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Die Heimat vom Grünen Veltliner, wachsen hier aber auch noch andere Spezialitäten wie der Blaue Wildbacher, Rotgipfler, Frühroter Veltliner…

90er Austria kleine Flaschen Battle: 96er Grüner Veltliner vs 99er Roter Veltliner Auslese vs 93er Neuburger BA

Heute fand eine kleine Runde kleiner Flaschen aus Österreich den Weg in meine Küche. Alles Flaschen aus den 90er Jahren, alle zwischen 0.375 und 0.5 Liter Größen. Ein einfacher Grüner Veltliner aus dem Jahrgang 1996 von einem nicht unbedeutenden Weingut aus Langenlois, eine 99er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken, auch aus dem Kamptal sowie eine 93er Beerenauslese von der Neuburger-Rebe aus Rust. Bis auf den Grünen Veltliner sind hier Rebsorten vertreten, die nicht besonders für ihre Lagerfähigkeit bekannt sind. Was, kombiniert mit der Tatsache, dass es sich um kleine Flaschen handelt, eher für ein kurzes Weinerlebnis spricht.

1996er Langenloiser Steinhaus Grüner Veltliner trocken vom Sonnenhof Jurtschitsch:
Direkt nach dem Öffnen bezaubert der Wein mit einem Bild von einem frischen Weissbrot kräftig bestrichen mit Butter und Alpenrosenhonig. Nach 5 Minuten verdrängt gekochter Apfel den Honig. Im Mund gute Säure, Apfel und Honig, leichter weißer Pfeffer im Abgang. Leider baut der Wein schnell ab, wird Sherry-lastig, oxidativ.
pH: 3.27
Brix: 6.6
Alkohol: 12 Vol%

1999er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Kamptal Rosenberg vom Weingut Mayer-Hörmann:
Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Mayer-Hörmann
Die Nase zeigt einen Apfel-Grundton, der von einer starken Kräuternote (Salbei, Thymian) begleitet wird. Er ist sehr vollmundig, eine leichte Süße, adequat ausbalancierte Säure und leichte Bitternote, die die Kräuternote noch hervorhebt. Dieser Wein kommt aus der 0.5 Liter Flasche und zeigt sich auch nach 2 Stunden noch unverändert.
pH: 3.21
Brix: 9.6
Alkohol: 14.9 Vol%

1993er Neuburger Beerenauslese Rust vom Weingut Marienhof Gerhard Just:
93er Neuburger BA Weingut Marienhof Gerhard Just
Der Neuburger erinnert stark an einen Gewürztraminer. Getrockneter Pfirsisch, Honig, Rose, kurz kräftige Nori-Alge, die aber schnell wieder verschwindet. Eine für die Süße etwas zu geringe Säure und der Bitterton spielen auch in die Hand von Gewürztraminer.
pH: 3.53
Brix: 12.1
Alkohol: 14.5 Vol%

Am meisten haben mir die ersten Minuten des Grünen Veltliners gefallen. Insgesamt hat aber sonst der Rote Veltliner die Nase vorn, er zeigt sich aromatisch und ausbalanciert.

Traubensaft Battle Schweiz vs Österreich, Müller Thurgau vs Grüner Veltliner

Nach den alkoholreichen Feiertagen gibt es heute einen Rebsorten-Battle ohne den Kater-machenden Grundstoff. Aber keinen entalkoholisierten Wein, sondern die Vorstufe: Traubensaft. Meist wird im Supermarkt ein generischer Traubensaft in den Farben Rot oder Weiß angeboten. Manchmal wird die Herkunft des Mostes angegeben, die Rebsorten aber nicht. Bei vorweihnachtlichen Einkäufen in Düsseldorf sind mir aber je zwei sortenreine Traubensäfte in den Farben Rot und Weiß  in die Hände gefallen.

Von der Staatskellerei Zürich ein Müller-Thurgau (bzw. Riesling-Sylvaner) und ein Pinot Noir (Blauburgunder), beide aus Züricher Trauben, je 0.75 Liter unter 4€ bei Mövenpick.

Vom Stift Klosterneuburg ein Grüner Veltliner und ein St. Laurent. Beide ungefiltert und aus den eigenen extensiven Weingärten rund um den Großraum Wien und mit Vitamin C vor Oxidation geschützt. Diese kommen als Literflasche daher, 5.50€ bei Manufactum.

Um den Traubensaft haltbar zu machen, wurden sie wohl alle pasteurisiert, was Aromen-Verlust und -Veränderungen hervorbringen kann.

Auch ob die Säfte von jungen Rebstöcken stammen, deren Trauben noch nicht legal zur Weingewinnung verwendet werden dürfen, kann ich nur spekulieren.

Heute kommen erstmal die Weißen zum Zuge.

Schweiz/Müller-Thurgau:

Im Glas klar, zeigt sich kein besonders hervorstechendes Aroma. Blind würde ich auf Traubensaft tippen. Milde Säure, nur leichte Süße, relativ voll. Im Mund dann Honig, Banane und gekochte Birne im Nachgeschmack.

pH: 3.25

Brix: 15.2

Österreich/Grüner Veltliner:

Der Veltliner ist trüb, zusätzlich zum Traubensaft hat es etwas gekochte Tomate in der Nase. Auch hier eine milde Säure und volles Mundgefühl, bei einer im Vergleich etwas kräftigeren Süße. Honig mit langem Ananas-Finnish. Am Boden der Flasche lässt sich Weinstein finden.

pH: 2.98

Brix: 16.2

Süffiger und aromatischer, hat hier der Veltliner die Nase vorne.

1969 Zierfandler naturrein, Burgenland, Mühlensiepen

Heute gibt es mal wieder einen „Gerade-noch-so-Survivor“, dazu aber auch wieder erst später.

Nach dem letzten „Gerade-noch-so-Survivor“ ( wir erinnern uns, der 2007er Rotgipfler mit defekter Kapsel) gab es heute Abend seinen besten Kumpel, den Zierfandler. Diesmal allerdings nicht aus der Thermenregion sondern dem Burgenland, einem großen Weinbaugebiet im Osten Österreichs. Der Jahrgang 1969 gehört mit zu den Top-Jahrgängen des letzten Jahrhunderts, deshalb hatte ich ein wenig Hoffnung, als ich die Flasche vom Keller in die Kühlung stellte. Was gegen ihn sprach war die Tatsache, dass der Burgenländer höchstwahrscheinlich im Tanklastzug von Österreich nach Deutschland (Traben-Trarbach) gekarrt wurde, um dort dann von der Weingroßkellerei Mühlensiepen auf Flasche gezogen zu werden.
Der Füllstand war mit 2 cm unter Korken für so einen alten Wein noch exzellent. Nach dem Durchtrennen der Bleikapsel musste erst mal der Korken gesäubert werden. Eine leichte Schicht organische Masse bedeckte den Korken und hielt ihn auch am Flaschenhals fest, wie ich beim ersten Versuch, den Korkenzieher in den Korken zu Bohren feststellen musste. Der Korken sackte nach unten; Versuche, den Korken mit Vakuum wieder hochzuholen, schlugen fehl, also musste trotz ungünstiger Lage doch noch versucht werden, ihn mit der Spirale herauszuholen. Dies ist mir dann auch gelungen, nicht in einem Stück, dafür war er schön durchnässt und bröselig. Am Korkenende zeigte sich eine leichte Schicht Weinstein.
Dann den Wein schnell ins Glas um die orange Farbe zu bewundern, wobei er auf dem Foto schon Richtung braun tendiert.
Ein leichter Muff, frisch aus dem Kühlschrank geholt, machte keinen Apettit, ging aber relativ schnell vorbei, um dann einem leichten Honig-Duft Platz zu machen. Es folgte der Duft von frisch kochenden Stangenbohnen und Esskastanien. Danach dann kräftiger Duft von getrockneten Früchten, hauptsächlich Rosinen und Feigen, leichter Zimt und gemahlener Koriandersamen. Im Mund zeigte er sich voll, leichte Säure mit dezenter Süße (Richtung Spätlese) die aber von einem Bitterton begleitet wurde. Leichte Trockenfrüchte, überreife Orangen, von der Aromatik jetzt eher kurz gehalten.
Nach 10 Minuten war der Spaß dann leider vorbei, jetzt schmeckte er nur noch muffig. Deshalb ein „Gerade-noch-so-Survivor“, aber auf jeden Fall die Erfahrung wert.

pH: 3.20
Brix: 8.1
Alkohol: Geschätzte 13 % Vol

2007 Rotgipfler vom Berg, Thermenregion, Karl Alphart

In der Kategorie Survivor stehen normalerweise bei mir Weine, die schon etwas älter sind, und von denen ich annehme, dass die besten Tage schon vorbei sind die sich dann aber überraschender Weise als voll lebendig erweisen. Der heutige Kandidat fällt da etwas aus dem Rahmen, aber dazu gleich mehr.

Die Rotgipfler-Rebe ist mit dem Zierfandler eine von zwei autochtonen Rebsorten aus der Thermenregion, südlich von Wien. Zusammen wurden sie früher als Gumpoldskirchner mit einer gewissen Restsüße verkauft, oft von minderer Qualität, so dass sie irgendwann mal auf einem ähnlichen Level stand wie die Liebfrauenmilch. Was an sich sehr schade war, so spricht Jancis Robinson ihr durchaus Lagerfähigkeit zu. Das haben die Winzer dann zum Glück auch selbst eingesehen und an der Qualitätsschraube gedreht.

Einer von ihnen ist Karl Alphart, der sich auf den Rotgipfler spezialisiert hat. Der „vom Berg“ ist dabei die einfache Version mit Schraubverschluss zum schnellen Genuss. Und damit kommen wir jetzt auch zum Grund der Survivor-Kategorie.

Nach dem erfolgreichen Urlaub (erfolgreich, weil wieder einige interessante Weine gefunden) wollte ich diese in meinen Keller unterbringen, als mir eine seltsam deformierte Pappkiste auffiel. Ein schneller Blick offenbarte dass eine Flasche wohl ausgelaufen sein musste, der Übeltäter entpuppte sich dann sofort als jener Rotgipfler mit Schraubverschluss, der fette Schimmelrand am Drehverschluss war das Indiz. Auch die kleine Herde von lustigen Insekten die munter die Flasche längs liefen sprach dafür. Als letzten Beweis musste dann der um 5 cm niedrigere Füllstand herhalten und der Rotgipfler dann klein beigeben. Schnell gereinigt öffnete ich dann die Flasche und fand dann auch direkt den Grund für den Schwund: Das isolierende Kunststoffplättchen fehlte im Verschluss!
Drehverschluss

 

Im Juni diesen Jahres hatte ich die Flasche erworben, in trockenem Zustand. So ist sie dann seit der Abfüllung (2008?) fast 5 Jahre stehend gelagert worden, mit einem kleinen Einlass für Sauerstoff und so etwas schneller gereift als die anderen Flaschen. Um dann in 3 Monaten ein geschätztes halbes Weinglas zu verlieren.

In der Nase zeigte sich zuerst ein kleiner Käsestinker, der dann aber zum Glück schnell von leichter Birne, einem stark gekauten Bananenkaugummi und feiner Ananas übertüncht wurde. Mit Erwärmen wurde die Birne stärker: eingekochte Birne, danach vollreife Abate gefolgt von fast überreifer Ananas (Überreifeton vom Käsestinker?)

Im Mund dann sehr voll, leichter Bitterton, der die Seiten des Mundes beschlug gefolgt von einer längeren, seichten Säurewelle. Leichte Ananas in einer relativ kurzen Aromaphase.

Vom geleerten Glas stiegen dann nochmal kräftig Birne, Banane und Ananas in die Nase.

Am nächsten Tag gab es als Nachgeschmack Birne mit weißer Schokolade, eine leckere Kombination.

Der Wein war mir im Juni bei weitem nicht so fruchtig vorgekommen wie jetzt, meine anderen Flaschen können noch etwas weiter ruhen, diesmal aber im Stehen.

pH: 3.03

Brix: 7.4

Alkohol: 13 % Vol