Schlagwort-Archive: Muskateller

Eine große Gruppe von Rebsorten, die alle eines verbindet, der Geschmack von reifen Trauben.

Serbische Weine Teil 1: 2011 Sofia Tamjanika – Braca Rajković

Als häufiger Benutzer der Vivino-App, einem Wein-Scanner für Smartphones, bei der man sich durch Scannen von Weinen Badges verdienen kann, bin ich auf ein relativ unbekanntes Weinland gestoßen, zu welchem mir noch ein „Abzeichen“ fehlt. Serbien.
Die erste Suche im Internet nach interessanten Flaschen war leider nicht sehr erfolgreich. Die Weine der Nachbarn Kroatien und Slowenien sind da viel einfacher zu bekommen. Zu denen gibt es bei Vivino aber keine Badges…

Dabei hat Serbien eine lange Weingeschichte, die auch die Europas beeinflusst hat. Der im serbischen Sremska Mitrovica geborene römische Kaiser Probus, förderte den Weinbau nördlich der Alpen, indem er das Edikt von Domitian auflöste, welches den Weinbau dort verbot. Dies inspirierte die Serben dazu, ihm einige Rebneuzüchtungen zu widmen (Probus, Pannonia, Sirmium).
Bis zur Besetzung Serbiens durch die Ottomanen florierte der Weinbau. Auch nach der Befreiung wurden wieder fleißig Weinreben angebaut. Die Reblaus hatte eine geteilte Auswirkung auf das Land. Im nördlichen Subotica-Horgos, nahe der ungarischen Grenze, konnte die Reblaus das Wurzelwerk der Reben nicht angreifen, da dort der Boden sehr sandig ist. Von hier aus wurde dann viel Wein exportiert, da es in anderen Ländern wegen der Reblaus zu einer Weinknappheit kam. In den anderen Regionen Serbiens wurde die Reblaus zu einem ernsten Problem, das erst durch Aufpropfung auf Amerikaner-Reben gelöst werden konnte. Während der Zeit des Kommunismus wurde dann mehr auf Ertragsmenge als Qualität gesetzt. Jetzt mit der Annäherung an die EU und ihren Markt, wurde das Wein-Gesetz dem europäischen angepasst und mehr Wert auf Qualität und deren Kontrolle gelegt.
Das Weinland Serbien hat ein einzigartiges Klima. Gemäßigt bis gemäßigt warm, subhumid bis feucht mit sehr kühlen Nächten.
Badische kühle Nächte und Niederschlag gepaart mit der Sonne der Toscana würde das ganz gut beschreiben. Eher rot als weiß. Nur die hohe Feuchtigkeit stört etwas, aber hier sorgt meist ein kräftiger Wind, dass die Reben nicht krank werden. Dafür muss aber der Ertrag kontrolliert werden.

Die wichtigsten Weinbauregionen sind von Norden nach Süden:

Subotica-Horgos:
Sandboden, am Palić See gelegen, unweit der ungarischen Grenze. Das kühlste Weinbaugebiet Serbiens wobei der See als Wärmespeicher wirkt und nachts die Temperaturen nicht so stark abfallen wie im restlichen Serbien.

Banat:
Südlich an den Karpaten gelegen und mit noch spürbar deutschem Einfluss wird hier hauptsächlich Weißwein angebaut. Was nicht ganz so viel Sinn macht, weil hier die höchste Durchschnittstemperatur herrscht und auch die Nächte die wärmsten Serbiens sind. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Srem:
In dieser fruchtbaren Ebene an der Grenze zu Kroatien wird der Weinbau hauptsächlich durch den Fruška Gora-Berg geprägt. An dessen Südseite werden die meisten Reben angebaut. Auch hier werden die Nächte nicht so kalt, ähnlich wie in Banat hat hier das Gebirge einen Einfluss. Auch hier wird hauptsächlich Weißwein produziert.

Sumadija – Great Morava:
Eingepfercht von den zwei Flüssen, Donau und Morava, gehört das Gebiet zu den eher kühleren Regionen Serbiens. Aber auch das ist nur relativ zu sehen. Cabernet Sauvignon kann hier voll ausreifen.

West Morava:
Das hügelige Gebiet am westlichen Zuläufer der Morava gilt als Ursprung des Weinbaus in Serbien. Es hat hier aber auch mit dem höchsten Niederschlag zu kämpfen.

Timok:
Dieses kleine Gebiet bietet die höchsten Temperaturschwankungen von Sommer und Winter, aber auch von Tag und Nacht. Hier könnten extrem wärmeliebende Rebsorten wie Mourvèdre und Carignan ausreifen, wenn da nicht der Frost im Winter wäre der die Rebstöcke angreift.

Nisava – South Morava:
Gebiet zwischen dem Fluss Nisava und dem südlichen Zuläufer der Morava. Eher wärmer aber nicht so extrem wie Timok.

Daneben gibt es noch das kleine Pocerina um den Berg Cer und je nachdem wie man zur politischen Lage steht auch noch den Kosovo.

Un nun zu den Weinen:

Gefunden habe ich sie auf der Seite von Samovino, einem jungen Start-Up in the Making auf Crowdfunding-Suche. Ihr erklärtes Ziel ist es, serbische Weine in Deutschland bekannt zu machen und hier auch zu vertreiben. Dafür sind sie zweimal nach Serbien gefahren und haben bei 40 ausgewählten Winzern über 200 Weine probiert. Lukas Ertl, einer der Gründer, war so nett mir 3 Weine zuzusenden, die ins Sortiment aufgenommen werden sollen.

Sofia Tamjanika Braca Rajkovic 2011

2011 Sofia Tamjanika, Weingut Braca Rajković, Weinregion Župa, Teil der Region West Morava
Die Tamjanika-Rebe ist eigentlich identisch mit dem Muscat blanc á petits grains, nur wird sie schon seit über 500 Jahren hier angebaut und hat sich durch natürliche Selektion der Region angepasst.
Die Familie Rajković betreibt schon seit dem 18. Jhd. Weinbau in der Region. Es sind hauptsächlich Rotweinreben, unter anderem auch Serbiens erste Pinot Noirs (1962). 2011 ist jetzt nicht der jüngste Jahrgang für einen Muskateller, aber mal sehn.

Aus dem Kühlschrank frisch ins Glas:
Kräftige, reife Melone gefolgt von Holunderblüten, reife Aprikose, Akazienhonig und Grapefruit.
Im Mund voll, weiche Säure, die sich nach hinten hin ausbreitet, zusammen mit einem deutlichen Bitterton. Grapefruit gefolgt von Holunderblüte im Nachgeschmack.
Der Tamjanika schmeckt wie ein reif geernteter Muscat, dem noch ein paar Viognier-Trauben in die Presse gefolgt sind, keine Spur von Oxidation, dafür voller Frucht. Eher kühl bis kalt zu genießen, sonst wirkt er etwas breit, die Frucht ist kräftig genug um auch kalt seine Wirkung zu entfalten.

pH: 3.45

Brix: 7.6

Alkohol: 12.5 Vol%

Mein erster serbischer Wein war schon mal eine angenehme Überraschung.

Die Vivino-App hingegen bedarf noch einiger Verbesserungen. Unter anderem habe ich trotz scannen der drei Weine noch keinen Badge erhalten.

Salon des Vignerons 2014 in Olne, Provinz Lüttich, Belgien, 6-7.4. 2014

Das kleine Dorf Olne (3822 Einwohner, Januar 2014) in Belgien, nahe der großen Stadt Lüttich (197013 Einwohner, Januar 2014) wurde 2007 in die Reihe der schönsten Dörfer der Wallonie aufgenommen. Seit 2008 findet hier regelmäßig der kleine aber feine Salon des Vignerons statt, eine Verbraucher-Weinmesse mit biologischen, biodynamischen oder anderen naturnahen Weinen. Schon letztes Jahr hatte ich mir das Event nicht entgehen lassen, welches wie auch diesmal in der Sporthalle des Ortes stattfand. Da es in diesem kleinen Ort nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, habe ich 2013 eher gezielt probiert und eingekauft, um dann den Abend in der kleinsten Stadt Belgiens, Durbuy (11326 Einwohner, Januar 2014) zu verbringen. Dieses Jahr war geplant, viel zu probieren und weniger zu kaufen, also musste eine andere Übernachtungsmöglichkeit her. Da kam die Jungfernfahrt unseres Wohnmobils doch wie gerufen. Der städtische Campingplatz von Soumagne direkt am Château Wégimont liegt nur 2.9 km entfernt vom Zielort, mit dem Fahrrad eigentlich gar kein Problem, wenn man mal die Topografie außer acht lässt. Viele Stellplätze sind an Dauercamper vermietet, viele Italiener aus Lüttich. Wie wir dann herausfinden durften, liegt zwischen den beiden Orten eine Anhöhe mit ca. 70 Meter Höhenunterschied, die mit einfachen Stadträdern und einfacher Kondition nur schwer zu meistern war.

Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt
Die Anhöhe von Olne auf der Rückfahrt

Das war aber nicht der Grund für die längere Pause auf halber Strecke: einmal Schlauch flicken, bitte. Um den Kauf von vorne herein einzuschränken, wurden nur Fahrradtaschen und ein Rucksack mitgenommen, insgesamt Platz für gut 12 Flaschen. Endlich angekommen gab es für 8€ ein Weinglas und die Chance auf einen Gewinn in der großen Tombola. Und die Möglichkeit bei 40 Winzern fleißig zu probieren. Die meisten kamen aus Frankreich mit Schwerpunkt Loire und Languedoc, 2 aus Spanien, einer je aus Italien und der Schweiz.

Meine Highlights:

Stéphanie Olmeta, Patrimonio, Korsika

Aleatico 2013 Patrimonio blanc, 100% Vermentino, erinnerte stark an einen Viognier, Aprikose, weich aber mit guter Säure und leichtem Bitterton. €15

2013 Patrimonio rosé, 100% Nielluccio (Sangiovese), war sehr blumig mit rohem Rindfleisch im Abgang. €11,50

2011 Patrimonio rouge, 100% Nielluccio, Bauernbrot aus dem Holzofen mit dunkler Kruste und Schweinebraten mit Dunkelbiersauce, nicht allzu kräftige Tannine. €14

2008 Aleatico. Diese aromatische Rotweinrebsorte kommt eigentlich nur in Italien vor, auf ganz Korsika wachsen 10 ha. Der 2008er wurde bewusst oxidativ ausgebaut. In der Nase Rosinen, im Mund dann trockener Jägermeister mit entsprechendem Bitterton. €16 für 500ml

2012 Aleatico. Dieser Jahrgang wurde konventionell abgefüllt. Sehr blumig, mit viel Hopfen und einer angenehmen Bitternote, die an ein gutes, dunkles, belgisches Bier erinnerte. €16 für 500ml, leider vor Ort ausverkauft.

 

Le Clos des Grillons, Rhône

Pic Gris 2013Von diesem Winzer habe ich letztes Jahr schon einen Wein gekauft, den 1901, ein Bourboulenc von 1901 gepflanzten Rebstöcken. Dieses Jahr war der leider nicht mit dabei, dafür eine weitere Rarität: die vom Aussterben bedrohte Rebsorte Picpoul Gris. Bekannter ist die Picpoul Blanc, die einzig zugelassene Rebsorte für den vor Ewigkeiten kurz in Mode geratenen Picpoul de Pinet.

2013 Le Pic Gris, 100% Picpoul Gris, Côtes du Rhône blanc. Apfelstrudel, gute, mineralische Säure. Apfel im Abgang. €8

2013 Primo Senso, Cinsaut & Mourvedre, Maceration carbonique. Erinnerte an einen besseren Trollinger, leicht und duftig. €8

Mas des Caprices, Fitou 

Mas des Caprices

2013 Le Blanc de l’œuf, Macabeu, Grenache Blanc, Muscat. Im Beton-Ei ausgebaut. Gute Säure für einen Südfranzosen, dezent blumige Nase mit leichtem Bitterton. €12

2013 Ozé le Rosé, Grenache, Mourvedre und Syrah, Corbieres. Dunkle Farbe, animalische Nase mit leichter Zitrusnote, spritzige Säure. € 7.50

2013 R.A.S. Rouge A Siroter, Carignan, Grenache und Mourvedre, kurze Maischestandzeit von nur 5 Tagen. Gekühlt serviert erinnerte der Wein an einen einfachen, ehrlichen Beaujolais. €8.50

2012 Oufti, Mourvedre 50%, Carignan 35%, Grenache Noir 15%. Fitou. Expressive Frucht. Blaubeere und rohes Rindfleisch. Ideal zum Barbecue. €12

2010 Anthocyanine, hauptsächlich alte Mourvedre, Fitou. Animalisch, würzige Brombeere, kräftige Tannine. €16

2011 Grenat, Grenache Noir, Rivesaltes. Orangenschokolade mit Honigknusper. Nicht zu süß mit guter Balance zwischen Tanninen, Säure und Restzucker. €11 für 500ml

 

Mas Sibert, Languedoc

Saramon
Das junge Winzerpaar Sara Frémine und Simon Bertschinger aus Fos, nördlich von Bezier, legt besonderen Wert darauf, alles selbst im eigenen Haus zu machen. Selbst die Etiketten auf die Flaschen kleben. Im Vorfeld bei meinen Recherchen ist mir das Weingut aufgefallen, weil es einen Rosé aus 100% Aramon, den Saramon, produziert hat. Leider ist der Weinberg gerodet worden, da die Rebstöcke zu alt und krank waren. Die neue Cuvée Saramon Rosé 2013 kommt deshalb mit einem anderen Rebenmix daher, der eher ungewöhnlich ist: 60% Syrah, 30% Sangiovese, 5% Merlot und 5% Petit Verdot. Das ergibt einen dunklen Rosé, der mit seiner kräftigen Cassis-Note eher an einen Claret aus dem Bordeaux erinnert. €7

Domaine des Vigneaux, Ardeche
Les Vigneaux Viognier
Dieses Weingut südlich von Alba la Romaine in der Ardeche benutzt keinen Schwefel bei seinen Weißweinen und nur wenig bei den Roten. Besonders beeindruckt hat mich hier der Viognier.
2012 De l’Aube, 100% Viognier, Vin de France. Ungeschwefelt ist der Wein ohne die typischen Most und Essig-Noten. Kräftige Aprikose, Jasmin, leichte Eiche. €9

Mit leckerem Käse gestärkt Fromage Olne und der Feststellung, dass die meisten Winzer am Ende doch lieber ein Bier trinken, ging es dann voll beladen wieder zurück, den Berg rauf und wieder runter.
Am nächsten Tag fand genau auf dieser Strecke übrigens ein regionales Mountainbike-Rennen statt.

1985 Passito di Moscato di Strevi

Ein Rätsel von einem Wein. Jahrgang 1985. Appellation: Passito di Moscato di Strevi. Diese DOC gibt es erst seit 2005 im Piemont, ist es offiziell ein Wein? Die Gegend ist bekannt für süßen Schaumwein aus der Brachetto-Traube. Der Winzer, D(omenico) Ivaldi wird in „Aperitivif- und Dessertwein“ von Radford und Brook (Hallwag, 2000) als Produzent von einem Passio aus dieser Traube erwähnt, aber der Muskateller wird nicht erwähnt.

Gelber Muskateller, reif geerntet und dann noch mal getrocknet, bevor vergoren. Mit 14.5 %Vol Alkohol eher recht kräftig, Korken mir Wachs versiegelt, also kein Verlust zu erwarten.

Kapsel Passito Moscato di Strevi
Solch eine Kapsel habe ich bisher aber auch noch nie gesehen

Trotzdem schnell geöffnet, ins Glas und unter die Nase:

Honig, gekochte reife und getrocknete Ananas, leichter Zimt, später dann buttriger Rosinenbrioche.

Leckere Säure, die zuerst die kräftige Süße überspielt, aber dann doch in den Hintergrund gedrängt wird. Leicht oxidative Noten von Walnuss, Rosinen, getrocknete Aprikosen, später Orangensirup, Pfirsich und Rosenblätter. Hinterlässt einen leichten Pelz im Mund. Erscheint aber auch nicht so alkoholisch wie angekündigt. Nicht sonderlich komplex, aber dennoch ein guter, gealteter Wein.

Macht Spaß, so zu trinken, aber auch gut zu einer Kokosnuss-Mousse oder einer Ananas-Tarte Tatin.

pH: 2.56

Brix: 21.9

Alkohol: 14.5 %Vol