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Der deutsche Export-Schlager und eine der edelsten Rebsorten der Welt. Kann selbst im nicht ganz ausgereiften Stadium durchaus trinkbare Weine ergeben. Alles zwischen trocken und süß, gutes Alterungspotential.

2012 Perle dans les vignes Riesling & Gewurztraminer, Strasbourg

Vom Titel könnte man eigentlich annehmen, dass heute ein Weißwein aus dem Elsaß probiert wird. Aber weit gefehlt. Elsaß stimmt, aber kein Wein, sondern ein Bier. Gebraut von einem jungen Braumeister mit Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen und Most von Riesling- und Gewürztraminertrauben vom Winzer Romain Fritsch in Marlenheim. 3/4 Malzmaische und 1/4 Traubenmost in der Flasche refermentiert.

In der Nase feine Hefe, Traubensaft.

Im Mund feiner Schaum, dann Fruchtnoten und leichte Säure gefolgt von einem kräftigen Schlag Bitter. Karamell-Malz, danach kommt Traubensaft durch, leichte Lychee. Langer Trauben-Nachgeschmack.

Definitiv ein Bier, gerne zu einer Paté au Riesling.

pH: 4.04

Brix: 10

Alkohol: 7.7 Vol%

1999 Elsaß Riesling Battle: Trimbach vs Meyer-Fonne

Der Jahrgang 1999 war im Elsaß je nachdem, wo man gerade nachliest, ein schwieriges Jahr: mit gutem Wetter bis Ende September, danach aber Regen bis Mitte Oktober (Berry Bros.), Hagel im August (Trimbach); Befriedigend was Qualität und Quantität angeht: mit gesunden Trauben (Vins Alsace), Guter Jahrgang (wieder Vins Alsace.com), so auch bei Vin Vigne.com – hier ist „Bon“ aber das siebtschlechteste Ergebnis, gerade noch vor „moyen“ und „médiocre“. Irgendwie haben da dann wohl alle Recht.

Das Weingut Trimbach, mit einer Jahresproduktion von über 1 Millionen Flaschen einer der größeren Produzenten des Elsaß aus Ribeauvillé, hat mit dem Clos Ste-Hune und der Cuvée Frederic Emile zwei der größten Rieslinge Frankreichs im Programmm, die den Ruhm des Weinguts schon früh begründeten. Trauben für die normalen Cuvées werden auch dazu gekauft.

Meyer-Fonné hingegen produziert nicht einmal ein Zehntel der Menge von Trimbach, alles aus eigenen Weinbergen. Im Gegensatz zu Trimbach ist das Weingut erst in den letzten 15 Jahren bekannter geworden. In „The Wines of Alsace, das eigentlich alle wichtigen Weingüter bespricht, taucht es noch nicht auf. In „Bettane & Dessauve“ von 2002 sind sie aber schon mit einem Stern vertreten, Trimbach hat hier einen mehr. Beim eigentlichen Nachfolger, dem „Le Guide des meilleurs vins de France“ von 2013 hat sich die Sternenzahl wieder gedreht. Hier führt Meyer-Fonné 2:1.

Kampfgewicht:

Meyer-Fonné mit Cuvée Vignoble de Katzenthal

pH: 2.77

Brix: 6.7

Alkohol: 12.5 %Vol

Trimbach

pH: 2.63

Brix: 6.8

Alkohol: 12 % Vol

Der Herausforderer Meyer-Fonné zeigt sich im Glas direkt um einiges dunkler, der Korken zu einem Drittel durchnässt und mit leichtem Weinstein an diesem.

In der Nase überrascht erst frisch geröstetes Bauernbrot, dann Limette, leichter Honig der stärker wird. Der Brotton nimmt ab. Dafür kommen Pfirsisch, Limette und Honig, das Brot wird dann ersetzt durch Karamell.

Im Mund zeigt er sich relativ voll, gedämpfte Säure. Hier leichter Honig und Bauernbrot, ist aber schon schnell wieder weg um einen Hauch von gekochter Esskastanie zu hinterlassen.

Nach einer halben Stunde werden die Aromen klarer: Butterkaramell, Honig, Ananas-Quitte, Vanille und ein kleines Pfefferminz-Blättchen.

 

Trimbach: Der Korken ist komplett trocken, im Glas definitiv heller als Meyer-Fonné.

Leichter Muff, der schnell verfliegt, dann leichter Honig, etwas Birne, Quitte, getrocknete Ananas. Der Honig wird stärker, dann verschwindet die Frucht, es bleibt etwas kreidige Limette. Im Mund eine sehr gute Säure/Körper-Balance, leichte Quitte, etwas Munster-Käse, sehr süffig.

30 Minuten später Eukalyptus und Limette, Minze und Lakritze

Sieger

Die Balance spricht für Trimbach, die expressive Frucht für Meyer-Fonné. Der Trimbach kann noch etwas liegen, Meyer-Fonné hat jetzt seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Deshalb ein leichter Punktsieg für Meyer-Fonné und Katzenthal

1990 Riesling Spätlese Battle – Steinberger vs Bernkasteler Schlossberg

Nicht oft ergibt sich die Gelegenheit, alte Jahrgänge miteinander zu vergleichen. Ein Gang in meinen Keller brachte dennoch dieses interessante Pärchen hervor:

Aus dem Rheingau mit 10% Vol der Steinberger, der Vorzeigeweinberg der Staatsdomäne Kloster Eberbach.

Von der Mosel mit leichten 8.5% Vol ein Bernkasteler Schlossberg vom VDP -Weingut Witwe Dr. H. Thanisch.

Rheingau:

Im Glas zeigt sich der Rheingau dunkler von der Farbe. Man erwartet Alterstöne, die sind aber nicht zu finden. Statt dessen Honig, Grapefruit und Holunderblüte, Birne, leichter Muskattraubenton gefolgt von Limette. Bis auf Honig und Limette nicht unbedingt Geschmacksnoten die von einem Riesling zu erwarten sind, sondern eher an Sauvignon Blanc oder Scheurebe erinnern.

Der erste Schluck offenbart bei leckerer Säure mit leichter Süße reife Limette, die lange im Mund verweilt. Die Süße ist schnell heruntergespült, die Säure bleibt länger präsent.

Mosel:

Im Vergleich dazu glänzt der Bernkasteler mit einem Potpourrie von Honig, getrockneter Ananas, Limette und leichtem Jasmin. Mit Erwärmen im Glas kommen noch Vanille und ein leichter Champignon-Ton hinzu. Auch hier kein Petrol.

Im Mund ebenfalls eine kräftige Säure, die aber von einer überzeugenderen Süße begleitet wird. Es breiten sich Aromen von Limette und Honig aus.

Im Vergleich zum Rheingauer ist hier die Süße-Säure-Balance ausgeglichener, macht den Wein direkt süffiger. Der Steinberger hingegen überzeugt durch seine einzgartige Aromatik. Beide haben noch weiteres Potential, leider waren das meine letzten Flaschen.

Dieser Vergleich geht damit 1:1 aus.

Die Daten:

Steinberger

pH: 2.55

Brix: 8.0

Alkohol: 10%Vol

 

Bernkasteler Schlossberg

pH: 2.25

Brix: 8.4

Alkohol: 8.5% Vol

1966 Clos du Zahnacker, CV de Ribeauvillé

Das Elsaß ist in Frankreich bekannt für rebsortenreine Weine, besonders für Riesling und Gewürztraminer. Natürlich gibt es auch Cuvées: die meisten sind Pinot & Chardonnay Cuvées als Cremant oder Weine der Kategorie Edelzwicker. Leicht, belanglos, oft mit etwas Restzucker. Einige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bei dem Clos du Zahnacker in Ribeauvillé handelt es sich um einen Weinberg der, von Mauern umfasst, direkt neben dem Grand Cru Weinberg Osterberg liegt. HIer wächst ein gemischter Satz von zu gleichen Teilen Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling. Den Namen erhielt er von Martin Zahn, einem adligen Mönch aus dem zwölften Jahrhundert. Der Jahrgang 1966 gilt im Elsaß als sehr langlebig. Besonders gut gelangen damals Gewürztraminer und Pinot Gris. Der Weinberg gehört seit 1965 zur Cave Cooperative de Ribeauvillé, also der zweite Jahrgang überhaupt. Höchste Zeit, die Flasche zu öffnen.

Der Korken ist noch flexibel mit leichtem Weinstein am unteren Ende.

Im Glas zeigt sich der Wein erstmal Dunkelgold, erstes Anzeichen für fortgeschrittenes Alter.

Eine Riesenüberaschung dann in der Nase: Honig, Lychee, Melone, Aprikose, leichtester Petrol. Jahrgangsgemäß kommen Gewürztraminer und Pinot Gris zum tragen.

Im Mund sehr voll und nur eine dezente Säure, was wieder für die Hauptakteure spricht aber wundern lässt, wie sich der trockene Wein sich so lange lagern ließ. Karamel, getrocknete Aprikose, unreife Melone, Rose, und etwas später dann leichteste Sherry-Oxidativ Noten eingebettet in einen angenehmen Bitterton, der mit dem Karamel harmoniert. Erinnert an einen reif geernteten Viognier. Im Nachgeschmack getrocknete Aprikose, etwas Pfeffer, Lychee und Karamel.

Ein sehr beeindruckender Wein, bestimmt interessant zu einer Tagine von Huhn, Mandel und Aprikose.

pH: 3.26

Brix: 7.5

Alkohol: gefühlte 13 %Vol

2004 Riesling Kabinett trocken, Wawerner Ritterpfad

Ein fast 10 Jahre alter Kabinett, trocken, mit nur 11% Vol. von einem Winzer, der weder zu den bekanntesten deutschen Winzern zählt noch einen weltberühmten Weinberg sein Eigen nennt. Wird er noch trinkbar sein? Vor allem die Tatsache, dass es sich hier um einen trockenen Wein handelt, lässt mich sehr stark zweifeln.

Der Korken zeigt sich gut durchfeuchtet aber nicht brüchig, minimaler Schwund.

Die Farbe im Glas ist etwas dunkler als erwartet, erinnert eher an eine Spätlese. In der Nase fällt sofort ein feiner Petrol-Ton auf, ein weiteres Zeichen für einen gereiften Wein. Aber es bleibt nicht bei Petrol, denn es verstecken sich noch Limette und später dann überreife Orange mit einem Hauch von Minze. Eine wirklich leckere Kombination von Primär und Tertiär-Aromen, Frucht und Petrol. Im Mund eine nicht erwartete Fülle mit kräftiger Säure aber auch noch einer geringen Menge an Restzucker, die die Säure abmildert. Eine pikante Bitternote und Aromen vom gelben Pfirsisch rund um den Kern im Abgang machen definitiv Lust auf mehr.

Ich denke, hier habe ich den Wein auf seinem Höhepunkt erwischt.

Zum Glück habe ich noch eine letzte Flasche im Keller!

pH: 2.53

Brix: 7

Alkohol: 11 %Vol