Aromen von Limette und Honig aus.

Im Vergleich zum Rheingauer ist hier die Süße-Säure-Balance ausgeglichener, macht den Wein direkt süffiger. Der Steinberger hingegen überzeugt durch seine einzgartige Aromatik. Beide haben noch weiteres Potential, leider waren das meine letzten Flaschen.

Dieser Vergleich geht damit 1:1 aus.

Die Daten:

Steinberger

pH: 2.55

Brix: 8.0

Alkohol: 10%Vol

 

Bernkasteler Schlossberg

pH: 2.25

Brix: 8.4

Alkohol: 8.5% Vol