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Europas größter Weinproduzent. Hier werden qualitativ hochwertige Weine, aber auch sehr viel Massenware produziert.

2009 Ibizkus Tinto, Monastrell Pie Franco, Totem Wines

Die wahrscheinlich größte Katastrophe für die Weinwelt neben der Einführung von Wein-Punkten war wohl die Ankunft der Reblaus in Europa, die innerhalb von kürzester Zeit einen Großteil der Rebflächen dezimierte. Gegen sie schien kein Kraut gewachsen zu sein, bis man endlich herausfand, dass ein Aufpropfen auf Wurzelstöcke amerikanischer Wildreben der Zerstörung Einhalt gebieten konnte. Weitere wirksame Mittel gegen die Reblaus waren regelmäßiges Überschwemmen des Rebackers sowie der Anbau auf sandigem Boden.

Die rote Rebsorte Monastrell aus Spanien erwies sich als ein Problemkind, bis zur Mitte des letzen Jahrhunderts war es nicht gelungen, einen geeigneten Untersatz für sie zu finden. International ist sie bekannter als Mourvedre oder Mataro, beides abgeleitet von Orten in Spanien, in der sie angebaut wurde.

Der Ibizkus Tinto von Totem Wines, einem Weingut, welches auf Ibiza sowie im Roussillon tätig ist, ist ein Monastrell, der seine eigenen Wurzeln behalten hat. Die Reben wurden vor 40-50 Jahren auf sandigem Boden gepflanzt und somit vor der Reblaus gesichert.

Im Glas fällt sofort die relativ helle Farbe auf. In der Nase etwas Wildbret, Pfeffer, Marzipan, etwas Pflaume und Brombeere.

Im Mund offenbart sich eine leckere Säure, Mineralität und leichte Tannine. Unreife Pflaume, Lorbeer, leichte Orangenschale mit feinem Bitterton im Abgang.

Ein für das Anbaugebiet überraschendes Ergebnis, hatte ich hier eigentlich eine kräftige, dunkle Tanninbombe nach Parkerschem Gusto erwartet.

pH: 3.45

Brix: 7.6

Alkohol: 13.5 Vol%

2007 Cabernet Franc Cosmic vinyaters, Penedes

Ein weiterer interessanter Fund von der Weinmesse in Olne, die sich auf Natur-Weine spezialisiert hat, ist der Cabernet Franc von Cosmic Vinyaters aus der Region von Penedes in Katalonien, Spanien. Eigentlich war ich eher auf der Suche nach autochtonen Rebsorten als nach Cabernet Franc, aber die positive Ausstrahlung des Winzers, Salvador Battle, hat mich dann einfach gefangen genommen und ich musste seine Weine probieren. Er hatte einen Weißwein, Sauvignon Blanc, und einen Rotwein, Cabernet Franc. Beide sehr beeindruckend, entschieden habe ich mich dann schlussendlich für den Cabernet Franc, wird er doch seltener angebaut als sein Verwandter, der Cabernet Sauvignon.
Die Weinberge liegen auf einer Höhe von 500-550 Meter und sind von Wäldern und nicht von anderen Weinbergen umgeben. Dies gibt dann einen größeren Temperatur-Unterschied zwischen Tag und Nacht. Im Weinberg werden nur natürliche Mittel verwendet und die Arbeit im Weinberg wird von den Planetenkonstellationen abhängig gemacht. Der Wein wird zuerst in offenen Fässern vergoren und dann Teils im Barrique, Teils in Ton-Amphoren ausgebaut, um dann 5 Jahre in der Flasche zu reifen. Die Amphoren sollen dem Wein eine gewisse Säure verleihen. Der Weinkeller ist mit „heiliger Geometrie“ aufgebaut, was immer das auch heißen mag. Normalerweise wären bei mir jetzt alle Alarmglocken angeschlagen aber etwas hat mich dann doch dazu bewegt, einen Karton mitzunehmen. Und das war einfach der Geschmack:

In der Nase zuerst leichte schwarze Johannisbeere, würziges Steinofenbrot, saftige, reife, rote Paprika gefolgt von gekochten Kirschen, leichtem Kümmel, etwas Thymian und reifen Brombeeren.
Der erste Schluck offenbart leichte Süße, leckere Säure und einen Tannin-Schleier. Starke Fruchtigkeit: leichtes Cassis, Süßkirsche, Brombeere.
Im Nachgeschmack feine Trockenfrüchte.

Dieser Wein macht Appetit auf mehr und schon ist die Flasche leer. Eine von gerade mal 2215. Zu einem Preis von knapp 15€.

pH: 2.77
Die Säure liegt damit auf gutem Weißwein-Niveau. Doch was dran an der Amphore?
Brix: 8.0
Alkohol: 14 % Vol

2007 Vidadillo, menguante, Viñedos y Bodegas Pablo

Vidadillo, eine wahrlich obskure Rebsorte aus Zaragoza, Aragón, Spanien. Kein Eintrag im 9600 Rebsorten umfassenden „Dictionnaire Encyclopédique des Cépages“ von Pierre Galet, auch nicht zu seinem Synonym Crespiello. Im 1368 Rebsorten umfassenden „Wine Grapes“ von Jancis Robinson et al. ein 6-zeiliger Eintrag, in dem geklärt wird, dass sie nicht mit Grenache identisch ist.

Ein Besuch auf der Homepage der Viñedos y Bodegas Pablo erklärt, dass es sich beim Vidadillo um eine alte, spät reifende Rebsorte handelt. Der Wein selbst wird nicht erwähnt. Auf der Flasche steht  keine Angabe zum Anbaugebiet oder Alkoholgehalt.

Mal sehen, was der Wein so kann…

Im Glas fällt sofort die sehr dunkle Farbe auf. Fast schwarz.

Dann in der Nase zuerst Kirschjoghurt mit Körnern, leichter Zimt gefolgt von Pflaumenmus, etwas später leichter Hauch von Wild, Tabak und Nelke.

Der erste Schluck zeigt kräftige Tannine, gute Säure, die aber von den Tanninen überdeckt wird. Reife Wildkirschen mit Kern (leichter Bitterton) gefolgt von Hibiskus-Tee.

Am nächsten Tag dann ein weiterer Versuch.

Das erste Glas zeigt noch keinerlei Veränderungen. Da muss Sauerstoff ran. Also zweites Glas und 20 mal von Einem ins Andere gegossen. Jetzt öffnet sich der Wein mehr.

Beginn wieder mit Kirschjoghurt und Körnern, Pflaumenmus etwas stärker als am Tag davor. Diesmal neben Zimt auch Nelken. Danach Bananenbrot gefolgt von Pain de Mie. Etwas später dann gekochte, überreife Ananas und getrocknete Feige.

Im Mund Tannine, aber auch eine salzige, danach pfeffrige Note. Der Bitterton von gestern ist weiterhin da, die Tannine stimulieren die Säurerezeptoren der Zunge. Frische Pflaumen mit hohem Schalenanteil (Bitter) und Pain de Mie.

Gerne nochmals zu einem Hirschbraten, oder Rehragout.

pH: 3.0

Brix: 8.8

Alkohol: 14% Vol