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Eine besonders in Frankreich in letzter Zeit aufkommende Bezeichnung für einen Wein, der ohne jegliche Hilfsstoffe bereitet wurde. D.h. keine Zuchthefen, Enzyme, Zucker, Hefennährstoffe, aber auch kein Schwefel. Da dies aber kein geschützter Begriff ist, werden zum Teil auch Weine mit nur einem reduzierten Schwefelzusatz als Vin Naturels verkauft

Cinsault – Die große Unbekannte

Meine erste Begegnung mit Cinsault hatte ich vor 4 Jahren, als mir in einem Pariser Weinladen eine Flasche ins Auge fiel: Le Pradel von Le Terrasse d’Elise. Mit ca. 30€ lag sie eigentlich über meinem Limit aber gekauft habe ich sie dann trotzdem… Und später auch nicht bereut: seidige Eleganz ist es, was mir in Erinnerung blieb… und alleine durch diesen Wein hat es Cinsault in meine Lieblingsrotweinrebsorten Top-5 gebracht. Andere habe ich danach nicht mehr probiert, habe ich eigentlich immer nach Le Pradel gesucht…

Dabei sieht die Ausgangslage für Cinsault nicht so gut aus: Alleine wegen der totalen Anbaufläche in Frankreich müsste Cinsault in aller Munde sein. Mit 20,800 ha in 2009 steht sie dort auf dem neunten Platz bei den Rotwein-Rebsorten. Hauptsächlich im Languedoc und der Provence findet sie den Weg in viele Cuvées, die meisten davon dann auch noch als Rosé… Ernsthafte Rotweine sind nicht so leicht zu finden. Darin ähnelt sie den deutschen Klassikern, Dornfelder und Portugieser….

Also ein Grund mehr ein paar Beispiele zusammenzusuchen und diese parallel über 5 Tage zu probieren. Alle Weine kosteten zwischen €7 und €15 und wurden bis auf den Montes selbst gekauft ( der Montes war ein Geschenk eines guten Freundes aus Chile. Danke nochmal hier an dieser Stelle, Christian!!!)

 

 

 

 

  1. Cuvée Saint Saux, Domaine du Clos de la Procure, Côtes de Provence 2010

Das Weingut gehört zum Bio-Weingut und Weinkellerei Dupéré-Barrera, bekannt für seine Weine von der Rhone und dem Bandol.

Alte Reben auf Schieferböden, manuelle Ernte. Entrappt. Ohne Zusatz von Hefe, Enzymen oder Säureregulatoren wird der Wein auch nie gepumpt. Gepresst in einer alten Holz-Presse kommt der Wein für 12-18 Monate in 2 Jahre alte Eichenfässer berühmter Bordeaux und Burgunder-Häuser.

Anfangs noch sehr verschlossen. Rote Frucht, etwas Himbeere und Kirsche, Hibiskus. Letztere auch im Nachgeschmack mit trockenen Tanninen.

  1. Stunde; Verschliesst sich noch mehr

5. Stunde: Hibiskus

24. Stunde: Etwas oxidierter roter Apfel und Hibiskus. Etwas weniger rustikal aber immer noch nicht sehr ausdrucksvoll.

48. Stunde: Blaubeere und ein Hauch von Sellerie.

72. Stunde: Frucht baut ab

96. Stunde: Roter Apfel und ein Hauch Mandel. Jetzt saftig. Macht hier am meisten Spaß.

120. Stunde: Frucht weg…

 

 

2. LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot, Vin de France, 2012

Ein berühmtes Weingut aus Vosne-Romanee hat sich im Minervois, Languedoc ein Weingut gekauft und produziert dort eigene Rotweine.

Die Cinsault-Reben sind 50 Jahre alt und werden manuell geerntet. Vinifiziert in Stahltanks.

Erster Eindruck: Gekochte Blaubeere, Kakao und Sahne. Sehr fruchtig. Leichte Tannine und Körper. Salz im Nachgeschmack.

  1. Stunde: Kräftiges Karamel, gekochte Mango, Kirsche und Ananas.

5. Stunde: Frucht wird stärker und dunkler mit tüchtig Sahne dabei. Karamel noch im Hintergrund.

24. Stunde: Karamel, Zimt, Butter, Pflaume. Leichte Süße und die Tannine sind jetzt schön weich.

48. Stunde: Gekochte rote Frucht, etwas Sahne, Amerikaner-Trauben, etwas Gummi. Elegant und weich.

72. Stunde: Nur leichte Veränderung: weniger Gummi.

96. Stunde: Nachgeschmack: Sahne und Frucht mit schöner Länge.

120. Stunde: Nase baut etwas ab ist aber noch als CinsO zu erkennen. Leichte Bitternote.

 

3. Gourmandise, Julien Peyras, Vin de France, 2012

Ein Vertreter der Naturwein-Bewegung (keine Zusätze im Wein, aber auch kein Wegnehmen vom Wein durch Filtration) aus dem Herault.

40 Jahre alte Reben, manuelle Ernte, Ausbau im Stahltank.

 

Erster Eindruck: Brombeere und gammelnde Ananas mit frischen Kräutern. Der Gammel bleibt aber im Hintergrund und rote gekochte Frucht kommt hinzu. Tannine sind leicht aber etwas kräftiger als beim CinsO.

  1. Stunde: Karamel, Kirsche mit der gammligen Ananas im Hintergrund.

5. Stunde: Würzige Rotfrucht

24. Stunde: Roter Apfel, Gummi, Hauch von Karamel, Pflaume. Leichte Süße, gute Säure und langer Apfel-Nachgeschmack.

48. Stunde: Granatapfel-Schale und eingekochter Saft. Etwas Kohl und ein langer würziger Abgang,

72. Stunde: Roter Apfel, Zimt, Koriander. Saftig, leicht zugänglich. Hier auf seinem Höhepunkt.

96. Stunde: Ähnlich wie am Tag davor verliert aber etwas am Gaumen.

120. Stunde: Säure und Tannine sind etwas betonter. Macht nicht mehr so viel Spaß.

 

 

 

 

 

4. 5SO Simple, Mas Coutelou, Vin de France, 2013

Auch dieser Wein von einem Vertreter der Naturwein-Szene aus dem Languedoc. Auch dieser umgeschwefelt, unfiltriert und mit 11.5% Vol das Fliegengewicht der Probe.

Erster Eindruck: Himbeersaft und Brett. Hauch von Pissoir und Hagebuttentee. Leicht, saftige Säure und leichte Tannine.

  1. Stunde: Malve und Pissoir dazu im Hintergrund mit roter Frucht und Thymian.

5. Stunde; Leicht Rotfruchtig, etwas Zimt. Mehr Zimt und Apfel, Kirsch im Nachgeschmack.

24. Stunde: Roter süßer Apfel, Zimt, Koriander. Pissoir nicht mehr zu spüren. Süffig mit leicht süßlichem Nachgeschmack.

48. Stunde: Mehr Frucht, Apfel und Hagebutten-Tee mit Zimt und Nelken.

72. Stunde: Fuji-Apfel, gekochte Pflaume, saftig.

96. Stunde: Baut ab. Säure mehr betont.

120. Stunde: Kaum Veränderung.

 

 

5. Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt, Chile, 2013

Einer der Pioniere der Naturwein-Szene in Chile, ursprünglich aus dem Burgund kommend.

70 Jahre alte Reben. Maceration Carbonique.

 

Erster Eindruck: Brombeer, Karamel, Kirsche und Sahne, Saftige Säure, mit spürbaren Tanninen.

  1. Stunde: Dunkler Butter-Karamel. Die Frucht versteckt sich ein wenig.

5. Stunde: Creme Brûlée!!

24. Stunde: Karamel & Sahne kommt und geht. Etwas roter süßer Apfel. Tannine schon merklich weicher. Bester Tag heute.

48. Stunde: Karamel baut ab, genauso wie Frucht.

72. Stunde: Etwas grober am Gaumen dafür mit Garrigue-Kräutern…

96. Stunde: Nase verschliesst sich. Am Gaumen wird es rauher.

120. Stunde: Noch mehr verschlossen.

 

 

6- Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, Secano Interior, 2014

Eins der großen Weingüter Chiles mit einem Cinsault dem ein Hauch Mourvedre hinzugefügt wurde.

Erster Eindruck: Künstlich aromatisiertes Himbeer und Kirsch-Bombon mit Sahne und Caramel. Süffig mit leichter Restsüße und kleiner Bitter-Note.

  1. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel etwas leichter.

5. Stunde: Künstliche Frucht, Karamel jetzt auch kräftiger am Gaumen.

24. Stunde: Etwas weniger künstlich, immer noch sehr fruchtig mit Karamel und Sahne.

48. Stunde: Wieder künstlicher, etwas billige Milchschokolade und Frucht. Kein Karamel, Immer noch süffig. Thymian und rote Frucht am Gaumen.

72. Stunde: Ähnlich wie 48.

96. Stunde: Frucht viel leichter, immer noch künstlich aber süffig. Leichte Bitternote kommt wieder.

120. Stunde: Unverändert

 

 

 

7- Saffraan Cinsault, Mount Abora Vineyards, Swartland, 2013

Johan Meyer ist der junge Winemaker aus Swartland der für diesen Cinsaut (alte Schreibweise in Südafrika) verantwortlich ist. Natürliche Hefen und Vinifizierung, 36 Jahre alte Rebstöcke und alte französische Barrique-Fässer charakterisieren diesen Wein. Zudem wurden die Reben früh gelesen um genug Säure und lebendige Frucht zu erhalten.

Erster Eindruck: Getrocknete Früchte: Feige, Kirschen. Dann frische Kirschen und rote Johannisbeeren. Aber auch eine kleine Spur Brett-Stinker. Saftig, leicht.

  1. Stunde: Leichter Karamel, angebranntes Gummi. Süßere Nase: Himbeer, Ananas, Karamel.

5. Stunde: Würzige Ananas, Brombeere, Karamel

24. Stunde: Roter Apfel, Ananas, gute Säure, klassischer vin de soif.

48. Stunde: Würzige überreife Ananas, gekochter Apfel, leichte Süße ohne Restzucker. Schmeckt jetzt mehr wie ein Vin Naturel.

72. Stunde: Hibiskus, Hagebutte, gekochte rote Frucht und Sahne.

96. Stunde: Nase leichter. Säure betonter.

120. Stunde: Kaum verändert mit leichtem Bitterton.

 

 

8- Seriously cool Cinsault, Waterkloof, Stellenbosch, 2013

Dieses Biodynamische Weingut aus Stellenbosch setzt auf manuelle Ernte, Sortierung, Spontanvergärung und kommt auch ohne Zusatz von Säureregulatoren aus. Vinifiziert wird in alten (2 oder 3. Jahr) 600 Liter Holzfässern.

Erster Eindruck: Himbeere und Klebstoff. Klebstoff wandelt sich zu Sahne und Karamel, beides wird kräftiger. Spürbare Tannine.

  1. Stunde: Heller Karamel mit Sahne, Klebstoff kommt zurück und Giersch. Etwas kräftiger am Gaumen.

5. Stunde: Verschlossen

24. Stunde: Roter Apfel, leichter Karamel, Sahne. Klebstoff weg.

48. Stunde: Nase leichter

72. Stunde: Malve, leichter Karamel, Sahne, rote Frucht. Tannine kräftiger als bei den anderen 7 Cinsaults

96. Stunde: Nase leichter. Frucht am Gaumen. Tannine kräftiger.

120. Stunde: Dulce-Schokolade. Tannine weiterhin dabei.

 

Meine persönlichen Favoriten direkt nach dem Öffnen:

Wein Nummer 5: Cuvée Mathilde Nature Cinsault, Louis-Antoine Luyt 2013 gefolgt von Wein Nummer 2:LA CinsO, Domaine Anne Gros & Jean Paul Tollot 2012

Nach 120 Stunden:

Wein Nummer 6: Old Roots Cinsault Outer Limits Serie Montes, 2014 gefolgt von Wein Nummer 8: Seriously cool Cinsault, Waterkloof, 2013

 

 

Karamel und rote Frucht scheinen Merkmal der Cinsault-Rebe zu sein. Keine schlechte Kombination. Insgesamt eher leicht und elegant, eine interessante Alternative zu Pinot Noir?

Wein Crowd Funding – Besuch bei meinem Winzer – Le Verdus, Aveyron

Welche Folgen das Liken auf einer Facebook-Seite über seltene Rebsorten haben kann durfte ich feststellen, als ich auf einen Crowd-Funding Aufruf eines jungen Winzer-Pärchens im Aveyron, Frankreich stieß. Philippe Rousseau und Aline Solignac wollten die Weintradition im kleinen Ort St-Cyprien-sur-Dourdou bei Marcillac wieder aufleben lassen mit der Gründung der Domaine Le Verdus.

Gesucht wurden €2500 für das Anlegen einer neuen Parzelle Reben von Chenin Blanc und einer mir unbekannten weißen Sorte Namens Roussellou. Für meine €100 sollte es 6 Flaschen Wein und eine Führung vor Ort geben. Das Projekt kam dann auch zum Glück zusammen, das erhoffte Ziel wurde sogar mit 151% übertroffen. Auslieferung der Weine war mit September angesagt, was das Winzerpaar aber nicht bedacht hatte, war dass einer ihrer Unterstützer seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Um die erhöhten Frachtkosten zu sparen und gleichzeitig die Weingut-Führung einzulösen stand ein Teil unserer alljährlichen Frankreich-Tour mit dem Wohnmobil fest: St-Cyprien-sur-Dourdou im Zentralmassiv.

Einen kleinen Abstecher gab es aber vorher noch ins Nachbardorf Conques, einem mittelalterlichem Städtchen, was offiziell mit zu den Schönsten Orten Frankreichs zählt.

Conques

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist es ganz schön hügelig hier.

Conques3Ohne viel Aufwand ließe sich hier ein Film in historischer Kulisse drehen.

Der Camping-Platz von St-Cyprien-sur-Dourdou liegt zwischen Sportplatz and Schwimmbad und war wahrscheinlich früher Teil des dem Sportplatz zugehörigen Parkplatzes. Die rudimentären Waschräume werden auch von den Sportlern mit verwendet. Aber für €14.40 für Camper, Strom und 2 Personen, schattige, nivellierte Parzellen mit eigenem Wasseranschluss kann man sich nicht beschweren. Bäckerei und Metzgerei bei Gemüse-Abteilung sind zu Fuß innerhalb von 5 Minuten zu erreichen.

St Cyprien sur Dourdou Camping PlatzLe Verdus liegt etwas ausserhalb von St-Cyprien auf einem Hügel. Dort trafen wir Philippe der uns das Weingut vorstellte.

Das Grundstück gehört der Familie seiner Partnerin, die vor der Phylloxera-Krise hier in großem Maße Weinbau betrieb dann aber nach Argentinien auswanderte um dann aber schlussendlich wieder in die Heimat zurückzukehren und den Hof umstrukturiert wieder aufzubauen. Nur vom Weinbau wurden die Finger gelassen, dafür Viehwirtschaft, Getreideanbau und Fischzucht betrieben. Aber ein Weinkeller war noch vorhanden, in einen Hügel gebaut um die Temperatur im Keller niedrig zu halten.

Verdus Cave

Das Gebäude steht schon seit ca. 300 Jahren, ist zweistöckig, wobei nur das untere Stockwerk im Hügel steht, das zweite Stockwerk hat von hinten einen direkten Zugang zum Weinberg. Hier steht dann auch die Presse.

Verdus Pressoir

Der gepresste Most kann dann direkt durch ein Loch im Boden ins Erdgeschoss geleitet werden. Verdus Cave

Und hier dann weiterverarbeitet und vergoren werden, ohne dass gepumpt werden muss. Die Barrique-Fässer sind gebraucht gekauft und wurden vorher schon 5 mal verwendet, geben also keinen Holzgeschmack mehr ab sondern ermöglichen ein sanftes Lagern. In diesem Raum befindet sich dann auch das Flaschenlager, alles in allem sehr kompakt und mit dem natürlichen Charme eines alten Steingemäuers.

Natürlich gab es auch eine Führung durch den neu angelegten Rebgarten.

Verdus La Vigne

 

Hier wurden zwei Chenin Blanc Klone angepflanzt, die nachweislich aus dem Aveyron stammen. Ausserdem durch Massale Selektion gewonnene Roussellou Reben, die mit Unterstützung von einem Spezialisten von verschiedenen alten Rebstöcken in der Umgebung gesammelt wurden.

Roussellou ist der der regionale Name für St Côme, eine Rebsorte die Philippe bei einem befreundeten Winzer kennengelernt hat, der einen Versuchsweinberg für alte Rebsorten der Region pflegt. Gemeinsam haben sie sich für diese Rebsorte entschieden, weil sie das meiste Potential zeigte.

Die Reben für den schlussendlich von mir erworbenen Wein, ein Rotwein aus 70 Jahre altem Fer Servadou (90%) und Jurançon Noir (10%)  stehen in einem Nachbarort, Salles-la-Source und sind gepachtet. Offiziell sind es Rebstöcke die im Weinbaugebiet Marcillac AOC gepflanzt sind, sein Jungfernwein aber ist offiziell „nur“ ein Vin de Pays de l’Aveyron. Als nächstes will Philippe einen Marcillac-konformen Weinberg anpflanzen, dafür muss er aber erstmal nachweisen, dass er schon einen Marcillac-Wein gekeltert hat. Deshalb wird der Jahrgang 2015 wahrscheinlich ein AOC Wein werden.

La Mitat

La Mitat heißt  im lokalen Dialekt : Die Hälfte, Halb, Semi.

Der Weinberg ist erst zur Hälfte besetzt, der Keller ist nur halb fertig, und der Wein wurde mit der Macération Semi-Carbonique Technik vergoren.

Nebenbei ist Mitat auch der Ausruf von traditionellen Tänzern im Aveyron, wenn die Musiker sich eine Pause gönnen wollen, bitte doch noch etwas weiter zu spielen. Ist doch erst Halbzeit..

 

Der Wein ist infiltriert und ungeschönt spontan vergoren, mit alleinigem Zusatzstoff : ein wenig Schwefel bei der Abfüllung.

In der Nase: Rote Bete, Veilchen, schwarze Johannisbeere, künstliche Himbeere.

Erfrischende Säure mit nur leichten Tanninen am Gaumen. Hier sind neben Cassis auch etwas Pfeffer und Gurke zu schmecken.

Alles in allem ein perfekter Sommer-Rotwein, auch lecker gekühlt zu geniessen. Beim Winzer kostet die Flasche €7.

Gut, da habe ich etwas mehr bezahlt, aber darum geht es ja nicht beim Crowd Funding.

Savoie Wein Battle Gringet Geschwefelt vs ungeschwefelt

Eine Rebsorte, die ich schon immer gesucht aber nie in Deutschland gefunden habe ist Gringet, eine fast ausgestorbene Rebsorte aus den französichen Alpen. Sie wurde als Mutation der Savagnin-Rebe gesehen, aber DNA-Tests haben dies ausschließen können. Gringet wird meines Wissens nach nur von der Domaine Belluard in Ayse als reiner Gringet ausgebaut.

Rebenversuchsanbau Domaine Méjane Gringet

Die Domaine Belluard betreibt Weinbau nach biodynamischen Prinzipien. 95% Gringet als Weißwein oder auch als Schaumwein, etwas Altesse und Mondeuse werden angebaut.

Als ich dann im Newsletter von Vins Vivants las, daß das Weingut endlich in Deutschland vertreten ist, musste ich unbedingt zuschlagen. Und habe dabei unteranderem diese beiden Weine erstanden: die Weine Les Alpes und Pur Jus 100% aus dem Jahrgang 2012. Dabei handelt es sich eigentlich um genau den selben Wein, nur dass der Pur Jus 100% ungeschwefelt abgefüllt wurde. Zum Teil in Beton-Eiern ausgebaut, nur mit den Terroir-eigenen Hefen und Bakterien.

Der Battle:

Les Alpes 2012:

Im Glas schönes Gelb. Interessante Nase: Apfel, Räucherspeck, frittierte Petersilie und gekochte weiße Bohnen.
Im Mund relativ voll mit lebhafter Säure, Apfelsaft, etwas Cidre mit einem leicht kreidigem Mundgefühl, als ob ein paar Tannine den Weg in den Wein gefunden haben. Nachgeschmack von Cidre und Zitrus.
Etwas später Blumen, Apfel und gekochte Bohnen.
Noch später: Joghurt, Wachs, Apfelschale, Honig und Mirabelle

Am nächsten Tag: Schweinefleisch und Apfel, Zitrus und Trockenblumen Abgang mit einem Hauch von Esskastanie.

Pur Jus 100% 2012:
Von der Farbe etwas dunkler als der Les Alpes.
Heu, Trockenblume, Cidre, Honig und Champignon, Schweinefleisch mit Bohnen, leichter Anflug von Brett mit Ziege. Joghurt und Honig Abgang.

Später: Apfel, Bouillon-Pulver, weiße Blumen, Pflaume
Noch später: Honig, Apfel, kräftige, fast künstliche Kirsche. Apfelig, kräutriger Abgang.

Am nächsten Tag: Minze, Lakritze, Apfel und Zitrus.

Fazit

Beides sind sehr interessante Weine, vor allem die eher ungewöhnlichen Noten von Schwein und Bohnen die in allen Weinen zu finden waren haben mich angenehm überrascht. Der Pur Jus 100% ist sehr sauber verarbeitet worden. Selbst nach einer Woche gab es noch keine Anzeichen von Essigbakterien, obwohl ich den Wein ohne Kork über meiner zugegebener Weise kaum benutzen Heizung stehen hatte. Auch war der Unterschied zwischen beiden Abfüllungen sehr groß mit einem leichten Vorsprung für den Pur Jus 100%, der sich auf Dauer als etwas komplexer erwies.

2010 Melonix, J. Landron, Loire

Es war einmal eine Rebsorte Namens Melon, die aus ihrer Heimat, dem Königreich Bhurrgund vertrieben wurde vom bösen Charr’Donnay, der von hier aus weiter sein Unwesen treiben und die ganze Welt erobern sollte. Aber das ist nicht die Geschichte, die heute erzählt werden soll. Ohne Heimat wanderte Melon lange herum, bis sie endlich einen Ort fand, an dem sie sich niederlassen konnte. Dieser lag an einem breiten Fluss, der bald ins große Meer enden würde. Hier konnte sie sich dann entgültig niederlassen, nachdem sie im Kampf gegen den großen Frost die Oberhand gewinnen konnte. Fast drei Jahrhunderte wurde sie hier geschätzt und Kunde von ihrer Größe erreichte auch die fremden Kontinente von A’hsia und Ahm’Erikka. Als Charr’Donnay von diesem hörte, schickte er viele Spione durch die Länder, die gezielt Geschichten unter die Leute brachten, in denen Melon als Schwächling diffamiert wurde. Voller Scham vesteckte sich Melon, bis sie eines Tages vom guten Magier Landron aufgespürt wurde. Dieser sprach ihr Mut zu und gab ihr einen magischen Umhang, mit dem sie nicht mehr als Melon erkannt werden konnte. Er nannte sie Melonix.

Das ist die Geschichte des heutigen Weins, Melonix von Jo Landron als Kitsch-Fantasy-Roman. Ein 20 Jahre alter Melon de Bourgogne Weinberg, biologischer Weinbau, keine zugesetzten Hefen, keine Schwefelung, keine Schönung oder Filtration. Also ein klassischer Fall von vin naturel. Und die Erklärung, warum der Wein nur als Vin de France verkauft werden darf, da er nicht als typischer Muscadet gezählt werden kann.

Gekauft auf der Messe der Unabhängigen Winzer in Lille vor fast 2 Jahren, lag die Flasche seitdem in meinem Weinkeller bei Temperaturen, die im Sommer auch über 20 Grad erreichen können. Dabei wird auf dem Rücketikett extra um Lagerung von unter 14 Grad gebeten.
Melonix RücketikettDeshalb habe ich die Flasche mit etwas Angst geöffnet, diese könnte die Lagerung nicht überstanden haben. Der Korken entpuppt sich als Nomacork-Kunststoff-Korken. Im Glas dann Entwarnung:

Vin naturel-typischer Apfelmost, Zimt, Haferkeks, leichter Honig. Keine flüchtige Säure, kein Stinker. Kräftige Säure kombiniert mit vollmundigem Körper. Apfel, Himbeere, Salbei, Lakritze im Mund. Vollrohrzucker und Pfeffer im Nachgeschmack bei leichter Bitternote. Mit Erwärmung verändern sich die Aromen noch etwas: Tarte Tatin, also Karamell, Butter mit Apfel. Danach Mango, Salbei, Butter, Honig. Mit der Zeit nimmt die Käuternote zu, zum Salbei gesellt sich Geißfuß und Oregano.

Definitiv kein typischer Muscadet, also nichts, was man zu einer Auswahl an Meeresfrüchten servieren sollte. Eher zu einer Poulet a la normande oder einfach Flasche auf und genießen.

2012 Klevener de Heiligenstein Nature, Domaine Rietsch

Die seltenste Rebsorte aus dem Elsaß wird wohl die Savagnin Rosé Rebe sein. Zugelassen ist sie nur in einem kleinen Gebiet von 42 ha um Heiligenstein, wo sie seit 1742 angebaut wird. Nur ihre aromatische Mutation, Gewürztraminer, ist im gesamten Elsaß zugelassen. Optisch sind beide nur schwierig zu unterscheiden. Was auch dazu führte, den oft im gemischten Satz angebauten Savagnin Rosé zu verbannen, da seine Weine nicht die gewünschte Aromatik aufweisen.
Ein wohl untypisches Beispiel ist der Klevener de Heiligenstein Nature der Domaine Rietsch. Untypisch deshalb, weil er komplett ohne Schwefel ausgebaut und 10 Monate auf den eigenen Hefen gelagert wurde. Und weil es sich um einen Vertreter von Orange Weinen handelt. Hierbei werden die Trauben nicht schnell gepresst, sondern mit den Schalen zusammen vergoren, was ein Mehr an Aromen, Tanninen und Farbe erbringt.

Das Weingut betreibt seit 2008/2009 biologischen Weinbau und ein Teil wird als Vin Naturel, d.h. ohne Zugabe von jeglichen Zusätzen wie Schwefel oder Hefen ausgebaut.

Im Glas zeigt sich zuerst die erwartete hell orange Farbe. Dann in der Nase Cidre mit leichtem Zimt und Birnensaft.
Der erste Schluck lässt saftige Birne, frische Sellerieknolle und Almwiesenheu schmecken, gefolgt von einem langen Bitterton. Der etwas unangenehme Cidre-Ton verfliegt, es bleiben dafür Zimt, Birne, Sellerie-Saat und Heu. Leichter Curry im Nachgeschmack. Später verschwindet die Birne und leichte Aprikose kommt hinzu. Am zweiten Tag ist das Heu stärker vertreten. Im Mund leicht oxidiert, Madeira und Rosinen.
Der Wein erinnert mich mit der kräftigen Heu-Note an die „Heugäuer“ Heu-Limonade aus dem Allgäu. Herb und frisch.

Erstanden habe ich den Wein übrigens bei Vins Vivants für €14.50.

pH: 2.98
Brix: 7.0
Alkohol: 13.5 Vol%

2007 Minimus Anima – Tormentas – Brasilien

Rechtzeitig vor der Fussball-WM gibt es heute nach dem Cabernet Franc auch einen Vin Naturel aus Brasilien. Bekommen habe ich ihn von einem guten Wein-Freund aus Brasilien, der ihn mir bei seinem letzten Aufenthalt in Barcelona nach Düsseldorf Anfang des Jahres geschickt hat. Die Rebesorten sind 35% extra reif geernteter Tannat, 35% Cabernet Sauvignon, 20% Alicante Bouschet und 10% Merlot. Die Trauben selbst sind nicht unbedingt ökologisch angebaut, dafür ist das Klima in Brasilien wahrscheinlich einfach zu schwierig, aber nach der Ernte wurde dem Most bis auf eine geringe Menge Schwefel, nichts hinzugefügt, keine Schöner, Hefen oder anderweitige Zusatzstoffe. Mein Freund hat den Wein 2008 erworben und in seiner Wohnung in Rio de Janeiro gelagert. Bei Temperaturen von über 30°C. Über 5 Jahre bei erhöhter Temperatur wird wohl auch seine Spuren hinterlassen haben.

Tag 1:
Der Korken sitzt extrem fest im Flaschenhals. Mit normalem Korkenzieher droht er eher durchzubrechen, deshalb schnell mit Federzungen-Zieher heraus gedreht. Ins Glas eingegossen, zeigt sich ein bräunlicher Farbstich. Die Nase ins Glas gesteckt kommt direkt der Geruch einer ganzen Ananas, die man im Obstkorb zu lange ignoriert hat und die sich deshalb dunkelbraun verfärbt hat, entgegen. Dazu leichte, flüchtige Säure, aber auch getrocknete Hibiskusblüte, reife Brombeere und Veilchen. Der erste Schluck verstärkt den Eindruck von flüchtiger Säure noch etwas, dieser bleibt aber nicht konstant. Eine süffige Säure verdeckt die vorhandene, nicht zu kräftige Tanninstruktur, die aber von hinten nochmal ankommt. Brombeerfruchtschnitte mit Kakao und leichte Minze im Nachgeschmack. Etwas später setzt sich der Cabernet mehr durch gegen Tannat und Cassis, würziger Rotwein-Jus, Tabak, Kirsche und Leder kommen hervor. Farbpigmentausfall nach ca. 1 Stunde.

Tag 2:
Der Braunstich hat die Wandlung zu einem Braunton vollzogen. Essig und der unangeheme Geruch von Ananas sind verflogen. Jetzt zeigt er sich als einfacher, süffiger Kirschsaft mit Tabak-Aroma.

Sehr Schade, dass der Wein keine bessere Lagerung mitmachen durfte. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie sich der Wein mit Abstrichen noch recht gut präsentieren konnte. Mein Dank geht an Jandir nach Rio.

pH: 3.48
Brix: 8.4
Alkohol: 13 Vol%

2012 Grauburgunder, Enderle & Moll – Schwefel-Battle : 25 mg/l vs 0 mg/l

Bei einem Vin Naturel Tasting in der Vincaillerie in Köln, bei dem auch der Spätburgunder Rosé von Enderle & Moll ausgeschenkt wurde, erwähnte die symphatische Besitzerin, Surk-Ki Schrade, daß sie sich von den beiden Winzern aus Münchweier/Baden einen Grauburgunder Schwefel-frei hat abfüllen lassen. Auf eigene Gefahr. Die normale Cuvée kommt bis zum Abfüllen ohne Schwefel aus. Erst dann werden 25 mg/l hinzugefügt, um den weiteren Transport sichern zu können. Ein direkter Vergleich, da konnte ich mich nicht zurückhalten und musste gleich meine kleine Einkaufsliste um beide Grauburgunder erweitern.

Über die jungen Winzer Sven Enderle und Florian Moll ist schon viel geschrieben worden. In deutschen Blogs wird oft auf deren Namen rumgeritten, er klinge wie der einer Anwaltskanzlei oder Werbeagentur. Mir kommt die Assoziation zu Endemol, dem großen Fernsehproduzent aus den Niederlanden, denen wir Fernsehjuwelen wie Traumhochzeit und Big Brother zu verdanken haben.

Inhaltlich kann ich aber besonders den englischen Blog-Eintrag auf Wine Terroirs von Bertrand Celce empfehlen, der bei Vin Naturel immer mit dabei zu sein scheint.

Da es sich bei dem Schwefel-freien Wein um eine Sonderabfüllung handelt, hat die Flasche kein extra Etikett, aber ich würde die Weine trotzdem unterscheiden können, meinte Surk-Ki, und ich musste ihr beim Einpacken der Flaschen recht geben. Ohne ist um einiges kräftiger an Farbe als mit.

Dann der Battle:

Mit Schwefel:

Leichter Rosa-Stich. Den Grauburgunder ein wenig länger auf der Maische stehen lassen als gewöhnlich würde diesen Farbton erklären.

Erste Nase zeigt leichte Hefe, etwas Pfirsisch. Die Hefe bleibt und wird von Birnenschale, dann leichter weißer Schokolade begleitet.

Im Mund wirkt er voll, mit süffiger Säure und leichtem Bitterton. Lakritze, Birne, lange Säure, Hefe bleibt im Hintergrund zu schmecken.

Später in der Nase dann Lakritze, Birne, Hauch von Thymian, immer wieder Hefe. Mit der Zeit wandelt sich Hefe zu Brot, kommt beim Schlucken aber wieder hervor.

pH: 3.12

Brix: 6.6

Alkohol: 12% Vol

Ohne Schwefel:

Kräftigeres Rosa.

In der Nase würziges Brot, leichte Birne. Dazu dann feiner Honig von der milden Sorte. Dann Hafer-Porridge mit Birnenkompott. Abate-Birne, getrocknete Ananas. Buttriger Haferkeks. Von Hefe keine Spur.

Die Säure wirkt etwas milder. Apfelige Aromen im Mund, der Bitterton verschiebt sich etwas nach hinten. Leichte Bier-Note mit Birne gefolgt von Honig im Nachgeschmack.

Später dann Hafer, Birne, leichte, frische Minze, etwas milder Honig.

Noch später (ca 30 Minuten nach Öffnen) verliert der Hafer, dafür kommt Apfelmus zur Birne hinzu. Im Mund lange Lakritze mit Apfel & Birne.

Drei Tage später kommt auch noch Pfirsich hinzu.

pH: 3.22

Brix: 6.7

Alkohol: 12% Vol

Resumée:

Es ist ein klarer Unterschied zwischen den beiden Weinen festzustellen.

Der ungeschwefelte Grauburgunder hat für meinen Geschmack in allen Punkten die Nase vorne, bin ich aber auch ein Liebhaber von gereiften Weinen. Denn diesen Eindruck habe ich von dem Wein. Perfekt gereift. Der leicht geschwefelte kann noch etwas die Hefe-Aromen abbauen, aber zeigt sich auch als Grauburgunder mit Charakter.

 

2011 Ne fais pas sans blanc – Vin de France – Sylvain Bock

Und wieder mal hat mich wärend des Urlaubs, jetz in Montpellier angekommen, ein Vin Naturel überrascht. Nicht das dass noch zur Gewohnheit wird…

Wir hatten am Tag vorher eine Reservierung für das „Le Ban des Gourmands“ am Place de Carnots getätigt, was relativ gute Bewertungen bei Tripadvisor bekommen hatte. Dann sollte es aber ab Mittag den ganzen Tag in Strömen regnen, so dass ich in Flip-Flops und meine Begleitung in Surfschuhen und Ballerinas im Gepäck das Haus verließen. Nicht ohne durch die tiefe Pfütze waaten zu müssen, die direkt vor dem Hauseingang war.

Der Empfang im Restaurant war sehr freundlich, das Menü auf verschiedenen Tafeln sehr kompliziert, die Tafel mit den Weinen dafür sehr übersichtlich, so 8 Flaschen von jeder Farbe. Das geschulte Auge erblickte sofort den Vin de France, meiner Erinnerung nach für 23€, die freundliche Besitzerin schaute nochmal in ihren Unterlagen nach, um mir dann zu sagen, dass es sich dabei um einen Wein aus Chardonnay und Grenache Blanc handelt, eine wenig gesehene Kombination. Die Flasche wurde bestellt und schon das Etikett deutete stark auf einen Vin Naturel hin, die Zeichnung, der Begriff „artisan vigneron“, auf der Rückseite der Hinweis auf Lagerung von unter 14°C, und dass nur sehr wenig geschwefelt wurde. Neben den 14° Grad, hat der Wein auch noch 14% Vol. Weiterhin stellte sich dabei heraus, dass Monsieur Bock aus dem Nachbardorf von Monsieur Doulmet ( siehe Lot 2011 Pendolina) kommt.

Im Glas irritierte zuerst ein leichter rosa Farbstich. Bei Grenache Gris hätte ich das noch nachvollziehen können, aber nicht beim Blanc.

Wie so oft schon bei Vin Naturels erlebt, erst mal eine leichte Essignote, die sich dann schnell verflüchtigte (Flüchtige Säure…). Danach aber direkt kräftig fruchtig, gekochter Apfel, Rosine und Himbeerkerne.

Im Mund wirkte er voll, mit ausgewogener Säure, gefühlte 5g Restzucker, den Alkoholgehalt von 14% Vol ließ er sich nicht anmerken.

Die Aromen von Apfeltarte mit Rosinen und Vanillecreme (die Begleitung bestand auf Apfelstrudel mit Vanilleeis, aber wir waren ja in Frankreich) verblüfften, erwartete die Zunge jetzt noch die Süße. Alles in allem ein beeindruckender Wein, passte gut zu meinem Fisch, noch besser wohl zu einem leckeren Huhn, aber nicht zu Apfelstrudel mit Vanilleeis, da der Wein ja leider trocken ist. Zum Käse war er ausgezeichnet!

Ach ja, das Essen war gut, vielleicht etwas teuer und etwas Abwechslung bei den Beilagen wäre auch nicht schlecht gewesen, aber es stand ja auch nur ein Koch mit einer Küchenhilfe in der kleinen Küche. Bei den Desserts unbedingt die Variation bestellen, da ist von allem was dabei und man muss sich nicht ärgern, wenn man einen Gâteau Chocolat bestellt und dann 5 kleine Küchlein ohne Soße oder Deko auf einem Teller bekommt.

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Ich bitte die Qualität der Fotos zu entschuldigen, aber meine Smartphone-Kamera kommt im Dunklen ohne Blitz nicht so gut zurecht.

Lot 2011 Pendolina- Alba Ardecha – Thierry Doulmet

Auf meiner letzen Frankreichurlaubsreise Anfang September vom Elsaß über die Ardeche, Montpellier, die Cotes d’Azur nach Savoyen auf der Suche nach außergewöhnlichen Weinen bin ich zufällig durch St-Peray an der Rhône gefahren. Eigentlich, um dem Stau auf der Route de Soleil auszuweichen. Dass da dann gleich die Confrérie de Saint-Peray eine Weinmesse veranstaltete, konnte ich beim besten Willen nicht erahnen, musste dann aber auch schnell einen kurzen Stop einlegen.

Einer der Winzer, die mir dort aufgefallen sind, ist Thierry Doulmet, der auf einem Banner hinter seinem Stand Weine aus der Ardeche und Coteaux du Tricastin anpries. Zum einen war ich auf dem Weg in die Ardeche, um dort Weine der autochtonen Chatus-Rebe zu kaufen und zum anderen wurde Coteaux du Tricastin mit dem Jahrgang 2010 in Grignan les Adhémar umbenannt. Dass da das AKW Tricastin mit dem Namenswechsel etwas zu tun hat, ist wahrscheinlich, schließlich gab es 2008 dort einen Vorfall mit ausgetretener Radioaktivität.

Das Dorf Alba la Romaine, in dem Doulmet sein Weingut hat, liegt auf der anderen Seite (bei uns im Rheinland sagt man Schäl Sick dazu) der Rhône, und gehört hiermit zur Ardeche.

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem frischen Weißwein, immerhin hatten wir 27°C und so probierte ich erstmal seinen ersten Weißwein, der sich mit leicht oxidativer Nase dann als ungeschwefelter Vin Naturel entpuppte.

Ich probierte drei Weiße, alle mit einer asiatischen Note. Der erste schmeckte nach Sojasauce, der zweite nach Miso-Paste, der dritte nach Jasmin-Reis. Durchaus interessant zum Essen, aber nichts für eine Fahrt im Auto durch das sonnige Frankreich ohne ausreichende Kühlung. Aber eine Flasche Rotwein zum Trinken am Abend auf dem Campingplatz in Coux bei Privas musste mit. Er habe einen schönen Pinot Noir da und schon war die Flasche (um 9€) gekauft.

Nach Aufbau des Zeltes und einem kleinen Spaziergang durch das kleine aber reizende Coux kam dann die Stunde der Wahrheit. Auf dem Rückenetikett die Lot Nummer 2011, Vin de France, keine Erwähnung von Pinot Noir. Dafür aber 13.5% Vol.

Im Glas zeigte sich eine Pinot Noir untypische, dunkle Farbe.

Erste Nase ein leichter Essigton der aber schnell verfliegt. Danach Pilz, leichte Sojasauce und Nori-Alge, alles eher oxidative Noten. Doch dann kommt die Frucht hervor, zuerst Pflaume, dann leichte Kirsche.

Im Mund dezente Süße, voll, auch hier untypisch, kräftige Tannine von ausgewogener Säure begleitet. Leichter Bitterton, Pflaumenschale.

Im Laufe des Abends wurde die Frucht intensiver, zuerst Pflaumenmus, danach würzige, sehr reife Kirsche inklusive dem Kern. Und dann war die Flasche auch schon leer. Hatte eh keine Entenbrust da, zu der dieser auch gut gepasst hätte.

Da dies eine Urlaubsreise war, gibt es keinen pH-Wert und auch keinen Brix-Grad.

Nur die schon oben erwähnten 13.5% Vol.

2012 Mille-Neuf-Cent-Un, Le Clos des Grillons, Côtes du Rhône

Neben dem Abouriou von Domaine Lassolle war der Mille-Neuf-Cent-Un (1901) vom Clos des Grillons ein weiterer Fund auf der Weinmesse in Olne, Belgien.
Der Winzer, Nicolas Renaud, ein Quereinsteiger, hat sich in Rochefort du Gard ein kleines Weingut aufgebaut, das er nach den Regeln der Biodynamik bewirtschaftet. Auch Schwefel scheint ein Fremdwort zu sein.
Die Cuvée Mille-Neuf-Cent-Un, benannt nach dem Jahr in dem die Reben gepflanzt wurden ist ein fast reiner Bourboulenc, zu 50% im Eichenfass ausgebaut. Die Reben stehen auf einem Hang mit Nordneigung, was in der Hitze bestimmt nicht schlecht ist. Ein Bericht auf englisch von Bertrand Celce über das Weingut war auch sehr interessant.

Im Glas geschälte Birne gefolgt von Eiche. Dann Süßholz mit leichter Biernote (Schwefelfrei; Bier habe ich bei einigen Weißweinen ohne Schwefel herausgeschmeckt). Dann leichter Dill, etwas gekochte Zwiebel, Senf, wobei die Birne die ganze Zeit präsent bleibt. Etwas später dann wandelt sich die Birne in einen leckeren, aromatischen Apfel (Gravensteiner), zuerst roh, dann gekocht mit einem Hauch Jasmin.

Im Mund voll, leichte Säure aber eine salzige Mineralität, die eine kräftigere Säure vorgaukelt. Zuerst Birne dann Eiche, zu der sich ein gekochter Apfel hinzugesellt.

Zu einem Hühnerfrikassée oder einem reifen Camembert, gerne aber auf dem Balkon, gut gekühlt mit netter Begleitung, dass sich der Wein langsam erwärmen und sein volles Potential zeigen kann.

pH: 2.75
Brix: 6.4
Alkohol: 13.5% Vol