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Die graue Mutation des Pinot Noir, ist sie in Frankreich hauptsächlich noch im Elsaß vertreten. Als Pinot Beurot finden sich einige Rebstöcke im Burgund.

Battle Vin de Savoie Malvoisie 2011 vs Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot 2010

Im heutigen Battle treten der 2011er Vin de Savoie Malvoisie Cuvée Prestige von der Domaine Grisard gegen den 2010er Vin de Pays de Coteaux de l’Auxois Pinot Beurot La Mystérieuse vom Vignoble de Flavigny-Alesia gegeneinander an. Die Trauben beider Weine wurden per Hand gelesen, aber das kann ja nicht die Gemeinsamkeit sein, die einen Battle rechtfertigen würde. Ok. Es sind beides Weißweine, aus Frankreich… Beide Winzer sind Mitglied von France-Passion, einer Organisation, bei deren Mitglieder Wohnmobilisten nach Kauf einer Vignette umsonst beim Weingut übernachten können.
Und es sind beides Weine aus der Pinot Gris oder Grauburgunder-Rebe.
In Frankreich hat die Pink-farbene Farbmutation des Pinot Noirs genauso wie sein weißer Gegenpart einen schweren Stand. Die Anbaufläche des Pinot Gris beträgt noch nicht einmal ein Zehntel, die des Pinot Blanc knapp ein Zwanzigstel des Pinot Noir. Beide werden vorwiegend im Elsaß angebaut, wo Pinot Blanc meistens als Zugabe zum Cremant d’Alsace angebaut wird, wogegen der Pinot Gris zu den 4.5 Grand Cru Rebsorten zählt. 4.5 deshalb, weil neben den allgemein zugelassenen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling der Silvaner eine Sonderstellung mit dem Grand Cru Zotzenberg hat. Hier war der Pinot Gris bis zu den Beitrittsverhandlungen Ungarns zur EU als Tokay bekannt, was eher auf einen Re-Import schliessen lässt, als auf ein langsames Ausbreiten von Burgund aus. Ansonsten gibt es noch die Reully AOC, wo Pinot Gris zusammen mit Pinot Noir in die Traubenpresse gelangt und dann als Rosé abgefüllt wird. Im Burgund ist sie zwar offiziell für viele Rotweine zugelassen, wieviel aber davon wirklich in die Eichenfässer findet, dürfte sich stark in Grenzen halten.
Das Gebiet der Coteaux de l’Auxois gehört zwar offiziell zum Burgund, die Weine liegen aber außerhalb der Bourgogne AOC. Anstatt Weinberge kann man hier eher kräftig gebaute Rinder auf grünen Wiesen begutachten. Das Auxois ist eine alte Grafschaft im westlichen Teil des Herzogtums Burgund. Das Weingut Vignoble de Flavigny-Alesia liegt südlich des durch den Film Chocolat mit Johnny Depp und Juliette Binoche bekannt gewordenen Orts Flavigny-sur-Ozerain und auch nicht weit vom geschichtsträchtigen Ort Alesia, an dem Julius Cäsar 52 v. Chr den Galliern die vollständige Niederlage zufügte. Neben dem Grauburgunder werden hier auch Spätburgunder, Chardonnay, Auxerrois und César angebaut. Den Wein habe ich vor zwei Jahren direkt vor Ort erworben. In Anspielung an die Schlacht von Alesia hat die Flasche wohl auch die Form einer Amphore erhalten.
Den Malvoisie von Domaine Grisard habe ich vor einem Jahr in Mens gekauft, wie auch den Verdesse. Zuerst war mir nicht bewusst, dass es sich hier um einen Pinot Gris handelt, ich hatte noch die Hoffnung auf einen seltenen Malvasia bianca di Piemonte. Aber die Domaine Grisard wird schon wissen, was sie vinifiziert, betreibt sie neben dem Weinbau doch auch noch eine pepiniere viticole, eine Rebschule für seltene Rebsorten der Alpen.

Frisch aus dem Kühlschrank:
Vin de Savoie: Birne, leichter Muskat-Ton, Kreide. Weich und halbtrocken.
Coteaux de l’Auxois: leichter Pfirsich, Apfelkitsche, grüne Haselnuss, Rapshonig. Kräftige, anhaltende Säure mit Bitterton.

Zimmertemperatur:
Vin de Savoie: Birne, getrocknete Mango und frische, reife Mango, etwas Bienenwachs. Leichter Pfeffer im Abgang.
Coteaux de l’Auxois: leichter Champignon und Senf. Würzig im Mund, Himbeer-Vinaigrette.

Kombiniert mit:
Vin de Savoie: gebratene Jakobsmuschel
Coteaux de l’Auxois: Plat de Charcuterie

Von der Aromatik gewinnt klar der Malvoisie aus den Savoyen, bei Balance hat der Burgunder knapp die Nase vorn. Insgesamt ist dann der Savoyer knapper Gewinner.

Vin de Savoie:
pH: 3.25
Brix: 7.2
Alkohol: 12.5 Vol%

Coteaux de l’Auxois:
pH: 2.84
Brix: 6.1
Alkohol: 12 Vol%

Nach 2 Tagen im Kühlschrank…
Vin de Savoie:
Williams-Birne, frische und reife Mango, leichte Ananas. Süße kommt stärker raus.

Coteaux de l’Auxois:
Senf, Birne, unreife Mango, leichte Zwiebel. Säurebetont.

2012 Grauburgunder, Enderle & Moll – Schwefel-Battle : 25 mg/l vs 0 mg/l

Bei einem Vin Naturel Tasting in der Vincaillerie in Köln, bei dem auch der Spätburgunder Rosé von Enderle & Moll ausgeschenkt wurde, erwähnte die symphatische Besitzerin, Surk-Ki Schrade, daß sie sich von den beiden Winzern aus Münchweier/Baden einen Grauburgunder Schwefel-frei hat abfüllen lassen. Auf eigene Gefahr. Die normale Cuvée kommt bis zum Abfüllen ohne Schwefel aus. Erst dann werden 25 mg/l hinzugefügt, um den weiteren Transport sichern zu können. Ein direkter Vergleich, da konnte ich mich nicht zurückhalten und musste gleich meine kleine Einkaufsliste um beide Grauburgunder erweitern.

Über die jungen Winzer Sven Enderle und Florian Moll ist schon viel geschrieben worden. In deutschen Blogs wird oft auf deren Namen rumgeritten, er klinge wie der einer Anwaltskanzlei oder Werbeagentur. Mir kommt die Assoziation zu Endemol, dem großen Fernsehproduzent aus den Niederlanden, denen wir Fernsehjuwelen wie Traumhochzeit und Big Brother zu verdanken haben.

Inhaltlich kann ich aber besonders den englischen Blog-Eintrag auf Wine Terroirs von Bertrand Celce empfehlen, der bei Vin Naturel immer mit dabei zu sein scheint.

Da es sich bei dem Schwefel-freien Wein um eine Sonderabfüllung handelt, hat die Flasche kein extra Etikett, aber ich würde die Weine trotzdem unterscheiden können, meinte Surk-Ki, und ich musste ihr beim Einpacken der Flaschen recht geben. Ohne ist um einiges kräftiger an Farbe als mit.

Dann der Battle:

Mit Schwefel:

Leichter Rosa-Stich. Den Grauburgunder ein wenig länger auf der Maische stehen lassen als gewöhnlich würde diesen Farbton erklären.

Erste Nase zeigt leichte Hefe, etwas Pfirsisch. Die Hefe bleibt und wird von Birnenschale, dann leichter weißer Schokolade begleitet.

Im Mund wirkt er voll, mit süffiger Säure und leichtem Bitterton. Lakritze, Birne, lange Säure, Hefe bleibt im Hintergrund zu schmecken.

Später in der Nase dann Lakritze, Birne, Hauch von Thymian, immer wieder Hefe. Mit der Zeit wandelt sich Hefe zu Brot, kommt beim Schlucken aber wieder hervor.

pH: 3.12

Brix: 6.6

Alkohol: 12% Vol

Ohne Schwefel:

Kräftigeres Rosa.

In der Nase würziges Brot, leichte Birne. Dazu dann feiner Honig von der milden Sorte. Dann Hafer-Porridge mit Birnenkompott. Abate-Birne, getrocknete Ananas. Buttriger Haferkeks. Von Hefe keine Spur.

Die Säure wirkt etwas milder. Apfelige Aromen im Mund, der Bitterton verschiebt sich etwas nach hinten. Leichte Bier-Note mit Birne gefolgt von Honig im Nachgeschmack.

Später dann Hafer, Birne, leichte, frische Minze, etwas milder Honig.

Noch später (ca 30 Minuten nach Öffnen) verliert der Hafer, dafür kommt Apfelmus zur Birne hinzu. Im Mund lange Lakritze mit Apfel & Birne.

Drei Tage später kommt auch noch Pfirsich hinzu.

pH: 3.22

Brix: 6.7

Alkohol: 12% Vol

Resumée:

Es ist ein klarer Unterschied zwischen den beiden Weinen festzustellen.

Der ungeschwefelte Grauburgunder hat für meinen Geschmack in allen Punkten die Nase vorne, bin ich aber auch ein Liebhaber von gereiften Weinen. Denn diesen Eindruck habe ich von dem Wein. Perfekt gereift. Der leicht geschwefelte kann noch etwas die Hefe-Aromen abbauen, aber zeigt sich auch als Grauburgunder mit Charakter.

 

1966 Clos du Zahnacker, CV de Ribeauvillé

Das Elsaß ist in Frankreich bekannt für rebsortenreine Weine, besonders für Riesling und Gewürztraminer. Natürlich gibt es auch Cuvées: die meisten sind Pinot & Chardonnay Cuvées als Cremant oder Weine der Kategorie Edelzwicker. Leicht, belanglos, oft mit etwas Restzucker. Einige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bei dem Clos du Zahnacker in Ribeauvillé handelt es sich um einen Weinberg der, von Mauern umfasst, direkt neben dem Grand Cru Weinberg Osterberg liegt. HIer wächst ein gemischter Satz von zu gleichen Teilen Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling. Den Namen erhielt er von Martin Zahn, einem adligen Mönch aus dem zwölften Jahrhundert. Der Jahrgang 1966 gilt im Elsaß als sehr langlebig. Besonders gut gelangen damals Gewürztraminer und Pinot Gris. Der Weinberg gehört seit 1965 zur Cave Cooperative de Ribeauvillé, also der zweite Jahrgang überhaupt. Höchste Zeit, die Flasche zu öffnen.

Der Korken ist noch flexibel mit leichtem Weinstein am unteren Ende.

Im Glas zeigt sich der Wein erstmal Dunkelgold, erstes Anzeichen für fortgeschrittenes Alter.

Eine Riesenüberaschung dann in der Nase: Honig, Lychee, Melone, Aprikose, leichtester Petrol. Jahrgangsgemäß kommen Gewürztraminer und Pinot Gris zum tragen.

Im Mund sehr voll und nur eine dezente Säure, was wieder für die Hauptakteure spricht aber wundern lässt, wie sich der trockene Wein sich so lange lagern ließ. Karamel, getrocknete Aprikose, unreife Melone, Rose, und etwas später dann leichteste Sherry-Oxidativ Noten eingebettet in einen angenehmen Bitterton, der mit dem Karamel harmoniert. Erinnert an einen reif geernteten Viognier. Im Nachgeschmack getrocknete Aprikose, etwas Pfeffer, Lychee und Karamel.

Ein sehr beeindruckender Wein, bestimmt interessant zu einer Tagine von Huhn, Mandel und Aprikose.

pH: 3.26

Brix: 7.5

Alkohol: gefühlte 13 %Vol