Schlagwort-Archive: Süß

Wie kriegt man einen Wein süß?
Späte Lese von vollreifen Trauben.
EInsatz von Schwefel um Hefe auszuschaltem bevor der komplette Zucker im Most in Alkohol umgewandelt wird.
Zugabe von steriler Süßreserve zum ausgegorenen Wein.
Trocknen der gernteten Trauben.
Befall durch Botrytis.
Ernten und Pressen nach Frost, wobei das enstehende Eis weggeschöpft wird.
Cyroextraktion, der selbe Vorgang, nur mit Hilfe einer Tiefkühltruhe.
Stoppen der Fermentation durch Zugabe von Alkohol.
Reduzierung des Wassergehalts des Traubenmosts durch Umkehrosmose.
So viele Möglichkeiten, alle liefern sie ein anderes Ergebnis.

90er Austria kleine Flaschen Battle: 96er Grüner Veltliner vs 99er Roter Veltliner Auslese vs 93er Neuburger BA

Heute fand eine kleine Runde kleiner Flaschen aus Österreich den Weg in meine Küche. Alles Flaschen aus den 90er Jahren, alle zwischen 0.375 und 0.5 Liter Größen. Ein einfacher Grüner Veltliner aus dem Jahrgang 1996 von einem nicht unbedeutenden Weingut aus Langenlois, eine 99er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken, auch aus dem Kamptal sowie eine 93er Beerenauslese von der Neuburger-Rebe aus Rust. Bis auf den Grünen Veltliner sind hier Rebsorten vertreten, die nicht besonders für ihre Lagerfähigkeit bekannt sind. Was, kombiniert mit der Tatsache, dass es sich um kleine Flaschen handelt, eher für ein kurzes Weinerlebnis spricht.

1996er Langenloiser Steinhaus Grüner Veltliner trocken vom Sonnenhof Jurtschitsch:
Direkt nach dem Öffnen bezaubert der Wein mit einem Bild von einem frischen Weissbrot kräftig bestrichen mit Butter und Alpenrosenhonig. Nach 5 Minuten verdrängt gekochter Apfel den Honig. Im Mund gute Säure, Apfel und Honig, leichter weißer Pfeffer im Abgang. Leider baut der Wein schnell ab, wird Sherry-lastig, oxidativ.
pH: 3.27
Brix: 6.6
Alkohol: 12 Vol%

1999er Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Kamptal Rosenberg vom Weingut Mayer-Hörmann:
Roter Veltliner Auslese Halbtrocken Mayer-Hörmann
Die Nase zeigt einen Apfel-Grundton, der von einer starken Kräuternote (Salbei, Thymian) begleitet wird. Er ist sehr vollmundig, eine leichte Süße, adequat ausbalancierte Säure und leichte Bitternote, die die Kräuternote noch hervorhebt. Dieser Wein kommt aus der 0.5 Liter Flasche und zeigt sich auch nach 2 Stunden noch unverändert.
pH: 3.21
Brix: 9.6
Alkohol: 14.9 Vol%

1993er Neuburger Beerenauslese Rust vom Weingut Marienhof Gerhard Just:
93er Neuburger BA Weingut Marienhof Gerhard Just
Der Neuburger erinnert stark an einen Gewürztraminer. Getrockneter Pfirsisch, Honig, Rose, kurz kräftige Nori-Alge, die aber schnell wieder verschwindet. Eine für die Süße etwas zu geringe Säure und der Bitterton spielen auch in die Hand von Gewürztraminer.
pH: 3.53
Brix: 12.1
Alkohol: 14.5 Vol%

Am meisten haben mir die ersten Minuten des Grünen Veltliners gefallen. Insgesamt hat aber sonst der Rote Veltliner die Nase vorn, er zeigt sich aromatisch und ausbalanciert.

Ohne Jahrgang – Freeze Concentration Cabernet Sauvignon, Takahata Winery, Japan

Wie Matze in seinem Weinblog Chez Matze schon festgestellt hat, ist Japan ein Land, das nicht besonders für den Weinbau geeignet ist. Feuchtigkeit, fehlende Sonnenstunden in den wichtigen Monaten,.. Aber der Japaner wäre kein Japaner, wenn er trotz aller Widrigkeiten nicht doch sein Bestes gibt, wenn er sich etwas vorgenommen hat.
So auch bei dem Freeze Concentration Cabernet Sauvignon der Takahata Winery. Das Weingut besteht seit 1990 in der Präfektur Yamagata, im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshû. Gekauft habe ich den Wein vor circa 10 Jahren in der Weinabteilung eines Kaufhauses in Aizu-Wakamatsu, Präfektur Fukushima für 3.000 Yen. Dort sind meine Großeltern zu Hause. Wie meine Recherche ergeben hat, wird dieser Wein so nicht mehr hergestellt. Nur noch eine Variante aus Chardonnay-Trauben ist erhältlich.
Cabernet Sauvignon Freeze Concentration FrontLaut Etikett werden die Trauben geerntet, gefrostet, dann gepresst und dem Most Hefen zugesetzt. Dieser wird dann zwischen 10 und 15°C vergoren um dann noch mal auf -5°C herunter gekühlt zu werden, wahrscheinlich um Weinstein vorzukommen, oder eine weitere Steigerung des Extrakts durch Entfernen von Eis zu erreichen. Das ganze Verfahren nennt sich Kryoextraktion und simuliert den Prozess der Eisweingewinnung. In Deutschland ist es verboten, wird aber in Frankreich u.a. von der Domaine Baumard zumindest noch bis 2020 angewendet (Jim’s Loire Blog) um den Most noch etwas weiter zu konzentrieren. Neben dem Zuckergehalt wird aber auch der Säureanteil erhöht, was auch bei Eiswein zu der charakteristischen, kräftigen Säure führt.

Takahata Winery Cabernet SauvigonLaut Rückenetikett handelt es sich um 100% Cabernet Sauvignon aus japanischen Trauben. Ein Jahrgang ist nicht angegeben, dafür ein ungefährer Alkoholgehalt von 14% Vol. Wurden hier Trauben von mehreren Jahrgängen im Froster gelagert, bis sie dann gemeinsam gepresst wurden?

Im Glas zeigt sich ein dunkles Rosa, ähnlich einem Clairet aus dem Bordeaux. Erste Nase zeigt gekochte Erdbeere, Cassis, Körnerjoghurt Erdbeere, leichte, gekochte Rote Beete, gefolgt von süßer Wildkirsche.

Im Mund zeigt sich der Wein weich, mit kräftiger Süße und einer nicht allzu kräftigen Säure, wie man sie eigentlich von einem „Eiswein“ erwarten könnte. Auch hier dominieren Cassis und Erdbeere, Erdbeermarmelade und kräftige Rosine im Finnish.

Mit Erwärmen wird der Cassis aber stärker, auf Kosten der Erdbeere.

Alles in allem ein fruchtiger Süßwein, der die Cabernet-typische Frucht trotz der langen Lagerung erhalten konnte.

Kann ich mir gut vorstellen zu Rotweinbirne mit weißem Minzeis (kein Minzextrakt sondern friche Minze in der Sahne ziehen lassen).

pH: 2.99

Brix: 13.5

Alkohol: um die 14% Vol

 

Elbling Battle 1994 Spätlese vs 1996 Auslese

Der Elbling gilt als älteste Rebsorte Deutschlands. Es wird ihr sogar nachgesagt, von den Römern vor 2000 Jahren nach Germanien gebracht worden zu sein. Das lässt sich natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, aber vor 200 Jahren war sie noch die meist verbreitete Rebsorte in Deutschland. Heute ist sie nur noch an der Mosel und auch am Bodensee anzutreffen. Meist für die Sektproduktion angedacht, finden sich ansonsten eher Schoppen-Weine von neutralem Charakter und kräftiger Säure. Vereinzelte Winzer versuchen etwas mehr Geschmack durch längere Reifung auf den Hefen (sur lie) in den Wein zu bringen. Vorbild ist hier der Muscadet sur lie von der westlichen Loire, der auch mit einem Image-Problem und niedrigen Preisen zu kämpfen hat.

Der möglicherweise einzige Winzer, der regelmässig den Elbling zu Spätlese und Auslese-Weinen reifen lässt, ist Baron von Hobe-Gelting vom Weingut Schloss Thorn. Dieses liegt auf der deutschen Seite der Obermosel gegenüber von Remich in Luxemburg, in einem von Muschelkalk geprägten Abschnitt. Neben dem Elbling ist das Weingut auch bekannt für seinen Sauvignon Gris, einer Mutation des bekannteren Sauvignon Blanc.

Der Jahrgang 1994 gilt als sehr gut. Die Rebblüte war um 1 Woche früher als normal, ein heißer August brachte die Reife der Trauben um 2 Wochen nach vorne. Doch der lange Regen im September förderte dann frühe Fäule, die im sonnigen Oktober als Edelfäule zu vielen Auslesen und höherwertigen Weinen führten. Bei all dem haben sich die Weine aber eine kräftige Säure bewahrt.

Im Gegensatz dazu der Jahrgang 1996: Ein Spätstarter, der durch Wetterwechsel in den entscheidenden Anfangsphasen mit einem drastischen Rückgang der Erntemenge zu kämpfen hatte. Erst ein sehr guter Oktober brachte die Wende: hohe Säure und Mostgewichte mit viel Extrakt. Kaum Edelfäule.

Der Battle, 1. Tag:

1994 Spätlese, ganze Flasche:

Frisch aus dem Kühlschrank: Honig, Kreide, Limette. Der Honig wird stärker, leichte Vanille, Kamille, Körnerjoghurt. Im Mund relativ voll mit einer kräftigen Säure, die aber zuerst noch von der Fülle verdeckt wird. Leichte Restsüße, die eher an Kabinett erinnert. Aromen von leichtem Champignon, überreifer Zitrone und Honig im Mund, wird von leichtem Oxi-Ton eingeholt.

1996 Auslese, halbe Flasche:

Auch frisch aus dem Kühlschrank: Porridge mit Honig. Der Honig wird mit der Zeit stärker, hinzu kommen etwas gebackene Banane und Kerbel. Im Mund ähnlich voll wie die Spätlese, etwas geringere Säure, höherer Restzucker, ähnlich einer Spätlese. Oxi-Noten mit Karamell im Nachgeschmack. Wärmer kommt der Wein etwas breiter durch und zeigt Aromen von Tomatensaft, Honig, Karamell.

Der erste Tag endet mit einem leichten Punktsieg für die Auslese, fühlt sie sich ausgewogener an.

Battle, zweiter Tag:

1994: Honig, ungeröstete Nori-Alge in der Nase. Überreife Zitrone und Honig im Mund.

1996: Sojasauce (Oxidation), leichter Honig. Im Mund Zitrone und leichte Sojasauce. Dieser Wein hat seinen Zenit leider überschritten.

Ein klarer Sieg für die Spätlese. Ob da jetzt der Jahrgang eine Rolle spielt oder einfach nur das größere Format der Flasche, werde ich wohl nicht mehr erfahren.

 

 

 

1990 Decembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscasse

Nach einer kleineren Pause geht es dafür nahtlos mit dem letzten Post weiter, diesmal mit der Krönung der Süßweine von Alain Brumont, dem Decembre. Auch dieser Wein hat eine Namensänderung mitgemacht und heißt heute Frimaire. Diese Cuvée wird nur in den besten Jahren produziert und in neuen Eichenfässern ausgebaut. Der letzte Jahrgang wird von Brumont mit 2001 angegeben. Im Internet sind auch keine nachfolgenden Jahrgänge zu finden, was etwas verwundert, da 2005 als der beste Jahrgang überhaupt gilt. Wahrscheinlich rechnet sich der Wein finanziell nicht, aber das selbe Problem scheinen ja auch andere Winzer zu haben: Man denke da an Müller-Catoir mit seinem Rieslaner oder Huet aus Vouvray.

Der Korken sitzt sehr leicht, ist mit zwei Fingern rauszuziehen aber sonst noch sehr stabil. Nur das untere Viertel ist etwas aufgeweicht.

Im Glas zeigt sich die dunkle, schon reifere Farbe. Erste Nase gibt Birne, Ananas, Honig auf Butterbrioche, leichter weißer Trüffel, etwas Pinienkern.

Ananastarte mit karamelisierten Pinienkernen nach einem Teller mit getrüffelter Pasta, dessen Duft noch im Raum schwebt.

Ein Schluck zeigt zuerst die konzentrierte Säure und Süße auf. Kräftig karamelisierte Ananas mit entsprechender Bitternote.

Mit weiterem Erwärmen im Glas kommen jetzt noch Vanille und qualmender Autoreifen zur Ananas, dazu Koriandersaat. Im Mund noch schorfiger, überreifer Apfel (Tannine), danach Rosinen und der Eindruck von geschwefelten Trockenfrüchten.

Interessanterweise offenbart der letzte Tropfen im Glas Aromen von Ananas-Quitte, Rosenblättern und getrockneter Aprikose. Also durchaus noch weiteres Lagerungspotential.

pH: 2.96
Brix: 13.6
Alkohol: 14 % Vol

1990 Novembre, Pacherenc du Vic Bilh, Château Bouscassé

Nach dem überaus erfolgreichen Tasting vom 1996er Pacherenc du Vic Bilh sec von Alain Brumont, gibt es diesmal einen Süßwein vom selben Winzer.  Wie im Jurançon auch werden in Pacherenc Süßweine eher durch langes Reifen am Stock als durch Einfluss von Botrytis geschaffen. Qualitativ orientierte Winzer nehmen für ihre besten Cuvées hauptsächlich Petit Manseng, während sonst gerne der ertragreichere Verwandte Gros Manseng genommen wird. Jahrgang 1990, mit 1988 und 2005 einer der besten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, war im Herbst von Föhn geprägt, der die Trauben trocknen ließ. Dadurch wurden Zucker, aber auch Säure, konzentriert und intensive Weine ermöglicht.

Die Cuvée Novembre von Alain Brumont ist aus 100 % Petit Manseng und, wie der Name schon andeutet, erst im November geerntet worden. Im Laufe der Zeit wurde die Cuvée umbenannt, spätestens ab 1997 heißt sie Brumaire, nach dem französischen Revolutionskalender (22. Oktober bis 20. November). Dass durch diese Umbenennung jetzt 9 Tage früher geerntet werden kann, wird hoffentlich nicht der Grund gewesen sein.

Aber jetzt zur Flasche: Der Korken ist durchnässt, aber immer noch stabil.

Im Glas zeigt sich der Wein mit einer dunkel-orangenen Farbe.

Frisch aus dem Kühlschrank: Duft von Apfel, überreifer Ananas und Vanille, dann getrocknete Birne, dazu Honig und etwas getrockneter Feige strömen in die Nase. Der Wein ist voll, Säure wird erst gedämpft, kommt beim Schlucken länger durch. Süße vergleichbar mit einer guten Riesling-Auslese. Im Mund karamelisierte Ananas, gefolgt von Karamel, dann gekochte Maronen, zum Schluss leichter, frischer Wiesenchampignon.

Mit dem Erwärmen im Glas zeigen sich Aromen von getrockneter und überreifer Ananas, getrockneter Birne, Honig, Zimt, Vanille, Rosinen und getrockneter Pfirsich. Im Mund leichte Hühnerbrühe, Karamell, getrocknete Birne. Eine irre Kombination, aber lecker!

Ich denke, der Wein wird noch einige Jahre lagern können. Ob er aber noch besser wird, da habe ich meine Zweifel.

pH: 2.94

Brix: 11.5

Alkohol: 14% Vol

1996 Cuvée Opus Réserve de l’an 2000, Coteaux du Loir, J. Gigou

Die Loir, nicht zu verwechseln mit der Loire, ist mit über 300 km Länge einer der größeren Nebenflüsse der Loire. Im vitikulturell wichtigen Abschnitt verläuft sie nördlich fast parallel zur Loire. Die Appellationen dort sind Jasnières, Coteaux du Vendômois und Coteaux du Loir. Bei den Weißweinen herrscht die Chenin Blanc-Traube vor, bei Rotwein werden hier die besten Pineau d’Aunis Frankreichs gekeltert, u.a. von Patrice Colin, mit Rebstöcken von 1890, und der Domaine Bellivìere, mit 80-100 jährigen Rebstöcken.

Der Winzer Joël Gigou der Domaine de la Charrière ist zwar nicht in den aktuellen Wein-Bibeln (rvf, Bettane & Desseauve) vertreten, aber dennoch ein wichtiger Winzer der Region. Seine Weine werden in Jasnières und Coteaux du Loir angebaut, hier mit besonderem Augenmerk auf solide Chenin Blancs in trocken und auch süß wobei seine Süßweine nicht die Konzentration der großen Süßweine von Vouvray oder Chaume haben, sondern eher im Auslese-Stil Ausdruck finden.
Als erster Winzer seiner Familie muss er nicht mit Traditionen kämpfen. Darum bringt er auch einen oxidativ ausgebauten Chenin Blanc (Duo Majeur) und einen halbtrockenen, roten Schaumwein von der Pineau d’Aunis-Traube nach der Methode Ancestrale (La Bulle Sarthoise) hervor.

Kennen gelernt habe ich ihn zum erstenmal auf der Weinmesse der Vignerons Independants in Lille im Jahr 2001. Seitdem ist sein Stand ein fester Punkt beim alljährlichen Messebesuch geworden.

Die Cuvée Opus, 100 % Chenin Blanc, wurde mit dem Zusatz Réserve de l’an 2000 versehen. Das heißt, laut Winzer sollte der Wein nicht zu früh getrunken werden, sondern frühestens ab dem Jahr 2000. Wie Monsieur Gigou mir erzählte, handelt es sich beim Opus um einen Süßwein, dessen Erschaffung einem Insekt zu verdanken ist, dem Traubenwickler. Dieser hat anscheinend die Blütenstände der Reben so weit dezimiert, dass sich die Kraft der Rebstöcke auf die wenigen, übrig gebliebenen Reben konzentrieren konnte und hat so diesen Wein geprägt.

Ähnliches habe ich vorher nur im Buch The Wines of Alsace über den 1988er Pinot Blanc NC Eudemis von Pierre Frick gelesen.

Also Flasche auf und eingegossen:

Appetitliches gold, in der Nase die Chenin-typische Quitte, leichter, getrockneter Ingwer, Akazienhonig, leichte Rosenblätter. Mit Erwärmen wird die Honig-Note kräftiger, die Quitte aber bleibt im Mittelpunkt. Keine Botrytis-Noten, nur die Arbeit des Traubenwicklers. Und auch noch keine oxidative Noten.

Der erste Schluck offenbart eine perfekte Balance von Süße, Säure und Körper für einen Wein im Auslese-Stil. Hibiskus-Tee, gekochte Quitte, später Esskastanie und Kombu-Alge.

Klare Aromen, klare Struktur, leider meine einzige Flasche. Selbst 13 Jahre nach dem ursprünglich zum Trinken angedachten Datum noch frisch, zeigt die Cuvée Opus das unglaubliche Potential der Chenin Blanc-Rebe.

pH: 2.88

Brix: 12.8

Alkohol: 11.5 % Vol

1969 Zierfandler naturrein, Burgenland, Mühlensiepen

Heute gibt es mal wieder einen „Gerade-noch-so-Survivor“, dazu aber auch wieder erst später.

Nach dem letzten „Gerade-noch-so-Survivor“ ( wir erinnern uns, der 2007er Rotgipfler mit defekter Kapsel) gab es heute Abend seinen besten Kumpel, den Zierfandler. Diesmal allerdings nicht aus der Thermenregion sondern dem Burgenland, einem großen Weinbaugebiet im Osten Österreichs. Der Jahrgang 1969 gehört mit zu den Top-Jahrgängen des letzten Jahrhunderts, deshalb hatte ich ein wenig Hoffnung, als ich die Flasche vom Keller in die Kühlung stellte. Was gegen ihn sprach war die Tatsache, dass der Burgenländer höchstwahrscheinlich im Tanklastzug von Österreich nach Deutschland (Traben-Trarbach) gekarrt wurde, um dort dann von der Weingroßkellerei Mühlensiepen auf Flasche gezogen zu werden.
Der Füllstand war mit 2 cm unter Korken für so einen alten Wein noch exzellent. Nach dem Durchtrennen der Bleikapsel musste erst mal der Korken gesäubert werden. Eine leichte Schicht organische Masse bedeckte den Korken und hielt ihn auch am Flaschenhals fest, wie ich beim ersten Versuch, den Korkenzieher in den Korken zu Bohren feststellen musste. Der Korken sackte nach unten; Versuche, den Korken mit Vakuum wieder hochzuholen, schlugen fehl, also musste trotz ungünstiger Lage doch noch versucht werden, ihn mit der Spirale herauszuholen. Dies ist mir dann auch gelungen, nicht in einem Stück, dafür war er schön durchnässt und bröselig. Am Korkenende zeigte sich eine leichte Schicht Weinstein.
Dann den Wein schnell ins Glas um die orange Farbe zu bewundern, wobei er auf dem Foto schon Richtung braun tendiert.
Ein leichter Muff, frisch aus dem Kühlschrank geholt, machte keinen Apettit, ging aber relativ schnell vorbei, um dann einem leichten Honig-Duft Platz zu machen. Es folgte der Duft von frisch kochenden Stangenbohnen und Esskastanien. Danach dann kräftiger Duft von getrockneten Früchten, hauptsächlich Rosinen und Feigen, leichter Zimt und gemahlener Koriandersamen. Im Mund zeigte er sich voll, leichte Säure mit dezenter Süße (Richtung Spätlese) die aber von einem Bitterton begleitet wurde. Leichte Trockenfrüchte, überreife Orangen, von der Aromatik jetzt eher kurz gehalten.
Nach 10 Minuten war der Spaß dann leider vorbei, jetzt schmeckte er nur noch muffig. Deshalb ein „Gerade-noch-so-Survivor“, aber auf jeden Fall die Erfahrung wert.

pH: 3.20
Brix: 8.1
Alkohol: Geschätzte 13 % Vol

1990 Riesling Spätlese Battle – Steinberger vs Bernkasteler Schlossberg

Nicht oft ergibt sich die Gelegenheit, alte Jahrgänge miteinander zu vergleichen. Ein Gang in meinen Keller brachte dennoch dieses interessante Pärchen hervor:

Aus dem Rheingau mit 10% Vol der Steinberger, der Vorzeigeweinberg der Staatsdomäne Kloster Eberbach.

Von der Mosel mit leichten 8.5% Vol ein Bernkasteler Schlossberg vom VDP -Weingut Witwe Dr. H. Thanisch.

Rheingau:

Im Glas zeigt sich der Rheingau dunkler von der Farbe. Man erwartet Alterstöne, die sind aber nicht zu finden. Statt dessen Honig, Grapefruit und Holunderblüte, Birne, leichter Muskattraubenton gefolgt von Limette. Bis auf Honig und Limette nicht unbedingt Geschmacksnoten die von einem Riesling zu erwarten sind, sondern eher an Sauvignon Blanc oder Scheurebe erinnern.

Der erste Schluck offenbart bei leckerer Säure mit leichter Süße reife Limette, die lange im Mund verweilt. Die Süße ist schnell heruntergespült, die Säure bleibt länger präsent.

Mosel:

Im Vergleich dazu glänzt der Bernkasteler mit einem Potpourrie von Honig, getrockneter Ananas, Limette und leichtem Jasmin. Mit Erwärmen im Glas kommen noch Vanille und ein leichter Champignon-Ton hinzu. Auch hier kein Petrol.

Im Mund ebenfalls eine kräftige Säure, die aber von einer überzeugenderen Süße begleitet wird. Es breiten sich Aromen von Limette und Honig aus.

Im Vergleich zum Rheingauer ist hier die Süße-Säure-Balance ausgeglichener, macht den Wein direkt süffiger. Der Steinberger hingegen überzeugt durch seine einzgartige Aromatik. Beide haben noch weiteres Potential, leider waren das meine letzten Flaschen.

Dieser Vergleich geht damit 1:1 aus.

Die Daten:

Steinberger

pH: 2.55

Brix: 8.0

Alkohol: 10%Vol

 

Bernkasteler Schlossberg

pH: 2.25

Brix: 8.4

Alkohol: 8.5% Vol

1985 Passito di Moscato di Strevi

Ein Rätsel von einem Wein. Jahrgang 1985. Appellation: Passito di Moscato di Strevi. Diese DOC gibt es erst seit 2005 im Piemont, ist es offiziell ein Wein? Die Gegend ist bekannt für süßen Schaumwein aus der Brachetto-Traube. Der Winzer, D(omenico) Ivaldi wird in „Aperitivif- und Dessertwein“ von Radford und Brook (Hallwag, 2000) als Produzent von einem Passio aus dieser Traube erwähnt, aber der Muskateller wird nicht erwähnt.

Gelber Muskateller, reif geerntet und dann noch mal getrocknet, bevor vergoren. Mit 14.5 %Vol Alkohol eher recht kräftig, Korken mir Wachs versiegelt, also kein Verlust zu erwarten.

Kapsel Passito Moscato di Strevi
Solch eine Kapsel habe ich bisher aber auch noch nie gesehen

Trotzdem schnell geöffnet, ins Glas und unter die Nase:

Honig, gekochte reife und getrocknete Ananas, leichter Zimt, später dann buttriger Rosinenbrioche.

Leckere Säure, die zuerst die kräftige Süße überspielt, aber dann doch in den Hintergrund gedrängt wird. Leicht oxidative Noten von Walnuss, Rosinen, getrocknete Aprikosen, später Orangensirup, Pfirsich und Rosenblätter. Hinterlässt einen leichten Pelz im Mund. Erscheint aber auch nicht so alkoholisch wie angekündigt. Nicht sonderlich komplex, aber dennoch ein guter, gealteter Wein.

Macht Spaß, so zu trinken, aber auch gut zu einer Kokosnuss-Mousse oder einer Ananas-Tarte Tatin.

pH: 2.56

Brix: 21.9

Alkohol: 14.5 %Vol

2001 Maccabeu Plénitude, Mas Amiel, Vin de Liqueur

Das Roussillon, der Sonnenofen Frankreichs mit großem spanischen Einfluß, scheint das neue El-Dorado der Weinwelt zu werden. Viele neue Weingüter, die mit viel Geld entstehen. Hier gibt es noch einige uralte Weinberge zu günstigen Preisen zu erwerben, die in den richtigen Händen gute, konzentrierte Weine liefern können. Es sind leider nicht die internationalen Sorten, sondern oft spanischen Ursprungs wie Grenache, Carignan ( Mazuelo) oder hier Macabeo (Viura).

Mas Amiel, ein relativ großer Betrieb, hat sich auf Vin Doux Naturel (kurz VDN) spezialisiert, bietet aber auch trockene Weine beider Couleur an. Und ist eines der wenigen Weingüter, das dies auch mit einem reinen Macabeo tut, der sonst meist zusammen mit anderen Trauben gemischt vinifiziert wird.

Bei den Vin Doux Naturel handelt es sich um süße Weine, die entgegen ihrem Namen nicht von Natur aus süß sind, sondern, bei denen die Fermentation mit Alkohol gestoppt wird, so dass eine mehr oder weniger hohe Süße erhalten bleibt, ähnlich wie beim Port-Wein.

Mas Amiel geht noch einen Schritt weiter. Die Trauben wachsen auf schwarzen Schieferböden mit guter Drainage. Wenn sie reif sind, werden sie geerntet und auf dem Schieferboden ausgelegt, so dass sie unter Einfluss von Sonne, Wind und schwarzem Schiefer trocknen. Erst dann werden sie gepresst, halb fermentiert und die Fermentation durch Zugabe von Alkohol gestoppt.

 

Und das kann sich schmecken lassen:

In der Nase: Honig, karamelisierter Apfel, getrocknete Ananas, leichte frische Haselnuss. Der erste Schluck zeigt sich voll, süß, aber auch mit angenehmer Säure. Danach erfolgt ein kleiner Film, den ich nach dem dritten Schluck irritiert timen musste.

Vorhang auf mit karamelisierter Ananas.

Sekunde 7: Karamelisierter Apfel

Sekunde 15: Salziges Karamell

Sekunde 25: Honigkuchen

Sekunde 35: getrocknete Feigen

Sekunde 45: leichter Bitterton, Apfelkern, hält noch eine ganze Weile an.

Das war wirklich großes Kino.

Am besten, einfach so genießen. Meines Wissens nach, der erste Jahrgang dieses Weins.

 

pH: 2.9

Brix: 20

Alkohol: 15 %Vol