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Wertvolle aber seltene Rotweinrebe aus den Savoyen.

Domaine Méjane, Saint Jean de la Porte, Savoie

Der nächste Halt nach dem Cave de Bernin war bei der Domaine Méjane, einem weiteren Teilnehmer bei France Passion. Späteste Ankunftszeit war mit 18:00 Uhr festgelegt, weil dann die letzte Möglichkeit auf eine Verkostung der Weine gegeben war. Leider stimmten die GPS-Daten, die im France Passion Guide angegeben waren, diesmal nicht, man wurde hinter das Haus geführt. Die Wegbeschreibung hingegen stimmte perfekt und so konnten wir gerade noch rechtzeitig unser Wohnmobil abstellen.
Domaine Méjane Wohnmobil unter den Bäumen
Der Stellplatz liegt im Park der Domaine, eine große Rasenfläche mit hohen Bäumen und einigen Unebenheiten. Das ganze Areal ist von einer Mauer umgeben, mit einem Tor, das abends geschlossen wird. Neben der Probierstube gibt es ein WC, welches benutzt werden kann. Vor dem Haus steht ein kleiner Brunnen, aus dem leckeres, klares Wasser fließt.
Domaine Méjane Brunnen
Nachdem wir das Wohnmobil abgestellt hatten, gingen wir direkt zur Probierstube, um die Weine der Domaine kennenzulernen. Die Weinprobe kostet normalerweise 5€, wird aber bei einem Einkauf ab 30€ erlassen. Dafür werden die Gläser aber auch gut gefüllt. Geschätzte 0.05 Liter. Ein Spucknapf war nicht zu sehen…
Domaine Méjane Tasting An Weißweinen bietet die Domaine Weine der Rebsorten Jacquere, Chardonnay, Roussanne und Altesse an. Von denen habe ich dann nur letztere probiert.

Domaine Méjane Roussette de Savoie 2013
Der einfache Altesse, oder Roussette, wie er hier auch genannt wird, gab einen guten Einstieg. Lindenblüte, Birne, Honig und Haferbrei. Anregende Säure mit weichem Ende. Und das für €5.50.

Domaine Méjane Altesse fût de Chêne
Selbe Rebsorte, diesmal Jahrgang 2012 und im Eichenfass ausgebaut. Dieser Wein kommt mit Orange, Vanille und leichter Eiche in der Nase daher. Leckere Säure, stärkere Eiche im Mund mit langem Trockenfrucht-Apfel-Pfirsisch Nachgeschmack. Mit €6.60 nahezu geschenkt.

An Rotweinreben hat die Domaine Gamay, Pinot Noir, Mondeuse und die seltene Persan im Programm. Gamay und Pinot Noir habe ich übersprungen.

Domaine Méjane Mondeuse St Jean de la Porte 2012
Die Mondeuse 2012 für €6.10 zeigte sich leicht mit mittleren Tanninen und kräftiger Säure. Wald und Rote Beete.

Domaine Méjane Mondeuse Fût de Chêne
Vom Cru St Jean de la Porte kam der nächste Mondeuse, Jahrgang 2010, aus dem Eichenfass. Weich mit roten Früchten, Kakao, Kirsche, Tannine schon gut abgebaut, Eiche im Nachgeschmack. Auch diesmal ist die Eichen-Version nur unwesentlich teurer: €6.70.

Domaine Méjane Persan
Highlight war der Persan 2012: Veilchen, dunkle rote Früchte, Pflaume. Noch jung, mit ausbalancierter Säure und Tanninen. Auch dieser Wein mit €6.70 eher geschenkt. Auf dem Etikett prangt der Wasserspeier vom Brunnen.

Blick von Domaine Méjane
Fazit:
Gute, günstige Weine, ein schöner Wohnmobil-Stellplatz mit brillanter Aussicht. Ich werde wieder kommen.

 

Verdesse, Persan, Étraire de la Dhuy – Cave de Bernin – Côteaux du Grésivaudan

Auf der Suche nach unbekannten Rebsorten muss man in unbekannten Regionen schauen. Eine davon liegt in Frankreich zwischen Grenoble und dem Gebiet des Vin de Savoie AOC, was auch zumindest in Deutschland nicht gerade oft anzutreffen ist. Die Côteaux du Grésivaudan sind Teil des IGP Isère (zusammen mit Balmes Dauphinoises) und haben mit niedrigen Preisen, hohem manuellem Aufwand und höheren Grundstückspreisen zu kämpfen. Dass es diese Weine trotzdem noch gibt, hat man auch der Leidenschaft der Winzer zu verdanken, die die alte Winzer-Tradition hochhalten. Vor allem durch den Anbau von autochthonen Rebsorten, die neben den auch in den benachbarten Savoyen vorkommenden Reben wie Jacquère und Mondeuse Noire ihren Platz beibehalten konnten.

Zu diesen gehören die weiße Verdesse und die roten Rebsorten Persan und Étraire de la Dhuy. Die Verdesse hatte ich vorher schon bei der Domaine des Rutissons probiert und für interessant befunden, mit 2ha in 2008 eine wahre Rarität. Persan und Etraire waren mir noch unbekannt, laut Wine Grapes handelt es sich bei der Etraire um einen Sämling von Persan. 2008 waren nur 6ha bepflanzt. Etwas mehr verbreitet mit 9ha in Frankreich und einigen Winzern im Piedmont ist die Persan-Rebe, in Italien Becuet genannt. Alle drei Rebsorten werden von der kleinen Winzergenossenschaft aus Bernin angebaut und einzeln abgefüllt. Damit sind sie, soweit ich feststellen konnte, die einzigen Winzer, die alle drei Rebsorten anbieten. Ein Grund dort mal vorbeizuschauen.

 

Cave de Bernin

Die Genossenschaft war mit Navi einfach zu finden und mit dem Wohnmobil auch gut zu erreichen, was in den Bergdörfern der Gegend leider nicht selbstverständlich ist. Ein Parkplatz, ein kleiner Verkaufsraum mit eigenen Weinen und Spezialitäten aus der Region wie Walnüsse, Marmeladen und Blick auf die Berge. Was will man mehr! Und das alles zu sehr günstigen Preisen: Flaschenpreise von 2.90€ bis 5€, BiBs sind noch günstiger. Alle Weine sind ohne Jahrgangsangabe. Leider hatte ich keine Zeit zu Probieren, da ich noch schnell weiter Richtung Saint-Jean de la Port zur Domaine de Méjane, unserem nächsten Wohnmobil-Stellplatz wollte.

Verdesse Cave de Bernin

Der erste Wein, Verdesse, zeigt sich hell. In der Nase Granny-Smith-Apfel, Zitronen-Limonade, leichte Seife gefolgt von gekochtem Apfel mit Lavendelhonig, überreifer Ananas und leider mehr als nur einem Hauch von flüchtiger Säure. Im Mund leicht, mit einem langen mineralisch saurem Abgang und Nachgeschmack von getrockneter Apfelschale. Insgesamt kommt der Wein etwas wässrig daher, es fehlt ihm Konzentration.

Am zweiten Tag keine Spur mehr vom Essig, wieder Granny Smith, dann geeiste Ananas, Bananen-Kaugummi, Lavendelhonig, Himbeerbrause und Kreide. Überreife Ananas und Austernpilz im Nachgeschmack.

Etraire de la Dhuy Cave de Bernin

Der zweite Wein, der Etraire de la Dhuy, zeigt sich hell im Glas. In der Nase entfalten sich Gewürznelke, Vanille und Kirsche (saftig und reif, so wie Marmelade). Im Mund leicht, auch nur leichte Tannine mit erfrischender Säure. Auch dieser Wein lässt hier nur erahnen, was aus der Rebsorte gemacht werden könnte, wenn der Ertrag niedrig gehalten wird.

Am nächsten Tag hat sich der Wein nur leicht verändert: Cassis, Kirsche, leicht geräucherter Schinken mit Nelken. Kirsche und Nelke im Nachgeschmack bei leichter Bitternote.

Persan Cave de Bernin

Der dritte Wein und mit 5€ auch der teuerste des ganzen Sortiments ist der Persan.

Von der Farbe etwas intensiver als der Etraire, was jetzt auch nicht so schwierig ist. In der Nase erst einmal eine volle Breitseite Brett (Brettanomyces), Kuhstall. Zum Glück sind diese Aromen im Glas recht schnell verschwunden. Dafür kommen Himbeermarmelade, Hibiskusblüte und Orangenmarmelade mit Safran zum Vorschein. Auch im Mund voller als der Etraire, mit einer ausgewogeneren Säure Pflaumenschale im Abgang.

Am zweiten Tag ist der Einfluss von Brett nicht mehr so stark, eher angenehm. Er verleiht dem Wein jetzt eine Note, die in der Literatur als „foxy“ beschrieben wird. Der Geschmack von Concorde-Trauben-Konfitüre. Im Mund dann knuspriges Vollkornbrot mit eben jener Konfitüre bestrichen, ohne dabei süß zu sein. Die Säure kommt jetzt etwas kräftiger raus. Er bleibt trotzdem für mich der beste der drei Weine.

 

Insgesamt eine interessante Angelegenheit. Komplexe Aromen, leider fehlt es allen etwas an Konzentration, da ist noch Platz nach oben. Ausserdem bis auf die weite Anfahrt extrem kostengünstig.