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Weißweinrebsorte von der nördlichen Rhône mit eleganter Aromatik und Säure.

2013 Chignin Bergeron, Ravier Pascal & Benjamin

Eine Suche nach reinsortigem Roussanne in Deutschland kann sehr frustrierend oder teuer enden. Frustrierend, weil nicht leicht zu finden. Teuer, weil eine der wenigen Flaschen gleich der Beaucastel Vieilles Vignes ist, eine Chateauneuf-du-Pape Ikone mit entsprechendem Preis.

Die Rebsorte Roussanne kommt ursprünglich aus dem nördlichen Teil der Rhône. Hier ist sie mit der Rebsorte Marsanne, mit der sie engstens verwandt ist, verantwortlich für die berühmten Hermitage Weißweine. Spät reifend und mit geringerem Ertrag wart sie fast ausgestorben. Um 1960 gab es nur noch 71 ha in Frankreich. Diese Zahl ist jetzt zum Glück auf 1352 ha (2009) angewachsen.
Roussanne
In den Savoyen, genauer im Cru Chignin, wird die Roussanne Bergeron genannt und ist als einzige Rebsorte im Chignin-Bergeron AOC zugelassen. Wie und wann sie dort hinkam, ist mir unbekannt. Es wundert aber ein wenig, da sie selbst für die Rhône als spät reifend gilt und hier mit dem kühleren Wetter der Alpen klarkommen muss.

Chinin Bergeron habe ich in einem französischen Online-Shop gefunden: Vinatis aus Annecy in den Savoyen. Versandkosten nach Deutschland bis zu einem Einkaufswert von 200€ liegen bei 10€, was für Frankreich sehr günstig ist. Soviel kann man auch schon für den Versand innerhalb Frankreichs ausgeben. Die Versandzeit ging relativ flott, nach 4 Tagen waren sechs Weine bei mir. Bezahlt habe ich mit PayPal, wofür es einen leichten Aufpreis von 3% zu zahlen gab.

Eingeschenkt frisch aus dem kühlen Keller:
In der Nase überrascht der Wein mit Mirabelle, Honig, Löwenzahnblüte, leichtem Joghurt und etwas Quitte.
Im Mund etwas leichter mit weicher Säure und feinem Bitterton.
Hier kommen dann wieder Mirabelle und Löwenzahn zum Vorschein, während Joghurt und Quitte den Nachgeschmack bestimmen.

Weitere Roussanne-Weine werden folgen müssen, aber vorher gibt es noch ein paar andere Rebschätze aus den Savoyen.

2011 nord sud Gens et Pierres Vin de France

Ein interessantes Konzept: Man nehme einen kräftigen Weißwein aus dem Languedoc und vermenge ihn mit einem spritzigen Weißwein von der Loire. Das ganze dann nicht von einer Großkellerei sondern von einer Deutsch-Französischen Kooperation, bestehend aus einem deutschen Weinhändler für Bio-Weine und einem französischen Önologen.

Wie nach langer Recherche auf der französischen Homepage festgestellt, handelt es sich um Weine der Domaine Soulié (St Chinian) und Frederic Brochet (Vins de Vienne) , der berühmt für seine Ampelidae-Reihe (zumindestens in Frankreich) ist. Und beide Winzer werden vom deutschen Weinhändler (Peter Riegel) vertrieben.

Gefunden habe ich die Flasche in der Restekiste eines Kölner Weinladens in der Südstadt.

In der Nase: Birne, Kleehonig, gefolgt von Vollkorn-Birnen-Streusel, also auch leicht nussig. Weiter Anis und Estragon und ein kurzer Auftritt von Feuerstein.

Im Mund sehr voll, leicht salzig, leichte Säure. In dieser Kombination fühlt es sich saurer an als es wirklich ist. Die Aromen von Birne und Sojasauce bleiben im Mund, zwischendurch aber auch Gummi.

Fühlt sich mehr an wie ein guter Weißer aus dem Languedoc, der Sauvignon Blanc kommt nur ganz kurz durch (Feuerstein). Es wäre interessant zu sehen, wie genau die Verteilung aussieht.

Zu Ziegenkäse mit Honig und Pinienkernen oder einer Brandade kann ich mir das ganze gut vorstellen. Jetzt zu trinken (Sojasauce ist leichter Alterston).

pH: 2.87

Brix: 6.6

Alkohol: 13 %Vol